Das Unternehmen Kawasaki Heavy Industries (kurz Kawasaki, Abkürzung KHI; jap. ) ist ein japanischer Schwerindustrie-Konzern, gelistet im Nikkei 225. Der Hauptsitz befindet sich in Kōbe, Hyōgo, Japan.Corporate Profile
Geschäftsbereiche Der Konzern gliedert sich in die Hauptbereiche Schiffbau, Luft- und Raumfahrttechnik, Fahrzeugbau (Eisenbahnen, Baufahrzeuge, Motorräder), Hoch- und Tiefbau, sowie Maschinen- und Energieanlagenbau (Roboter, Gepäckförderanlagen, Gasturbinen, Windenergieanlagen). Außerhalb Japans ist Kawasaki vor allem durch die Motorradherstellung bekannt.
Geschichte 19. Jahrhundert mini|hochkant|Kawasaki Shōzō – Gründer des Unternehmens Der Ursprung des Unternehmens geht auf die Gründung der Kawasaki Tsukiji-Werft () in Tokio durch Kawasaki Shōzō im Jahr 1878 zurück. Diese Gründung wurde maßgeblich durch den Finanzminister und späteren Premierminister Matsukata Masayoshi unterstützt.Kenneth E. Hendrickson: The Encyclopedia of the Industrial Revolution in World History. Rowman & Littlefield, 2014, ISBN 978-0-8108-8887-6, Seite 498. Ziel des Unternehmens war es, westliche Schiffsbauweisen zu etablieren und die Modernisierung Japans voranzutreiben. Aufgrund der starken Nachfrage stieß die Werft in Tokio rasch an ihre Kapazitätsgrenzen, weshalb Kawasaki 1881 eine zweite Werft in Kobe errichten ließ. Am 15. Oktober 1896 wurden diese beiden Werften dann zur Kawasaki Dockyard Company fusioniert, wobei Matsukata Kōjirō, der dritte Sohn von Matsukata Masayoshi, zum ersten Präsidenten ernannt wurde.
Um die Jahrhundertwende Um die Jahrhundertwende stieg die Nachfrage nach neuen Schiffen und Schiffsreparaturen in Japan weiter an, was auf die Industrialisierung des Landes sowie auf die militärischen Konflikte wie den Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg und später den Russisch-Japanischen Krieg zurückzuführen war. Kawasaki profitierte von dieser gesteigerten Nachfrage und konnte in den folgenden Jahren weiter expandieren.
Präsident Matsukata strebte neben dem Schiffsbau auch die Diversifizierung in andere Geschäftsfelder an. Die Herstellung von Schienenfahrzeugen erschien ihm besonders vielversprechend, da die Regierung plante, das Eisenbahnnetz des Landes auszubauen und bisher viele Schienenfahrzeuge importiert werden mussten. Daher ließ er 1906 in Kobe ein neues Werk für die Schienenfahrzeugherstellung errichten. Ein Jahr später begann dort die Produktion von Eisenbahnwagen, gefolgt von Lokomotiven ab 1911.
Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und der darauf folgenden Rezession ging die Nachfrage nach Schiffen erheblich zurück. Kawasaki geriet dadurch in ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten und war gezwungen auf andere Geschäftsfelder umzuschwenken. In den folgenden Jahren konzentrierte sich Kawasaki auf den Stahlbau und begann auch mit der Entwicklung von Flugzeugen. Denn Präsident Matsukata war beeindruckt von den Fortschritten, die der Flugzeugbau im Ersten Weltkrieg gemacht hatte und sah darin eine große Chance für sein Unternehmen. Parallel dazu startete Kawasaki 1918 auch mit der Produktion von Lastkraftwagen für die japanische Armee. Bereits ein Jahr später wurde die Automobilproduktion jedoch wieder eingestellt, um den Fokus auf den Flugzeugbau zu verlagern.
