Jens Gerhard Lehmann (* 10. November 1969 in Essen) ist ein ehemaliger deutscher Fußballprofi, der zu den prägenden deutschen Torhütern seiner Generation zählt.

Seine Profikarriere begann er beim FC Schalke 04, mit dem er 1997 den UEFA-Pokal gewann. Weitere Stationen in der Bundesliga waren Borussia Dortmund (Deutscher Meister 2002) und der VfB Stuttgart. International erlangte Lehmann vor allem während seiner Zeit beim FC Arsenal große Bekanntheit: Mit den „Gunners“ wurde er 2004 englischer Meister, wobei die Mannschaft die gesamte Premier-League-Saison ungeschlagen blieb („The Invincibles“). Zudem stand er 2006 mit Arsenal im Finale der UEFA Champions League.

Lehmann absolvierte zwischen 1998 und 2008 insgesamt 61 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft. Sein größter Erfolg war der dritte Platz bei der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land, bei der er als Stammtorhüter maßgeblich zum Turniererfolg beitrug. Bekannt war Lehmann neben seinen sportlichen Leistungen auch für seine markante Persönlichkeit und eine intensive Spielweise.

Jugend Jens Lehmann wurde am 10. November 1969 in Essen geboren. Er wuchs in einem bürgerlichen Elternhaus gemeinsam mit seinem älteren Bruder Jörg im Stadtteil Heisingen auf. Früh entwickelte er eine Begeisterung für den Fußball und trat im Alter von sechs Jahren der Jugendabteilung des DJK Heisingen bei. 1978 wechselte er zu Schwarz-Weiß Essen, wo sich sein Talent und Ehrgeiz zunehmend bemerkbar machten. In seiner Jugendzeit spielte Lehmann zunächst nicht im Tor, sondern als Feldspieler, vor allem im Sturm und erst später wurde er dauerhaft als Torwart eingesetzt. Zeitweise gehörte der spätere Nationalspieler Oliver Bierhoff zu seinen Mannschaftskameraden. Mit der B-Jugend von Schwarz-Weiß Essen erreichte Lehmann 1986 das Finale um die deutsche Junioren-Meisterschaft, das gegen den VfB Stuttgart mit 0:5 verloren ging.

1987 wechselte Lehmann in die A-Jugend des FC Schalke 04. Ein Jahr später legte er sein Abitur ab.

Karriere als Spieler Verein FC Schalke 04 (1987–1998) Nach einem Jahr in der dortigen A-Jugend rückte er in den Profikader der Mannschaft auf, die gerade aus der Bundesliga abgestiegen war.

In der Saison 1988/89 war Lehmann einige Zeit Stammtorwart, als Schalke auch in der zweiten Bundesliga zunehmend in Abstiegsgefahr geriet. Doch da ihm einige Fehler unterliefen und er auch gleichzeitig sein Abitur anstrebte, musste er vorerst wieder auf der Bank Platz nehmen. Insgesamt kam der 19-jährige in seiner ersten Profisaison auf 13 Einsätze, und Schalke entging knapp dem Abstieg in die Amateurklasse. In seiner zweiten Saison bei Schalke stieg Lehmann endgültig zum Stammtorwart auf. Im dritten Jahr gelang den Schalkern die Rückkehr in die Bundesliga, nachdem Lehmann in 34 Saisonspielen nur 25 Gegentore hatte hinnehmen müssen.

Auch in seiner ersten Bundesliga-Saison 1991/92 blieb Lehmann die Nummer eins im Schalker Tor. In der ersten gesamtdeutschen Saison spielte er in 37 der 38 Partien. Nachdem die Mannschaft zwischenzeitlich um einen Platz im UEFA-Pokal mitspielte, reichte es am Ende zu Platz 11.

1992/93 folgte der erste größere Rückschlag in der bislang steil aufwärts zeigenden Laufbahn von Jens Lehmann. Als er sich am achten Spieltag einen Innenband-, Kreuzband- und Meniskusriss mit Kapselsprengung zuzog, war seine weitere Karriere in Gefahr.

Erst am sechsten Spieltag der Saison 1993/94 kehrte er ins Schalker Tor zurück, doch weder er noch die Schalker Mannschaft konnten an die Form der Vorjahre anknüpfen. Am 12. Spieltag kam es zu einem Eklat, als Lehmann schon nach 27 Minuten drei Tore gegen Leverkusen zugelassen hatte und die Schalker Anhänger vehement seine Auswechslung forderten. Tatsächlich wechselte der neue Schalker Trainer Jörg Berger ihn zur Halbzeit aus und ersetzte ihn durch Holger Gehrke, der zwei weitere Gegentore hinnehmen musste. Lehmann selbst erlebte das Ende des Spieles nicht mehr mit, denn er war bereits mit der S-Bahn nach Hause gefahren. Erst am 21. Spieltag gewann er seinen Stammplatz zurück (Schalke lag zwischenzeitlich immer noch auf einem Abstiegsplatz), war in den folgenden Wochen aber Garant für die Rettung auf einen Nichtabstiegsplatz zum Saisonende.

Spätestens ab der Saison 1994/95 war Lehmann der unumstrittene Stammtorwart, und er verpasste in den nächsten vier Jahren nur noch zwei Bundesligaspiele. Auch für Schalke ging es aufwärts. Schalke gelang der sichere Klassenerhalt und in den folgenden Jahren wurde die Mannschaft für die hervorragende Defensivabteilung um Jens Lehmann bekannt, die in der Saison 1995/96 mit 36 Toren die wenigsten Gegentore in der Bundesliga hinnehmen musste und mit Platz 3 die beste Platzierung seit fast 20 Jahren erreichte. 1996/97 gelang Schalke in Lehmanns erster Saison in den europäischen Pokalwettbewerben dann der größte Erfolg in der bisherigen Vereinsgeschichte mit dem Gewinn des UEFA-Pokals. Nach dem 1:0-Sieg im Hinspiel in Gelsenkirchen erzielte im Rückspiel Zamorano erst in der 85. Minute das 1:0 für Inter. Die Verlängerung blieb torlos, so dass die Entscheidung im Elfmeterschießen fiel. Anderbrügge, Thon und Max verwandelten für Schalke, Lehmann hielt den ersten Elfmeter von Zamorano, Djorkaeff verwandelte und Winter verschoss. Mit dem vierten Elfmeter erzielte Wilmots die Entscheidung für den FC Schalke 04.

In der Bundesliga war Schalke weniger erfolgreich, denn die geringe Torausbeute reichte nicht aus, um mehr als Platz 12 zu erreichen. Als Titelverteidiger nahm die Mannschaft allerdings auch in der nächsten Saison am UEFA-Pokal teil und konnte bis ins Viertelfinale vordringen, wo sie gegen den späteren Sieger Inter Mailand unterlag. In der Bundesliga musste Schalke in 34 Ligaspielen nur 32 Gegentore hinnehmen und schaffte mit Platz 5 erneut die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb. Dabei konnte Lehmann am 20. Spieltag (19. Dezember 1997) gegen Borussia Dortmund als erster Torwart in der Bundesligageschichte ein Feldtor erzielen, als er kurz vor Schluss nach einer Ecke den Ausgleich per Kopf erzielte. Bereits in der Saison 1994/95 hatte Lehmann beim 6:2-Sieg des FC Schalke 04 gegen den TSV 1860 München, das 6:1 per Elfmeter erzielt. Er ist neben Andreas Köpke und Hans Jörg Butt einer der wenigen Torhüter, die in der Bundesliga mehr als ein Tor erzielen konnten.

AC Mailand (1998) Nachdem er zehn Jahre lang ein wichtiges Mitglied der Schalker Mannschaft gewesen war und großen Anteil an der Entwicklung der Zweitligamannschaft in ein Bundesligateam mit internationalen Ambitionen gehabt hatte, entschloss sich der mittlerweile 28-jährige Lehmann, eine neue Herausforderung anzunehmen, und unterschrieb im Juli 1998 einen Dreijahresvertrag beim italienischen Spitzenclub AC Mailand.

Bei Milan zu Beginn als Stammtorhüter gesetzt, musste er nach schlechten Kritiken schon nach wenigen Einsätzen seinen Platz im Tor für Sebastiano Rossi räumen. Im Oktober 1998 bekam Lehmann von Trainer Alberto Zaccheroni eine erneute Bewährungschance, wurde aber bereits nach 27 Minuten ausgewechselt, nachdem er ein Gegentor hatte hinnehmen müssen und einen Elfmeter verschuldet hatte. Sein Vertreter Rossi konnte den Strafstoß halten und hatte damit den Stammplatz im Tor der AC Mailand endgültig erobert, verlor diesen allerdings im Saisonverlauf nach einer Sperre wegen einer Tätlichkeit an Christian Abbiati. Schon Ende des Monats wurden Gerüchte laut, dass Lehmann den Verein vorzeitig verlassen würde, um zu Borussia Dortmund zu wechseln.

Am 24. Dezember 1998 wurde der Wechsel perfekt und Lehmann ging für eine Ablösesumme von rund sieben Millionen Mark nach Dortmund. Der zu diesem Zeitpunkt auf Platz 5 der Tabelle befindliche Bundesligist hatte Lehmann als Nachfolger für Stefan Klos verpflichtet, der den Verein nach siebeneinhalb Jahren als Stammtorwart zur Winterpause verlassen hatte. Lehmann selbst kommentierte den vorzeitigen Abgang aus Mailand mit den Worten: „Ich halte es nicht mehr aus. Ich bin nicht bereit, ein Dasein als Ersatzmann für Rossi zu fristen“. Milan gewann am Ende der Saison 1998/99 die italienische Meisterschaft, Lehmann absolvierte fünf Ligaspiele.

Borussia Dortmund (1999–2003) Als langjähriger Spieler von Schalke 04 wurde Lehmann nur zum Teil freundlich beim Rivalen aus Dortmund empfangen. In die Rückrunde mit dem Ziel gestartet, noch die Qualifikation für die UEFA Champions League zu erreichen, überzeugte Lehmann zwar zunächst in vier Ligaspielen ohne Niederlage, leistete sich jedoch am 25. Spieltag gegen Hansa Rostock einen Fehler, als er in der 90. Minute des Spiels den Rostocker Kapitän Timo Lange in die Haare griff und zum ersten Mal in seiner Bundesligakarriere vom Platz gestellt wurde. Nach drei Spielen Sperre kam er zurück ins Team und kehrte am 30. Spieltag zum Auswärtsspiel nach Schalke zurück, wo er 90 Minuten lang ausgepfiffen und als Verräter beschimpft wurde. In den letzten vier Partien der Saison nahm Lehmann nur noch vier Gegentreffer hin, und Dortmund schaffte am letzten Spieltag noch den Sprung auf den vierten Platz und damit zur Champions-League-Qualifikation.

In der Folgesaison sorgte vor allem Lehmanns aggressives Auftreten auf dem Platz für Wirbel, eine Folge seines medienwirksamen Duells mit Oliver Kahn um den Stammplatz in der Nationalmannschaft. Dennoch spielte er eine überzeugende Hinrunde und kassierte in den ersten 17 Saisonspielen nur 13 Gegentore. Auch im Europapokal spielte er überzeugend und ermöglichte Dortmund nach dem frühzeitigen Ausscheiden in der Champions League zumindest den Verbleib im UEFA-Pokal. Nachdem die Mannschaft das Hinspiel der dritten Runde gegen die Glasgow Rangers mit 0:2 verloren hatte, gab Lehmann im Rückspiel in der Nachspielzeit die Vorlage zum 2:0 und hielt im Elfmeterschießen drei Elfmeter hintereinander, was für seine Mannschaft den Einzug ins Achtelfinale des Wettbewerbs bedeutete.Borussia Dortmund: Lehmann krönt BVB-Sturmlauf Spiegel Online, 7. Dezember 1999, abgerufen am 27. Januar 2014. Die Rückrunde lief dagegen äußerst negativ für Lehmann, der mit Dortmund nicht nur ins Mittelfeld der Tabelle abrutschte, sondern am 24. Spieltag nach einem groben Foulspiel erneut die rote Karte sah. Schon in den Wochen zuvor hatte Lehmann mit einigen Fehlern seine Stammposition im Dortmunder Tor in Frage gestellt. Ohne ihn nahm Dortmund in drei Spielen drei weitere Niederlagen hin und geriet endgültig in Abstiegsgefahr. Auch nach seinem Comeback wirkte Lehmann nicht sicherer und leistete sich einige weitere Patzer. Für Dortmund reichte es letztlich mit Platz 11 zum Klassenerhalt. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass Lehmann, der im vergangenen halben Jahr dreimal um eine Freigabe (im Gespräch war unter anderem eine Rückkehr zu Schalke 04) gebeten hatte, auch in der Saison 2000/01 für Borussia Dortmund spielen würde.

Die Saison 2000/01 lief für Lehmann größtenteils ereignisarm, einzig seine hohe Anzahl von Gelben Karten fiel auf. Insgesamt nahm er in seinen 31 Saisonspielen 40 Gegentore hin, und Dortmund kehrte am Saisonende mit Platz 3 ins internationale Geschäft zurück.