mini|Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Luftaufnahme von Südosten mini|Ansicht von Südwesten mini|hochkant|Ansicht von Nordosten mini|hochkant|Das Südwestportal mini|Grundriss

Die katholische Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist die Hauptkirche der Stadt Landsberg am Lech. Sie befindet sich am Georg-Hellmair-Platz. Das unter der Aktennummer D-1-81-130-76 denkmalgeschützte Bauwerk ist eine stattliche dreischiffige Pfeilerbasilika mit Polygonalchor, Langhausflankenturm und zwei Vorhallen im Nord- und Südwesten, das nach Plänen von Matthäus Ensingers unter Mitwirkung von Valentin Kindlin und Veit Maurer in den Jahren 1458 bis 1488 errichtet und von 1680 bis 1710 barockisiert wurde.

Geschichte Vorgängerbau Die Kirche wird an diesem Standort erstmals 1219 erwähnt. Während der Spätromanik wurde sie als dreischiffige Basilika ausgebaut und um einen Chor erweitert. Der aus dieser Zeit stammende Taufstein ist erhalten geblieben, er befindet sich im Mittelschiffgang. mini|hochkant|Innenansicht gegen Osten mini|hochkant|Innenansicht nach Westen mini|hochkant|Das Langhausgewölbe mini|hochkant|Hochaltar mit Kreuzigungsgruppe im Vordergrund

Heutiger Bau Den Grundstein legte Abt Leonhard von Wessobrunn im Jahre 1458. Die spätgotische Pfeilerbasilika entstand nach Plänen Matthäus Ensingers, der auch entscheidend zum Bau des Ulmer und der Vollendung des Straßburger Münsters beitrug. Das Mauerwerk besteht größtenteils aus Ziegelsteinen. Die Fassaden sind heute überwiegend geschlämmt, teilweise auch glatt verputzt. Ausgeführt wurde der Bau unter Leitung der Straßburger Baumeister Valentin Kindlin und Ulrich Kiffhaber. 1466 erfolgte die Weihe. Die geschnitzte Holzmadonna an der Nordseite des Chores, die um 1440 entstand, stammt wahrscheinlich vom Ulmer Hans Multscher.

Spätere Veränderungen Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche barockisiert und neu ausgestattet. 1979 erfolgte eine umfassende Innenrenovierung, bei der eine Elektro-Nachtspeicherheizung eingebaut wurde. Des Weiteren wurden die mittelalterlichen Glasmalereien im Chor von der Münchner Werkstätte Gustav van Treeck restauriert und mit einer Außenschutzverglasung versehen.

Die Gesamtsanierung der Kirche wurde von 2007 bis 2010 durch den Münchener Architekten Christoph Maas durchgeführt. Im Rahmen dieser Sanierung wurde der Westgiebel statisch saniert, das Südportal teilweise unterfangen und das Dach zimmermannsmäßig und mit Stahleinbauten ertüchtigt und neu eingedeckt. Die Dachstühle der Seitenschiffe, die Stuckausstattung sowie die Gewölbe wurden saniert. Neben allgemeinen Reinigungsarbeiten im Gebäude und an Gemälden wurden insbesondere die Gemälde von Joseph Bernhard (1702) und Johann Jakob Pottmayr (1702) mit Ergänzungen von Waldemar Kolmsperger (1903) gereinigt. Die Außenschutzverglasung der mittelalterlichen Glasmalereien im Chorraum von 1979 wurde erneuert, die circa 400 mittelalterlichen Glasmalereien im Chorraum und die circa 220 von der Mayer’schen Hofkunstanstalt geschaffenen Glasmalereien konserviert und mit Schutzverglasungen ausgestattet.Glasmalereien in der kath. Stadtpfarrkirche Landsberg am Lech. (PDF; 1,9 MB) Bayerische Staatszeitung, 6. November 2009, S. 17

Die Steinrestaurierungen wurden von der Bamberger Firma Bauer-Bornemann, die Arbeiten an sämtlichen Glasmalereien des Mittelalters und des 19. Jahrhunderts wurden von der Würzburger Firma Rothkegel Glas GmbH ausgeführt.

Baubeschreibung

mini|hochkant|Eligiusaltar

Bauform Die Kirche ist eine ursprünglich flachgedeckte Pfeilerbasilika mit einem sechsjochigen Langhaus mit einer Länge von 70,2 m, einer Breite von 33,2 m und einer Firsthöhe von 35 m. Der nicht eingezogene Chor schließt mit einem Fünfachtelschluss mit Strebepfeilern, auch an den Wänden des Hochschiffs. Alle Fenster sind spitzbogig und mit Maßwerk verziert. Das Bauwerk wird über zwei Doppelportale unter Vorhallen mit Rippengewölbe erschlossen, die nordwestlich und südwestlich am Langhaus liegen; die letztere mit einem spätgotischen Kapellenraum im Obergeschoss. Der 70,6 m hohe, ungewöhnlich schlanke Turm ist an der zweiten Langhausachse von Osten an der Ostseite angeordnet. Die unteren sechs Geschosse stammen offenbar noch von dem Bau des 13. Jahrhunderts, sind mit Rundbogenfriesen verziert und tragen den ältesten Glockenstuhl in Bayern aus dem Jahr 1417. Der barocke Oberteil mit Zwiebelhaube wurde 1699 von Michael II. Beer erbaut. Die südlich am Chor angebaute, 1464 vollendete Sakristei ist in den Formen eines in Ost-West-Richtung gestreckten Achtecks erbaut und mit einem zierlichen Sterngewölbe geschlossen.