Gerade als die Umstrukturierungen Wirkung zeigten und sich das Unternehmen erholte, ereignete sich die Weltwirtschaftskrise. Kawasaki geriet erneut in wirtschaftliche Schieflage und musste 1931 sogar Insolvenz anmelden. Eine anschließende Sanierung führte das Unternehmen wieder auf den Weg der Besserung. Dabei war die 1931 ausgebrochene Mandschurei-Krise hilfreich, da sie die Nachfrage des japanischen Militärs nach Flugzeugen erhöhte.
Mit Ausbruch des Pazifikkrieges verstärkte sich die staatliche Kontrolle über Kawasaki. Die Anfang der 1930er Jahre wieder aufgenommene Automobilproduktion wurde 1942 nach rund 4000 hergestellten Fahrzeugen auf Anordnung der Regierung gänzlich eingestellt. Das Unternehmen musste nun fast ausschließlich Rüstungsgüter und Stahl produzieren. Dabei verschlechterten sich die Bedingungen zunehmend. Gegen Ende des Jahres 1944 nahmen die Luftangriffe auf die Produktionsstätten von Kawasaki zu und bis zur Kapitulation Japans am 2. September 1945 waren große Teile der Anlagen komplett zerstört.
Nachkriegsjahrzehnte + Präsidenten von Kawasaki Präsident Zeitraum Matsukata Kōjirō () 1896–1928 Fusajiro Kajima () 1928–1932 Hachisaburo Hirao () 1933–1935 Shosuke Itani () 1935–1946 Toshio Tezuka () 1950–1961 Masashi Isano () 1961–1969 Kiyoshi Yotsumoto () 1969–1977 Zenji Umeda () 1977–1981 Kenkō Hasegawa () 1981–1987 Hiroshi Ōhba () 1987–1997 Toshio Kamei () 1997–2000 Masamoto Tazaki () 2000–2005 Tadaharu Ohashi () 2005–2009 Satoshi Hasegawa () 2009–2013 Shigeru Murayama () 2013–2016 Yoshinori Kanehana () 2016–2020 Yasuhiko Hashimoto () seit 2020 Nach dem Krieg wurde Kawasaki als Zaibatsu-Unternehmen eingestuft. Dies hatte zur Folge, dass viele Führungskräfte zurücktreten mussten und eine Umstrukturierung erforderlich wurde. Anschließend konzentrierte sich das Unternehmen auf den Schiffbau, da mit dem Aufschwung der Weltwirtschaft auch der Bedarf nach neuen Schiffen wuchs. Neben dem Schiffbau widmete sich Kawasaki dem Bau von Dieselmotoren und Hydrauliksystemen.
1969 fusionierten die bisher bestehenden Geschäftsbereiche zur Kawasaki Heavy Industries, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und ein umfassendes Schwermaschinenbauunternehmen zu etablieren. Anschließend eröffnete Kawasaki ein zentrales Forschungsinstitut und führte mehrere neue Produkte (wie beispielsweise Motorräder, Jetski, Radlader sowie Industrieroboter) ein.
Nach der ersten Ölkrise 1973 erlebte die Schiffbausparte einen dramatischen Rückgang der Aufträge. Um gegenzusteuern, ergriff das Unternehmen harte Sparmaßnahmen und führte Umstrukturierungen durch. Kawasaki setzte unter anderem auf den Energiesektor (Kraftwerkstechnik) und entwickelte zudem Japans ersten Flüssiggastanker. Auch bei der Industrierobotik wurden Fortschritte erzielt.
