Spittal an der Drau ist eine Stadtgemeinde mit Einwohnern (Stand ) und zugleich Sitz der Bezirkshauptmannschaft des gleichnamigen Bezirkes im Bundesland Kärnten in Österreich. Die Stadt im Kreuzungsbereich von Drautal, Liesertal, Millstätter See, Nockberge und Mölltal ist das urbane Zentrum Oberkärntens.

mini|Spittal an der Drau von Südosten mini|Stadtansicht von der Lieserbrücke mini|Der Hauptplatz von Spittal

Geographie Geographische Lage Spittal liegt zwischen dem Lurnfeld und dem Unteren Drautal. Von Norden nach Süden durchfließt die Lieser die Stadt und mündet dann in die Drau. Ebenfalls südlich von Spittal liegt der „Hausberg“ der Spittaler, das Goldeck. Das Gemeindegebiet von Spittal erstreckt sich zum Teil über das Südufer des Millstätter Sees.

Gliederung Die Stadtgemeinde ist in die sieben Katastralgemeinden Amlach, Edling, Großegg, Molzbichl, Olsach, Spittal an der Drau und St. Peter-Edling gegliedert und umfasst folgende 27 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Aich () Aichforst () Baldersdorf () Brodbrenten () Burgbichl () Edling () Großegg () Kleinegg () Kleinsaß () Krieselsdorf () Molzbichl () Neuolsach () Nußdorf () Oberamlach () Oberdorf () Oberzmöln () Olsach () Rothenthurn () Schwarzenbach () Spittal an der Drau () St. Peter () St. Sigmund () Tangern () Unteramlach () Unterzmöln () Winkl () Zgurn ()

Nachbargemeinden

Klima

Geschichte 1191 stifteten Graf Otto II. von Ortenburg und sein Bruder, der Archidiakon Hermann von Ortenburg, am Lieserufer nahe der heutigen Stadtpfarrkirche ein Hospital (Spittl) mit Kapelle, was der Salzburger Erzbischof Adalbert in einer Urkunde am 11. April 1191 bestätigte. Das für den Ort namensgebende Spital war für die Versorgung von Pilgern bestimmt, die über den Katschberg und die Radstädter Tauern nach Süden zogen. Die sich bildende Siedlung am rechten Lieser-Ufer stand unter dem Schutz einer Turmburg der Ortenburger, die wahrscheinlich an der Stelle des heutigen Schlosses stand.

1242 wurde Spittal zum Markt erhoben, die verkehrsgünstige Lage an der Mündung von Möll und Lieser in die Drau sowie die Maut- und Flößereirechte auf der Drau bewirkten eine erste wirtschaftliche Blüte. 1324 wird der Markt als Sitz eines Landrichters erwähnt. 1403 erhielt Spittal das Recht, vier mehrtägige Jahrmärkte und einen Wochenmarkt abzuhalten. 1408 bekamen sie die Ausschließlichkeitsrechte für die Drau-Flößerei und die Eisentransporte aus der nahen Krems bei Gmünd. Die Gmünder mussten das Eisen von den Spittalern transportieren lassen und hier verzollen. Nach dem Aussterben der Ortenburger 1418 kam die Herrschaft über die Grafen von Cilli an die Landesherren, die Habsburger. Friedrich III. konnte die Grafschaft gegen Ansprüche der Grafen von Görz behaupten. 1457 erhielt Spittal das Recht, Richter und Rat selbst zu wählen. 1478 wurde der Markt von den in Kärnten einfallenden Türken zerstört, in den darauf folgenden Jahrzehnten beendeten Fehden, Bauernaufstände und der Krieg mit den Ungarn unter Matthias Corvinus, der eine jahrelange Besetzung der gesamten Region zur Folge hatte, den Wohlstand; 1522 brannte der Markt schließlich völlig ab. Das Hospital wurde danach am östlichen Lieserufer neu aufgebaut und beherbergt heute die Fachhochschule Kärnten.

mini|Spittal, Schloss Porcia 1524 erhielt Gabriel von Salamanca-Ortenburg die Grafschaft Ortenburg, ein Spanier und Günstling von Ferdinand I. Er ließ ab 1533 das Schloss Porcia im Renaissance-Stil errichten. Seine Nachkommen nannten sich nach der Grafschaft Ortenburger. Das Gebiet war weitgehend protestantisch, als im Zuge der Gegenreformation im Jahr 1600 eine bewaffnete Kommission unter dem Landeshauptmann, Graf Johann von Ortenburg, die Bevölkerung unter Androhung von Verbannung und Enteignung zum Wiedereintritt in die katholische Kirche zu zwingen versuchte.

