Die Ardennenoffensive im Winter 1944/45 (deutscher Deckname Unternehmen „Wacht am Rhein“, auch Rundstedt-Offensive oder im angloamerikanischen Sprachgebrauch Battle of the Bulge – „Schlacht der Ausbuchtung“) war ein Versuch der Wehrmacht, den westalliierten Armeen eine große Niederlage zuzufügen und den Hafen Antwerpens zurückzuerobern. Ohne diesen hätten die Alliierten nicht den für ihren weiteren Vormarsch gebrauchten Nachschub anlanden können. Die Ardennenoffensive gilt als die vorletzte deutsche Offensive an der Westfront im Zweiten Weltkrieg. Der deutsche Diktator Adolf Hitler hoffte, die dadurch an anderen Frontabschnitten entstandene Ruhe ausnutzen zu können: Daher ordnete er auch in Lothringen und im Elsass eine Offensive („Unternehmen Nordwind“) zur Zerschlagung der 7. US-Armee an. Beide Militäroperationen scheiterten.

Im Winter 1944 gingen drei deutsche Armeen im Osten und Nordosten von Belgien sowie in Teilen Luxemburgs überraschend gegen die 12th Army Group zum Angriff über. Betroffen waren die Gebiete um die Städte Bastogne, St. Vith, Rochefort, La Roche, Houffalize, Stavelot, Clerf, Diekirch, Vianden und die südlichen Ostkantone. Die ursprünglich als „Unternehmen Christrose“ bezeichnete Operation begann am 16. Dezember 1944 und erzielte auf einer Breite von 60 km Einbrüche von 100 km in die gegnerische Frontstellung. Ziel war Antwerpen, über dessen Hafen der Großteil des alliierten Nachschubs lief. Deutsche Angriffsspitzen kamen bis auf wenige Kilometer an die Maas heran, an den Flanken wurden die Truppen aber in langwierigen Kämpfen um Orte wie Bastogne und St. Vith aufgehalten. So gewannen die Alliierten Zeit für Umgruppierungen und Heranführungen für eine Gegenoffensive. Nach sechs Wochen verlief die Front wieder wie vorher. Die Amerikaner konnten ihre Verluste an Soldaten und Material binnen zwei Wochen mehr als ersetzen, Wehrmacht und Waffen-SS verbrauchten hingegen wichtige Reserven. Nach dem Scheitern der Ardennenoffensive nannte die Wehrmachtführung als nächstes Ziel die „Wacht am Rhein“ (Alfred Jodl in seiner Neujahrsansprache 1945) – man ging, wie es ein Wehrmachtsoffizier ausdrückte, von der „Festung Europa“ zur „Festung Deutschland“ über.Ian Kershaw: The End. London 2011, ISBN 978-0-14-101421-0.

Insgesamt waren etwas über eine Million Soldaten an der Schlacht beteiligt. Für die US Army war die Battle of the Bulge die größte Landschlacht des Zweiten Weltkrieges; etwa 20.000 Tote machten sie auch zur blutigsten Schlacht.

Ausgangslage Die militärische Lage im Herbst 1944 Die Wehrmacht zog sich im Westen nach der alliierten Operation Overlord nach schweren Niederlagen von der Atlantikküste bis auf die früheren Reichsgrenzen zurück. Auch an der Ostfront befand sich die Wehrmacht seit den sowjetischen Sommeroffensiven, die auf einer Front von 2.500 Kilometern der Wehrmacht die bisher schwersten Niederlagen des Krieges beigebracht hatten, in einer prekären Situation. Nach dem Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte infolge der Operation Bagration im Juni und Juli wurde im Juli und August auch die Heeresgruppe Nordukraine in der Lwiw-Sandomierz-Operation schwer geschlagen und kurz darauf die Heeresgruppe Südukraine in der Operation Jassy-Kischinew fast vernichtet.

