mini|Logo 300 Jahre Schloss Lauterbach mini|Schloss Lauterbach 2006 mini|Schloss Lauterbach 2018 mini|Schloss Lauterbach 2019
Das Schloss Lauterbach mit Park befindet sich im Ortsteil Lauterbach der Großgemeinde Ebersbach im sächsischen Landkreis Meißen, 9 km südöstlich von Großenhain.
Geschichte In slawischer Zeit befand sich in Lauterbach eine Wasserburg., abgerufen am 14. Juni 2017 Der Ort Lauterbach wurde im Jahr 1350 urkundlich als Herrensitz genannt.Lauterbach im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen, abgerufen am 14. Juni 2017 Der meißnische Markgraf Friedrich der Strenge belehnte einen Thimo de Grunrode, mit dem Ort Lauterbach, von dem es heißt, „Luterbach, ein forwerg in der Mark Meissen am Bindebach gelegen.“Archiv des Fördervereins Lauterbach Ab dem Jahr 1436 wird ein Vorwerk und seit dem Jahr 1551 ein Rittergut in den Akten aufgeführt. Im Jahr 1696 gehörte Lauterbach zum Amt Großenhain, die Grundherrschaft lag beim Rittergut Lauterbach. In der Zeit von 1408 bis 1660 wurde das Vorwerk von den jeweiligen Besitzern zu einem beachtlichen Rittergut ausgebaut. Während dieser Zeit existierten in der Region des Amtes Großenhain neben Amtsgütern vornehmlich Rittergüter. Die wirtschaftliche Stellung dieser Güter konnte durch die Einbeziehung vieler im Dreißigjährigen Krieg zerstörter Bauernhöfe gestärkt werden. Das betraf auch das Rittergut Lauterbach. Dem Gut waren die Orte Lauterbach, Beiersdorf, Ermendorf, Marschau und Großdobritz zugeordnet. Der Bestand an Einwohnern in diesen Orten wurde zu dieser Zeit mit 68 gezählten Haushaltsvorständen angegeben und die Größe des Grundbesitzes mit 13 Hufe (ca. 260 Hektar) beziffert.
Schlossbau mini|Schloss Lauterbach, vor 1865 mini|Roland Schwenke: Schloss Lauterbach, um 1900
In der Zeit von 1704 bis 1706 begann Hans Gustav von Kirchbach mit der Errichtung eines Herrenhauses. Der Baufortschritt verzögerte sich durch den Großen Nordischen Krieg nun immer mehr und kam schließlich gänzlich zum Erliegen. Erst im Jahr 1708 vollendete Hans George von Zehmen den Bau des Herrenhauses, ein rechteckiges, zweigeschossiges schlichtes Gebäude von neun Fensterachsen und einem Mansardendach im Stil des Rokoko. Durch Leopold Carl von Palm bekam das Herrenhaus in der Mitte des 18. Jahrhunderts seinen Schlosscharakter mit dem turmartigen Dachreiter. Am Ende des Wirtschaftshofes stand nun ein rechteckiger Bau in den Maßen von 41,00 mal 27,5 sächsischen Ellen (circa 23 mal 15,50 Meter), die Giebelseiten hatten jeweils 5 Fensterachsen. Das Mauerwerk des Gebäudes bestand vornehmlich aus Bruchstein, das Dach ruhte auf einer stabilen Holzkonstruktion und war mit Biberschwänzen, einschließlich des Dachreiters, gedeckt. Die geputzte Fassade schmückten Putzspiegel über den Fenstern. Lediglich das mittlere Fenster wurde mit einem Korbbogen überdeckend verziert.Cornelius Gurlitt (Bearb.): Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Heft 37 Amtshauptmannschaft Großenhain (Land). Verlag Meinhold und Söhne, Dresden 1914 Dachmittig befand sich ein verkröpfter Segmentbogen mit Rundfenster und ein über dem Gesims gestalteter hoher geschweifter Dachreiter. Im Dachgeschoss waren längsseits jeweils vier stehende Dachgaupen und darüber zwei liegende Gaupen symmetrisch angeordnet. An den Giebelseiten befanden sich jeweils zwei stehende Gaupen. Vier Schornsteine ragten über den 15,50 Meter hohen First hinaus. Das Innere war schlicht gehalten, die Decken zierten einfache Stuckelemente. Wertvolle Gemälde und Bildtapeten in Öl auf Flachs schmückten den Gartensaal und weitere Räumlichkeiten. Das in südlicher Richtung befindliche Schloss bildet den Abschluss des mit mehreren Gebäuden umfassenden Wirtschaftshofes. Links und rechts vom Schloss befinden sich die Kavaliershäuser, welche von Angestellten des Ritterguts bewohnt wurden. Parkseitig führt die im Jahr 2007 erneuerte Freitreppe aus Sandstein vom Gartensaal in den später angelegten Park. Bis zum Ende des II. Weltkrieges stand auf dem Vorplatz (Parkentree) noch die Statue des betenden Knaben, welcher in den Nachkriegswirren verschwand. Der Haupteingang des Schlosses befindet sich nördlich und ist über den Wirtschaftshof des Rittergutes zu erreichen. Über eine geschwungene gepflasterte Auffahrt gelangt man zur schweren zweiflügligen Eingangstür aus Eichenholz. Darüber ist das Familienwappen Derer von Palm mit seiner auf einem dreiteiligen Hügel befindlichen auffälligen Palme in der Mitte angebracht. Ein Spruchband über dem Haupteingang kündet: In Adversis Virtus, sinngemäß: Auch im Unglück Mannhaftigkeit bewahren.
