Lienlas ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Kirchenpingarten im Landkreis Bayreuth (Oberfranken, Bayern). Die Gemarkung Lienlas hat eine Fläche von 7,341 km². Sie ist in 1049 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 6998,57 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Dennhof, Fuchsendorf, Grub, Herrnmühle und Schmetterslohe. Der Weiler Lienlasmühle zählt zum Gemeindeteil Lienlas.
Geographie Das Dorf Lienlas liegt am östlichen Talrand der Haidenaab am Fuße des Fichtelgebirges. Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Ahornberg (1,6 km östlich) bzw. zur Staatsstraße 2177 (0,3 km südwestlich).
Geschichte Ortsname Der Name des Ortes wandelte sich von „Junzlens“ (1350) über „Wernleß“ (1616) und 1622 „Liendlaß“ zu Lienlas.
Ortsgeschichte Lienlas wurde von Slawen gegründet. Bereits 1003 gab es erste Unterlagen über den Ort. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts sind Güter in Lehenbüchern der Landgrafen von Leuchtenberg in „Junzlens“, wie Lienlas zu jener Zeit hieß, verzeichnet.
1488 gab es in Lienlas vier Höfe, drei Herbergen und eine Mühle. 1554 gelangte es an die Familie Dietz aus Weidenberg, deren Angehörige bis 1679 ununterbrochen die Gutsherren von Lienlas waren. 1595 wurde die Familie Dietz in den Adelsstand erhoben. Bei Beginn des 16. Jahrhunderts besaß die Familie von Sparrenberg Lienlas. 1679 wurde Lienlas in zwei Hälften geteilt. Eine Hälfte mit Fuchsendorf fiel an die Familie Schreyer von Blumenthal, in die eine der beiden Töchter des Hans Dietz eingeheiratet hatte. Die zweite Tochter bekam die zweite Hälfte. Sie war mit Sebastian Grüner von Altenredwitz verheiratet. 80 Jahre blieb Lienlas getrennt. Später erbte Johann Kaspar Grüner von der Grün die Höfe und Grundstücke.
Laut dem Steuerbuch von 1714 bestand Lienlas aus 17 Anwesen (6 Höfe, 1 Halbhof, 5 Güter, 4 Gütel, davon eines mit Schmiede, 1 Mühle). Ende des 18. Jahrhunderts gab es 19 Untertansfamilien, die 7 zuzüglich Hoffuß hatten. Sie unterstanden im Hochgericht sowie im Niedergericht und der Grundherrschaft der Herrschaft Leuchtenberg.H. Sturm: Kemnath, S. 265.
Infolge des Gemeindeedikts wurde Lienlas dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Fuchsendorf zugewiesen.H. Sturm: Kemnath, S. 318. Wenig später entstand Ruralgemeinde Lienlas. Zu dieser gehörten Dennhof, Fuchsendorf, Grub, Herrnmühle und Schmetterslohe. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Kemnath zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Kemnath. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden einige Untertanen den Patrimonialgerichten Fuchsendorf, Reislas und Tressau.H. Sturm: Kemnath, S. 334. Am 1. Oktober 1857 wurde die Gemeinde an das Landgericht Weidenberg und dem Rentamt Bayreuth (1919 in Finanzamt Bayreuth umbenannt) überwiesen.R. Winkler: Bayreuth, S. 445f. Ab 1862 gehörte Lienlas zum Bezirksamt Bayreuth (1939 in Landkreis Bayreuth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Weidenberg (1879 in Amtsgericht Weidenberg umgewandelt), seit 1931 ist das Amtsgericht Bayreuth zuständig.R. Winkler: Bayreuth, S. 485f.
1881 wurde das Schulhaus erbaut und fünf Jahre später die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Unter Leitung von Bürgermeister Sieber aus Dennhof wurde ein Spritzenhaus aus Sandstein erbaut, das bis 1959 seinen Dienst tat.
mini|Lienlas nach der Brandkatastrophe von 1904 Am 3. August 1904 gegen 21 Uhr wurde in einem Lienlaser Stall auf dem Boden liegende Streu angezündet, der Täter konnte jedoch nicht identifiziert werden. Bereits nach einer Stunde brannte der Ort, dessen aus Holz gebaute Häuser dicht beieinander standen, lichterloh. Bei der Katastrophe waren auch Feuerwehren aus Ahornberg, Immenreuth, Kirchenpingarten, Tressau, Reislas, Weidenberg und Kemnath im Einsatz. Nur sechs Häuser konnten gerettet werden, mehr als 100 Menschen wurden obdachlos. Der Schaden betrug 100.000 Mark. Für Spenden setzten sich Pfarrer Wiesbeck aus Kirchenpingarten und Bezirksamtmann Mitelberger ein. Innerhalb weniger Tage wurde ein Hilfskomitee ins Leben gerufen, und eine Welle der Hilfsbereitschaft setzte ein. Selbst der bayerische Prinzregent Luitpold von Bayern gab „für die Abgebrannten von Lienlas ... allergnädigst“ 500 Mark.Bernd Mayer: Der greuenvolle Brand von Lienlas. In: Heimatkurier des Nordbayerischen Kuriers 2/2004, S. 11.
1896 wurde durch den damaligen Lehrer Memel die erste Kapelle in Lienlas aus Holz erbaut. 1982 wurde die zweite Kapelle gebaut. Michael Scherm legte nach Anordnung von Heribert Melzner den Grundstein. Seit 1995 ist Lienlas an die Kanalisation in Tressau angeschlossen; am Ortseingang wurde ein Löschwasserteich angelegt.
Die Gemeinde Lienlas hatte 1964 eine Gebietsfläche von 7,336 km². Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Lienlas am 1. Januar 1972 nach Kirchenpingarten eingemeindet.
Baudenkmäler Steinmarterl um 1719 errichtet
Einwohnerentwicklung Gemeinde Lienlas Jahr 1824 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 270 289 340 311 306 338 337 327 358 341 331 308 303 301 302 309 306 278 260 333 310 296 273 309HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1824 und von 1871 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 48 50 52 52 50 48 48 51 Quelle
Ort Lienlas Jahr 1818 1824 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2002Einwohner 136 102 128 145 155 131 140 158 133 172 132 137Häuser 18 23 22 21 22 23 29 32Quelle
Religion Lienlas ist römisch-katholisch geprägt und bis heute nach St. Jakobus der Ältere (Kirchenpingarten) gepfarrt.
Veranstaltungen und Vereine Neben der seit über 125 Jahren bestehenden Freiwilligen Feuerwehr existiert in Lienlas ein Kapellenbauverein.
Literatur
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ort im Landkreis Bayreuth Kategorie:Geographie (Kirchenpingarten) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Bayreuth) Kategorie:Ersterwähnung 1350 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Gemarkung im Landkreis Bayreuth