Chamrousse ist eine französische Gemeinde im Département Isère in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Sie liegt in der historischen Provinz Dauphiné. Die Gemeinde liegt in den Westalpen am südlichen Ende der Belledonne auf Höhen zwischen 1.384 m und 2.448 m, etwa 10 km Luftlinie östlich von Grenoble. Chamrousse ist primär eine Skiresort, in dem die alpinen Skiwettbewerbe der X. Olympischen Winterspiele 1968 stattfanden. Der Ort verfügt über 15 Liftanlagen, 42 Skipisten und 42 km Langlaufloipen. Der Ort gilt als Wiege des Skisports in Frankreich (1878), auch wenn dieser Umstand inzwischen angezweifelt wird. In den Jahren 2001 und 2014 war der Ort auch Etappenziel der Tour de France.
Geographie Die Gemeinde Chamrousse liegt am südlichen Ende der Belledonne, östlich über dem Tal von Grésivaudan und dem Großraum Grenoble. Im Süden bzw. Südosten der Gemeinde fällt die Belledonne etwa 1000 m steil in das Tal der Romanche mit den Orten Séchilienne und Livet-et-Gavet ab. Chamrrousse erstreckt sich über drei Ortsteile, die nahe beieinander liegen: „Chamrousse 1650“, genannt Le Recoin, „Chamrousse 1700“, genannt Bachat Bouloud und „Chamrousse 1750“, genannt Roche Béranger. Die Ortsteile sind durch Skipisten und Waldwege miteinander verbunden. Die Orte bestehen aus zahlreichen Wohngebäuden und Chalets, die in einen Bergwald bzw. in Bergwiesen eingebettet sind. Der höchste Gipfel des Skigebietes liegt direkt oberhalb des Ortes und heißt Croix de Chamrousse mit einer Höhe von 2250 m. Der höchste Punkt der Gemeinde liegt auf dem Gipfel des Grand Van mit 2448 m an dem auch die Grenzen der Nachbargemeinden Revel und Livet-et-Gavet zusammenlaufen, die im Nordosten bzw. Osten von Chamrousse liegen. Weitere Nachbargemeinden sind Séchilienne im Süden, Saint-Martin-d'Uriage im Norden und Vaulnaveys-le-Haut im Westen.
Chamrousse ist über drei Straßen erreichbar: von Uriage les Bains, einem Ortsteil von Saint-Martin-d'Uriage über die D111 (Route de Chamrousse), von Vaulnaveys-le-Haut über die D111 (Route de Prémol) sowie von Séchilienne über die Route de Luitel.
Geologie Die Belledonne besteht im Wesentlichen aus kristallinen Gesteinen des Alpensockels aus dem Devon (oder Vor-Karbon), die ab dem Paleozän hier bis auf etwa 3000 m angehoben wurden. Die unteren westlichen Hänge der Belledonne bestehen jedoch aus kalk- und tonhaltigen Schichten aus der Zeit zwischen Trias und Mitteljura, die den unteren Teil der Sedimentdecke auf dem Alpensockels bildeten und mit der Alpenhebung abrutschten. mini|Vereinfachte geologische Karte der Gemeinde Chamrousse: Hellgrün: Amphibolit, Lila: Grünschiefer, Weiss: Glimmerschiefer, Rot: Trias-Sediment, Hellblau: Gabbro, Dunkelgrün: verschiedene Gneise Das Gebiet von Chamrousse erstreckt sich über relativ flache und wenig geneigte Hänge, die sich stark von den tief zerklüfteten und von tiefen Tälern durchzogenen Bergrücken unterscheiden, die weiter nördlich die Gebirgskette bilden. Diese südlichen Reliefs der Belledonne bilden vor-triasische Gesteinsschichten bis hinab zur Grenzfläche zwischen dem kristallinen Grundgebirge und seiner Decke. Diese Schichten wurde erst in den relativ späten Phasen der Erosion freigelegt und zerschnitten, wobei sich die Erosion fast nur auf das Abtragen der Sedimentdecke beschränkte.
Der Ortsteil Le Recoin liegt auf einem Plateau mit einer Senke, an der Grenze zweier Gesteinsschichten, die im inneren und äußeren Zweig einer Scherfläche liegen. Der innere Zweig besteht aus Amphibolit und Grünschiefer, der Äußere aus Glimmerschiefer. Diese Zweige entstanden durch den sogenannten „meridianen Unfall der Belledonne“. Reste der Sedimentdecke der unteren Trias-Ebene, welche auf vor-triasischen Schichten liegen, wurden hier noch nicht erodiert. Die chemische Analyse dieser Reste aphanitischen Sediments belegen Ablagerungen alter tropischer Böden, die auf dem Sockelgestein lagen. Der Gipfel des „Croix de Chamrousse“ besteht ebenfalls aus Schichten triasischen Sandsteinens und Dolomits, die dort Zeuge der Sedimentdecke sind.
Zwei geologische Stätten auf dem Gemeindegebiet von Chamrousse sind besonders hervorzuheben:
Die mineralogisch interessante Fundstätte der „Ophiolithe und Chromite von Chamrousse“ befindet sich nahe dem Col des Trois Fontaines bei Le Manqué. Der ordovizische Ophiolith (497 Ma) überlappt in umgekehrter Lage vulkanisch-plutonische und sedimentäre Formationen aus dem Devon bis zum Unterkarbon. Er ist der schönste hercynische Ophiolith in Frankreich. Die Fundstätte ist im „Inventaire du patrimoine géologique“ mit drei Sternen ausgezeichnet; Die geochronologisch interessante Stätte der „interglazialen Ablagerungen von Arselle“ befindet sich auf 1600 m Höhe auf dem Plateau von Arselle. Die Ablagerungen sind 10 bis 15 Meter dick und gelten als die höchst gelegenen interglazialen Ablagerungen in den Alpen. Sie sind im „Inventaire du patrimoine géologique“ mit drei Sternen bewertet.
