mini|Wappen von Edmund Crouchback, Earl of Lancaster und seiner Nachfolger Thomas of Lancaster, 2. Earl of Lancaster (* um 1278; † 22. März 1322 bei Pontefract Castle) war ein englischer Magnat und Rebell. Als oppositioneller Magnat während der Herrschaft seines Cousins König Eduard II. spielte er während dessen Herrschaft eine bedeutende Rolle. Seine Politik scheiterte jedoch schließlich und endete in einer erfolglosen Rebellion gegen den König.
Herkunft Thomas of Lancaster entstammte einer Nebenlinie des englischen Königshauses Plantagenet. Er war der älteste Sohn von Edmund Crouchback, 1. Earl of Lancaster und Blanche d’Artois. Sein Vater war der zweitälteste überlebende Sohn von König Heinrich III., seine Mutter war die Witwe von König Heinrich I. von Navarra und die Tochter von Robert I. von Artois. Thomas war damit väterlicherseits ein Enkel des englischen Königs Heinrich III., Neffe von König Eduard I. und Cousin von König Eduard II., mütterlicherseits war er ein Urenkel von König Ludwig VIII. von Frankreich und Großneffe von König Ludwig IX.
Leben Frühe Karriere Als ranghohes Mitglied der königlichen Familie war Lancaster ein rascher Aufstieg beschieden. 1290 sollte er mit Beatrice, einer Tochter von Hugo, einem jüngeren Sohn von Herzog Hugo IV. von Burgund verlobt werden, die Verbindung platzte jedoch. Im Herbst 1294 heiratete er Alice de Lacy, eine Tochter von Henry de Lacy, 3. Earl of Lincoln. Nach dem Tod seines Vaters 1296 erbte Lancaster dessen umfangreiche Besitzungen. Sein Onkel König Eduard I. bedachte ihn dazu mit zahlreichen Geschenken, im Gegenzug diente er ihm in den Kämpfen des Ersten Schottischen Unabhängigkeitskriegs. Lancaster geleitete im August 1296 den abgesetzten schottischen König John Balliol nach London.Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 104. Er nahm 1297 am erneuten Feldzug nach Schottland und 1298 an der Schlacht von Falkirk teil. Während des Feldzugs wurde er zum Ritter geschlagen. 1300 nahm er an der Belagerung von Caerlaverock Castle teil und von 1304 bis 1305 begleitete er den König beim Feldzug nach Perth, ebenso nahm er an Feldzügen von 1306 und 1307 teil. Lancaster genoss die Gunst des alten Königs, war jedoch auch mit dem Thronfolger gut befreundet. Als die Brüder seiner Frau ohne Nachkommen noch vor ihrem Vater starben, wurde seine Frau Erbin ihres Vaters. Lancasters Cousin König Eduard II. brachte Henry de Lacy dazu, potentielle Miterben seiner Tochter, die Ansprüche auf die Earldoms Lincoln und Salisbury hatten, zugunsten seines Schwiegersohns zu enterben, dazu ernannte er Lancaster zum Earl of Derby. Dessen letzter Earl, Robert de Ferrers, war als Rebell nach dem Zweiten Krieg der Barone enteignet worden und Lancaster konnte den Titel erfolgreich gegen die Ansprüche von John de Ferrers, dem Erben des letzten Earls, verteidigen. Lancaster führte nun als Erbe seines Vaters die Titel Earl of Lancaster, Earl of Leicester sowie den Titel Earl of Derby. Die von seinem Vater ererbten Ländereien lagen vor allem in Lancashire, Leicestershire und um Kenilworth Castle in Warwickshire, dazu um Tutbury Castle in Staffordshire sowie in Derbyshire, hinzu kam Dunstanburgh Castle in Northumberland. Nach dem Tod seines Schwiegervaters 1311 wurde er auch Earl of Lincoln und Earl of Salisbury und erbte weitere Besitzungen in Yorkshire, Lancashire, Lincolnshire und Denbighshire. Unter den Besitzungen in Yorkshire war auch Pontefract Castle, das Lancasters Lieblingsresidenz wurde. Im Gegensatz zu