mini|Geografische Lage Spaniens
Homosexualität wird in Spanien gesellschaftlich akzeptiert. Spanien gilt als ein liberales Land im Umgang mit Homosexualität. Mit der Ablösung der konservativen Regierung durch die Sozialisten wurde Spanien 2005 das weltweit dritte Land, das homosexuellen Paaren die Ehe und Adoption ermöglichte.
Legalität Homosexuelle Handlungen sind in Spanien legal und das Schutzalter für Sexualverkehr in Spanien liegt wie bei Heterosexuellen bei 16 Jahren. Im November 2006 erließ die Regierung Zapateros ein Gesetz, wodurch trans Personen sich mit ihrem Geschlecht in öffentliche Dokumente eintragen lassen können, auch bevor sie sich operativen Eingriffen unterziehen.Spanish lawmakers approve bill to let transsexuals change gender without surgery. Advocate, 9. November 2006
Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen mini|300px|Eheschließungsrate 2008 Am 30. Juni 2005 verabschiedeten die Cortes Generales unter dem sozialistischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero das Gesetz, das homosexuellen Paaren ab dem 3. Juli 2005 die Schließung der traditionellen Ehe erlaubt und ihnen alle Rechte heterosexueller Paare zugesteht, wie z. B. die Adoption von Kindern.boe.es (PDF; 91 kB)
Am 27. Juni 2007, zwei Jahre nach der Einführung des Gesetzes, gab das spanische Justizministerium bekannt, dass bis dahin 3.340 Paare geheiratet hatten. Die Zahl der homosexuellen Eheschließungen liegt aber möglicherweise dreifach höher, da die Daten der nichtinformatisierten Gemeinden sowie diejenigen aus dem Baskenland nicht berücksichtigt werden konnten. Nach Angaben des Ministeriums wurden von diesen 3.340 Ehen 2.375 zwischen Männern und 965 zwischen Frauen geschlossen. Madrid ist die autonome Region, wo die höchste Zahl registriert wurde (1.060), gefolgt von Katalonien (871), Andalusien (399), Valencia (263), Balearische Inseln (116), Asturien (101), Kastilien und León (89), Aragón (86), Kanarische Inseln (83), Murcia (61), Kastilien–La Mancha (56), Extremadura (54), Galicien (31), Kantabrien (28), Navarra (25) und La Rioja (13).
Am 5. November 2012 bestätigte das Spanische Verfassungsgericht die Eheöffnung in Spanien.Öffnung der Ehe, Urteil des Verfassungsgerichtes. queer.de
Adoptionsrecht
Seit 2006 verhandelt die spanische Regierung mit anderen Staaten, um ausländische Adoptionen zu ermöglichen. Das Gesetz zur künstlichen Befruchtung wurde ebenfalls 2006 abgeändert. Somit wird auch die lesbische Ehefrau der Gebärenden als Elternteil anerkannt.
Gesellschaftliche Situation Homo- und Bisexualität sind in der Bevölkerung akzeptiert, besonders in Großstädten wie Madrid, Barcelona, Valencia, Sevilla, Bilbao, Málaga, Saragossa, Las Palmas de Gran Canaria und anderen Städten mit vielen Touristen und ausländischer Bevölkerung wie Santa Cruz de Tenerife und Cádiz. Daneben kommt es, vor allem in kleineren Orten und Dörfern, weiterhin zu Fällen von Diskriminierungen.
In der Studie »Rainbow Europe« der ILGA steht Spanien hinsichtlich Toleranz und Rechte für die LGBT-Bürger stets an den ersten Plätzen in Europa. Im Jahr 2010 stand Spanien nach Schweden an zweiter Stelle mit Belgien, den Niederlanden und Norwegen; Im Jahr 2012 hatte Spanien wieder die zweite Stelle inne, diesmal zusammen mit Deutschland. Die Qualifikation von 2013 setzte Spanien an die vierte Stelle (65 %) zusammen mit Portugal und Schweden; allerdings lagen Belgien mit 67 % und Norwegen mit 66 % dicht an zweiter und dritter Stelle. Großbritannien erreichte mit 77 % die erste Stelle. Spanien erreichte im Jahr 2015 den sechsten Rang (69 %), zusammen mit den Niederlanden und Norwegen, deutlich vor Deutschland (56 %) und Österreich (52 %). Diese Rückstufung wurde von der ILGA wegen einiger Maßnahmen der konservativen PP-Regierung in der Gesundheits- und Sozialpolitik gerechtfertigt, wie die Diskriminierung von lesbischen Frauen bei der staatlich bezahlten künstlichen Befruchtung.
