mini|alt=Blick von Süden auf Olympialoipe, Seekirchl, Nördliche Karwendelkette und Kongresszentrum|Blick von Süden auf Olympialoipe, Seekirchl, Nördliche Karwendelkette und Kongresszentrum (v. l. n. r.) mini|hochkant|alt=Seefeld und Hohe Munde|Seefeld und Hohe Munde Seefeld in Tirol ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) und deren Hauptort im Bezirk Innsbruck-Land in Tirol (Österreich). Die Gemeinde liegt auf einer Hochebene zwischen Wettersteingebirge und Karwendel an einer seit dem Mittelalter bedeutenden Altstraße von Mittenwald nach Innsbruck. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt und seit dem 14. Jahrhundert Wallfahrtsort, profitierte Seefeld nicht nur vom Besuch zahlreicher Pilger, sondern auch vom Niederlagsrecht als Handelsstation zwischen Augsburg und Venedig. Ebenfalls seit dem 14. Jahrhundert wurde im Ort Tiroler Steinöl gewonnen und weithin gehandelt. Bereits vor 1900 war Seefeld als Urlaubsort beliebt und gehört als bekanntes Wintersportzentrum seit den 1930er Jahren zu den am stärksten besuchten Fremdenverkehrsorten Österreichs. Die Gemeinde, die bereits mehrmals Austragungsort Olympischer Winterspiele war, liegt im Gerichtsbezirk Innsbruck.

Geographie Seefeld liegt rund 17 Kilometer nordwestlich von Innsbruck und etwa 10 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt auf dem Seefelder Plateau, das von der Mieminger Kette, dem Wettersteingebirge und der Erlspitzgruppe, dem südwestlichsten Teil des Karwendels, umgeben ist.

Nachbargemeinden Im Nordwesten grenzt Seefeld an Leutasch (Ortsteil Weidach), im Nordosten an Scharnitz (Ortsteil Gießenbach). Die östliche Gemeindegrenze zu Zirl verläuft über den Grat von Seefelder Joch und Seefelder Spitze. Im Süden liegt Reith (Ortsteil Auland) und im Westen Telfs (Ortsteil Mösern).

Entfernungen

Topographie Das auf etwa gelegene Seefelder Plateau, das zum Tiroler Mittelgebirge gezählt wird, fällt etwa 4 Kilometer südöstlich von Seefeld an der Linie Buchen-Mösern-Zirler Berg steil zum 600 Meter tiefer liegenden Inntal ab. Die Senke um den Seefelder Sattel entstand bereits in der Gebirgsbildung durch Schichtenniederbiegung.Otto Ampferer: Über den Südrand der Lechtaler Alpen zwischen Arlberg und Ötztal. In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, Band 80, Heft 3 und 4, Jg. 1930, S. 409 (). Für die heutigen Landschaftsformen sorgte in der Würm-Eiszeit die östliche Zunge des Isar-Loisach-Gletschers, der seinerseits ein Ausläufer des Inn-Gletschers war. Nach dessen Abschmelzen füllten sich die zahlreichen durch Geschiebemergel abgedichteten Hohlformen mit Wasser und formten unter anderem den namensgebenden Wildsee am südlichen Ortsrand.

Die bebaute Fläche reicht vom Kirchwald im Westen bis zur Seefelder Straße am Fuß des Härmelekopfs. Im Norden wird sie durch die unterhalb des Schlossbergs gelegene Klamm des Seebachs begrenzt, der Pfarrhügel als Ausläufer des Gschwandtkopfs im Süden reicht bis an den Ortskern. Nordöstlich des Ortes erstreckt sich das Gemeindegebiet auf die zum größten Teil bewaldeten Hänge nördlich der Seefelder Spitze bis hinunter ins Tal des Gießenbachs. An der Grenze zu Scharnitz am Ende der Reiserigklamm liegt am Talboden des Drahnbachs mit der tiefste Punkt des Gemeindegebietes, der höchste befindet sich Luftlinie 3,3 Kilometer südsüdöstlich davon auf dem Gipfel der hohen Seefelder Spitze.

Gewässer

Am Osthang des Seefelder Jochs entspringen die Zuflüsse des Haglbaches, der durchs Hermannstal nach Westen verläuft, sich bei Erreichen des Plateaus dann entlang der Gemeindegrenze nach Süden wendet und den Wildsee speist. Der Wildsee ist durch den Sedimenteintrag des Haglbachs von Verlandung bedroht. Zukünftig soll ein östlich der Innsbrucker Straße ausgebaggerter Teich diese Sedimente aufnehmen.Josef Hornsteiner: plateauzeitung.at vom 4. Februar 2014. Der Abfluss des Wildsees, nun Seebach genannt, durchläuft Seefeld Richtung Norden und nimmt kurz nach dem Ortskern den Raabach auf. Bei Peter Anich 1762 ist dieser Abschnitt als Mühlbach verzeichnet.

