Der Bund der Pfadfinder*innen e. V. (BdP; bis 2025 Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder) ist der größte interkonfessionelle Bund für Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Deutschland und erreicht mit seiner Arbeit etwa 30.000 Kinder und Jugendliche.

Geschichte Der Bund der Pfadfinder e. V. entstand 1971 aus einer Arbeitsgemeinschaft innerhalb des Bundes Deutscher Pfadfinder (BDP). Anlass war eine knapp verlorene Vorstandswahl innerhalb des BDP. Der neu gegründete Jugendverband verstand sich zunächst als ein „Bund im Bund“, entwickelte sich jedoch in den folgenden Jahren zu einem organisatorisch und inhaltlich eigenständigen Bund, der später den Namen Bund der Pfadfinder (BdP) annahm.

Hintergrund der Abspaltung waren grundlegende und als unüberbrückbar empfundene Differenzen über die zunehmende Politisierung des BDP. Diese wurde von Teilen der Mitgliedschaft als sozialistische Unterwanderung wahrgenommen. Der Weltverband der Pfadfinderbewegung (WOSM) hatte in diesem Zusammenhang signalisiert, einen solchen Verstoß gegen den Grundsatz der politischen Neutralität der internationalen Pfadfinderbewegung nicht länger zu tolerieren.

Infolge dieser Entwicklungen löste sich im Mai 1971 der Ring deutscher Pfadfinderbünde auf. Um die Voraussetzungen für eine weiterhin mögliche Mitgliedschaft deutscher Pfadfinderverbände im Weltverband der Pfadfinderbewegung zu schaffen, wurde der Dachverband am 1. Januar 1973 als Ring deutscher Pfadfinderverbände neu gegründet. Beteiligt waren die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg, der vom BDP abgespaltene Bund der Pfadfinder (BdP) sowie der durch den Zusammenschluss der evangelischen Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände entstandene Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP). Dieser Schritt war notwendig, da für einen Ausschluss des BDP aus der internationalen Pfadfinderbewegung die erforderliche Einstimmigkeit der beteiligten Verbände zuvor nicht erreicht worden war.

Im Jahr 1976 fusionierten der Bund der Pfadfinder (BdP) und der Bund Deutscher Pfadfinderinnen (BDP) zum Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP).

Im Jahr 2025 änderte der Pfadfinderbund seinen Namen in Bund der Pfadfinder*innen.

Im Jahr 2026 begeht der Bund sein 50-jähriges Bestehen.

Profil mini|Abzeichen der Ranger- und Roverstufe des BdP

Der Bund der Pfadfinder*innen e. V. (BdP) ist eine unabhängige und gemeinnützige Organisation, die auf den Grundsätzen der weltweiten Pfadfinderbewegung (Pfadfinderversprechen, Pfadfinderregeln, fortschreitende Programme) sowie der bündischen Jugend basiert. Der BdP bietet Kindern und Jugendlichen ein breites Spektrum an Aktivitäten, die auf der Idee des „Learning by Doing“ und der Persönlichkeitsentwicklung aufbauen.

Altersstufen Die Mitglieder des BdP sind in drei Altersgruppen oder „Stufen“ organisiert: Wölflinge: (ca. 7 bis 11 Jahre): Die jüngsten Mitglieder, die spielerisch Gemeinschaft und Natur erleben. Pfadfinderinnen und Pfadfinder: (ca. 11 bis 15 Jahre): Jugendliche, die eigenständig in kleinen Gruppen (Sippen) agieren und Abenteuer auf Fahrten und bei Zeltlagern erleben. Ranger und Rover: (ca. 16 bis 25 Jahre): Junge Erwachsene, die eigenverantwortlich Projekte, Workshops, Wanderungen und internationale Begegnungen organisieren.

Die Treffen der Gruppen finden regelmäßig in Form von Meutenstunden (Wölflinge), Sippenstunden (Pfadfinderinnen und Pfadfinder) und Rundentreffen (Ranger und Rover) statt. Dabei stehen Naturerfahrungen, gemeinschaftliches Handeln und die Förderung individueller Fähigkeiten im Mittelpunkt.

Arbeitsweise und Werte Der BdP ist parteipolitisch und weltanschaulich unabhängig. Seine Arbeit wird ehrenamtlich geleistet und finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und öffentlichen Zuschüssen. Die koedukative Ausrichtung des BdP zeigt sich auch im Bundeszeichen, das sowohl das Kleeblatt der Pfadfinderinnenbewegung als auch die Lilie der Pfadfinderbewegung kombiniert.

Die Angebote des BdP umfassen: - Abenteuerreisen und internationale Begegnungen, - Förderung von Eigenverantwortung und sozialen Kompetenzen, - Nachhaltige Erlebnisse in der Natur und Umweltbildung.

Mitgliedschaften Der BdP ist Mitglied im Ring deutscher Pfadfinder*innenverbände (rdp) und damit Teil der internationalen Dachverbände World Association of Girl Guides and Girl Scouts (WAGGGS) und World Organization of the Scout Movement (WOSM). Diese Mitgliedschaften ermöglichen weltweite Kooperationen und den Austausch mit anderen Pfadfinderorganisationen.

Durch diese enge Verknüpfung mit den Weltverbänden trägt der BdP zur internationalen Verständigung und zur Förderung der globalen Pfadfinderbewegung bei.

