mini|Geroldsgrün von Osten

Geroldsgrün ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Hof.

Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt im Westen des Landkreises Hof an der Grenze zum benachbarten Landkreis Kronach im Frankenwald, einem bewaldeten Mittelgebirge. Die Wasserscheide zwischen Rhein und Elbe verläuft auf der östlichen Anhöhe. Die Ölsnitz fließt durch das Ölsnitztal mit markanten Felsformationen in Richtung Rodach.

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind:

Gemeindegliederung Es gibt 21 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Außerdem gibt es die Wohnplätze Frankenhof, Obere Mühlleiten und Oberhalbgeroldsgrün. Die Gemeindeteile sind zum großen Teil staatlich anerkannte Luftkurorte.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Dürrenwaid, Geroldsgrün, Geroldsgrüner Forst (Gemarkungsteil 0), Langenbach und Steinbach b.Geroldsgrün. Die Gemarkung Geroldsgrün hat eine Fläche von 5,226 km². Sie ist in 1648 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3171,14 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Geroldsreuth, Hertwegsgrün, Hirschberglein, Langenau, Lotharheil, Neuenhammer, Oberhammer, Trögershäuser und Unterhammer.

Klima Die jährliche Durchschnittstemperatur in Geroldsgrün beträgt 6,7 °C, die durchschnittliche Niederschlagsmenge 1002 mm.

Geschichte Ortsname Der Ortsname ist belegt als „Gerhartsgrün“ (1323), „Gerharczgrun“ (1326 bis 1328), „Gerharczgrün“ (1333), Geroltsgrün (1414) und „Geroldsgrün“ (ab 1692). Das Grundwort ist das mittelhochdeutsche grüene für grüne Farbe, Grünheit. Die Bedeutung ist damit sinngemäß der (nach dem Roden) grüne Platz (s. a. -grün). Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der männliche Personenname Gerhart.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 81.

Bis zur Gebietsreform Der Ort wurde 1323 als „Gerhartsgrün“ erstmals urkundlich erwähnt. Historisch war Geroldsgrün immer Grenzort zwischen unterschiedlichen Hoheitsgebieten, so zwischen dem Bistum Bamberg und den Grafen von Orlamünde, später zwischen dem Bistum und dem Markgraftum Bayreuth-Kulmbach. Ab 1500 lag die Ortschaft im Fränkischen Reichskreis.

Ein dunkles Kapitel war die Hexenverfolgung, die in Geroldsgrün und Umgebung erst 1654 endete.

Zur Realgemeinde Geroldsgrün gehörte Oberhalbgeroldsgrün. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Geroldsgrün aus 53 Anwesen (4 Halbhöfe, 6 Viertelhöfe, 2 Gütlein, 1 Haus, 1 halbes Haus, 18 Tropfhäuser, 18 halbe Tropfhäuser, 1 Vierteltropfhaus, 2 Hammerwerke (Oberer u. Unterer Hammer)), einer Wehrzollstätte, einem Forsthaus, einer Kirche und einer Schule. Die Hochgerichtsbarkeit hatte das bayreuthische Kasten- und Richteramt Lichtenberg. Das bayreuthische Kastenamt Thierbach war Grundherr sämtlicher Anwesen und hatte die Vogtei über sie.M. Körner: Naila, S. 285.

Von 1797 bis 1810 unterstand Geroldsgrün dem Justiz- und Kammeramt Hof. Infolge des Ersten Gemeindeedikts wurde 1812 der Steuerdistrikt Geroldsgrün gebildet. Zu diesem gehörten Hertwegsgrün, Hirschberglein, Langenau, Neuenhammer, Oberhalbgeroldsgrün, Oberhammer, Trögershäuser und Unterhammer. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Geroldsgrün, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Naila zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Lichtenberg (1919 in Finanzamt Lichtenberg umbenannt, seit 1955 Finanzamt Naila). Ab 1862 gehörte Geroldsgrün zum Bezirksamt Naila (1939 in Landkreis Naila umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Naila (1879 in Amtsgericht Naila umgewandelt). 1964 hatte die Gemeinde eine Fläche von 5,048 km².

