Das Große Flohkraut (Pulicaria dysenterica), auch Ruhr-Flohkraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Flohkräuter (Pulicaria) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Ihr wurde als Heilpflanze mannigfaltige Wirkung zugeschrieben, vor allem gegen die Dysenterie (Ruhr); aus diesem Grund ist sie im Volksmund auch unter dem Namen Ruhrwurz bekannt.

Beschreibung mini|Achänen: die Pappushaare sind am Grund von einem borstig zerschlitzten Krönchen umgeben (Pfeil). Vegetative Merkmale Das Große Flohkraut ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 60 Zentimetern erreicht. Der Stängel ist aufrecht und nur wenig im oberen Teil verzweigt. Die oberirdischen Pflanzenteile sind mehr oder weniger wollig behaart. Die Laubblätter sind eiförmig oder breit-lanzettlich und sind im oberen Teil des Stängels stängelumfassend. Die Blattspreite ist häufig wellig.

Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Juli bis September. In den oberen Blattachseln oder an den Zweigspitzen befinden sich auf relativ kurzen Blütenkorbschäften die körbchenförmigen Blütenstände. Die Blütenkörbe sind bei einem Durchmesser von 1,5 bis 3 Zentimetern halbkugelig. Die zahlreichen Hüllblättchen sind schmal. Die goldgelben Blütenkörbe enthalten zu mehr als der Hälfte Röhrenblüten. Die linealischen, ausgebreiteten Zungenblüten sind verhältnismäßig kurz; sie sind (bei der Unterart Pulicaria dysenterica subsp. dysenterica) etwa 7 bis 8 Millimeter lang und damit viel länger als die Röhrenblüten. Beim Kleinen Flohkraut (Pulicaria vulgaris) sind sie kaum länger als die Röhrenblüten.

Die Chromosomenzahl beträgt beispielsweise 2n = 20.

Vorkommen Pulicaria dysenterica ist in Süd- und Mitteleuropa, sowie in Nordafrika, Vorder- und Zentralasien verbreitet. In Asien kommt sie von der Türkei und dem Kaukasusgebiet bis Indien und Nepal vor. Das Große Flohkraut findet sich auf feuchten Wiesen, an steinigen Bach- und Flussufern, Grabenrändern. In der Schweiz und Süddeutschland ist Pulicaria dysenterica nicht selten, sie fehlt aber in Nordost-Deutschland. Es ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Verbands Agropyro-Rumicion. In den Allgäuer Alpen steigt sie in Vorarlberg bei Bezau zwischen Sonderdach und Wildmoosalpe bis zu einer Höhenlage von 1300 Meter auf.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4w+ (sehr feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental), Salztoleranz 1 (tolerant).

Systematik Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Inula dysenterica durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 882. Die Neukombination zu Pulicaria dysenterica wurde 1800 durch Johann Jakob Bernhardi in Systematisches Verzeichnis der Pflanzen, Seite 153 veröffentlicht.

Bei einigen Autoren gibt es Unterarten: Pulicaria dysenterica subsp. dysenterica: Die Zungenblüten sind 7 bis 8 Millimeter lang. Pulicaria dysenterica subsp. uliginosa (Syn.: Pulicaria dysenterica subsp. dentata , Pulicaria dysenterica var. microcephala): Sie kommt in Südeuropa, Nordafrika und Vorderasien vor. Sie unterscheidet sich von der subsp. dysenterica durch kleinere Köpfchen und Randblüten mit nur 2 bis 3 Millimeter langer Zunge.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde Das große Flohkraut wurde in der Heilkunde lateinisch als Pulicaria major bezeichnet.Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 152. Die Blütendroge hatten eine Bedeutung als Verwechslung oder Verfälschung der Echten Arnika. Eine antibakterielle Wirkung des Krautes wurde im Labor erforscht, wobei der alkoholische Auszug die besten Resultate gegen den Cholera-Erreger zeigte.

Die Droge wurde unter dem Namen Conyza media oder Arnica suedensis lange Zeit gegen die Dysenterie (Ruhr) angewandt. Daher kommen auch der volkstümliche Name Ruhrwurz (älter auch „douwe worz“)Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 216 (zu Policaria). und der wissenschaftliche Artname dysenterica. Bereits 1827 war sie nicht mehr gebräuchlich.

Inhaltsstoffe Aus den Blütenkörbchen des Großen Flohkrauts kann das Tridecen-1-pentain-(3,5,7,9,11) und eine weitere Polyethin-Verbindung mit einem Trien-diin-Chromophor isoliert werden. Außerdem finden sich zwei Polyene mit einem Hexaen- und einem Tetraen-on-Chromophor. Daneben enthalten die Blüten mehrere Flavon-Derivate, unter anderem 5,6,3-Trihydroxy-3,7,4-trimethoxyflavon (Oxyayanin B) und Kämpferol-3-glucosid.

Literatur Werner Rothmaler: Exkursionsflora von Deutschland Gefäßpflanzen: Grundband. 18. Aufl. Spektrum Akademischer Verlag, 2002, ISBN 3-8274-1359-1, Seite 468

Weblinks

Thomas Meyer: Flohkraut Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben). Datenblatt auf nafoku.de.

Einzelnachweise Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001, ISBN 3-8001-3131-5. S. 923. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 588. Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). – In: Werner Greuter, E. von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. Datenblatt Pulicaria dysenterica In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.

Gerhard Wagenitz: Pulicaria dysenterica. In: Gilg, Brandt, Schürhoff: Lehrbuch der Pharmakognosie. Julius Springer, Berlin 1922, ISBN 978-3-642-91304-4. S. 453f. Nickavar, Mojab: Antibacterial activity of Pulicaria dysenterica extracts. In: Fitoterapia, Volume 74, Issue 4, Juni 2003. S. 390ff. Nickavar, Amin, Ghavamian: Antimicrobial Activity of Pulicaria Dysenterica L. In: Iranian Journal of Pharmaceutical Research, Volume 1, Ausgabe 1, Winter 2002, Seite 31f. online. Georg August Richter: Ausführliche Arzneimittellehre: Ein Handbuch für praktische Ärzte, Band 2. Rücker, 1827. S. 296. K. E. Schulte, G. Rücker, F. Müller: Einige Inhaltsstoffe der Blütenköpfchen von Pulicaria dysenterica. In: Archiv der Pharmazie, Volume 301, Issue 2, September 2006, S. 115–119- Gerald Parolly: Asteraceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 815.

Kategorie:Inuleae (Tribus) Kategorie:Heilpflanze