den anderen Magnaten besaß Lancaster damit ein recht kompaktes Territorium, das sich im südlichen Lancashire, im südlichen Yorkshire und in den nördlichen Midlands über fast die ganze Breite Englands erstreckte. Aus diesen Besitzungen hatte er jährliche Einkünfte von etwa £ 11.000, von denen etwa £ 6500 aus dem Lacy-Erbe kamen. Damit war Lancaster der reichste der englischen Magnaten und konnte sich ein großes militärisches Gefolge leisten. Für seinen wichtigsten Gefolgsmann Robert de Holand übernahm er einen Großteil der Baukosten von Melbourne Castle. Dazu ließ er Dunstanburgh Castle errichten und nahm auch in seinen Burgen Tutbury, Pontefract und Kenilworth Castle größere Umbauten und Erweiterungen vor.John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307–1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 27 Diese Baumaßnahmen und die Kosten für sein großes Gefolge führten dazu, dass seine Ausgaben offenbar zumindest zeitweise seine Einkünfte überstiegen und er sich deshalb mehrmals große Summen Geld leihen musste.John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307–1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 37
Beginn des Konflikts zwischen Lancaster und König Eduard II. Auch nach der Thronbesteigung seines königlichen Cousins im Juli 1307 behielt Lancaster zunächst weiter seine gute Beziehung zu Eduard II. bei. Bei der Krönung am 25. Februar 1308 war er Träger der Curtana, des Schwertes Eduard des Bekenners. Er erhielt weiter Gunstbeweise wie das erbliche Amt des Stewards of England, das ihm der König im Sommer 1308 verlieh. In dieser Zeit hatte sich jedoch wegen der Misswirtschaft und der Verschwendung des Königs sowie wegen des Verhaltens des königlichen Favoriten Piers Gaveston rasch eine Adelsopposition gebildet, deren Führer Lancasters Schwiegervater, der Earl of Lincoln wurde. Im April 1308 kam es zur offenen Konfrontation zwischen dem König und der Adelsopposition, als diese die Verbannung von Gaveston forderte und auch durchsetzte. Lancaster hatte dabei noch zu den wenigen Unterstützern Gavestons gehört, doch danach zog er sich vom König zurück. Es kam zwar nicht zum offenen Bruch zwischen den beiden, aber ab November 1308 wurde er nicht mehr als Zeuge in königlichen Urkunden genannt, er erhielt weniger königliche Geschenke und zog sich vermutlich auf seine Besitzungen in Nordengland zurück.
Aufstieg zum Führer der Adelsopposition Im März oder April 1309 nahm er mit einem großen Gefolge an einem Turnier in Dunstable teil. Dabei traf er zahlreiche andere Barone, die die Ungerechtigkeit und andere Fehler des Königs bemängelten und eine Reform der Regierung forderten. Die Barone trugen ihre Beschwerden im April 1309 dem Parlament vor, worauf der König beim nächsten Parlament im Juli 1309 in Stamford Reformen zusagte. Damit erkaufte er sich die Zustimmung der Barone, damit Gaveston aus seinem Exil zurückkehren konnte. Lancaster lehnte dagegen Gavestons Rückkehr weiter ab. Um diese Zeit wurde er anstelle seines alten Schwiegervaters der Führer der Gegner des Königs, und unter seiner Führung schlossen sich die Gegner Gavestons, die Anhänger der Reformpartei und die von der Erfolglosigkeit des Königs im Kampf gegen die Schotten Enttäuschten weiter zusammen. Beim Parlament im Februar 1310 präsentierte er dem König eine Liste von Beschwerden, und im März musste der König angesichts der Geschlossenheit der Barone der Ernennung von Lords Ordainer zustimmen, die eine Reform der Regierung durchführen sollten.