In der Studie »The Global Divide on Homosexuality« des Pew Research Center von 2013 bekam Spanien die Spitzenposition in sozialer Akzeptanz unter 39 Ländern zugewiesen; 88 % der Bevölkerung meinten, dass »Homosexualität von der Gesellschaft akzeptiert werden soll«. Dieselbe Position wurde im Jahr 2014 erreicht. In einer Umfrage von Gallup, war Spanien im Jahr 2014 eines der vier besten Länder zum Leben für Homosexuelle. Laut einer Umfrage von Romeo aus dem Jahr 2015 unter 115.000 seiner Nutzer stand Spanien, zusammen mit Deutschland, an 13. Stelle weltweit im »Gay Happiness Index«.
In einer Studie von The Hague Centre for Strategic Studies aus dem Jahr 2014 stand die spanische Armee weltweit an zehnter Stelle (91,8 Punkte) im LGBT Military Index, zusammen mit Frankreich und vor Deutschland, das an zwölfter Stelle mit 90,8 Punkten knapp hinter Spanien lag.
mini|CSD in Madrid 2008
Die jährlichen Demonstrationen des CSDs verkümmerten nach dem ersten Aufleben Ende der 1970er Jahre, in denen Städte wie Barcelona, Madrid, Sevilla oder Valencia bis zu 5.000 Demonstranten hatten. 1991 nahmen an der CSD-Demonstration in Madrid nur 300 Personen teil. Erst 1994 kehrte sich diese Tendenz um, und die Anzahl der Teilnehmer stieg rasch an: im Jahr 2000, in dem die FELGBT zum ersten Mal einen einheitlichen CSD für ganz Spanien in Madrid organisierte, marschierten bereits 60.000 Personen mit. Diese Entwicklung erreichte ihren Höhepunkt im Jahr 2007, als der Europride in Madrid stattfand: über 1,5 Millionen Menschen zogen in 100 Organisationen und mit 40 Festwagen durch die Stadtmitte. Damit wurde dies der größte CSD in Europa. Der CSD in Barcelona, weniger kommerziell und aggressiver in der Forderung nach Schwulenrechten, stagnierte Ende der 1990er: nur ca. 500 Menschen marschierten 1999, und ca. 900 nahmen an der Party danach teil. Dagegen organisierten im selben Jahr schwule Unternehmer eine Pride-Party, zu der 6.000 Teilnehmer erschienen. Diese Tendenz brach im Jahr 2000 ab, als schwule Unternehmer und LGBT-Gruppen sich in einer Veranstaltung vereinigten und 10.000 Personen mitmarschierten. In der Zwischenzeit hat sich der CSD in Barcelona zum zweitgrößten CSD Spaniens entwickelt, mit 150.000 Besuchern im Jahr 2013. Dabei wird in Barcelona mittlerweile die größte «Circuit Party» Europas organisiert, mit 70.000 Besuchern.
LGBT-Kultur
Literatur mini|Federico García Lorca und Salvador Dalí im Jahr 1925. Anfang des 20. Jahrhunderts mussten spanische homosexuelle Schriftsteller wie Jacinto Benavente, Pedro de Répide, José María Luis Bruna, genannt Marqués de Campo, oder Antonio de Hoyos y Vinent, dazwischen wählen, das Thema zu ignorieren oder es negativ darzustellen. Nur Ausländer, die in Spanien lebten, veröffentlichten Literatur, in der Homosexualität sichtbar wurde: der Chilene Augusto d’Halmar schrieb Pasión y muerte del cura Deusto (»Leidenschaft und Tod des Priesters Deusto«), der Kubaner Alfonso Hernández Catá publizierte El ángel de Sodoma (»Der Engel aus Sodom«) und der Uruguayer Alberto Nin Frías verfasste La novela del Renacimiento. La fuente envenenada (»Der Roman der Renaissance. Die vergiftete Quelle«), Marcos, amador de la belleza (»Marcos, Liebhaber der Schönheit«), Alexis o el significado del temperamento Urano (»Alexis oder die Bedeutung des uranischen Temperaments«) und, im Jahr 1933, Homosexualismo creador (»Der schöpferische Homosexualismus«), der erste Essay, der Homosexualität in ein positives Licht stellte.
Andere versteckten sich hinter der unklare Sprache der Dichtung, wie die Autoren der Generación del 27, zu deren homo- bzw. bisexuellen Autoren Federico García Lorca, Emilio Prados, Luis Cernuda, Vicente Aleixandre und Manuel Altolaguirre gezählt werden können. Diese Dichter waren von den großen homosexuellen Schriftstellern Europas beeinflusst, wie Oscar Wilde, André Gide, hauptsächlich sein Corydon, oder Marcel Proust. In jener Zeit gab Emilio García Gómez Poemas arabigoandaluces (»Arabisch-Andalusische Gedichte«) heraus, das erste Mal, dass die homoerotischen Gedichte der spanisch-arabischen Dichter in spanischer Sprache und ohne Zensur veröffentlicht wurden.
