mini|hochkant|Reinhard Kardinal Marx (2026) mini|hochkant|Kardinalswappen rahmenlos|rechts|hochkant|Unterschrift von Reinhard Kardinal Marx
Reinhard Kardinal Marx (* 21. September 1953 in Geseke) ist ein deutscher römisch-katholischer Geistlicher und seit Februar 2008 Erzbischof von München und Freising sowie Metropolit der zugehörigen Kirchenprovinz. Seit 2010 ist er Kardinalpriester von San Corbiniano. Von 2012 bis 2018 war Kardinal Marx Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (ComECE), von 2014 bis März 2020 war er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Er ist Großprior der deutschen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.Leitung des Ordens, abgerufen am 14. Oktober 2018.
Leben Anfänge, Schul- und Hochschulbildung Reinhard Marx wuchs als Sohn des Schlossermeisters Franz Marx und der Hausfrau Berta Marx (geb. Cramer) im westfälischen Geseke auf. Er hat einen älteren Bruder und eine jüngere Schwester. Er legte im Jahre 1972 am Gymnasium Antonianum in Geseke die Abiturprüfung ab, während der Schulzeit war er auch im Bund Neudeutschland aktiv. Er studierte anschließend an der Theologischen Fakultät Paderborn katholische Theologie, einige Semester auch in Paris.
Priester mini|Reinhard Kardinal Marx beim 45. internationalen Festival der Pueri Cantores in München (2025) Am 2. Juni 1979 empfing er das Sakrament der Priesterweihe durch Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt. Seiner zweijährigen Tätigkeit als Vikar in Arolsen schloss sich von 1981 bis 1989 ein Zweitstudium an der Ruhr-Universität Bochum und der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster an. 1988 wurde Marx an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum bei dem Fundamentaltheologen Hermann Josef Pottmeyer mit der Arbeit Ist Kirche anders? – Möglichkeiten und Grenzen einer soziologischen Betrachtungsweise zum Dr. theol. promoviert.
1989 wurde er Direktor des Sozialinstituts Kommende Dortmund des Erzbistums Paderborn im Dortmunder Stadtteil Brackel. Während seiner Tätigkeit in der Kommende war Reinhard Marx Subsidiar in der St.-Ewaldi-Gemeinde in Aplerbeck.
1990 wurde er von Kardinal-Großmeister Giuseppe Kardinal Caprio zum Großoffizier des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt und durch Franz Kardinal Hengsbach, Großprior der deutschen Statthalterei, investiert. Am 21. Juni 1993 verlieh ihm Papst Johannes Paul II. den Titel „Kaplan Seiner Heiligkeit“.Annuario Pontificio per l’anno 1996, Città del Vaticano 1996, S. 2273. 1996 erfolgte die Berufung zum außerordentlichen Professor für Christliche Gesellschaftslehre an die Theologische Fakultät Paderborn.
Bischof mini|hochkant|Erzbischof Reinhard Marx (2009)
Am 23. Juli 1996 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Titularbischof von Petina (Istrien) und zum Weihbischof im Erzbistum Paderborn. Die Bischofsweihe spendete ihm Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt am 21. September desselben Jahres; Mitkonsekratoren waren die beiden Paderborner Weihbischöfe Hans Leo Drewes und Paul Consbruch. Am 20. Dezember 2001 berief ihn Papst Johannes Paul II. als Nachfolger Hermann Josef Spitals zum 102. Bischof von Trier.Die Bischöfe von Trier von den Anfängen bis heute. www.dominformation.de, abgerufen am 20. Februar 2016. Er wurde am 1. April 2002 in sein Amt eingeführt. Sein Bischofsmotto Ubi spiritus domini, ibi libertas („Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“) stammt aus . Marx wurde 1999 Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax („Gerechtigkeit und Frieden“), die von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken getragen wird. In diesem Amt wurde er 2004 für weitere fünf Jahre bestätigt. Die Deutsche Bischofskonferenz wählte ihn auf der Herbst-Vollversammlung 2004 zum Vorsitzenden ihrer Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen. In Nachfolge von Anton Schlembach wurde Marx 2006 Großprior der Deutschen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.„Bischof Marx neuer Großprior des Ritterordens vom Heiligen Grab“, 11. Oktober 2006.
