mini|300px|Logo für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Neuenburg am Rhein
Neuenburg am Rhein (bis 1975 Neuenburg) ist eine Kleinstadt im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in Baden-Württemberg (Deutschland). Seit 2025 führt die Stadt offiziell die Zusatzbezeichnung Zähringerstadt.Bekanntmachung des Ministeriums des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen über die Genehmigung von sonstigen Bezeichnungen vom 17. November 2025, Az. IM2-2200-6, GABl. vom 26. November 2025, S. 878. Im Hoch- und im Spätmittelalter war Neuenburg eine selbstständige Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich.
Geografie Geografische Lage Neuenburg liegt erhöht am rechten Ufer des Altrheins auf einer Terrasse zwischen Vogesen und Schwarzwald auf halbem Weg zwischen Freiburg im Breisgau und Basel an der früheren Einmündung des Klemmbachs in den Rhein.
Hier kreuzt sich ein Weg aus dem Schwarzwald (Todtnau) nach Mülhausen (F), die heutige Bundesstraße 378, mit dem alten Wasserverkehrsweg Rhein. Außerdem befand sich hier zu Zeiten der Stadtgründung durch die Zähringer eine der wenigen Furten über den Rhein. Im Talweg des Altrheins liegt die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Frankreich. Parallel zum Altrhein verläuft heute auf der Seite Frankreichs der Rheinseitenkanal (Grand Canal d'Alsace).
Ausdehnung des Stadtgebiets Das Stadtgebiet verläuft entlang des Altrheins und liegt überwiegend auf einem Teil der Rheinebene mit dem Rheinwald sowie der Niederterrasse. Die Gemarkung des Ortsteils Steinenstadt enthält als Exklave zusätzlich einen Weinberg in der Vorbergzone zwischen den Orten Auggen und Schliengen. Darüber hinaus besitzt die Stadt einen Eichwald im Schwarzwald.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind im Norden Hartheim und Eschbach (Markgräflerland), im Nordosten Heitersheim und Buggingen, im Osten Müllheim im Markgräflerland und Auggen, im Südosten Schliengen und im Süden Bad Bellingen. Westlich des Rheins liegen in der Nachbarschaft im Elsass (F) direkt gegenüber die Gemeinde Chalampé, außerdem Ottmarsheim und Bantzenheim.
Stadtgliederung Neben dem Kernort Neuenburg (mit dem Wohnplatz Wasserbaumeisterei und der in den 1950er-Jahren gegründeten Siedlung Im Stein) hat die Stadt drei Ortsteile: Steinenstadt, Grißheim (mit dem Wohnplatz Rheinwärterhaus), Zienken. Im Stadtteil Steinenstadt liegt die abgegangene Ortschaft Rinken.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-007174-2. S. 150–153
Stadtteil Fläche EinwohnerStand: 31. Dezember 2025 Website der Stadt Neuenburg – Strukturdaten Kernort Neuenburg 16,64 km² 8.952 Steinenstadt 7,50 km² 1.461 Grißheim 15,68 km² 1.561 Zienken 4,30 km² 883 Einwohnerzahlen zum 31.12.2025
Das Stadtgebiet schließt eine Exklave am Kilberg zwischen Auggen und Schliengen, mit etwas Wald und vor allem Rebflächen, direkt südlich der Gemarkung Auggen und direkt östlich der Bundesstraße 3, mit ein.
Geschichte links|mini|Prospect der Statt Newenburg aus der Topographia Alsatiae, &c. Completa von Matthäus Merian, ca. 1660, in: Topographia Germaniae; Rest des vom Rheinhochwasser hinweg gerissenen Münsters: der Chor mini|Karte Newenburg am Rhein von Matthäus Merian aus der Topographia Germaniae, ca. 1660: Das Badwaßer von Badenweiler läuft durch die Stadt und das Niderthor bei der Mühl in den Rhein; Die Kirch ist vom Rhein ganz eingerissen mini|Luftbild der Stadt von Westen her von einer Rheinbefliegung der Alliierten („6. September 1953“): links die Straße nach Chalampé mit Teilen der provisorischen Pontonbrücke über den Rhein, oben links das Wuhrloch, unten links ein Eck des heute nicht mehr existierenden Rheinhafens; rechts die Bahnstrecke Müllheim–Mulhouse mit Schattenwurf der Reste der von der Wehrmacht auf dem Rückzug am 9. Februar 1945 gesprengten Eisenbahnbrücke über den Rhein (Bild datiert von vor der Fertigstellung des Rheinseitenkanals)
Bis zum 19. Jahrhundert 1175 gründete Herzog Berthold IV. von Zähringen die Stadt in der typischen Zähringer Kreuzform als Sicherung von zwei sich kreuzenden Straßen. Anlass der Stadtgründung waren Expansionsversuche der Staufer von ihrem Besitz Badenweiler in ihre Besitzungen im benachbarten Elsass. Die Zähringer sicherten damit den Rheinübergang und konnten von den Benutzern Tribut verlangen. Das Geschlecht starb 1218 aus.
Im Liber Originum des Abtes Caspar Molitoris findet sich eine Notiz, dass Guta, eine Nonne aus dem Kloster Sitzenkirch mit Hilfe einer Erbschaft im Jahre 1181 das Kloster Gutnau gründete. Das erste Klostergebäude soll unmittelbar am Rhein gelegen haben, wurde aber später weiter vom Ufer entfernt gegen Auggen wieder errichtet.
1219 erhob König Friedrich II. Neuenburg am Rhein zur freien Reichsstadt, ein Privileg, welches Rudolf von Habsburg 1274 bestätigte. Im Mittelalter erlebte die Stadt eine Blüte und gewann wegen ihrer Lage an einem Rheinübergang politische Bedeutung. Zwischen 1272/73 und 1283 war Johannes Brunwart Schultheiß von Neuenburg. Er fand als Brunwart von Ǒghein mit fünf konventionell zu nennenden höfischen Minneliedern Eingang in die Große Heidelberger Liederhandschrift des frühen 14. Jahrhunderts (Codex Manesse, 258v.).
Am 24. Dezember 1292 verlieh König Adolf von Nassau der Stadt das Adolphinische Privilegium. 1302 zerstörte ein verheerendes Rheinhochwasser fast die halbe Stadt. 1311 kam Neuenburg an die Habsburger und war damit ein Teil Vorderösterreichs. 1403 erweiterte König Ruprecht das Stadtrecht. 1525 zerstörte ein Hochwasser erneut die halbe Stadt sowie das prachtvolle Münster bis auf den Chor.
Während des Dreißigjährigen Krieges zogen Truppen verschiedener Herkunft durch das Rheintal. Die Bürger Neuenburgs erduldeten mehrere Besatzungen, Plünderungen und Zerstörungen. Der Bevölkerungsverlust war hoch. 1639 verstarb in der Stadt der Feldherr Bernhard von Sachsen-Weimar. 1675 schleifte Vauban das erst 1612 errichtete Neuenburger Kapuzinerkloster. Auch im Spanischen Erbfolgekrieg war Neuenburg Kriegsgebiet, besonders vor der Schlacht bei Friedlingen in der Nähe von Basel am 14. Oktober 1702. Nach zwei Jahren französischer Besetzung befahl König Ludwig XIV. im April 1704 die vollständige Zerstörung Neuenburgs. Die Bevölkerung fand insbesondere Aufnahme im Hoheitsgebiet des Fürstbistums Basel in Schliengen und Steinenstadt. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten fanden weitere Erbfolgekriege statt. Es gab immer wieder Zusammenstöße zwischen Habsburg auf der rechten Rheinseite und Frankreich auf der linken Rheinseite, dabei wechselte Neuenburg als so genannte Frontstadt je nach Besatzung öfters den Besitzer.
Nachdem Napoléon Bonaparte die rechtsrheinischen Gebiete erobert hatte, ordnete er die Besitzverhältnisse neu. Die Habsburger verloren Vorderösterreich und Neuenburg wurde 1806 Teil des Großherzogtums Baden, das 1871 ein Bundesstaat des Deutschen Reiches wurde.
1893: Stadtpfarrer Daniel Danner 1891 kam Daniel Danner (* 1823 in Münsingen, † 28. September 1900 in Neuenburg am Rhein) als Pfarrverweser nach Neuenburg, neben Karl Rollfuß Mit-Initiator des St. Josefshaus Herten, eine der frühesten Hilfseinrichtungen in der Region und eine der größten in Südbaden für Menschen mit Behinderungen. Danner zum Dank soll, so lange das St. Josefshaus besteht, dort „abwechselnd ein Kind aus Neuenburg und ein Kind aus Münsingen unentgeltlich aufgenommen werden“. 1893 dann wurde Danner vom Freiburger Erzbischof vor Ort als Stadtpfarrer eingesetzt: Vom Pädagogen Friedrich Fröbel inspiriert, richtete der Stadtpfarrer alsbald eine „Kleinkinderanstalt“ ein, sie wurde zunächst von 70 Kindern besucht und dann bald zu klein, worauf er 1895 mit persönlichem Einsatz und eigenen Finanzmitteln auf einem von der Stadt zur Verfügung gestellten Grundstück gegenüber dem St.-Jacobus-Kaplaneihaus (heute ehemalige Kaplanei an der Breisacher Straße) einen Neubau errichten ließ, eine „Kleinkinderschule“. Im September 1899 präsentierte er darüber hinaus Baupläne für ein „Schwesternhaus“ an der heutigen Friedhofstraße, was aber aufgrund seines plötzlichen Tods nicht mehr in Betrieb ging. Eine weitere von Danner geplante Einrichtung für die Ausbildung junger Frauen kam so nicht mehr zur Ausführung. 1940 wurde der Kindergarten mit der Stadt zerstört; nur das Altarkreuz der ebenfalls 1940 ausgebrannten Mariä-Himmelfahrts-Kirche, heute Vortragekreuz der Liebfrauenkirche, erinnert mit einer kleinen Gedenkplakette auf der Rückseite an Daniel Danner.
20. Jahrhundert Nach dem Angriff der Wehrmacht 1940 auf Frankreich geriet Neuenburg als Frontstadt unter Beschuss. Es war die erste deutsche Stadt, die während des Zweiten Weltkrieges vollständig zerstört wurde.badische-zeitung.de, Lokales, Neuenburg, 5. Juni 2010, Alexander Anlicker: Machtlos sahen die Bürger zu – Im Juni vor 70 Jahren wurde die Stadt Neuenburg bei einem Artillerieangriff der Franzosen ein weiteres Mal zerstört (8. Januar 2010)
Am 9. Februar 1945 zogen sich nach Kämpfen um den Brückenkopf Elsass die letzten deutschen Truppen über die Brücke von Chalampé nach Neuenburg zurück und sprengten die Brücke um 8 Uhr, womit der Kampf um diesen Brückenkopf endete.Steven Zaloga: Operation Nordwind 1945. S. 86badische-zeitung.de, Lokales, Neuenburg, 7. Oktober 2009, Winfried Studer: Die Zerstörung der Eisenbahnbrücke 1939 (25. Juni 2017)
Im April 1945 endete nach der Eroberung durch die französische Armee für Neuenburg der Zweite Weltkrieg. Die Stadt wurde Teil der französischen Besatzungszone und Teil des Landes Baden, das sich 1952 mit Württemberg-Hohenzollern und Württemberg-Baden zum neuen Bundesland Baden-Württemberg vereinigte.
Am 19. Dezember 1959 wurde die Strecke Neuenburg-Märkt des neuen Rheinseitenkanals feierlich eingeweiht.leo-bw.de, Sammlung Willy Pragher, Neuenburg: Eröffnung der Strecke Neuenburg – Märkt (Historische Aufnahmen, 25. Juni 2017): Minister Seebohm durchschneidet Band Gruppen; während der Ansprache
1962/63 wurde der Neubau einer Straßen- kombiniert mit einer einspurigen Eisenbahnbrücke über den nun in „Altrhein“ und Rheinseitenkanal geteilten Rhein fertiggestellt und am 17. August 1963 eingeweiht.leo-bw.de, Sammlung Willy Pragher, Neuenburg-Chalampé: Einweihung der Brücke Neuenburg-Chalampé (Historische Aufnahmen, 25. Juni 2017): Neue Straßenbrücke Neuenburg-Chalampé mit Eisenbahngleis (von Neuenburg gesehen) Brückenbogen (Ausschnitt) über Kanal (rechts Reste des alten Rheinhafens) Neue Straßenbrücke Neuenburg-Chalampé, seitlich mit Altem Rhein Begehung der Brücke Trachtengruppe vor den Ehrengästen beim Gang über die Brücke Autos auf der neuen Brücke
Kreis- und Gemeindereform 1973 und Eingemeindungen Entgegen den Plänen der Landesregierung gelang es dem damaligen Bürgermeister Max Schweinlin zu verhindern, dass Neuenburg seine Selbständigkeit verlor und eingemeindet wurde. Am 1. Dezember 1971 wurde Zienken nach Neuenburg eingemeindet. Am 1. Januar 1974 erfolgte die Eingemeindung von Grißheim. Die Gemeinde Steinenstadt wurde am 1. Januar 1975 eingemeindet. Den Namenszusatz am Rhein trägt die Stadt seit dem 18. März 1975.
Politik Gemeinderat
mini|Rathausplatz
Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. In Neuenburg wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern.
Nach der letzten Kommunalwahl am 9. Juni 2024 hat der Gemeinderat 23 gewählte Mitglieder. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis:
Parteien und Wählergemeinschaften 2024 2019 2014 % Sitze % Sitze % Sitze FWN Freie Wählervereinigung Neuenburg e. V. 51,7 12 46,6 11 36,4 9 CDU Christlich Demokratische Union 32,9 8 35,8 9 43,2 10 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 13,7 3 17,6 4 20,4 5 AfD Alternative für Deutschland 1,7 – – – – – Gesamt 100 23 100 24 100 24 Wahlbeteiligung 55,9 % 50,9 % 39,4 %
Bürgermeister