Der Raabach hat im Südosten beim Möserer Mähder seine Quelle und war ehemals zu einem See gestaut, der dem Seekirchl seinen Namen gab. Unterhalb des Schlossbergs befindet sich nahe dem Seebach eine radonhaltige Quelle,, Teilauszug aus dem Wasserbuch Tirol. die unter dem Namen Franz-Josefs-Quelle Bezirksgericht Innsbruck, 811 20 E 84/12k, abgerufen am 24. Juli 2013. im Jahr 1900 erstmals im Verzeichnis der Kurorte und Bäder der K.K. Statthalterei für Tirol und Vorarlberg erwähnt ist und bis 1984 als Heilbad genutzt wurde.Helmut Pintarelli: Gutachten zum Verkehrswert, ehemaliges Hotel Schneeweiss (Geschäftszahl: 20 E 84/12k) vom 13. Dezember 2012, S. 12f. (, 228 kB). Der Radongehalt ist mit 117 Becquerel pro Liter eher gering (der Grenzwert für Trinkwasser beträgt 1000 Bq/l).

Der an der Wildmoosalm unterhalb des gleichnamigen Sees entspringende Klammbach verläuft nordwestlich des Ortes jenseits des Geigenbühel, passiert die Triendlsäge (dort ein 450 m³ fassender Speicherteich für ein Kleinkraftwerk mit 45 kW, , Teilauszüge aus dem Wasserbuch Tirol.) und vereinigt sich am Lehenwald kurz vor der Bodenalm mit dem Seebach zum Drahnbach. Dieser fließt Richtung Scharnitz und mündet dort in den Isarzufluss Gießenbach.

Der Speichersee auf nahe der Rosshütte (Kaltwassersee genannt nach dem dortigen Flurnamen) fasst 66.500 m³ und erhält sein Wasser aus dem öffentlichen Versorgungsnetz. Seit 2015 wird er zusätzlich zwischen April und August aus der Quelle Blauer Schrofen unterhalb der Seefelder Spitze gespeist. Die zulässige Gesamtentnahme aus dem Kaltwassersee für die Beschneiung wurde im Jahr 2009 von 100.000 m³ auf 165.000 m³ pro Jahr erhöht, 2017 auf 300.000 m³. 2016 war der Antrag auf Zufügung bakterieller Kristallisationskeime („Snomax“) von der Tiroler Landesregierung abgelehnt worden., Teilauszug aus dem Wasserbuch Tirol.

Flächennutzung Von den 1738 ha Fläche sind 1103 ha bewaldet (63,4 Prozent), 312 ha sind landwirtschaftliche Nutzfläche und Freizeitgrünfläche (17,9 Prozent) und 102 ha sind bebaut (5,9 Prozent). Gewässer und Feuchtflächen beanspruchen 13 ha (0,7 Prozent) und die restlichen 208 ha sind Ödland (12 Prozent). Als Dauersiedlungsraum werden 340 ha betrachtet (19,6 Prozent der Gemeindefläche), dieser ist zu 31 Prozent bebaut. Dauersiedlungsraum der Gemeinden, Gebietsstand 2013, Statistik Austria (PDF, 133 kB) und , Daten von Statistik Austria, 2001 und 2002. Seine größte Ausdehnung hat das Gemeindegebiet in Südwest-Nordost-Richtung mit 8,1 Kilometern, in Nordwest-Südost-Richtung sind es zwischen Hermannstal und Lehenwald dagegen nur 1,5 Kilometer.

Die Landnutzung gemäß CLC-Daten verteilt sich wie folgt:Corine Landbedeckung auf tirolatlas.at

Geologie mini|hochkant|Seefeld-Formation In Seefeld dominierend sind die Hauptdolomit-Schichten, die für die Nördlichen Kalkalpen typisch sind und zur Inntaldecke zählen. Pfarrhügel und Schlossberg sind Moränenablagerungen, ebenso der Nordosthang des Geigenbühel, Krinz, die Bodenalm und der Bergrücken der Rosshütte. Zwischen den Hauptstraßen Münchner und Innsbrucker Straße und der Seefelder Straße erstreckt sich der 40 Meter hohe Schwemmkegel des Haglbachs.Geologische Karte der Republik Österreich 1:50.000; Nr. 117 (1992) (online, PDF, 2,1 MB)