Um der anhaltenden Rezession zu entkommen, bemühte sich Kawasaki Anfang der 1980er Jahre intensiv um Aufträge für Großanlagen im Ausland. Dies führte aufgrund des Ersten Golfkriegs und der wirtschaftliche Abschwächung in den Vereinigten Staaten allerdings nicht zum Erfolg. Erst durch einschneidende Maßnahmen erzielte Kawasaki 1985 wieder Gewinne. Durch die mit dem Plaza-Abkommen verbundene Aufwertung des Yen geriet das Unternehmen erneut unter Druck und fokussierte sich auf die inländische Nachfrage und wachstumsträchtige Geschäftsbereiche. Gleichzeitig wurden weitere Restrukturierungsmaßnahmen vorgenommen und die Mitarbeiterzahl von 21.500 auf 17.000 bis Ende 1987 reduziert. Damit gelang es die wirtschaftliche Lage des Unternehmens im Laufe der 1990er Jahre wieder zu verbessern und Gewinne zu erwirtschaften.
21. Jahrhundert Nach der Jahrtausendwende konnte Kawasaki seine Gewinne zunächst weiter steigern. Mit dem Eintritt der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 verschlechterte sich die Geschäftslage und Kawasaki musste mehrere Tochtergesellschaften reintegrieren. Anschließend expandierte das Unternehmen mit neuen Produktions- und Vertriebsstandorten in China, Südostasien, Brasilien und Indien. Ab dem Geschäftsjahr 2013 verzeichnete Kawasaki wieder steigende Aufträge und wachsende Umsätze und Gewinne. Mitte des Jahrzehnts wurde der Fokus auf wachstumsträchtige Bereiche wie Luftfahrtsysteme, Energie und Robotik gelegt.
Mit der globalen Ausbreitung von COVID-19 im Jahre 2020 kam es zu erheblichen Beeinträchtigungen der Geschäftstätigkeit und der Lieferketten, was zu massiv sinkenden Aufträgen insbesondere im Luftfahrt-Geschäftsbereich sowie zu Umsatz- und Gewinnrückgängen im Geschäftsjahr 2020 führte. Um in dieser Zeit ausreichende Erträge zu erwirtschaften, konzentrierte sich Kawasaki auf die Herstellung von Hydraulik-Komponenten, Motorrädern, Jetski und Quads. Mit Abschwächung der Pandemie erholte sich der Luftfahrt-Geschäftsbereich und erreichte bis Ende 2023 wieder das Vor-Pandemie-Niveau.
Ehemalige und aktuelle Produkte Automobile Zwischen 1932 und 1942 stellte die Abteilung Kawasaki Rolling Stock Manufacturing Company über 4000 Lastkraftwagen her. Andere Quellen geben die Bauzeit mit 1931 bis 1942 an. Dazu kamen Omnibusse. Außerdem entstanden von 1932 bis etwa 1935 zehn Personenkraftwagen als Limousine und Tourenwagen, die als Rokko vermarktet wurden und einen Achtzylindermotor mit 4738 cm³ Hubraum hatten. Eine andere Quelle nennt für die Pkw sowohl 4891 cm³ Hubraum mit 66 PS als auch 5071 cm³ Hubraum mit 90 bis 100 PS. Sie hatten Frontmotor und Hinterradantrieb. Bauzeitraum war von 1931 bis 1942. mini|Kawasaki K-RACER-X1 Drohne auf der Kobe International Exhibition 2022
Luftfahrt
Drohnen K-RACER-X1
K-RACER-X2
Flugzeuge mini|Kawasaki C-1 der Japanischen Luftselbstverteidigungsstreitkräfte Flugzeuge für den militärischen Flugverkehr werden von Kawasaki Heavy Industries hergestellt. Kawasaki ist/war Teil der gemeinsamen Entwicklung und Produktion der Boeing 777, Boeing 787, Embraer 170, ShinMaywa US-2 und Mitsubishi F-2. mini|Seeaufklärer Kawasaki P-1 mini|Kawasaki-Ki-48 nach japanischer Kapitulation mini|Kawasaki T-4 Trainingsmaschine In Lizenz baut Kawasaki Heavy Industries den Boeing-Vertol CH-47 für Japan als CH-47J.