Die Heeresgruppe Nord, die Anfang September noch Estland, das westliche Lettland und eine schmale Landverbindung zur Heeresgruppe Mitte halten konnte (→ Unternehmen Doppelkopf), wurde nach dem Durchstoß sowjetischer Verbände bis zur Ostsee im Rahmen der Baltischen Operation im Oktober mit 27 Divisionen abgeschnitten. Im Norden mussten die deutschen Verbände, nachdem am 4. September 1944 der Fortsetzungskrieg zwischen Finnland und der Sowjetunion mit dem Waffenstillstand von Moskau beendet worden war, aus Nordnorwegen zurückgenommen werden. Im Südteil der Ostfront stand der Roten Armee nach dem Frontwechsel Rumäniens (Staatsstreich 23. August 1944) zu den Alliierten das Tor zum Balkan offen. Die Sowjetunion erklärte Bulgarien am 5. September den Krieg (Näheres hier). Sowjetische Panzer erreichten Anfang September das Eiserne Tor und die rumänisch-jugoslawische Grenze und stießen Mitte September in die ungarische Tiefebene vor. Am 29. Oktober begann die Schlacht um Budapest. Gegenangriffe der Wehrmacht vermochten es, gegen Ende November die Ostfront auf einer Länge von 1.200 Kilometern zwischen Ostsee und Karpaten zeitweise zu stabilisieren. Von Juli bis November 1944 hatte das Ostheer rund 1,2 Millionen Soldaten verloren. Im November standen 131 deutsche Divisionen, davon 32 in Kurland und 17 in Ungarn gebunden, etwa 225 Infanteriedivisionen und rund 50 Panzergroßverbänden der Roten Armee gegenüber. Personell und materiell waren die deutschen Truppen danach weit unterlegen. In der 1945 zu erwartenden Winteroffensive schien der Zusammenbruch der Ostfront unvermeidbar.

Im Südosten brachten die Erfolge der Roten Armee während der Belgrader Operation die deutschen Besatzungstruppen in Griechenland, Albanien und Jugoslawien in die Gefahr, abgeschnitten zu werden. Der Anfang Oktober befohlene Rückzug der Heeresgruppe E verlief zunächst geregelt, doch wurde es immer schwieriger, nach Herstellung der Verbindung mit der Heeresgruppe Süd bis November die Front zwischen Adria – Drau und zum Plattensee zu halten. Der italienische Kriegsschauplatz hatte nach der Invasion der Alliierten in der Normandie erheblich an Bedeutung verloren. Die Heeresgruppe C konnte Ende November mit 23 Divisionen unterschiedlicher Qualität die Linie La Spezia – Rimini quer durch den Apennin zwar halten. Dennoch fiel die Bindung dieser Kräfte durch die Alliierten und durch eine lebhafte Partisanentätigkeit in der Gesamtheit ins Gewicht. An der Westfront hatte sich endgültig der Erfolg der alliierten Invasion in Nordfrankreich durch die verlustreichen deutschen Niederlagen bei Avranches und Falaise herausgestellt. Unter Aufgabe von Paris zog sich die Heeresgruppe B, die Generalfeldmarschall Walter Model Mitte August von Generalfeldmarschall Günther von Kluge übernommen hatte, über die Seine rasch nach Osten zurück. Insgesamt bestand ein Unterschied zur Ostfront darin, dass die deutschen Verluste im Westen größer waren als die ihrer Gegner.

Nach der Landung amerikanischer und französischer Truppen bei Toulon am 15. August (Operation Dragoon) mussten auch die beiden in Süd-Südwestfrankreich verbliebenen deutschen Armeen der Armeegruppe G am Atlantik (Bordeaux) und am Mittelmeer zurückgenommen werden; die Angreifer kamen durch das Tal der Rhone schnell voran. Anfang September kam der Rückzug des Westheeres auf einer Linie zum Stehen, die von der Scheldemündung durch Südholland zum Westwall südlich Triers führte, von dort der Mosel folgte und dann die Grenze der Schweiz erreichte. Alle deutschen Verbände waren schwer angeschlagen, personell ausgedünnt und kaum noch im Besitz schwerer Waffen. Chronischer Betriebsstoffmangel führte zu einem Verlust an Beweglichkeit, der sich aufgrund der alliierten Luftüberlegenheit besonders stark auswirkte. Der Westwall wurde verstärkt und mit schnell zusammengezogenen Einheiten besetzt. Mitte September standen bei der Heeresgruppe B (Scheldemündung bis Trier) auf rund 400 Kilometer Frontbreite 21 Infanterie-Divisionen und 7 Panzer-Divisionen weit überlegenen alliierten Kräften gegenüber. Insgesamt war die Wehrmacht an allen Fronten bis Spätherbst 1944 auf das ehemalige Reichsgebiet zurückgedrängt und Aachen am 21. Oktober als erste deutsche Stadt von den Alliierten eingenommen worden. Diese waren nun personell und materiell weit überlegen und erwarteten nicht mehr, die Initiative wieder zu verlieren.