Lokale Besonderheit ist die kerogen- und bitumenreiche Seefeld-Formation, die sich in isolierten Becken und Vertiefungen der Hauptdolomit-Lagune bildete, wo schwefelwasserstoffhaltiges Wasser in Bodennähe die Fauna absterben ließ. Diese Beckenfazies sind bis zu 650 Meter mächtig. Neben zahlreichen Funden fossiler Fische und Pflanzen und vereinzelter Flugsaurier wurde kürzlich der erste Langobardisaurus außerhalb Italiens entdeckt.Sensationeller Saurierfund in Tirol. In: Kurier. 19. April 2013, abgerufen am 9. Mai 2013.Franco Saller, Silvio Renesto, Fabio M. Dalla Vecchia: First record of Langobardisaurus (Diapsida, Protorosauria) from the Norian (Late Triassic) of Austria, and a revision of the genus. In: Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie – Abhandlungen. Volume 268, Number 1, April 2013, S. 83–95. doi:10.1127/0077-7749/2013/0319

Die Gesteine der Seefeld-Formation wurden von etwa 1350 bis 1964 abgebaut, um daraus Tiroler Steinöl (ab 1884 auch zu Ichthyol weiterverarbeitet) zu gewinnen. Das wichtigste Bergbaurevier lag westlich der Reither Spitze im Gebiet der Reither Jochalm.

In Seefeld gefundene Geschiebe („Findlinge“) stammen aus den Albula-Alpen (Julier-Granit) und den Ötztaler Alpen (Epidot und Granatamphibolit).

Klima Aufgrund seiner Höhe hat Seefeld ein Klima mit Mittelgebirgscharakter und liegt in der montanen Stufe unterhalb der alpinen Zone. Die Lage am Nordrand der Alpen sorgt bei von der Biskaya kommenden Tiefdruckgebieten (Nordwestlage) für ergiebige Niederschläge, andererseits staut das Wettersteinmassiv auch die Wolken auf, so dass das Seefelder Plateau trotz aufziehenden Schlechtwetters oft noch in der Sonne liegen kann. Auch Föhnlagen kommen vor (höchste gemessene Temperatur im Oktober: 23 °C).Klimadaten Österreich 1971–2000, ZAMG

Die durchschnittliche Temperatur beträgt 5,1 °C, der jährliche Niederschlag 1165,3 mm. Die wärmsten Monate sind Juli und August mit durchschnittlich 14,3 bzw. 13,8 °C und die kältesten Jänner und Februar mit −3,2 bzw. −2,8 °C im Mittel. Am 2. Februar 1956 fiel das Thermometer in Seefeld auf −32,5 °C, was den Kälterekord für Tirol bedeutet.Kälte: Rekord von minus 37,4 Grad unangetastet. In: Salzburger Nachrichten. 31. Januar 2012, abgerufen am 27. Dezember 2016. Die niedrigste Temperatur seit 1975 wurde mit −27,4 °C ebenfalls in einem Februar gemessen, die höchste im Juli mit 32,2 °C. Die Monate mit den meisten heiteren Tagen (Bewölkung unter 20 Prozent) sind Dezember bis Februar, die wenigsten trüben Tage (Bedeckung über 80 Prozent) gibt es im Oktober.

Der niederschlagsreichste Monat ist Juli mit durchschnittlich 153,4 mm, der trockenste ist Oktober mit 64,8 mm. Im Winter fallen über 4 Meter Neuschnee, an 110 Tagen im Jahr erreicht die Schneedecke 20 Zentimeter oder mehr. Die Wahrscheinlichkeit für Weiße Weihnachten liegt bei 85 Prozent, die für Schneefall an Heiligabend bei 25 Prozent.Alle Jahre wieder: “Weiße Weihnachten?” auf Vorarlberg online, vol.at, 13. Dezember 2011 (Daten nach Alexander Orlik, ZAMG).

Geschichte mini|Schlossberg bei Seefeld(Georg Hoefnagel, 1590) mini|alt=Darstellung des Hostienwunders von Seefeld in Tirol auf dem Portal der Wallfahrtskirche St. Oswald|Darstellung des Hostienwunders auf dem Portal der Wallfahrtskirche mini|alt=Kloster Seefeld|Kloster Seefeld mini|alt=St. Oswald mit Kloster, im Hintergrund das Seekirchl|St. Oswald mit Kloster, im Hintergrund das Seekirchl mini|alt=Wallfahrtskirche Sankt Oswald, links der Pfarrhof|Wallfahrtskirche St. Oswald, links: Pfarrhof mini|Das Seekirchl Heilig Kreuz in Seefeld