Am parkseitigen Ziergiebel am Dach ist ein eingefasstes Familienwappen, überdeckt mit einer Krone. An der Westseite der Auffahrt schließt sich ein Anbau, der Glasgang, an. Er bildet einen Durchgang vom Schloss zum Kavalierhaus, in dem sich auch die Schlossküche befand.
Schlosspark mini|links|hochkant|Im Schlosspark, 2017 mini|Am Schlossteich mini|Mauernische eines ehemaligen Laubenganges mit Schlossbild
Im Jahr 1770 wird das umgebende Äußere mit dem Schlossteich im Stil des barocken Zeitalters hergerichtet, später im 19. Jahrhundert jedoch zu einem englischen Landschaftsgarten umgearbeitet. Besonders die Sichtachse über den Schlossteich in Richtung Moritzburg ist bemerkenswert. Die nun neue natürliche Unregelmäßigkeit des 0,75 Hektar großen Schlossteiches entspricht dem englischen Landschaftsgartenstil. Im Teich befindet sich eine auf ein Mauerwerk gesetzte und mit Bäumen bewachsene Insel. Auf der östlichen Seite ist ein Ablauf zum Hopfenbach (früher Bindebach), während der Dorschgraben aus Richtung Marschau den Teich mit Wasser versorgt. Ursprünglich gehörten auch die beiden Stillgewässer Marschauer Teich und der Straßenteich gegenüber dem Schlossteich im sogenannten Eichbusch dazu. Neben einheimischen Baumarten, wie den imposanten Eichen vor dem Schlossgebäude, einer alten Rotbuche gegenüber dem Schloss sowie Silberlinden, Pappeln, Schwarzerlen, Hainbuchen und anderen findet man im 4,5 Hektar großen Schlosspark auch exotische Gewächse, wie zum Beispiel Platanen, eine Esskastanie und mehrere Weymouthskiefern. In westlicher Richtung an der Naundorfer Straße ist auf einem Podest am Teich eine kleine Sandsteinmauer und ein runder Steintisch. Die Tischplatte besteht aus einem alten Mühlstein. Auf dieser Straßenseite befindet sich wenige Meter weiter eine Mauernische. Es handelt sich vermutlich um den westlichen Endpunkt eines barocken Laubenganges, welcher symmetrisch mit dem Schlossteich den Abschluss bildete. Das Waldstück Eichbusch in westlicher Richtung war bis 1945 Teil des Schlossparkes. Noch im 20. Jahrhundert gab es einen Brunnen für die Trinkwasserversorgung des Rittergutes und des Schlosses. Das Wasser wurde in hölzernen Leitungen zu den einzelnen Abnahmestellen geführt. An der Naunhofer Straße befand sich ein reizvoll gestaltetes Gartenhaus mit ovalen Fenstern und einer glockenförmigen Dachgestaltung mit einer Vase als krönenden Abschluss. Eine Freitreppe führte zur oberen Etage mit gitterartiger Holzverkleidung dekorativ geschmückter Fassade.