Bis zur Wiedervereinigung 1990 war Geroldsgrün Grenzort. Bei Steinbach am Langesbühl befand sich die Station Echo 1 der Frankenwald-Kaserne (Naila).

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Juli 1972 die Gemeinde Dürrenwaid eingegliedert. Die Gemeinden Langenbach und Steinbach bei Geroldsgrün folgten am 1. Mai 1978. Zum 1. Januar 2026 wurde das gemeindefreie Gebiet Geroldsgrüner Forst inkommunalisiert.Oberfränkisches Amtsblatt Nr. 11 vom 24. Juli 2025, abgerufen am 5. Januar 2026

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 3505 auf 2763 um 742 bzw. um 21,2 %, das ist der deutlichste Einwohnerrückgang im Landkreis im genannten Zeitraum.

Gemeinde Geroldsgrün Jahr 1819 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2007 2010 2015 2022Einwohner 529 840 894 1019 1123 1211 1323 1359 1401 1361 1348 1394 1493 1586 1615 1742 1755 1801 2192 2214 2101 2147 3500 3058 2919 2916 2644HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1799 werden diese als Häuser bezeichnet, von 1871 bis 2022 als Wohngebäude. 111 115 126 141 187 243 343 1077 1051 1060Quelle Für die Gemeinde Geroldsgrün inklusive Hirschberg (S. 50).

Ort Geroldsgrün Jahr 1799 1819 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 290 468 767 915 1038 1097 1406 1664 1679 1723 1433Häuser 55 72 92 136 169 278 402Quelle J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 2, Sp. 309.

Politik Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Stefan Münch (CSU).

Gemeinderat Die letzten Kommunalwahlen führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Gemeinderat:

Parteien 2008 2014 2020 CSU787 SPD984 BfB2 Die PARTEI1Summe161614

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Die Gemeindeflagge ist rot-gelb-grün.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Jakobuskirche (2008) Barocke Wehrkirche Frankenwarte Unterirdischer Schiefer-Steinbruch mit Schieferwerk Lotharheil Max-Marien-Quelle im Gemeindeteil Langenau

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Faber-Castell-Werk Geroldsgrün (2007) Unternehmen Zweigwerk der Firma Faber-Castell: Das Werksgebäude ist künstlerisch gestaltet. Die Produktion in Geroldsgrün umfasst Stifte aller Art und Kosmetikartikel. Die gesamte Faber-Castell-Produktpalette wird in einem Werksverkauf angeboten. mini|Ehemaliges Holzwerk von Graetz Ein Holzbearbeitungswerk der Firma Graetz, später Nokia, das Fernseh- und Radiogehäuse fertigte, wurde inzwischen geschlossen.

Verkehr Die Staatsstraße 2198 führt nach Bobengrün (4,2 km östlich) bzw. nach Nordhalben (8 km nordwestlich). Die Staatsstraße 2194 führt nach Straßdorf zu einer Anschlussstelle der Bundesstraße 173 (5,2 km südlich). Die Kreisstraße HO 32 verbindet mit Bad Steben (3,8 km nordöstlich). Die Kreisstraße HO 31 führt nach Steinbach bei Geroldsgrün (1,3 km nördlich). Die Kreisstraße HO 41/KC 32 führt nach Wellesbach zur B 173 (8,7 km südwestlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Langenau (3 km westlich), nach Hirschberglein (1,5 km östlich) und nach Geroldsreuth (0,6 km östlich).

Söhne und Töchter der Gemeinde

Emilie Mauerer (1863–1924), Politikerin (SPD) Frieda Strehlow (1875–1957), deutsche Australien-Missionarin Hans Hüttner (1885–1956), Generalmajor der Wehrmacht Christian Keyßer (1877–1961), Pioniermissionar Detlef Stöcker (* 1963), Autor

Literatur

Hans Vollet und Kathrin Heckel: Die Ruinenzeichnungen des Plassenburgkartographen Johann Christoph Stierlein, 1987

Weblinks

Gemeinde Geroldsgrün

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Hof Kategorie:Frankenwald Kategorie:Ersterwähnung 1323 Kategorie:Gemeindegründung 1812

Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Hof