Erzbischof Papst Benedikt XVI. ernannte Marx am 30. November 2007 zum Erzbischof von München und Freising.Kardinal Reinhard Marx Erzbistum München und Freising, Februar 2008 Er ist kraft dieses Amts zugleich Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz. Am 29. Juni 2008 empfing Marx als Metropolit der Kirchenprovinz München und Freising im Petersdom zu Rom das Pallium. Als Nachfolger des Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke wurde er am 1. Februar 2010 zum Großkanzler der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt ernannt; das Amt übernahm er im Oktober 2010.„Marx wird Großkanzler der Uni Eichstätt“, Radio Vatikan, 1. Februar 2010.Artikel über Erzbischof Marx in der Rheinischen Post vom 20. Oktober 2010, abgerufen am 9. März 2014.
Kardinal mini|Marx spricht bei einer Kundgebung gegen Antisemitismus in Berlin, 14. September 2014
Im Konsistorium vom 20. November 2010 nahm Papst Benedikt XVI. Bischof Marx als Kardinalpriester mit der Titelkirche San Corbiniano in das Kardinalskollegium auf.Concistoro Ordinario Pubblico per la Creazione di ventiquattro nuovi Cardinali (Continuazione), in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 20. November 2010. Bis zur Kreierung Rainer Maria Woelkis im Februar 2012 war Kardinal Marx jüngstes Mitglied des Kardinalskollegiums.
Papst Franziskus berief Marx im April 2013 als ein Mitglied des Kardinalsrates, der den Papst bei der Leitung der Weltkirche berät und unter anderem im Hinblick auf eine Reform der Kurie Änderungen der apostolischen Konstitution Pastor Bonus, die die Organisation der Kurie regelte, vorbereiten sollte.Kardinalsgruppe wird Papst für Kurienreform beraten Seit der Neubesetzung des Kardinalsrates im März 2023 gehört Marx diesem nicht mehr an. Er ist seit 2014 Mitglied des Wirtschaftsrates und dessen Kardinal-Koordinator. Als solcher gehörte er während der Sedisvakanz nach dem Tod von Papst Franziskus zur Interims-Leitung der katholischen Weltkirche als einer von drei Assistenten von Kardinalkämmerer Kevin Farrell. Die Kardinäle bestätigten Marx am 28. April 2025 aufgrund seines Amts als Koordinator des Wirtschaftsrats für diese Aufgabe.
Kardinal Marx war Teilnehmer am Konklave 2013 sowie am Konklave 2025.
Bischofskonferenz Am 12. März 2014 wurde Marx bei der Frühjahrsvollversammlung in Münster zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt.Deutsche Welle, 12. März 2014: Kardinal Marx neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz Seine Amtszeit betrug sechs Jahre.Daniel Deckers: Zweiter Versuch, vierter Wahlgang. faz.net, 12. März 2014, abgerufen am 12. März 2014 Am 11. Februar 2020 erklärte Marx, bei der anstehenden Wahl Anfang März 2020 nicht mehr für eine zweite Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Am 3. März 2020 wählte die Deutsche Bischofskonferenz den Limburger Bischof Georg Bätzing zu seinem Nachfolger. Innerhalb der Bischofskonferenz ist Marx Vorsitzender der Publizistischen Kommission und Mitglied der Glaubenskommission; von 2016 bis 2022 war er ferner Mitglied der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen.
