Die Deutsche Billard-Union e. V. (DBU) ist der Fachverband für den Billardsport im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Die DBU wurde am 20. Juni 1992 gegründet. Sie ging hervor aus dem im April 1911 im Café Bristol in Frankfurt am Main gegründeten Deutschen Amateur-Billard-Bund (DABB), 1955 umbenannt in Deutscher Billard Bund (DBB).

Als Dachverband gehören der DBU ausschließlich die 15 DBU-Landesverbände an. Zum Stichtag 1. Januar 2024 weist die Bestandserhebung 2024 des DOSB 25.250 Mitgliedschaften und 715 Vereine aus. Außerdem beherbergt die Deutsche Billard-Union mit der Deutschen Billard-Jugend (DBJ) eine Abteilung für Nachwuchssport.

Geschichte Vorgeschichte Schon vor der Gründung des DABB wurde in Deutschland Billard gespielt. Die erste bekannte Vereinsgründung im deutschsprachigen Raum war im Jahr 1813 der BC Hannover im damals noch zu England gehörenden Fürstentum Hannover, 1837 folgte die BG Münster. Billard war damals eine der ersten Sportarten überhaupt. Führende Nationen waren damals Großbritannien, Frankreich und die USA.

Als Vorreiter und Pioniere dieser Zeit, auch in Deutschland, gelten die Marqueure, Personen, die, ähnlich den Croupiers, als Schiedsrichter und Schreiber fungierten und im Wesentlichen vom Trinkgeld lebten. Um 1850 tauchten die ersten Berufsspieler (Professeurs) auf, die entweder frei arbeiteten oder in den Cafés und Billardsalons angestellt waren. Sie waren unter anderem für die Abrechnung, die Pflege des Spielmaterials (Queues, Tische), den Unterricht und die Organisation von Schaukämpfen verantwortlich.

In Frankreich wurden im Jahr 1903 zeitgleich zwei konkurrierende Verbände gegründet, die Fédération Française de Billard (FFB) und die Fédération des Sociétés Françaises des Amateurs de Billard (FSFAB) als erste nationale Billardverbände Europas. Die USA hatten mit der National Association of Amateur Billiard Players (NAABP) schon seit 1899 einen Verband. 1906 folgte die Gründung in Belgien (FABB), 1909 in der Schweiz und am 22. Januar 1911 zogen die Niederlande mit dem NBB (Nederlandschen Biljart Bond) nach. In diesem Jahr hatte Deutschland noch keinen eigenen Verband, obwohl namhafte Spieler wie Albert Poensgen, Jaques Zweifel oder Hellmut Kux bereits zur internationalen Spitze des Billardsports gehörten. Um an internationalen Wettbewerben teilnehmen zu können, mussten sich die Spieler als Mitglieder der französischen, belgischen oder schweizerischen Verbände anmelden; so wurden sie auch nicht als deutsche Teilnehmer dieser Wettbewerbe geführt, sondern hatten die jeweilige Nationalität des Verbandes.

Allen voran war es Poensgen, der zur Förderung des Spielbetriebs in Deutschland nichts unversucht ließ. So organisierte er Schaukämpfe mit französischen Spitzenspielern, Turniere zwischen den noch wenigen Clubs und gab selbst Vorführungen. Eines der von ihm initiierten Turniere fand am 13. April 1911 in Frankfurt am Main statt. Teilnehmer waren der französische Weltmeister Alfred Mortier, WM-Teilnehmer Paul Lejeune aus Frankreich, die deutschen Amateurspieler Hellmut Kux und David Nußbaum (Jacques Zweifel war verhindert), er selbst sowie Comte Raymond de Drée (Präsident der FSFAB), Josef Klinger vom belgischen Verband FABB und die Vertreter der Verbände aus Köln, Stuttgart, Solingen und Frankfurt. Im Anschluss an das Turnier kamen die Sportler und Vertreter der anwesenden Clubs zusammen, um neue Organisationsformen für das deutsche Amateurbillard zu beraten und zu entwickeln. Es zeigte sich, dass es an der Zeit war, es den Franzosen, Belgiern und Schweizern gleichzutun.

Deutscher Amateur-Billard-Bund (DABB) 1911–1933 mini|250px|Artikel vom 18. April 1911 in der• Frankfurter Zeitung (oben)• Billard-Zeitung Fa. Dorfelder/Mainz (unten)

Am 18. April 1911 war es so weit. Den Anstoß gab letztlich auch die Gründung des niederländischen NBB im Januar. Die Gründungsunterlagen sind nicht erhalten geblieben, wohl aber die Artikel in der Frankfurter Zeitung und der Billard-Zeitung dieser Tage (s. Bild rechts). Zu den Gründungsmitgliedern gehörten: Robert Court, Leopold Seligmann, Freiherr Maximilian von Brachel – Köln Hellmuth Kux – Hamburg Samuel Gottlieb, Dir. Karrer – Stuttgart Paul Haering – Solingen Albert Poensgen – Düsseldorf Georg Hoffmann, D. Leschkorn, O. Müller, Kurt Simon, H. Weisbarth, W. Wiederholt, S. Lissmann – Frankfurt am Main Hans Donalis – Berlin sowie als assoziierte Mitglieder: Josef Klinger – Brüssel Alfred Mortier – Paris

Die Mitgliedschaft war sowohl für Clubs als auch für Einzelpersonen vorgesehen. Oberstes Ziel des neuen Verbandes war die Förderung möglichst vieler neuer Vereinsgründungen und die erstmalige Organisation von nationalen Meisterschaften und internationalen Turnieren.

Der Frankfurter Verleger Kurt Simon, Enkel des Gründers der Frankfurter Zeitung Leopold Sonnemann, wurde zum ersten Präsidenten gewählt. Dementsprechend entschied man sich, die Mainmetropole auch zum ersten Verbandssitz zu machen. Fast zeitgleich schlossen sich die Professionals am 1. Mai 1911 im Deutschen Billard Meister Verband (DBMV) zusammen.

1913 war die Zahl der angeschlossenen Vereine bereits auf 17 angewachsen. Bei der Generalversammlung am 30. März dieses Jahres kandidierte Simon aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr für das Präsidentenamt. Als neuer Präsident wurde Hauptmann a. D. Franz Kübel aus Berlin gewählt. Er war gleichzeitig Vorsitzender des Deutschen Billard-Clubs in Berlin. Zu seinem Stellvertreter ernannte er den Berliner Gustav Braunbeck, dem es auch zu verdanken ist, dass es mit der Billard-Welt ab Oktober 1913 auch zum ersten Mal ein Verbandsorgan gab. Vom 25. bis 30. Januar richtete der DABB die erste deutsche Meisterschaft der 1. Klasse aus. Erster Titelträger war der Favorit Albert Poensgen. Schon ein Jahr zuvor (6.–11. Januar 1912) hatte der Verband eine Meisterschaft der 2. Klasse im Cadre 45/2 ausgerichtet.

Der Erste Weltkrieg unterbrach dann bis zu seinem Ende 1918 den regelmäßigen Spielbetrieb. Über die Zeit zwischen 1914 und 1921 ist nur wenig bis gar nichts bekannt. Dokumentationen über Spiele oder Turniere fehlen komplett. Der Vorstand tagte nicht mehr, Präsident Franz Kübel wurde reaktiviert und ins Kriegsgeschehen eingebunden.

1921 erfolgte im Rheinland, initiiert durch den Kölner Billard Club (KBC), der erste Wiederaufbau. Der Vorsitzende des KBC, Robert Court, hatte schon 1911 zu den Gründungsmitgliedern des DABB gehört und ließ nichts unversucht, auch unter größten Mühen wieder einen regelmäßigen Spielbetrieb auf die Beine zu stellen. So war es auch nicht verwunderlich, dass er im Januar des Jahres zum dritten Präsidenten gewählt wurde. Er sollte dieses Amt für die nächsten 31 Jahre innehaben, so lange wie niemand zuvor. Seit diesen Tagen ist Köln auch offizieller Amtssitz des Verbandes, egal welchen Namen er gerade trägt, ob DABB, DABV, VDBA, DBB oder DBU.

Court sorgte dafür, dass ab April 1921 wieder eine regelmäßige deutsche Meisterschaft ausgerichtet wurde. Er konnte dies nicht allein schaffen. Zu seinen stärksten Mitstreitern zählten unter anderem Albert Poensgen, Carl Foerster, Werner Sorge, Albert Herging und Walter Lütgehetmann. Ein reines Funktionärswesen, wie es heute üblich ist, gab es zu dieser Zeit nicht. Alle Funktionäre, auch Court, waren auch aktive Turnierspieler. Weiterhin sorgte Court auch für das Neuerscheinen der Billardzeitung Billard-Welt, die mit Beginn des Krieges 1914 aus Material- und Maschinenmangel hatte eingestellt werden müssen. Das „Ein-Mann-Projekt“ des Kölners wurde unter seiner Leitung als Chefredakteur schnell zu einer der bedeutendsten Publikationen in diesem Bereich in Europa. Sie konnte der französischen Le Billard Sportif und der niederländischen Biljartwereld bzw. Biljartrevue durchaus auf Augenhöhe gegenübertreten. Über die Jahre gab es viele Helfer, Schreiber und Mitarbeiter, doch blieb das Blatt immer fest in den Händen des Chefredakteurs Court. So gelang es ihm auch, die Zeitung während des Nationalsozialismus am Leben zu erhalten und sie 1947 nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zum zweiten Mal wiederzubeleben.

Durch Poensgens unermüdliche Bemühungen und seine internationale Anerkennung wurde der DABB am 12. Mai 1926 in den drei Jahre zuvor gegründeten Weltverband UIFAB (Union Internationale des Fédérations des Amateurs de Billard) aufgenommen, die kriegsbedingten Folgen wurden überwunden und der DABB wurde wieder zu einem der bedeutendsten Verbände in Europa. Zum ersten Mal nach 1908 und 1911 nahmen wieder deutsche Spieler an den Welt- und Europameisterschaften teil. International erfolgreich waren in den späten 1920er Jahren u. a. Poensgen, Ludwig Meyer, Werner Sorge und Carl Foerster. Poensgen konnte seine Bemühungen um den Verband und die internationale Anerkennung mit dem Gewinn der ersten deutschen WM-Medaille für Deutschland bei der Cadre-45/2-Weltmeisterschaft in Genf krönen.

Deutscher Amateur Billard Verband (DABV) 1933–1945 Im Oktober 1933 erfolgte per Dekret die „Gleichschaltung des deutschen Billardsports“. Der DABB verlor damit nicht nur seine Eigenständigkeit, sondern auch seinen Namen. Die Anordnung verfügte eine Umbenennung in „Deutscher Amateur Billard Verband“ (DABV) und wurde als Fachsäule 7 des Reichsführerrings mit dem Kegelsport zusammengefasst. Dieser hatte auch die Leitung inne. In diesem Zuge wurden auch alle demokratischen Strukturen zerschlagen und der Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten beauftragte Robert Court mit den Belangen des Verbands. Court durfte sich fortan nicht mehr Präsident oder Vorsitzender nennen, sondern erhielt den Titel „Führer“, das Präsidium hieß nun „Führerbeirat“. Die alten Bezirke wurden durch die 17 neuen Gaue ersetzt, die sich mehr nach nationalsozialistischen Belangen als nach billardsportlichen Strukturen ausrichteten und deren Leitung von „politisch einwandfreien“ Gauleitern übernommen wurde. Zeitgleich mit der Umbenennung wurden alle Vereine des ehemaligen DABB mit einer neuen Satzung und mit Zwangsabgaben belegt. Die Zwangsmitgliedschaft im DABV führte daraufhin zu einer 50%igen Auflösungswelle von Vereinen. Die meisten Mitglieder wollten sich unter solchen Voraussetzungen nicht mehr billardsportlich betätigen. Die politische Macht griff massiv in das sportliche Geschehen ein. Harmlos waren die Verordnungen über das Aufstellen der Hakenkreuzfahne und den obligatorischen Hitlergruß, schlimmer waren dagegen die Repressalien gegenüber Juden, kritischen Sportlern und Funktionären. Sie verloren ihre Spiel- und Startberechtigungen, Ämter und wurden schließlich vom Vereinswesen ausgeschlossen. Das Denunziantentum hatte auch vor dem Sport nicht Halt gemacht. Als bekanntestes Beispiel wurde der damals beste deutsche internationale Spieler August Tiedtke für zwei Jahre vom Reichssportführer gesperrt, nachdem ein Kollege ihn nach seiner Rückkehr aus den USA denunziert hatte. Tiedtke wurde dabei zum Verhängnis, dass er bei einem Interview in den USA auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, auch in den USA zu spielen, mit „Ja“ geantwortet hatte.