Der Innenraum des Chores wurde nach einer Jahreszahl 1488 gewölbt. Im Langhaus schließt ein barockes Holzgewölbe mit Stichkappen und halbrundem Querschnitt aus dem Jahr 1702 den Raum ab. In den Seitenschiffen sind spätgotische Kreuzrippengewölbe eingezogen, in den Seitenkapellen Quertonnengewölbe. Beide Raumteile sind zum Mittelschiff durch Spitzbogenarkaden geöffnet, zwischen denen im Mittelschiff schlanke, korinthische Pilaster stehen. Eine um 1790 eingebaute Westempore wurde 1979 abgebrochen.Georg_Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern IV: München und Oberbayern. Deutscher Kunstverlag, München, Berlin 2006, ISBN 978-3-422-03115-9, S. 623–624.

Stuckatur und Deckenbilder Der Wessobrunner Stuck aus der Zeit von 1702–1707 stammt von Matthias Stiller aus Ettringen. Die Gewölbestuckaturen bestehen aus spiraligen Akanthusranken, Fruchtgehängen und Rosetten, die Stichkappengrate und Bildrahmen sind aus kräftigen Eichen- und Lorbeerstäben geformt. Die Deckenbilder im Chor wurden 1705 von Johann Jakob Pottmayer (Potma) ausgeführt, 1902 von Waldemar Kolmsperger dem Älteren übermalt und 1968 erneut überarbeitet. Das längsovale Mittelbild mit der Darstellung von Mariä Himmelfahrt wurde 1980 wieder freigelegt, nach Osten hin ist das leere Grab Christi und nach Westen hin Gottvater dargestellt.

Im Mittelschiff sind ebenfalls drei große Bildfelder zu finden, die Joseph Bernhard zugeschrieben werden. Im mittleren, längsovalen Feld sind die Taube des Heiligen Geistes und musizierende Engel dargestellt, östlich findet sich ein Vierpassfeld mit dem heiligen Sebastian (dem Stadtpatron) und westlich der heilige Vitus als Namenspatron der Kirche. Der sparsame Gewölbestuck der Seitenschiffe betont lediglich die Kreuzrippen. Der Marienzyklus an den Langhauspfeilern wurde von Pottmayr geschaffen.

Glasmalereien Die spätgotischen Glasmalereien im Chor gehören zu den bedeutendsten Beispielen ihrer Art in Bayern und sind vom 15. Jahrhundert bis 1513 entstanden.

Das nördliche Passionsfenster (n II nach dem CVMA-Bezeichnungssystem) mit einer Darstellung von Dornenkrönung, Geißelung und Kreuztragung ist kurz nach 1500 entstanden und wird Hans Holbein dem Älteren und seiner Werkstatt zugeschrieben. In der Nordwand zeigt das Marienfenster (n III) Standfiguren von Maria mit dem Jesuskind, begleitet von den Märtyrerinnen Barbara und Katharina aus einer Augsburger Werkstatt, das ursprünglich im Mittelfenster des Altarhauses eingesetzt war. Darunter ist der Marientod aus der Zeit nach 1510 eingesetzt.

Das Dreikönigsfenster (n IV) zeigt die Anbetung der drei Weisen aus der Zeit um 1510 mit zahlreichen Ergänzungen vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Eine Darstellung des dornenbekrönten Hauptes Christi von 1490/1500 war ursprünglich im Vierpassfeld des Mittelfensters oberhalb des spätgotischen Hochaltars eingesetzt.

An der nördlichen Chorwand (n V) ist auch das Christophorusfenster aus der Zeit um 1510 und in der Nachfolge des Meisters des Speculumfensters aus München zu finden, das als einzigartig in der Glasmalerei Süddeutschlands in Bezug auf die glasmalerische Qualität wie auch auf den Erhaltungszustand eingeschätzt wird.

Rechts des Hochaltars, im Fenster s II, zeigt das stark ergänzte südliche Passionsfenster die Kreuzigung und Beweinung Christi aus der Zeit um 1500 bzw. um 1510.