Von 22. März 2012 bis März 2018 war Marx Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (COMECE). In diesem Amt wurde er im März 2015 für eine dreijährige Amtszeit bestätigt. Diesem Gremium gehörte er seit März 2006 als Delegierter der Deutschen Bischofskonferenz an und hatte seit 20. März 2009 das Amt eines Vizepräsidenten der COMECE inne. Das Amt des Vorsitzenden ist auf zwei Amtszeiten begrenzt. 2018 folgte ihm der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck als Delegierter nach.dbk.de: Pressebericht, 22. Februar 2018. Neuer Vorsitzender ist seither der Erzbischof von Luxemburg Jean-Claude Hollerich S.J.
Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs Im Jahr 2006 hat es Marx als Bischof von Trier versäumt, gemäß den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch mehreren Fällen von sexuellem Missbrauch durch einen Trierer Diözesanpriester nachzugehen. Die Staatsanwaltschaft musste das Verfahren trotz hinreichenden Tatverdachts gegen den Priester wegen Verjährung einstellen. Obwohl sie die Fälle an Marx gemeldet hatte, reagierte er nicht darauf – weder der Beschuldigte noch das Opfer wurden von ihm angehört. Durch seinen Sprecher ließ er im Jahr 2019 bekanntgeben, dass sein Versäumnis ihn sehr plage und dass er heute anders handeln würde. Der Kriminologe Christian Pfeiffer warf Marx im Zusammenhang mit der Aufklärung der Fälle sexualisierter Gewalt in der Kirche vor, er habe Wissenschaftlern den Datenzugang versperrt, statt Transparenz zu ermöglichen.Die Zeit v. 19. April 2019. Die Kirche habe verhindert, dass Forscher „auch die in die Gegenwart ragende Mitverantwortung von Bischöfen, von Diözesen und Verwaltungen“ aufdecken.
Am 4. Juni 2021 wurde bekannt, dass Kardinal Marx mit einem Schreiben vom 21. Mai 2021 Papst Franziskus seinen Rücktritt als Erzbischof angeboten hatte. Marx schrieb in dem Brief, es gehe ihm im Kern darum, „Mitverantwortung zu tragen für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten“; es habe „viel persönliches Versagen und administrative Fehler“ gegeben, aber „eben auch institutionelles oder systemisches Versagen“. Die katholische Kirche sei an einem „toten Punkt“ angekommen, der aber auch „Wendepunkt“ werden könne.Kardinal Marx bietet Papst Franziskus Amtsverzicht an. In: erzbistum-muenchen.de. 3. Juni 2021, abgerufen am 3. Juni 2021. In einem Schreiben vom 10. Juni desselben Jahres lehnte der Papst den Rücktritt Marx’ ab und ermutigte ihn, „sich der Krise auszusetzen“. Er forderte ihn auf, weiterzumachen, „so wie Du es vorschlägst, aber als Erzbischof von München und Freising.“ Seinem Rücktrittsgesuch vorangegangen waren erste Erkenntnisse aus dem neuen Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) zu Missbrauchsfällen in seiner Diözese.Text des WSG-Gutachtens
Das von ihm in Auftrag gegebene Gutachten zum sexuellen Missbrauch in der Erzdiözese München und Freising in den Jahren 1945 bis 2019, das am 20. Januar 2022 von der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) vorgestellt wurde, wirft ihm vor, während seiner bisherigen Zeit als Erzbischof von München und Freising, „sich zu wenig persönlich um Missbrauchsfälle gekümmert und diese vor allem seiner Verwaltung überlassen zu haben“. Er selbst sehe bei sich große Schuld, weil er die Betroffenen übersehen hätte, sagte er bei einer Pressekonferenz am 27. Januar 2022. Konkret wirft ihm das Gutachten Verfehlungen in zwei Fällen vor. Im September 2022 traf Marx mit etwa 50 von sexuellem Missbrauch Betroffenen zusammen und entschuldigte sich persönlich und im Namen der Erzdiözese für das, was sie im Raum der Kirche erlitten hätten. Betroffenen, die beim Thema Aufarbeitung mithelfen, dankte er und betonte, sie leisteten auch für andere einen Dienst, wenn sie sich dabei erneut mit ihrem Schmerz auseinandersetzen müssten.