Machtkampf mit dem König und Tod Gavestons Die 21 Lords Ordainer veröffentlichen im August 1311 die Ordinances, die die Regierung erneuern sollten, und im November folgte eine Ergänzung für den königlichen Haushalt. Der König musste die Anerkennung der Ordinances beeiden, doch danach hielt er sich zusammen mit Gaveston hauptsächlich in Nordengland auf und ging den Lords Ordainer, die die Regierung übernommen hatten, aus dem Weg. Lancaster war nach dem Tod seines Schwiegervaters im Februar 1311 der mit Abstand reichste Adlige Englands geworden,Michael Altschul: A baronial family in medieval England. The Clares. The Johns Hopkins Press, Baltimore 1965, S. 77 womit er gegenüber den anderen Adligen eine dominierende Position besaß und unangefochten die Regierung führen konnte. Er versuchte dabei, eine gute Herrschaft zu führen, vor allem wollte er die königlichen Finanzen stärken, gleichzeitig aber auch das Volk von hohen Steuern entlasten. Die Ordainer machten jedoch auch Gaveston für die Misswirtschaft des Königs verantwortlich und verlangten ein erneutes, diesmal endgültiges Exil des königlichen Günstlings. Im Oktober 1311 musste Gaveston erneut ins Exil gehen, doch bereits im Januar 1312 war er ohne Erlaubnis zurückgekehrt und traf sich mit dem König in York. Daraufhin wurde Gaveston gemäß der Ordinances von Erzbischof Robert Winchelsey von Canterbury exkommuniziert, und Lancaster verlangte vom König die unverzügliche Verbannung Gavestons. Als dieser erwartungsgemäß ablehnte, führte Lancaster die Jagd der Magnaten nach Gaveston, der sich vom König getrennt hatte. Anfang Mai wurde Gaveston in Scarborough Castle ergriffen, doch der Earl of Pembroke, ein gemäßigter Ordainer, erlegte Gaveston und dem König nur milde Bedingungen auf. Pembroke geleitete Gaveston nach Süden, um ihn vor den König zu bringen, doch dabei wurde Gaveston vom Earl of Warwick, Lancasters engsten Verbündeten, ergriffen. Warwick brachte ihn nach Warwick Castle, wo Gaveston von Lancaster, Warwick und anderen Magnaten in einem Tribunal unter Berufung auf die Ordinances zum Tode verurteilt und kurz darauf am 19. Juni 1312 hingerichtet wurde.Michael Prestwich: Plantagenet England. 1225–1360. Oxford University Press, Oxford 2007. ISBN 0-19-822844-9, S. 189 mini|Bohun, Lancaster und Arundel betrachten den abgeschlagenen Kopf von Gaveston. Historisierende Darstellung von 1864
Auseinanderbrechen der Adelsopposition von 1312 bis 1314 Gavestons Hinrichtung, die eher eine Ermordung war, machte den König zum unversöhnlichen Gegner Lancasters, und zwischen den beiden Lagern drohte ein offener Bürgerkrieg. Die eigenmächtige Hinrichtung Gavestons hatte jedoch auch das Lager der Barone gespalten. Der Earl of Pembroke, der für Gavestons Sicherheit gebürgt hatte, sowie der Earl of Warenne unterstützten fortan wieder den König. Im September begannen Verhandlungen zwischen den Ordainer und dem König. Lancaster hatte Gaveston Juwelen und kostbaren Schmuck abgenommen, den er als Beweis ansah, dass Gaveston sich gegenüber dem König bereichert hätte. Gaveston war jedoch auch offiziell der Kämmerer des Königs und hatte deshalb die Juwelen und den Schmuck verwahrt. Lancasters Stellung wurde durch den Tod von Erzbischof Winchelsey, der bislang die Ordainer gestützt hatte, im Mai 1313 weiter geschwächt. Die Ordainer forderten eine Amnestie, die Anerkennung der Ordinances und die postume Verurteilung von Gaveston, während der König die Rückgabe der Juwelen sowie militärische Unterstützung im Kampf gegen die Schotten verlangte. Im Februar 1313 hatte der König bereits die Juwelen zurückerhalten. Im Oktober vergab er offiziell den Baronen, die Gaveston hingerichtet hatten, doch die erneute Anerkennung der Ordinances blieb aus. Lancaster hatte sich aus den direkten Verhandlungen zurückgezogen und ließ nur über Mittelsmänner verhandeln. Letztlich konnte er die erneute Anerkennung der Ordinances durch den König nicht durchsetzen, denn vorrangig strebte der König nun eine Lösung des schottischen Krieges an. Er erkannte, dass er die Schotten im Kampf um das belagerte Stirling Castle zu einer entscheidenden Schlacht stellen konnte, und forderte im Dezember 1313 seine Magnaten auf, an dem Feldzug teilzunehmen. Lancaster, Warwick, Arundel und Warenne verweigerten jedoch ihre Teilnahme. Lancaster begründete sein Fernbleiben vom Feldzug damit, dass das Parlament dem Aufruf zum Feldzug nicht zugestimmt hätte, wie es die Ordinances vorschrieben. Pembroke, Gloucester und Hereford, die ebenfalls zu den Lords Ordainer gehört hatten, nahmen dagegen an dem Feldzug teil und verdeutlichten damit die Spaltung des Lagers der Magnaten. Durch sein Fernbleiben wurde Lancaster jedoch nicht in die katastrophale Niederlage verwickelt, die das englische Heer im Juni 1314 durch die zahlenmäßig weit unterlegenen Schotten in der Schlacht von Bannockburn erlitt.