An eine Veränderung dieser Verhältnisse war aus deutscher Sicht nicht zu denken. Der Seekrieg, der auf deutscher Seite nur noch als U-Boot-Krieg gegen die feindliche Handels- und Transportschifffahrt geführt werden konnte, war seit 1943 verloren (siehe Atlantikschlacht). Seit Anfang jenes Jahres überstieg bei den Alliierten der Zuwachs an Tonnage die Verluste. Ebenso galt der Luftkrieg 1944 längst als entschieden. An der Front wie über dem Reichsgebiet hatten die Alliierten die absolute Luftherrschaft. Um eine Chance für seine Gegenoffensive zu besitzen, musste Hitler auf schlechtes Wetter setzen, das den Einsatz von Kampffliegern und Bombern stark behindern würde.

Die politische Lage Angesichts des drohenden militärischen Zusammenbruchs stand die innenpolitische Lage im Zeichen des totalen Krieges. Es ging um die Mobilisierung der letzten personellen, materiellen und moralischen Kräfte. Propagandaminister Joseph Goebbels, zum Reichsbevollmächtigten für den totalen Kriegseinsatz ernannt, nutzte die NS-Propaganda, um mit einem Gemisch aus Drohungen und Versprechungen, Lügen und Halbwahrheiten in Verbindung mit seinem Redetalent das Durchhaltevermögen bzw. den Durchhaltewillen der Deutschen zu stärken und die Möglichkeit eines Endsiegs zu suggerieren. Rigorose Maßnahmen und Eingriffe in das öffentliche, wirtschaftliche und private Leben sollten die letzten Leistungsreserven aktivieren. Viele Unwillige und Ungläubige traf der brutale Terror des allgegenwärtigen Polizei- und Unterdrückungsapparats unter Heinrich Himmler.

Die letzten dem Deutschen Reich nach dem Seitenwechsel Italiens, Rumäniens, Bulgariens und Finnlands noch verbliebenen europäischen Bundesgenossen (Ungarn, Slowakei und Kroatien) waren aus militärischer, wirtschaftlicher und politischer Sicht Marionettenstaaten, die vom Deutschen Reich nur mit massiven Eingriffen in die Innenpolitik als Verbündete gehalten werden konnten. Auch das französische Vichy-Regime Philippe Pétains, das nicht am Krieg teilnahm, aber stark von Deutschland abhängig war, geriet immer mehr zu einem reinen Marionettenregime, soweit sein Herrschaftsbereich nicht ohnehin in die Kontrolle der Alliierten gefallen war.

Die Westmächte hatten sich seit der Konferenz von Casablanca im Januar 1943 auf die Forderung einer bedingungslosen Kapitulation festgelegt, die Adolf Hitler nicht anzunehmen bereit war. Gründe für diese Haltung der Westmächte gab es genug. Gräueltaten des NS-Regimes waren bekannt und Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill lehnten es ab, mit Hitler zu verhandeln. Man wollte sich nicht durch vorzeitige Absprachen mit dem Reich die völlige Handlungsfreiheit nach Kriegsende beschneiden lassen. Angesichts dessen war ein Sonderfrieden des Reichs mit dem Westen nicht zu erwarten.

Stalin schien dagegen einem Friedensschluss nicht völlig abgeneigt. Verstimmungen zwischen ihm und den Westmächten waren unübersehbar, insbesondere im Hinblick auf die wiederholte Verzögerung bei der Eröffnung der Zweiten Front im Westen, die man seit 1943 zugesagt hatte. Es gab mindestens zwei vorsichtige Kontakte zwischen deutschen und sowjetischen Vermittlern (in Schweden 1943 und durch Vermittlung Japans 1944), die Hitler jedoch ungenutzt verstreichen ließ. Insgesamt scheint es nach heutiger Kenntnis sehr unwahrscheinlich, dass die Sowjetunion ernsthaft einem Sonderfrieden zugestimmt hätte. Ein Sieg über Deutschland war mit all seinen Konsequenzen ein zu erwartendes Ziel und ein Sonderfrieden hätte sich auch kaum in der Armee kommunizieren lassen.

In dieser ausweglosen Situation glaubten einige hohe deutsche NS-Funktionäre daran, dass die westlichen Alliierten mit der Sowjetunion brechen und erkennen würden, dass sie nach einem Erfolg der Ardennenoffensive mit Hilfe der standhaften deutschen Armee im Westen den „gemeinsamen bolschewistischen Feind“ im Osten zerschlagen könnten.

Der Spielraum für eine politische Lösung des Konflikts bzw. für eine aktive Außenpolitik des Reiches war jedoch gleich Null.

Die Offensive Entschluss