Als Rheinhessisches Tafel- und Hügelland wird das größtenteils in Rheinhessen und ganz in Rheinland-Pfalz gelegene Hügelland zwischen der Rheinebene von Worms über Mainz bis Bingen am Rhein (Südosten bis Norden) und dem Nordpfälzer Bergland im Westen bezeichnet. Eine geläufigere Bezeichnung der Landschaft ist Alzeyer Hügelland, die jedoch seit 1964 parallel auch für eine kleinere Teillandschaft, das Alzeyer Hügelland im engeren Sinne unmittelbar um Alzey und südlich der Stadt, verwendet wird.

Es handelt sich um eine tertiäre, erst in sehr junger Zeit vom übrigen Mainzer Becken angehobene Schichtstufenlandschaft, in der der Plateaucharakter gegenüber typischen Hügellandschaften überwiegt. Die Höhenlagen erreichen in der Regel bis , an Nahtstellen zu den höheren Nachbarlandschaften auch bis zu gut . Sie überragen die teils breiten Täler um 100 bis 200 Meter.

Lage Das Rheinhessische Tafel- und Hügelland nimmt große Teile der Landkreise Alzey-Worms und Mainz-Bingen ein. Hinzu kommen flächenmäßig nicht geringe, aber dünner besiedelte Randanteile der kreisfreien Städte Mainz und Worms. Im Nordwesten reichen Ausläufer der Landschaft bis ins Kernstadtgebiet der rheinischen Stadt Bad Kreuznach im gleichnamigen Landkreis, im Westen bis Süden werden die Kernstädte der pfälzischen Ortschaften Kirchheimbolanden, Eisenberg (beide Donnersbergkreis) und Grünstadt (Landkreis Bad Dürkheim) erreicht. Zentraler Ort ist Alzey, das auch Namensgeber sowohl für die Gesamtlandschaft als auch für das Alzeyer Hügelland im engeren Sinne in Zentrum und Südwesten ist.

Zentrales Fließgewässer ist die die Landschaft von Süden nach Norden zerschneidende Selz. Im äußersten Süden fließen Eisbach und Pfrimm parallel nach Osten gerichtet dem Rhein bei Worms entgegen, im äußersten Westen fließen Appelbach und Wiesbach nach Nordwesten parallel zur Nahe unterhalb Kreuznachs.

Grenzen Im Nordwesten bildet die Niederung der Nahe unterhalb Bad Kreuznachs eine natürliche Landschaftsgrenze, in Norden und Osten tun dies die Ebenen des Rheins stromaufwärts von Bingen am Rhein über Mainz bis Worms und im Süden die Niederung des Eckbachs bachaufwärts bis Grünstadt.

Im äußersten Südwesten, bei Eisenberg, begrenzt eine klare Höhenstufe zum Pfälzerwald die Landschaft; zwischen Kirchheimbolanden und Bad Kreuznach tut dies eine ähnliche Höhenstufe zum Nordpfälzer Bergland. Lediglich an der Nahtstelle der beiden Bergländer, zwischen Göllheim (SSO) und Bolanden (NNW), kehrt sich das Höhenverhältnis um: Das Alzeyer Hügelland verriegelt hier von Osten die flachwellige Kaiserstraßensenke mit der von Südwesten kommenden Pfrimm, die als südöstliche Randsenke des Nordpfälzer Berglandes das Gebiet um den Donnersberg vom Stumpfwald im äußersten Norden des Pfälzerwaldes trennt.

Naturräumliche Gliederung Im Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands wurde das Rheinhessische Tafel- und Hügelland unter dem Namen Alzeyer Hügelland zu einer von vielen naturräumlichen Haupteinheiten des Oberrheintieflandes erklärt und mit der dreistelligen Kennziffer 227 versehen. Im verfeinernden Blatt 150 Mainz wurde die Landschaft umbenannt und mit dem Namen Alzeyer Hügelland nur eine Teillandschaft belegt, jedoch ist bis heute auf Karten oft die Gesamt-Hügellandschaft unter dem alten Namen deklariert.

Die Landschaft gliedert sich wie folgt (in Klammern Lagehinweise sowie Flächenangaben) (zu 22 Nördliches Oberrheintiefland) 227 Rheinhessisches Tafel- und Hügelland bzw. Alzeyer Hügelland im engeren Sinne 227.0 Wöllsteiner Hügelland (Unterlauf des Appelbachs ab Wöllstein, Mittel- und Unterlauf des Wiesbachs ab Wendelsheim;143,27 km²) 227.1 Nördliches Tafelland (276,50 km²) – durch 227.20 zweigeteilt 227.10 Rheinhessische Randstufe (Südwesthang von 227.11; 54,37 km²) 227.11 Westplateau (von Wörrstadt im SO bis Appenheim im NW; 92,98 km²) 227.12 Wackernheimer Randstufe (Nordhang von 227.130 bei Wackernheim; 5,52 km²) 227.13 Ostplateau und Bretzenheimer Höhe (115,94 km²) 227.130 Ostplateau (westlich von 227.131 und dieses von S umschließend; 69,02 km²) 227.131 Bretzenheimer Höhe (unmittelbar südwestlich der Kernstadt von Mainz; 46,91 km²) 227.14 Laubenheimer Berg (Osthang von 227.13; 7,71 km²) 227.2 Selztal (169,82 km²) 227.20 Unteres Selztal (Mündungslauf, 227.11 und 227.130 separierend; 56,08 km²) 227.21 Mittleres Selzbecken (von Gau-Odernheim bis Nieder-Olm; 113,73 km²) 227.3 Östliche Randhöhen (131,67 km²) 227.30 Gaustraßenhöhe (N–S-gerichtet mit Uelversheim im Zentrum; 109,45 km²) 227.31 Nierstein-Guntersblumer Hang (Osthang von 227.30; 22,22 km²) 227.4 Alzeyer Hügelland im engeren Sinne (262,62 km²) 227.40 Alzey-Ilbesheimer Höhen (155,54 km²) 227.400 Inneres Alzeyer Hügelland (um Alzey; 87,81 km²) 227.401 Ilbesheimer Lössschwelle (südlich von 227.400; 67,73 km²) 227.41 Bolander Randhöhen (Übergang von 227.40 nach Westen zum Nordpfälzer Bergland mit Kirchheimbolanden im Zentrum; 44,58 km²) 227.42 Göllheimer Hügelland (zwischen Grünstadt im SO und Göllheim im W; 62,50 km²) 227.5 Pfrimmgebiet (229,03 km²) 227.50 Mittleres Pfrimmtal (von nördlich Göllheims bis oberhalb Marnheims, 227.40/41 im N und 227.42 im S separierend; 27,71 km²) 227.51 Unteres Pfrimmhügelland (flachwelliger Südosten des Hügellandes mit Pfeddersheim im Zentrum; 201,31 km²) 227.6 Eisenberger Becken (vom Pfälzerwald halb umrahmtes, südwestliches Randbecken bei Eisenberg; 33,38 km²)

Landschaftsbild und Geologie Das Rheinhessische Tafel- und Hügelland gliedert sich grob in das zur Nahe entwässernde Wöllsteiner Hügelland im Nordwesten, die Plateaulandschaften beiderseits der mittleren und oberen Selz mit steilen Hängen zum Rhein in Norden und Osten sowie das ebenfalls plateauartige, durch Bäche zerschnittene Alzeyer Hügelland im Südwesten. Hinzu kommen das flachwellige Oberpfrimmhügelland im Südosten und das kleine Eisenberger Becken im äußersten Südwesten.

Sieht man von den (für den Naturraum) singulären Höhenlagen an den Nahtstellen zu Pfälzerwald und Nordpfälzer Bergland ab, werden in den Höhenzügen des Alzeyer Hügellandes bis knapp erreicht und an den Höhenzügen im Norden bis Osten knapp bis über .

Wöllsteiner Hügelland mini|Blick vom Westplateau auf die Kreuzkapelle mit Gau-Bickelheim und dem Wöllsteiner Hügelland im Hintergrund Das den Nordwesten der Gesamtlandschaft einnehmende, nach dem halbwegs zentralen Ort Wöllstein benannte Wöllsteiner Hügelland (227.0) an den Mündungsläufen von Appelbach und Wiesbach ist eine vergleichsweise in sich geschlossene Beckenlandschaft mit etwas bewegterem Relief. Es ist von einigen inneren Erhebungen bis knapp durchsetzt. Nach Nordwesten wird es durch das Tal der Nahe mit Bad Kreuznach im äußersten Westen begrenzt, nach Nordosten durch die das Westplateau abdachende Rheinhessische Randstufe und nach Südosten durch das Alzeyer Hügelland; nach Südwesten stößt es ans Nordpfälzer Bergland.Bis zu Blatt Mainz im Jahr 1964 war das Wöllsteiner Hügelland noch mit den jetzigen Einheiten Untere Naheebene (229) sowie, links der Nahe, Unteres Nahehügelland (228) zur alten Haupteinheit 228 Unteres Naheland zusammengefasst worden.

Nördliches Tafelland, Selztal und Gaustraßenhöhe mini|Blick vom Ostplateau auf das Westplateau mit dem Westerberg Das verschlungene Selztal (227.2) der Selz zwischen Gau-Odernheim im Süden und Ingelheim am Rhein im Norden trennt auf scharfe Weise das Westplateau von den östlichen Höhenzügen. Insgesamt sind die höheren Lagen in vier Höhenzüge gekammert, denen ein markanter Steilhang zur Rheinseite gemein ist (eingerückt mit voranstehendem ↓ je die Trennflüsse bzw. die Scharten): das Westplateau (227.11) im Nordwesten mit dem Jakobsberg und dem Westerberg (bis ) ↓ Selz (zwischen Nieder-Olm und der Mündung 110–80 m) das Ostplateau (227.130) im Norden mit dem Mainzer Berg (bis um ) ↓ Scharte bei Mommenheim (ca. ) der Schwabsburg–Nackenheimer Höhenzug (Norden von 227.130) im Nordosten (bis ) ↓ Scharte südöstlich von Dexheim (ca. ) die Gaustraßenhöhe (227.30 ohne Norden) im Osten (bis ) ↓ Scharte nordöstlich von Monzernheim (ca. ) zum Kloppbergplateau des Alzeyer Hügellandes Vom Westplateau wird durch eine Senke (Scharte liegt bei etwa in Wörrstadt), der der Saulheimer Bach nach Nordosten folgt, ein Südostteil abgetrennt, der maximal erreicht.

An der als klare Höhenstufe ausgeprägten Ostseite des Alzeyer Hügellandes verläuft eine vermutete Störung, die weiter nordöstlich den Hauptrücken der Gaustraßenhöhe flankiert und in der Einsenkung bei Nierstein ausläuft. Der oben als Schwabsburg–Nackenheimer Höhenzug bezeichnete, westlich der Störungslinie liegende Höhenzug, dessen Kerngrat sich von Schwabsburg nach Nackenheim nordostwärts richtet, wurde auf den Blättern 150 Mainz und 151 Darmstadt der Gaustraßenhöhe zugerechnet, jedoch ist sein Osthang zum Rhein gegenüber dem der eigentlichen Gaustraßenhöhe nach Nordwesten versetzt. An den Ost- und Nordhängen tritt hier – und nirgendwo sonst außer in unmittelbarer Nähe zum Nordpfälzer Bergland – Rotliegend zutage. Ein weiterer Grund, ihn nicht der namentlichen Gaustraßenhöhe zuzurechnen, wäre der, dass der nördliche Teil der Gaustraße nicht über ihn, sondern westlich an ihm vorbeiführt.

Während an West- und Ostplateau Höhen von deutlich über erreicht werden, bleibt der Schwabsburg–Nackenheimer Höhenzug überall unter , an der Gaustraßenhöhe werden wieder um erreicht − am singulären Petersberg im äußersten Westen sogar knapp .

Alzeyer Hügelland mini|Blick vom Osthang (etwa ) des hohen Kuhkopfes unmittelbar westlich Kirchheimbolandens auf das Ilbesheimer Plateau (bis ) Das Alzeyer Hügelland im engeren Sinne (227.4) in Zentrum und Südwesten der Gesamtlandschaft wird durch Bäche und Senken in insgesamt fünf recht unterschiedlich große Plateaus geteilt, von denen das etwa die Hälfte der Fläche einnehmende Kernplateau um die Stadt Alzey nach Nordwesten ohne merkliche Höhenunterschiede ins Nordpfälzer Bergland übergeht. Spürbare Höhenstufen finden sich jedoch sowohl an der östlichen Nahtstelle zum flachwelligen Oberpfrimmhügelland als auch an der Westflanke der südlicheren Höhenzüge zur ebenfalls flachen Kaiserstraßensenke.

Folgendermaßen gliedert sich das Alzeyer Hügelland, von Norden bis Süden, in Plateaus und Senken (eingerückt mit voranstehendem ↓ je die Trennflüsse bzw. die Scharten): das Kloppbergplateau (Osten von 227.400) im Nordosten (bis ) ↓ Scharte an der A 61 (knapp ), nach Osten durch Altbach und Seebach verlängert, nach Nordwesten durch den Weidasser Bach das Ilbesheimer Plateau (227.401 ohne äußersten Südwesten, Westen von 227.400) in Osten, Zentrum und Nordwesten (bis ) ↓ Leiselsbach (zwischen der Mündung des Gutleutbachs bei Bischheim und der Mündung in die Pfrimm 218–160 m) das sehr kleine Hungerbergplateau (äußerster Südwesten von 227.401) im Westen (bis ) ↓ Pfrimm, Mittleres Pfrimmtal (227.50; von der Lohmühle unterhalb Dreisens bis unterhalb Wachenheims 202–141 m) das Göllheimer Hügelland (227.42 ohne äußersten Südosten) im äußersten Süden (bis ) ↓ Eisbach, Eisenbahntrasse (157–141 m) der Grünstadter Berg (bis ) nebst A 6 an der Südflanke und Burg Neuleiningen etwas unterhalb ↓ Eckbach (189–173 m), Grenze zum sich südlich anschließenden Leininger Sporn des Pfälzerwaldes

Noch höhere absolute Höhen als in den Kern-Höhenzügen werden mit bis knapp nördlich Kirchheimbolandens an den Bolander Randhöhen (227.41) an der westlichen Nahtstelle zu den nordöstlichen Ausläufern des Donnersbergs erreicht. Diese Gipfel haben jedoch nur wenig Prominenz und ihre Dominanz ist verschwindend gering.

Unteres Pfrimmhügelland und Eisenberger Becken