Es gab, Anfang des 20. Jahrhunderts, auch ein schüchternes Aufleben der lesbischen Literatur. Das erste Werk, das die Thematik aufnahm, war der Roman Zezé (1909) von Ángeles Vicente. Im Jahr 1929 wurde das erste Theaterstück uraufgeführt, Un sueño de la razón (»Ein Traum der Vernunft«) von Cipriano Rivas Cherif. Die einzige Autorin, die sich traute, homoerotische Gedichte zu schreiben, war Lucía Sánchez Saornil, obwohl sie es unter einem männlichen Pseudonym tat.
Gegen Mitte der 1930er Jahre wurde der langsame Aufbau der schwul-lesbischen Literatur auf brutalste Weise durch den Bürgerkrieg beendet. Nach dem Krieg, mit Lorcas Tod und der Mehrheit der homosexuellen Autoren im Exil, zog sich die Literatur wieder in die dunkle Dichtung des Vicente Aleixandre zurück, eines Dichters, der seine Homosexualität öffentlich nie anerkannte. Andere schwule Dichter dieser Zeit waren Francisco Brines, Juan Gil-Albert und Jaime Gil de Biedma und, in Córdoba, die Gruppe Cántico, Ricardo Molina, Vicente Núñez, Pablo García Baena, Julio Aumente und Juan Bernier.
Unter jenen Autoren, die zwischen dem Ende der Diktatur und nach der Transición bekannt wurden, müssen die folgenden genannt werden: Juan Goytisolo, der einflussreichste außerhalb Spaniens, ein Poète maudit in der Tradition von Jean Genet; Luis Antonio de Villena, der homosexuelle Intellektuelle, der am besten die Thematik darstelle; Antonio Gala und Terenci Moix, die wegen ihrer häufigen Auftritte im Fernsehen bekanntesten in Spanien. Nicht so bekannt sind Álvaro Pombo, Antonio Roig, Biel Mesquida, José Luis García Martín, Leopoldo Alas, Leopoldo María Panero, Vicente García Cervera, Carlos Sanrune, Jaume Cela, Eduardo Mendicutti, Miguel Martín, Lluis Fernández, Víctor Monserrat, Alberto Cardín, Mariano García Torres, Agustín Gómez-Arcos und Juan Antonio González Iglesias. Für die katalanische Sprache können Terenci Moix, Lluís Maria Todó und der Mallorquiner Blai Bonet genannt werden.
Bis in die späten 1990er Jahre gab es keine spanischen Schriftstellerinnen, die öffentlich ihre Homosexualität anerkannt hätten. So wollte zum Beispiel Gloria Fuertes nicht, dass es öffentlich würde. Die erste Schriftstellerin, die sich öffentlich dazu bekannte, war Andrea Luca. Unter den Autorinnen, die das Thema behandelt haben, können Ana María Moix, Ana Rosetti, Esther Tusquets, Carmen Riera, Elena Fortún, Isabel Franc und schließlich Lucía Etxebarría mit ihrem Roman Beatriz y los cuerpos celestes (»Beatriz und die himmlischen Körper«), Premio Nadal 1998, erwähnt werden. Für das Katalanische kann auf Maria Mercè Marçal verwiesen werden.
In den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts (und in den ersten des 21.) erscheinen die ersten Verlage, die auf LGBT-Themen spezialisiert sind: der Verlag Egales (gegründet 1995), der Verlag Odisea (gegründet 1999) und der Verlag Stonewall (gegründet 2011). Der Verlag Odisea vergibt den Preis Odisea seit 1999 für Bücher mit schwulem oder lesbischem Inhalt in spanischer Sprache. Die Stiftung Arena lobt seit 2005 den Preis Terenci Moix für schwul-lesbische Romane aus. Vom Verlag Stonewall gibt es den Preis Stonewall de Literatura LGTB seit 2011. Es gibt auch mehrere Buchhandlungen, die sich an das LGBT-Publikum wenden, die wichtigsten sind: Berkana und A different Life in Madrid, Cómplices und Antinous in Barcelona. Bis etwa 2011 gab es auch die Safo de Lesbos in Bilbao.
Das 21. Jahrhundert hat eine Normalisierung gegenüber der Homosexualität in der spanischen Gesellschaft gebracht, was auch an der Literatur zu sehen ist. Schwule Autoren werden von Mainstream-Verlagen herausgegeben, wie es mit den Schriftstellern Luisgé Martín oder Óscar Esquivias geschieht. Der Kritiker Miguel Rojo sagt: