Lipperode ist ein Ortsteil von Lippstadt, Kreis Soest, in Nordrhein-Westfalen nördlich der Lippe mit 4145 Einwohnern. Das Gemeindewappen zeigt über Burgmauern die Lippische Rose mit Kelch- und Blütenblättern. Lipperode gehörte bis zum Jahre 1918 zum Fürstentum Lippe und danach bis 1947 zum Freistaat Lippe. Von 1947 bis 1949 gehörte es zum Regierungsbezirk Detmold und wurde danach als selbstständige Gemeinde dem Kreis Lippstadt angegliedert.

Geschichte Die erste bekannte urkundliche Erwähnung des Ortes Lipperode geht auf eine Urkunde des Klosters Liesborn aus dem Jahre 1248 zurück. mini|Burgruine

Chronologie der Geschichte Lipperodes Lipperode gehört zu den Ursprungsländern der Edelherrn zur Lippe, die erstmals 1123 mit den Brüdern Hermann und Bernhard I. urkundlich erwähnt wurden. Der Aufstieg derer zur Lippe begann mit Bernhard II. (um 1140–1224), seinem Sohn Hermann II. († 1229) und seinem Enkel Bernhard III. († 1265). Für das Jahr 1248 ist eine erste urkundliche Erwähnung des Ortsnamens nachweisbar; mit Abmessungen von 20 m × 22 m gab es auf der Burg Lipperode einen der größten Wohntürme Ostwestfalens. Im Jahr 1305 war der Ritter Lof Burgmann. Im Jahr 1344 fiel Lipperode durch Landesteilung an Bernhard V. zur Lippe. Nach dem Tode Bernhards V. besetzte dessen Schwiegersohn Otto von Tecklenburg im Jahr 1364 die Burgen Rheda und Lipperode sowie die Stadt Lippe, heute Lippstadt. Dadurch entstand die dreißigjährige Tecklenburger Fehde.

Während der bis 1456 andauernden Eversteiner Fehde wurde Lipperode im Jahr 1408 verwüstet. Im Jahr 1413 ist ein Freigericht bei den „Wendischen Specken“ (heute „Freier Stuhl“) auf der Grenze Lipperode/Mastholte/Westenholz nachgewiesen. 1467 fand in Lipperode ein großer Lehnstag statt. Im Jahr 1503 wurden Schnatsteine (Grenzsteine) zum Paderborner Land (Niederdedinghausen) gesetzt. 1511 zog Simon V. zur Lippe zusammen mit dem Paderborner Bischof Erich in Lipperode ein. Der Landgraf von Hessen erlangte im Jahre 1517 die völlige Lehnsherrschaft über Lippe. 1556 begann die Rietberger Fehde. 1589 wurde die Burgvogtei beendet und fortan die Verwaltung von Amtmännern durchgeführt.

General Johann van Rijswijck legte 1600 Pläne für eine Festung vor. Bis 1610 entstand eine der größten Festungen in Ostwestfalen.Jürgen Soenke: Johan van Rijswijck und Johan van Valckenburgh – Die Befestigung deutscher Städte und Residenzen 1600–1625 durch holländische Ingenieuroffiziere. In: Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins. Jahrgang 46, 1974, S. 9–39. 1604 wurden die Häuser bei der Burg (heute: nahe der Brücke über den Merschgraben) abgebrochen und an der heutigen Bismarckstraße wieder aufgebaut. 1612 wurde eine Station der Thurn- und Taxisschen Post am heutigen Gasthaus Voss eingerichtet. Die Garnison umfasste bereits 30 Mann, wurde aber 1616 wieder aufgelöst. In diesem Jahr wurde mit der Schleifung der Festung begonnen. Lipperode fiel durch die Zersplitterung der Grafschaft Lippe infolge des Testamentes des 1613 verstorbenen Grafen Simon VI. an das Haus Lippe-Alverdissen. Erst im 18. Jahrhundert wurde das Amt Lipperode wieder mit der Detmolder Linie vereinigt.

1621 bemächtigte sich Herzog Christian von Braunschweig (der „tolle Christian“) der Burg. 1623 standen spanische Truppen vor Lippstadt und versuchten, die Lippe oberhalb Lipperodes und der Burg an der Nigge (Flurbezeichnung für Neue Lippe) abzuleiten. Der Spanische Graben entstand, darauf weist heute die Wegbezeichnung Neuer Bruch hin.

Im Jahr 1648 bestand bereits eine Schule in Lipperode. 1676 erhielt der Dorfkrug, der heutige Gasthof Voss, das Brauprivileg. 1681 und 1735 wurde das Dorf überschwemmt. 1748 fiel mit dem Stadthagener Vergleich Lipperode wieder an Lippe-Detmold. 1756 konnte ein leichtes Erdbeben in Lipperode festgestellt werden. 1764 wurde südlich des Dorfes ein Damm gegen die Lippeüberschwemmungen errichtet.

1789 erhielten alle Familienmitglieder der Grafen zur Lippe den Fürstentitel und Lippe wurde Fürstentum.

Im Jahr 1813 plünderten die Franzosen das Dorf, später war für 7143 preußische Soldaten Quartier zu schaffen. Eine neue Synagoge wurde 1817 gebaut. 1831 wurde der Ort von der Cholera heimgesucht, die mehrere Todesopfer forderte; 1865 forderte eine Typhusepidemie ihren Tribut. Von 1838 bis 1851 wurde in Lipperode Raseneisenerz abgebaut. 1870 wurde die bisherige Allmende, der Neue Bruch, aufgeteilt. Seit 1880 gibt es im Ort eine erste befestigte Straße. Im Jahr 1886 wurden Lipperode und Cappel ein Amt im Fürstentum Lippe. Die große Katharinenflut führte 1890 zum Bruch des Dammes und das Dorf wurde erneut überschwemmt. Die Familien-Linie Lippe-Detmold starb 1905 aus. Es folgte nach dem Lippischen Thronfolgestreit seit 1895 die Linie Lippe-Biesterfeld. Der Landesherr Fürst Leopold IV. zur Lippe und Fürstin Berta besuchten Lipperode im Jahr 1910. 1918 dankte der Fürst ab und es folgte ein Volks- und Soldatenrat, der 1919 von einer Landesregierung abgelöst wurde. Lipperode gehörte damit zum Freistaat Lippe. 1928 wurde Lipperode selbstständige Gemeinde und dem Kreis Detmold angeschlossen. Während der sogenannten Reichspogromnacht im Jahr 1938 blieb die Lipperoder Synagoge bestehen. Im Jahr 1944 wurden bei einem Luftangriff 22 Häuser zerstört. Am 1. April 1945, Ostersonntag, besetzten amerikanische Soldaten das Dorf. Im Februar 1946 brach der Deich erneut und das Dorf wurde von einer großen Überschwemmung getroffen. Mit Wirkung vom 21. Januar 1947 wurde das Land Lippe in das Land Nordrhein-Westfalen eingegliedert. Lipperode wurde im Jahr 1949 aus dem Kreis Detmold ausgegliedert und kam als selbstständige Gemeinde zum Kreis Lippstadt. 1952 brach in Lipperode die Kinderlähmung aus. Als Folge der Epidemie wurde Lipperode im Jahr 1955 als erste Gemeinde im Altkreis Lippstadt vollständig kanalisiert. 1965 kam es während der Heinrichsflut erneut zu einem Deichbruch mit einer großen Überschwemmung. Eine Deichverstärkung wurde 1974 abgeschlossen.

Am 1. Januar 1975 verlor Lipperode die Selbstständigkeit und wurde ein Stadtteil Lippstadts.

Freier Stuhl mini|„Freier Stuhl“ zwischen Lipperode, Westenholz und Mastholte Auf einem Sandhügel links des Boker-Heide-Kanals, an der Grenze Lipperodes, Westenholz und Mastholte, unmittelbar bei der Gaststätte „Zum Freien Stuhl“, steht ein dreieckiger Stein. Er trägt drei verschiedene Wappen: Die lippische Rose, den Adler mit den Buchstaben WAGZR, d. h. Wenzel August Graf zu Rietberg und ein Rautenwappen mit dem bayrischen Löwen sowie den Buchstaben CABZP, d. h. Clemens August, Bischof zu Paderborn. Der Stein markiert die Stelle des ehemaligen „Freystuhls“. Im Jahre 1565 wurde dem Grafen zu Waldeck berichtet, dass bei den „wendischen Specken“ zu Lipperode von uralten Zeiten her drei freie Stühle gestanden hätten, die zu Paderborn, Rietberg und Lippe gehörten („Wendische Specken“ bedeutet, dass hier ein Stück Land derer zu Wend gehört hat, das in einer sumpfigen Gegend liegt). An dieser Stelle tagte im Mittelalter ein Freigericht, das nur über oder gegen „Freie“, auch Grafen und andere Landesherren, verhandelte. Dieses Gericht war nicht für Abhängige und Leibeigene zuständig (für diese war das sogenannte Gogericht zuständig). Aufgabe des Freistuhlgerichts war die Beurkundung von Eigentumswechseln an Grundstücken, von Schenkungen, von Ansprüchen und Pflichten aus einem Hofbesitz. Dies übernimmt heute der amtlich bestellte Notar. Zum letzten Mal wurde der „freye Stuhl“ am 4. Mai 1771 von Graf Philipp Ernst zu Lippe-Alverdissen in einer Bittschrift an Kurfürst Max Friedrich von Köln erwähnt.

Der Spanische Graben Im Jahre 1621 hatte Herzog Christian von Braunschweig-Lüneburg die Lipperoder Festung eingenommen und war auch in Lippstadt einmarschiert, das er aber am 15. Mai 1622 wieder verließ. Es erfolgte im Jahre 1623 eine erneute Belagerung Lippstadts durch ein Heer verbündeter Spanier und Pfalz-Neuburger, die in spanischem Dienst standen. Aus dieser Zeit ist ein Kupferstich vorhanden mit der ältesten bekannten Darstellung der Lipperoder Festung. Nachdem die Belagerung nur mit mäßigem Erfolg, aber mit verhältnismäßig hohen Verlusten durchgeführt wurde, befahl der Graf von Ostfriesland, den belagerten Lippstädtern durch eine Umleitung der Lippe das schützende Wasser abzugraben. Man grub von der Lippe oberhalb Lipperodes (auf der Grenze zu Niederdedinghausen – heutige Flurbezeichnung: Nigge (Neue) Lippe) – einen tiefen Graben durch das Bruch und wollte ihn unterhalb Lippstadts in die Glenne münden lassen, einen kleinen Nebenfluss der Lippe. Doch das Vorhaben misslang, weil die abgeleiteten Wassermassen die sandigen Ufer zum Einsturz brachten und viele Arbeiter ertranken. Noch heute erinnert die Wegbezeichnung im Bruch Am Spanischen Graben daran.

Erzabbau Lange Zeit war das Geschehen in den Jahren 1837–1851 völlig vergessen. In dieser Zeit wurde in drei „Wäschen“ das sog. Raseneisenerz abgebaut. So genannt wird das in Flussniederungen vorkommende Erz, auch als Wiesenerz, Sumpfeisenerz oder Modererz bekannt. Es wird in Mooren und Sümpfen aus dem eisenhaltigen Grundwasser ausgeschieden und ist eine abweichende Art des Brauneisenerzes (Limonit). Das Erz hatte eigentlich keinen Wert, der Preis wurde durch den Arbeitslohn und die Transportkosten bestimmt. Das Erz wurde ergraben, in großen, aus Holz gefertigten „Wäschen“ vom anhaftenden Schmutz gereinigt, in Tonnen verladen und von Fuhrwerken zum Lippstädter Hafen (am heutigen Finanzamt gelegen) transportiert. Von hier ging es per Schiff auf Lastkähnen zur Eisenhütte Westphalia (Wehrenbold & Co.) nach Lünen und wurde dort verhüttet. Das Erz diente zur Herstellung von Öfen, Herden und Töpfen. Der Erzabbau brachte vielen Lipperodern Arbeit, wurden diese doch bei der Arbeitsvergabe bevorzugt. Der aufmerksame Wanderer sieht noch heute, dass Eisen in Lipperode vorkommt. In den Gräben schillert bei stehenden Gewässern die Oberfläche bunt. Dies ist keine Verunreinigung durch Öl: Der Belag entsteht durch gelöstes Eisen, das sich auch als brauner „Schmand“ bei Pflanzen und Wurzeln an den Grabenrändern absetzt.

Die erbeutete französische Kriegskasse Lange Zeit hielt sich in Lipperode die Geschichte von der gestohlenen französischen Kriegskasse. Als die französische Armee unter Napoleon I. im Jahr 1813 aus Russland zurückzog, sollen die Soldaten auch im Dorfkrug zu Lipperode (heute: Altes Gasthaus Voss) genächtigt haben. Abends sollen sie mit einigen Lipperodern im Gasthaus zusammengesessen und getrunken haben. Die Kriegskasse soll ihnen sodann entwendet und im Dorf versteckt worden sein. Einige Dorfbewohner erzählten dies noch rund 190 Jahre später und zeigten auch die Stellen, wo nach der Familienüberlieferung dieses Versteck gewesen sein soll.

Doch was ereignete sich tatsächlich? Im Dezember 1812 befanden sich Teile der französischen Armee und auch das Bataillon Lippe auf dem Rückzug von Kowno (Ort im Süden Litauens) über Gumbinen nach Tilsit. Es war Winter und natürlich sehr kalt, die Straßen waren glatt und verdreckt, die Flucht wenig organisiert. In diesem Durcheinander befanden sich auch etliche Wagen mit der französischen Kriegskasse. Die erschöpften Pferde schafften es nicht, die Wagen eine steile Anhöhe heraufzuziehen. Die Wagen wurden zurückgelassen. Den Lippern tat dies natürlich leid, und man rettete doch noch zwei bis drei Wagen, die unter Bewachung weitertransportiert wurden. Beim ersten Wagen waren unter anderem die Soldaten Seiger und Veit (Feith) aus Lipperode. Unterwegs wurden sie von Franzosen überfallen und die Geldwagen geplündert. In einem unbeobachteten Moment erbeuteten die Bewacher ein Fässchen mit 100.000 doppelten Napoleon d’or, teilten sich den Betrag und behielten ihn. Bei einem weiteren Gefecht verloren sie den Soldaten Veit, den man niemals wieder sah.