In der südlichen Chorwand folgt das Herzog-Albrecht-Fenster (s III), dessen Entwurf Hans Muelich und Wolfgang Priedelmayer zugeschrieben wird. Das Fenster ist eine herzogliche Stiftung in der Art eines Epitaphs und stellt Albrecht V. und seine Angehörigen im Gebet dar, die von den Heiligen Petrus und Andreas empfohlen werden.

Ausstattung Chor Der mächtige prunkvolle Hochaltar im Hochbarockstil wurde von Jörg Pfeiffer 1680 geschaffen. Der reich vergoldete dreiteilige Altaraufbau mit vier gedrehten Säulen und mit Akanthuslaubwerk und Fruchtgehängen zeigt auf dem vom Hofmaler Antonio Triva gefertigten Altarblatt Die Verehrung der Mutter Gottes durch die vier Erdteile und den bayerischen Herzog. Flankiert wird das Gemälde von den überlebensgroßen Assistenzfiguren, dem heiligen Joseph und dem heiligen Joachim. Das Bild im von zwei großen Engeln flankierten Auszug zeigt den Heiligen Vitus in der Glorie. Den Altar krönt der Erzengel Michael im Kampf mit Lucifer. Die Skulpturen stammen vom bedeutenden einheimischen Bildhauer Lorenz Luidl. Zwischen den vorderen Chorgestühlen steht eine manieristisch-frühbarocke Kreuzigungsgruppe (1610/20), gefertigt von Bartholomäus Steinle. Der Rosenkranzaltar an der nördlichen Wand des Chors von 1721 ist das Werk von Dominikus Zimmermann, auf ihm steht in einer Nische die Hans Multscher zugeschriebene Madonna von 1440. Das im vorderen Chorbereich und seitlich am Hochaltar aufgestellte Chorgestühl wurde 1710/11 von Franz Rehm dem Älteren erstellt.

Langhaus mini|hochkant|Kanzel (1708) mini|Apostelfiguren von Lorenz Luidl, links mini|Apostelfiguren von Lorenz Luidl An den östlichen Abschlusswänden der Seitenschiffe sind zwei große hochbarocke Seitenaltäre aufgestellt. Nördlich der Eligiusaltar (1681), der Bruderschaftsaltar aller metallverarbeitenden Berufe, den Jörg Pfeiffer erstellt hat. Das Hauptbild (von Johann Georg Knappich) zeigt Der heilige Eligius wendet sich Hilfesuchenden zu, im Auszug ist die Auferstehung Christi zu sehen. Auf der Mensa steht eine Schutzmantelmadonna aus dem 17. Jahrhundert, dahinter zeigt die Predella Das Haus Nazereth. Südlich steht der Sebastiansaltar (1690), den Martin Schaller erstellt hat. Es ist der Altar der Sebastiansbruderschaft, mit breiterem Aufbau als der des Eligiusaltars. Das Hauptbild (von Johann C. Loth) zeigt Die Pflege des heiligen Sebastian, seitlich außerhalb der Doppelsäulen stehen auf baldachinbekrönten Konsolen die Assistenzfiguren der Heiligen Wolfgang und Rochus (von Lorenz Luidl). Im Auszugsbild ist eine Halbfigur des Altarpatrons zu sehen.

Seitlich am Chorbogen stehen, an Säulen gelehnt, die zwei von Georg Nieberle 1761 gefertigten Rokoko-Altäre. Nördlich findet sich der Bäckeraltar mit einer Darstellung der Ölbergszene auf dem Altarblatt, und einem Schrein mit den Gebeinen des Märtyrers Clemens auf der Mensa. Südlich ist der Bauernbruderschaftsaltar mit einer von Peter Paul Rubens beeinflussten Darstellung Der Kreuzabnahme Christi auf dem Altarblatt, und einem Schrein mit den Heiligen fünf Wunden (1723) auf der Mensa.

Die vornehm-schlichte Kanzel ist im Jahre 1708 von Franz Rehm dem Älteren errichtet worden. Den von zwei Engeln getragenen Schalldeckel krönt ein lebensgroßer Posaunen-Engel. Die Korbfiguren schuf 1902/03 Carl Port.

An den Mittelschiffpfeilern stehen auf Konsolen die Heiligenfiguren Joseph, Aloysius, Johannes Nepomuk, Wendelin, Graf Rasso, Florian, Benedikt, Franz Xaver, Modestus und Kreszentia. Sie wurden um 1732 von Johann Luidl (dem Sohn von Lorenz Luidl) geschaffen und zählen zu seinen Hauptwerken. An den Hochwänden des Langhauses stehen in von zierlich-reichem Stuckwerk umrahmten Nischen zehn Apostelfiguren von 1694, die wiederum Lorenz Luidl gefertigt hat. Ein aus acht Gemälden bestehender Marienzyklus ziert die Innenseiten der Pfeiler, die unter anderem Die Verkündigung Mariens, Heimsuchung Mariens und Mariä Himmelfahrt darstellen. Gemalt wurde er zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Johann Jakob Pottmayr.