→ Kategorie: Kawasaki-Luftfahrzeuge +ModelProduktionszeitraumKawasaki C-11974–1981Kawasaki C-2ab 2016Kawasaki C-5Kawasaki KDA-3Kawasaki KDA-5Kawasaki KDC-2Kawasaki KAL-1Kawasaki KAL-2Kawasaki KAT-1Kawasaki KAQ-1Kawasaki Ki-3Kawasaki Ki-5Kawasaki Ki-10Kawasaki Ki-100Kawasaki Ki-102Kawasaki Ki-281936Kawasaki Ki-32Kawasaki Ki-45Kawasaki Ki-48Kawasaki Ki-56Kawasaki Ki-61Kawasaki Ki-64Kawasaki Ki-78Kawasaki Ki-88Kawasaki Ki-91Kawasaki Ki-96Kawasaki Ki-100Kawasaki Ki-102Kawasaki P-1ab 2013Kawasaki P-2J1969–1996Kawasaki P-3CKawasaki T-4ab 1988 Kawasaki T-33Kawasaki Typ 88
Luftfahrtantrieb mini|V2500 Luftfahrtantrieb an dessen Bau KHI beteiligt ist Kawasaki Heavy Industries ist Teil der Nihon Kōkūki Engine Kyōkai, einem Zusammenschluss japanischer Turbinenhersteller, der am Bau von Antrieben beteiligt ist.
Helikopter Hier eine Liste aller von Kawasaki Heavy Industries produzierten Helikopter: mini|BK 117 B2 der Polizei Nordrhein-Westfalen +ModelProduktionszeitraumBemerkungBoeing CH-47J/JA ab 1961In Lizenz für Boeing produziertKawasaki KH-41952Kawasaki OH-1ab 1999MBB/Kawasaki BK 117ab 1979Produziert in Zusammenarbeit mit MBB, später Airbus HelicoptersMCH/CH-101ab 1990Als AW101 bzw. EH101 bei AgustaWestland produziert, es wurde eine Transport- und Minenräumversion von Kawasaki als CH-101 bzw. MCH-101 (AW101 Series 518) hergestellt. Auch als KHI-101 bekannt. mini|Kawasaki 550 Jetski aus 1985
Jetski Jetski oder auch Jet-Ski ist der geschützte Markenname eines Wasserfahrzeugs, das von Kawasaki Heavy Industries hergestellt wird. Der Begriff wird oft allgemein verwendet, um sich auf jede Art von Wassermotorrad zu beziehen.
Motorräder mini|Das Kawasaki Logo „River Mark“ der Motorradsparte → Kategorie: Kawasaki-Kraftrad
Zum 1. Januar 2026 waren in Deutschland 381.524 Kawasaki-Krafträder zum Straßenverkehr zugelassen, was einem Anteil von 7,5 Prozent entspricht. Zurzeit (2024) vertreibt Kawasaki in Deutschland Modelle mit folgenden Motoren:
Bauart Hubraum Supersport Naked Bike Cruiser/Retro Sporttourer ReiseendurosEnduroMotocross Bemerkung R4 1043 cm³ Ninja 1000 SX Versys 1000 998 cm³ Ninja H2 Ninja ZX-10R Z H2 Ninja H2 SX 948 cm³ Z 900 Z 900 RS R2 773 cm³ W 800luftgekühltR4636 cm³ Ninja ZX-6R R2 649 cm³ Ninja 650 Ninja 7 Hybrid Z 650 Vulcan S Z650 RS Ninja 650 Versys 650449 cm³ KX450X KX450451 cm³ Ninja 500 Z 7 Hybrid
Z 500 MY2024 Eliminator 500A2-FührerscheinR4399 cm³ Ninja ZX-4RRR2249 cm³ KX250X KX250233 cm³ W230
Meguro S1A2-Führerschein R1 125 cm³ Ninja e-1
Ninja 125 Z e-1
Z 125 A1-Führerschein84 cm³ KX8564 cm³ KX65
Motorroller