Struktur mini|Zelt des Flensburger Stammes des BdP beim Solitüdefest (2014)

Landesverbände Der BdP ist in verschiedene Landesverbände aufgeteilt, die sich in der Regel an den Grenzen der Bundesländer orientieren. Baden-Württemberg Bayern Berlin/Brandenburg Bremen Hessen Niedersachsen Nordrhein-Westfalen Rheinland-Pfalz/Saar Sachsen Sachsen-Anhalt Schleswig-Holstein/Hamburg (auch Mecklenburg-Vorpommern)angeschlossen ist das Dansk Spejderkorps Sydslesvig Thüringen

Die Landesverbände sind in unterschiedlicher Weise in den BdP integriert. Teilweise sind sie nur eine unselbstständige Untergliederung des BdP. In diesem Fall sind sie rechtlich nicht selbständig, der gewählte Landesvorsitzende ist nur Erfüllungsgehilfe des Bundesvorsitzenden. Andere Landesverbände sind eingetragene Vereine. In diesem Fall liegen alle Rechte und Pflichten beim Vorsitzenden des als e. V. eingetragenen Landesverbandes.

Bezirke Größere Landesverbände sind in Bezirke unterteilt. So ist der LV Niedersachsen in drei Bezirke unterteilt: Harz Heide, Weser-Ems und Mitte, der LV Bayern sogar in vier. Diese werden durch sogenannte Bezirkssprecher im Landesverband repräsentiert. Die Mitgliedschaft einer Ortsgruppe in einem Bezirk ist nicht zwingend notwendig, so gibt es bspw. in Niedersachsen auch einen bezirkslosen Stamm.

Einrichtungen

Das Bundeszentrum „Zentrum Pfadfinden“ des BdP befindet sich in Immenhausen. Es bietet Übernachtungsplätze in Gruppenhäusern sowie einen großen Zeltplatz mit mehreren Waschhäusern. Unterstützt wird es vom Freundeskreis Immenhausen. Ansässig ist dort auch die Geschäftsstelle des BdP, genannt Bundesamt.

Die einzelnen Landesverbände haben teilweise Bildungszentren oder Jugendbildungsstätten.

Der BdP hatte bis zum Oktober 2016 mit der Bundeskämmerei einen eigenständigen Ausrüster. Die Aufgabe wurde an ein externes Unternehmen abgegeben.

Zur Unterstützung und Absicherung der Arbeit gründeten aktive und ehemalige Mitglieder des BdP 1998 die Stiftung Pfadfinden.

Bundeslager Seit der Gründung des BdP findet in der Regel alle vier Jahre ein deutschlandweites Bundeslager statt. Dabei kommen Stämme aus den Landesverbänden, Gruppen aus befreundeten Bünden und Verbänden sowie internationale Gäste zu einem gemeinsamen Lager zusammen. Neben dem eigentlichen Lagerleben umfasst das Programm regelmäßig Workshops, Diskussionsrunden und praktische Mitmachangebote zu pfadfinderischen, gesellschaftlichen und politischen Themen. Dadurch können unterschiedliche Ideen und Methoden vorgestellt und in einem größeren Rahmen erprobt werden. Zugleich bieten die Bundeslager Gelegenheit zur Begegnung und zum Austausch zwischen den teilnehmenden Gruppen. Die folgende Übersicht führt die Bundeslager seit der Gründung des BdP auf. +Liste der BdP-BundeslagerZeitraumOrt und BundeslandMotto28.07. bis 07.08.1977Kirchberg im Hunsrück (Rheinland-Pfalz)Regenbogen25.07. bis 05.08.1981Westernohe im Westerwald (Rheinland-Pfalz)Windrose25.07. bis 06.08.1985Haselünne im Emsland (Niedersachsen)Wasser, Wolken, Wind27.07. bis 06.08.1989Furth im Wald (Bayern)Fabula22.07. bis 02.08.1993Friedeburg in Ostfriesland (Niedersachsen)Über den Horizont26.07. bis 05.08.1997Cottbus in der Niederlausitz (Brandenburg)Wegzeichen26.07. bis 04.08.2001Westernohe im Westerwald (Rheinland-Pfalz)Globalis27.07. bis 06.08.2005Almke bei Wolfsburg (Niedersachsen)Vineta - die versunkene Stadt29.07. bis 08.08.2009Buhlenberg im Hunsrück (Rheinland-Pfalz)Seitenweit - schwarz auf grün25.07. bis 04.08.2013Immenhausen im Zentrum Pfadfinden (Hessen)Weitwinkel26.07. bis 05.08.2017Großzerlang (Brandenburg)Estonteco - lebe den Kontinent29.07. bis 08.08.2022Königsdorf (Bayern)Lebens(t)räume - Natur erleben, Träume gestalten30.07. bis 09.08.2026Immenhausen im Zentrum Pfadfinden (Hessen)juBULAeum

Aufarbeitung sexualisierter Gewalt Nach eigenen Angaben sei es dem Bund „in seiner Vergangenheit nicht immer gelungen, seine Mitglieder vor sexualisierter Gewalt zu schützen“. Der Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt im Zeitraum 1976 bis 2006 wurde in der Studie Grenzenlose Orte des Instituts für Praxisforschung und Projektberatung untersucht, die am 29. Februar 2024 vorgestellt wurde. Im Rahmen der Studie wurden 103 Betroffene und 36 Beschuldigte innerhalb des Bundes ermittelt. Die Studie zeigt viele Probleme in der Struktur des BdP auf und formuliert konkrete Empfehlungen. Nach Angaben der Forscher ist der BdP der erste Jugendverband, der sich „durch diese wissenschaftlicher Aufarbeitungsstudie seiner Vergangenheit“ stellt.

Literatur

Weblinks

BdP-Homepage Stiftung Pfadfinden BdP-Bundeszentrum Immenhausen

Einzelnachweise

Kategorie:Pfadfinderverband (Deutschland) Kategorie:Verein (Landkreis Kassel) Kategorie:Immenhausen Kategorie:Verbandsgründung 1976