Umbauten mini|links|Schlossansicht um 1933, ohne Dachreiter mini|Gartensaal einst mini|Gartensaal, 2016
Mit dem Aufbau eines weiteren Geschosses im Jahr 1865 wurde das Gebäude wesentlich verändert. Das Mauerwerk der neuen Etage besteht aus gebrannten Ziegeln. Das Dach wurde flacher gestaltet, wobei der First sowie der Dachreiter mit 23,50 Meter ihre ursprüngliche Höhe behalten. Das Schiefer gedeckte Dach hat dachmittig einen blechverkleideten Dachreiter mit einem Turmuhrwerk.Schloss Lauterbach auf historisches-sachsen.net, abgerufen am 14. Juni 2017 Die geputzte Fassade wurde mit entsprechenden plastischen Schmuckelementen im Rokokostil verziert, ein Quaderputz zierte den Bereich des Erdgeschoßes. Über den Eingang zum Park wurde ein Balkon angebracht. Dahinter befand sich der geräumige Balkonsaal. Das Dachgeschoss erhielt statt der Gaupen einfache liegende Dachfenster. Von den ursprünglich vier Schornsteinen verbleiben nach den Umbauarbeiten noch zwei im Dachbereich zusammen gezogene Schornsteine. Zwei Kavalierhäuser entstehen rechts und links neben dem Schloss und rahmen die Ansicht des Schlosses vom Wirtschaftshof ein. Gleichzeitig mit dem Umbau und der Modernisierung des Schlosses wurde der Wirtschaftshof erneuert, modernisiert und vergrößert. In den Jahren 1929 bis 1933 erfolgten durch einen Besitzerwechsel wiederum Modernisierungsarbeiten, Einbau einer Dampfheizung und eine Warmwasserbereitungsanlage. Ebenfalls wurde wiederum der Wirtschaftshof modernisiert und erweitert. Im Jahr 1931 musste der Dachreiter wegen Baufälligkeit aus Sicherheitsgründen abgenommen werden.
Nach 1946 wurden weitere Umbaumaßnahmen durch den landwirtschaftlichen Betrieb Naunhof für ihre Nutzung durchgeführt. Weitere Umbauten erfolgten für die Nutzung des Schlosses als Ferienheim beziehungsweise als Lehrlingswohnheim. In den Jahren von 1963 bis 1982 wurde das Gebäude als Polytechnische Oberschule (POS) Lauterbach hergerichtet und genutzt. 1976 entstand unmittelbar östlich neben dem Schloss eine Turnhalle mit 250 m² Nutzfläche. 1983 wurde am Südende des Parks eine neue Schule errichtet, inzwischen im Jahr 2010 abgerissen. Die Versorgung der Schule erfolgte weiterhin vom Schloss aus, welches nun keine weitere Nutzung hatte und leer stand. Mit dem Ende des Schulbetriebes im Jahr 1992 begann die Verwahrlosung und der Verfall des Schlosses. Im Jahr 1996 wurde das ehemalige Rittergut aufgeteilt und privatisiert. Das Schloss verbleibt im Eigentum der Gemeinde Ebersbach.
Besitzer bis 1945 mini|Wappen über dem Haupteingang vom Rittergut
In der Zeit um 1350 war ein Thimo de Grunrode Herr auf Lauterbach. Um das Jahr 1408 war Balthasar von Lubin zu Luttirbach im Besitz von Lauterbach. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde das Vorwerk Luterbach am Bindebach zu einem Rittergut ausgebaut. 1436 teilten sich Hans von Lubin und Hempel Krakow das Rittergut. Nach dem Ableben von Hempel Krakow wurde von Friedrich Kurfürst zu Sachsen das Lehen mit der niederen Gerichtshoheit über den Ort an Hans von Lubin übergeben. Für das Jahr 1502 wurde Balthasar von Schönfels, im Jahr 1516 Albrecht von der Saale und dessen Brüder sowie ab 1528 Balthasar von Grünberg als Besitzer des amtsässigen Gutes aktenkundig genannt. Ab dem Jahr 1551 wurde Lauterbach als altschriftsässiges Rittergut aufgeführt. Von 1656 bis 1660 war Hans von Polenz Besitzer des Rittergutes. Als Erbherr und kurfürstlicher Verwalter erwarb Jonas von Kirchbach im Jahr 1660 das Rittergut. Hans Gustav von Kirchbach begann 1704 bis 1706 mit dem Bau eines Herrenhauses in Lauterbach. Er verkaufte 1708 das teilweise modernisierte Gut Lauterbach mit dem angefangenen Neubau des zukünftigen Herrenhauses an Hans George von Zehmen als Allod und Erbgut, welcher vermutlich den Bau fortsetzte. Leopold Carl Freiherr von Palm wurde im Jahr 1735 der neue Besitzer von Gut und Herrenhaus und gestaltete es Mitte des 18. Jahrhunderts im Schlosscharakter für seinen Familiensitz um. Das Adelsgeschlecht diente am Hof der Kaiserin Maria Theresia und übte wichtige Funktionen aus. Somit wurden die repräsentativen Räume des Schlosses mit dem entsprechenden Interieur gestaltet. Gemälde und gemalte Tapeten stammen von Malern wie Hans Anton Williard, Johann Eleazor Zeisig, Martin van der Meytens und David Teniers. Im Gartensaal befanden sich die Gemälde der Kaiserin und ihres Gemahls Franz von Habsburg-Lothringen.