1662 wurden die aus dem Friaul gebürtigen Fürsten Porcia Grund- und Schlossherren. Im 18. Jahrhundert kam es zu einer zweiten wirtschaftlichen Blütezeit infolge der aufstrebenden Eisenindustrie und dem damit verbundenen Handel und Gewerbe. Diese Blütezeit endete 1797, als der Markt im Zuge der Koalitionskriege abbrannte. 1809 kam es nahe Spittal erneut zu Kampfhandlungen mit den Truppen Napoleons, ganz Oberkärnten und Osttirol fielen daraufhin durch den Frieden von Schönbrunn an Frankreich. Spittal wurde dem Département Carinthie in der französischen Provinz Illyrien zugeteilt, gelangte aber nach dem Ende der Koalitionskriege im Jahr 1814 an Österreich zurück. 1829 brannte der Markt abermals ab. 1871 kam der Zuganschluss zur Südbahn.

Nach der Bildung der Gemeinden infolge der Revolution von 1848/1849 im Kaisertum Österreich wuchs der Markt Spittal 1865 durch die Eingemeindung der sechs Ortsgemeinden Baldramsdorf, Molzbichl, Edling, Lendorf, Lieserhofen und Amlach zwischenzeitlich zur Großgemeinde heran, schrumpfte jedoch schon 1886/87 fast auf die ursprüngliche Größe zurück. Seither wurden lediglich St. Peter-Edling (1964) und Molzbichl (1973) erneut eingemeindet, zudem wurden 1973 Gebietsteile von Millstatt und Ferndorf angeschlossen, wodurch Spittal einen Anteil des Millstätter See Südufers erlangte.

Im Herbst 1919, während des Kärntner Abwehrkampfes, war Schloss Porcia für einige Zeit Sitz der Kärntner Landesregierung. In Erinnerung daran wurde Spittal anlässlich des 10-Jahr-Jubiläums der Kärntner Volksabstimmung 1930 zur Stadt erhoben.

In der Zeit des Nationalsozialismus war Spittal neben dem Stalag XVIII A bei Wolfsberg und dem KZ Loibl einer der Standorte eines Kriegsgefangenenlagers in Kärnten. Zwei „Russen-Friedhöfe“ genannte Gräberfelder mit den Überresten von rund 6000 unter den unmenschlichen Lagerbedingungen ums Leben gekommenen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern erinnern an diese Zeit. 1944 wurde der Bahnhof bombardiert, Krater von fehlgeleiteten Geschoßen befinden sich heute noch im Wald des Stadtteils Fratres.

Im Nachkriegsösterreich war die Stadt bis 1955 von den Briten besetzt und wurde von Graz aus regiert.

Bevölkerung Die Gemeinde Spittal an der Drau hat 15.341 Einwohner (Stand 2025), davon haben die Staatsbürgerschaft Österreich 12.455, EU-Staaten bis 2 556, EU-Staaten ab 2004 625, EFTA-Staaten, assoziierte Kleinstaaten, Vereinigtes Königreich 37, Türkei 94, Serbien 105, Bosnien u. Herzegowina 937, sonstiges Europa 163, Afrika 51, Nordamerika 15, Lateinamerika 38, Asien (ohne Türkei und Zypern) 258 und staatenlos, ungeklärt, unbekannt 7. Als Religionszugehörigkeit gaben im Jahr 2001 67,9 % römisch-katholisch, 15,3 % evangelisch, 3,4 % islamisch und 2,8 % orthodox an. 8,3 % waren ohne Bekenntnis.

Bevölkerungsentwicklung

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Rothenthurn mini|Schloss Porcia mini|hochkant=0.7|Spittal, Historisches Gasthaus

Schloss Rothenthurn, ein langgestreckter Bau in erhöhter Lage über dem Drautal. Seine Geschichte reicht bis in das 11. Jahrhundert zurück – zu jenem „roten Turm“, der ihm und der Ortschaft im Tal den Namen gab. Seine heutige Gestalt erhielt das Schloss im 17. und 18. Jahrhundert. Schloss Porcia, einer der bedeutendsten Renaissancebauten außerhalb Italiens. Khevenhüller Stadtpalais (heute Rathaus) Katholische Pfarrkirche Molzbichl hl. Tiburtius, daneben Pfarrhofsalettl mit dem Museum Carantana Katholische Pfarrkirche Spittal an der Drau Mariä Verkündigung evang. Lutherkirche Spittl (historisches, namensgebendes Hospital, heute Standort der FH Technikum Kärnten)fh-kaernten.at FH Kärnten, Standort Spittal

Die Stadt Spittal ist Mitglied im Verband Kleine historische Städte.

Museen und Ausstellungen Museum für Volkskultur: Bezirksheimatmuseum im Dachgeschoß von Schloss Porcia, 1958 von Helmut Prasch gegründet. Mit ca. 20.000 Exponaten aus dem Oberkärntner Raum eine der vier größten volkskundlichen Sammlungen Österreichs.

Regelmäßige Veranstaltungen Jährlich finden im Sommer die Komödienspiele im Schloss Porcia statt. Internationaler Chorwettbewerb jeweils Anfang Juli Kleinfeld Fußball-Europacup für Hobbymannschaften jeweils im Juni

Drauauen Westlich von Spittal befinden sich die Drauauen, ein Naherholungs- und Naturschutzgebiet am nordöstlichen Drauufer. Im Zuge der Einbindung der oberen Drau im Gebiet von der Landesgrenze bei Oberdrauburg bis zum Beginn des Draustaus bei Paternion in das Europaschutzgebiet Obere Drau (Natura 2000) wurde 2005 als besonderer Anziehungspunkt die 13 Meter hohe Aussichtsplattform DrAUENland errichtet, von der sich ein guter Blick über die Drau mit ihren Uferzonen bietet.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Spittal an der Drau liegt direkt an der Tauern Autobahn (A 10, Abfahrten: Knoten Spittal-Millstättersee, Spittal-Ost, Spittal-Nord, Spittal-Lendorf), parallel dazu verläuft die Katschberg Straße (B 99) nach Bischofshofen. In westliche Richtung führt die Drautal Straße (B 100) nach Lienz, in Richtung Osten nach Villach (über das Untere Drautal). Richtung Osten zweigt in Lieserbrücke die Millstätter Straße (B 98) nach Millstatt, Radenthein, Treffen und ebenfalls Villach ab.

Im Gemeindegebiet von Spittal an der Drau befinden sich der Bahnhof Spittal-Millstättersee und der Bahnhof Rothenthurn, die beide an der Drautalbahn liegen. Während ersterer auch von Railjet-, InterCity- und Eurocity-Zügen bedient wird, halten in Rothenthurn nur Regionalexpress-Züge und Regionalzüge.

Weiters gab es bereits konkrete Pläne und eine behördliche Bewilligung für eine schmalspurige Bahnstrecke Spittal an der Drau–Gmünd – doch deren Bau kam nicht zustande.

Spittal an der Drau liegt weiters am Rupertiweg, einem österreichischen Weitwanderweg, der den Böhmerwald mit dem Nassfeld an der italienischen Grenze verbindet.

Sicherheit und Rettungsdienste Am Dr.-Arthur-Lemisch-Platz liegt das Bezirkspolizeikommando Spittal an der Drau, in dem auch die Polizeiinspektion untergebracht ist. In Lieserbrücke befindet sich außerdem eine Autobahnpolizeiinspektion.

In der Ortenburgerstraße befindet sich das Bezirksfeuerwehrkommando mit der Freiwilligen Feuerwehr Spittal/Drau sowie der Bergrettung Spittal, die außer für Spittal auch für die umliegenden Gemeinden Stockenboi, Baldramsdorf, Paternion, Ferndorf, Lendorf, Seeboden und Millstatt zuständig ist. In der nahegelegenen Koschatstraße liegt auch gleich die Bezirksstelle des Roten Kreuzes. Das 1925 eröffnete allgemeine öffentliche (a.ö.) Krankenhaus Spittal in der Billrothstraße ist das medizinische Zentrum Oberkärntens und verfügt über 263 Betten sowie 354 Mitarbeiter. In der Ortschaft Rothenthurn befindet sich die Freiwillige Feuerwehr Olsach-Molzbichl, welche unter anderem den Brandschutz im östlichen Teil der Stadtgemeinde sicherstellt.

In der Villacher Straße befindet sich die Türk-Kaserne, in der das Jägerbataillon 26 beheimatet ist.

Ansässige Unternehmen Die Gabor-Schuhfabrik hat seit 1960 den Sitz ihrer österreichischen Niederlassung in Spittal. Bis zu 1300 Mitarbeiter waren dort tätig. Mit Ende August 2009 ging die Ära der dauernden Serienfertigung von Schuhen in der Lieserstadt zu Ende. Der Personalstand wurde auf rund 200 Mitarbeiter abgebaut. Mitte März 2010 verkündete Vorstandsvorsitzender Achim Gabor das endgültige Aus für den Standort Spittal mit Jahresende 2010 – die übrigen 170 Mitarbeiter verloren ihren Job. Die Ära der Schuhindustrie in Kärnten ging damit endgültig zu Ende. Die Fertigung wurde in die Slowakei nach Bánovce nad Bebravou verlegt.Gabor Shoes beginnt Musterstücke in der Slowakei herzustellen auf Radio Slovakia International vom 13. Jänner 2011, abgerufen am 5. April 2011. Die STRABAG AG – internationales Bauunternehmen, ehemals Hauptsitz in Spittal an der Drau Die Lindner-Recyclingtech GmbH ist ein weltweit tätiges Recycling-Unternehmen. Die PPC Paper Print Converting GmbH produziert Einmalgeschirr und -artikel sowie Hygieneprodukte und Haushaltshelfer. Der Pharma- und Chemiekonzern Merck (seit 2018 an P&G verkauft) unterhält in Spittal einen seiner fünf globalen Produktionsstandorte.