Bad Zwischenahn (bis 1919 Zwischenahn, ) ist die nach Einwohnerzahl größte Gemeinde im Landkreis Ammerland in Niedersachsen und liegt westlich der Stadt Oldenburg. Seit dem 1. Januar 2022 hat Bad Zwischenahn den Status einer selbständigen Gemeinde.

Geographie mini|Luftbild des Ortes Bad Zwischenahn (aufgenommen vom Wasserturm, im Zentrum des Bildes ist die Bahnhofstraße) Geographische Lage Die Gemeinde Bad Zwischenahn liegt im Südosten des Landkreises Ammerland. Hauptort der Gemeinde und deren Verwaltungssitz ist der gleichnamige Ort Bad Zwischenahn am Zwischenahner Meer. Er liegt 17 Kilometer westlich der Stadt Oldenburg. Die Nordsee ist rund 60 Kilometer und die niederländische Grenze rund 80 Kilometer entfernt.

Nachbargemeinden Die Gemeinde Bad Zwischenahn grenzt im Nordosten an die Gemeinde Wiefelstede, im Südosten an die Stadt Oldenburg, im Süden an die Gemeinde Edewecht und im Nordwesten an die Kreisstadt Westerstede.

Flächennutzung mini|Baumschule in der Gemeinde Bad Zwischenahn Das Landschaftsbild wird geprägt durch die im gesamten Ammerland vorkommenden Baumschulen, die vor allem aufgrund des küstennahen Klimas (hohe Feuchtigkeit, milde Winter) in dieser Gegend hervorragende Voraussetzungen finden. Besonders Rhododendren, aus den regenreichen Gebieten des Himalaya kommende fleischblättrige Hartgehölze, finden hier die zur Aufzucht notwendige feuchte Luft.

10,3 % des Gemeindegebietes sind von Wäldern und Gehölzen bedeckt (Stand: 1993). Als größtes zusammenhängendes Waldgebiet ist hier der Wold bei Bloh zu nennen. Er ist circa 250 Hektar groß und bietet mit dem Baggersee Woldsee einen im Sommer gern besuchten Badepark. Etwa 35 % des Gemeindegebietes werden als Weideland oder Wiese genutzt. Besonders die kultivierten Gebiete der ehemaligen Hochmoore zählen zu diesen Flächen. Ackerland inklusive Baumschulen und Gartenbaubetriebe bildet etwa 23 % der Gemeindefläche. Anders als im Mittelalter findet man heute auch in den trockengelegten Moorflächen Äcker. Hier unterscheidet man zwischen den historischen Eschäckern und den neuzeitlichen Mooräckern.

Geologie Die Gemeinde Bad Zwischenahn liegt im Gebiet der Nordoldenburgisch-Ostfriesischen Geest. Während in den Niederungen (Täler) feuchte Wiesen zu finden sind, wurden auf den sandigen Rücken Ackerflächen kultiviert. Auf diesen Rücken wurde bis zum Mittelalter vorwiegend Getreide angebaut. Durch den Mono-Anbau kam es zur Verarmung von Nährstoffen. Um dem verarmten Boden wieder Nährstoffe zuzuführen, stach man im humusreichen Grünland der Täler sogenannte Plaggen aus und brachte sie, angereichert mit Tierexkrementen, als Plaggendünger auf den Ackerflächen aus. Hierdurch wurden die Geestrückenflächen zum plaggengedüngten Esch. Durch das Aufbringen dieser Düngemittel wurden im Laufe der Zeit die Eschflächen deutlich erhöht. Die Talböden sind oft überschwemmt, was auf den unterhalb der Ammerländer Geest befindlichen Ton zurückzuführen ist.

Südlich der Ammerländer Geest befindet sich die Leda-Jümme-Niederung. Diese Niederung besteht hauptsächlich aus Moor. Die zur Gemeinde Bad Zwischenahn gehörenden großen Moore Ekerner Moor, Speckener Moor und Kayhauser Moor gehören als nördliche Ausläufer zum Vehnemoor. Durch das Vorhandensein von Moor konnte Bad Zwischenahn zum staatlich anerkannten Moorheilbad ausgebaut werden und auch durch den Abbau von Torf wirtschaftlich profitieren.

Zentrum der Gemeinde ist das Zwischenahner Meer, welches über einem weit in die Tiefe ragenden Salzstock liegt.

Gemeindegliederung miniatur|Osten der Gemeinde Bad Zwischenahn aus der Luft Die Gemeinde Bad Zwischenahn gliedert sich in 18 Gemeindeteile (Bauerschaften): Aschhausen Bad Zwischenahn Bloh Dänikhorst Ekern Elmendorf Helle Kayhausen Kayhauserfeld Ofen Ohrwege Petersfehn I Petersfehn II Rostrup I Rostrup II Specken Wehnen Westerholtsfelde

Geschichte mini|Ev.-Luth. St. Johannes-Kirche mini|1796 datierter Kupferstich „Zwischenahn“ von Daniel Berger nach Francis Arichall; Frontispiz (Ausschnitt) für Gerhard Anton von Halems Geschichte des Herzogtums Oldenburg, Band 3 mini|hochkant|Die Bahnhofstraße in Bad Zwischenahn, im Hintergrund ist der Bahnhof erkennbar

Ausgrabungsfunde in Querenstede bezeugen eine erste Besiedlung des heutigen Gemeindegebietes von Bad Zwischenahn in der ausklingenden Weichsel-Kaltzeit um etwa 10.000 v. Chr. Systematische archäologische Ausgrabungen im Ammerland Mitte des 20. Jahrhunderts deuten auf eine durchgehende Besiedlung hin, die in der Zeit um etwa 500 n. Chr. plötzlich abbrach. Ein bedeutsamer Fund aus dieser Zeit ist der „Junge von Kayhausen“, der 1922 im Kayhauser Moor entdeckt wurde. Nach einer mehrere hundert Jahre andauernden Wüstungszeit begann im 9. Jahrhundert dann die Neubesiedlung der Region. In dieser Zeit entstanden überall Eschhöfe, und an den Ausläufern ihrer Ländereien bildeten sich sogenannte Brinksiedlungen mit meist niederwertigerem Ackerboden. In diese Zeit lassen sich auch Ausgrabungsfunde aus einem Brunnen in der Nähe des heutigen Marktplatzes (heute Am Brink) datieren.

Mittelalter und Frühe Neuzeit Erste schriftliche Zeugnisse über Zwischenahn gab es im Jahr 1124 im Zusammenhang mit der Gründung der St.-Johannes-Kirche durch den Oldenburger Grafen Egilmar. Auf dieses Jahr wird daher die Gründung Bad Zwischenahns festgelegt.

Johann Hechler war nach 1525 der erste lutherische Pastor im Ort, doch erst die Kirchenordnung von 1573 hat in der ganzen Grafschaft Oldenburg und in Zwischenahn die Reformation endgültig eingeführt; Plattdeutsch wurde die Predigtsprache.

Das sich um das Zwischenahner Meer erstreckende Kirchspiel Zwischenahn bildete nach dem Ende der Franzosenzeit ab 1814 mit dem Kirchspiel Edewecht das Amt Zwischenahn, das dann 1858 mit dem Amt Westerstede unter gleichem Namen zusammengelegt wurde.

Mit dem Bau der Chaussee von Oldenburg über Zwischenahn nach Westerstede im Jahr 1837 sowie dem Bau der Bahnstrecke Oldenburg–Leer dreißig Jahre später nahmen die Bevölkerung und der Fremdenverkehr stetig zu. Zwischenahn erfreute sich bereits zu dieser Zeit zunehmender Beliebtheit als Naherholungsort.

Weimarer Republik und Zeit des Nationalsozialismus Im Jahr 1919 wurde Zwischenahn der Titel „Bad“ verliehen und 1964 das Prädikat „Staatlich anerkanntes Moorheilbad“.Bad Zwischenahn: Gemeindeportrait – Zahlen & Daten in Kürze, abgerufen am 16. Juni 2013 Ein Antrag auf Verleihung des Stadtrechts im Jahr 1974 blieb erfolglos.

Die Ortschaften Ofen, Wehnen, Bloh und Petersfehn aus der aufgelösten Gemeinde Ofen sowie der südliche Teil von Westerholtsfelde aus der Gemeinde Wiefelstede wurden 1933 eingemeindet. Damit erhielt Bad Zwischenahn seine heutige Größe. Ebenso wurde aus dem Amt Westerstede sowie den Gemeinden Rastede und Wiefelstede des Amtes Oldenburg das Amt Ammerland gebildet. 1939 wurde aus dem Amt Ammerland der Landkreis Ammerland.

In der Zeit des Nationalsozialismus zählte Bad Zwischenahn, das zum Gau Weser-Ems gehörte, zu den braunen Hochburgen im Ammerland.Otto Renken und Günter Marken (2019): NS-Herrschaft Im Ammerland - Mit gestrecktem Arm durch Bad Zwischenahn. NWZonline.de, 31. Dezember 2019 Bereits 1928 stellte die NSDAP eine erste Ortsgruppe des Kreises Ammerland auf, ein Jahr später bildete sich die erste SA-Einheit des Ammerlandes in der Gemeinde Zwischenahn. Bei den Reichstagswahlen vom 14. September 1930 erhielt die NSDAP 6.964 von 11.831 abgegebenen Stimmen, bei den Gemeinderatswahlen im November 1930 eroberte sie 9 der 18 Sitze. In großen und blutigen Saalschlachten unter Führung des SA-Standartenführers Bruno Bode schaltete sie bereits 1931 die Opposition aus. Am 27. Mai 1932 sprach Adolf Hitler in Bad Zwischenahn zu über 10.000 Menschen.Günter Marken (2021): Als Adolf Hitler vor 10.000 Menschen sprach. NWZonline.deRedaktion OSZ (1939): Zum Kreistag heute und morgen in Bad Zwischenahn. Oldenburger Staatszeitung, 2. Beilage zu Nr. 146, Sa., d. 3. Juni 1939 Bei der Wahl am 29. Mai 1932 im Freistaat Oldenburg erhielt die NSDAP die absolute Mehrheit im Landtag.

mini|Ein Me 163 Raketenjäger (Abfangjäger) beim Start in Bad Zwischenahn, Oktober 1944 1934 setzte die NSDAP ihren Kreisführer Johann Roggemann zum Bürgermeister der Stadt ein. Sein Parteigenosse Johann Schneider übernahm für ihn die Kreisleitung.Redaktion OSZ (1939): Zum Kreistag heute und morgen in Bad Zwischenahn. Oldenburger Staatszeitung, 2. Beilage zu Nr. 146, Sa., d. 3. Juni 1939 Als Beleg für die wirtschaftliche Aufbauleistung des NS-Regimes gilt bis heute in Teilen der Bevölkerung der Bau des Wasserturms Bad Zwischenahn und einer Wasserleitung einschließlich der Kanalisation. 2022 stellte sich heraus, dass der Wasserturm nicht zuletzt zur Versorgung des im Aufbau befindlichen Militärflughafens Adlerhorst in Rostrup diente, von dem aus später Bomber starteten.Arne Jürgens und Günter Marken (2022): Wasserturm mit brauner Vergangenheit. Nordwest-Zeitung, 9. Februar 2022 Ab 1943 gehörte auch ein Erprobungskommando des ersten Raketenjägers, der Me 163, dazu.Mano Ziegler (2014): Hitler's Jet Plane: The ME 262 Story, Pen & Sword Books Ltd, S. 59

Als weiteres Beispiel der wirtschaftlichen und kulturellen Erneuerung galt der lokalen NSDAP-Führung die Erschließung einer durchgehenden Promenade vom „schmucken Eichenwäldchen am Hohen Hagen“ bis zum Zwischenahner Klinischen Sanatorium.Arne Jürgens und Günter Marken (2022): Wasserturm mit brauner Vergangenheit. Nordwest-Zeitung, 9. Februar 2022 Die Heil- und Pflegeanstalt Wehnen (die heutige Karl-Jaspers-Klinik) war mit über 1500 Opfern einer der Hauptorte der Euthanasie im Weser-Ems-Gebiet. Bad Zwischenahn war Standort einer NS-Frauenschule.

Der Eisenbahnunfall von Bad Zwischenahn ereignete sich am 20. November 1944, als ein mit 1500 niederländischen Gefangenen aus der Razzia von Rotterdam besetzter Zug im Bahnhof von Bad Zwischenahn auf einen dort stehenden Zug auffuhr. Dabei starben 29 Menschen, verletzt wurden 67, darunter etwa 30 schwer.NLA OL Best. 137 Nr. 6414: Verwaltung des Eigentums der Stiftung Stedingsehre: NS-Frauenschule in Bad Zwischenahn. Laufzeit 1942-1954. Enthält u. a. Nutzungsentschädigung (Besatzungsmacht); Inventar. AZ: B 19 (16). Landesarchiv Niedersachsen-Bremen; Abt. Oldenburg, Oldenburgisches Finanzministerium

Im März 1945 erfolgten schwere Bombenangriffe auf den Fliegerhorst Rostrup. Am 30. April 1945 forderten kanadische Flugblätter Bad Zwischenahn auf, letztes, sinnloses Blutvergießen zu vermeiden: „Wenn sich Zwischenahn nicht ergibt, wird es dem Erdboden gleichgemacht.“ Allerdings ließen die Kanadier hinter der Front auch durchblicken, „daß es unser Wunsch ist, dieses nette kleine Städtchen nicht dem Erdboden gleichzumachen.“ In der Nacht auf den 1. Mai 1945 erreichte der Edewechter Pastor Wilhelm Schulze – gebürtiger Zwischenahner – als Parlamentär den kampflosen Abzug deutscher Truppen. Die Kanadier dankten ihm mit den Worten: „You have done a great work this night“.

Im Jahr 2011 bildeten 23 Schüler des Gymnasiums Bad Zwischenahn (GZE) einen Kurs zum „Nationalsozialismus“, um die NS-Geschichte ihrer Heimat zu recherchieren, aufzuarbeiten und die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorzustellen. Elftklässler zwischen NS-Zeit und Gegenwart. NWZonline.de, aufgerufen: 2. April 2022

Nach 1945 Von 1951 bis 1964 lebte die bekennende Nationalsozialistin und Schwiegertochter Kaiser Wilhelms II. Sophie Charlotte von Oldenburg im Ort. Auch lebte dort der katholische Flüchtling aus Polen und spätere Kinderbuchautor Janosch.

2002 war Bad Zwischenahn als „Hauptstadt der Bäume“ Schauplatz der ersten Niedersächsischen Landesgartenschau, die über eine Million Besucher anzog. Das Gartenschaugelände wurde in der Folge zum Park der Gärten weiterentwickelt.

Der Ortskern von Bad Zwischenahn präsentiert sich heute als eine moderne Kleinstadt mit Fußgängerzone, Promenade, Einkaufsläden und Gastronomie.

Namensentwicklung