Hydrographie mini|Gewässer in der Gemeinde Chamrousse
Im Gemeindegebiet gibt es nur wenige Fließgewässer die das ganze Jahr Wasser führen. Hierzu gehören der Quellbereich des Vernon und der Ruisseau de Salinière sowie der Ruisseau de Moirin. Alle drei Bäche münden in die Romanche.
Demgegenüber gibt es eine Vielzahl kleiner Seen und Tümpel, die meist keinen Abfluss haben. Eine Ausnahme bildet der Lac Achard (1917 m), dessen Abfluss den Ruisseau de Salinière speist. Der See ist nur etwa zwei Meter tief und ist eiszeitlichen Ursprungs. Er wird im Süden durch einen natürlichen Riegel abgeschlossen, der durch einen kleinen Damm erhöht wurde. mini|Lacs Robert Die Lacs Robert (~1998 m) liegen in einer Senke zwischen Croix de Chamrousse und Grand Var. Die drei Seen führen die Namen: Lac ouest, Lac nord und Lac sud (deutsch: West-, Nord- und Südsee). Der Lac ouest ist der größte See und hat eine Fläche von 8,5 ha, gefolgt vom Lac nord mit 1,5 ha und dem Lac sud mit 1 ha. Der Lac nord liegt bereits im Gemeindegebiet von Revel. Der Lac ouest kann sich bei Niedrigwasser in zwei Seen teilen. Die maximale Tiefe des Lac ouest beträgt 24 m, während die beiden kleineren Seen sehr flach sind.
Zwei weitere kleinere Seen in kleinen Senken heißen Lac Levetel und Lac les Pourettes. Südöstlich der Croix de Beldonne liegen mehrere kleine Seen ohne Abflüsse. Die drei künstlichen Seen Les Vallons, La Grenouillère und La Lauze wurden für die künstliche Beschneiung von Skipisten angelegt.
Etymologie Im Folgenden werden die beiden am häufigsten vertretenen Thesen zum Ursprung des Namens Chamrousse vorgestellt:
Dem vorkeltischen Wortstamm „calm“ oder „chalm“ wird die Bedeutung von „kahlem, steinigem Hochplateau“ zugeschrieben. Er findet sich in zahlreichen Orten Frankreichs, vor allem in den Bergen, wieder wie Lacalm, Lachau oder Chamechaude. In einer auf Latein verfassten Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1260 des Kartäuserklosters Prémol findet sich die Bezeichnung „culmen rupham“. Dies wäre die genaue Übersetzung von Chame-Rousse als Gegenstück zu Chame-Chaude dem höchsten Gipfel in der Nähe des Kartäuserklosters in der Chartreuse.
Geschichte Erste Anzeichen menschlicher Aktivitäten auf dem Gemeindegebiet von Chamrousse wurden bei Ausgrabungen auf dem Gipfel der Croix de Chamrousse nachgewiesen, bei denen römische Münzen aus der Zeit Neros gefunden wurden. 1234 wurde unterhalb des Lac Luitel das Kartäuserkloster von Prémol von Beatrix von Montferrat († 1274) gegründet, der Tochter des Markgrafen Wilhelm VI. und von 1237 bis 1243 Regentin der Dauphiné. Sie war die Ehefrau von Andreas (André) Dauphin von Viennois, genannt Guigues VI. (* 1184, † 14. März 1237). Das Kloster beherbergte damals etwa 60 Personen, darunter 35 Nonnen, minderjährige Schwestern und Brüder, Bedienstete und drei Kartäusermönche für die Leitung der Gemeinschaft. Die Bewohner der umliegenden Täler, die das Land fast vollständig nutzten, gerieten in Konflikt mit dem Kloster. Diese Konflikte dauerten fünf Jahrhunderte, bis das Kloster während der französischen Revolution geschlossen wurde. Nachdem die Kartause 1791 verlassen wurde, plünderten die Bauern der Umgebung die Gebäude und bauten sie ab.
Ab 1825, mit dem Aufstieg von Uriage zum Thermalbad stieg auch der Ruf von Chamrousse, insbesondere der Gipfel der Croix de Chamrousse wurde ein beliebtes Ausflugsziel. Zu dieser Zeit war Chamrousse ein ausgedehntes Weidegebiet mit Herden in La Balme, Le Recoin, Roche-Béranger und Bachat Bouloud. An jedem dieser Orte gab es eine Hütten für die Hirten.
Pater Tasse war 40 Jahre alt, als er 1863 in Roche-Béranger eine Käserei gründete. Die Hütte diente auch als Unterkunft für Reisende. Nach und nach entwickelte sich die Hütte zur Schutzhütte, deren Bewirtschaftung immer mehr Zeit in Anspruch nahm, sodass die Käserei schließlich aufgegeben wurde. Pater Tasse verbrachte 22 Jahre seines Lebens in Roche-Béranger. In einem 1891 herausgegebenen Werk berichtete Henri Vincent über diese zwei Jahrzehnte.
Der Überlieferung zufolge war Henry Duhamel 1878 der erste Skifahrer in Frankreich. Auf der Pariser Weltausstellung sah er ein Paar Skier an einem skandinavischen Stand, die er den Hängen von Le Recoin ausprobierte. Diese Geschichte erscheint heute zunehmend fragwürdig da er sie erst 1908 verbreitete.
Um der Schädigung von Alpenpflanzen entgegenzuwirken, wurde im Frühjahr 1893 der erste französische Alpengarten von der Société des Touristes du Dauphiné (STD) in Roche-Béranger, 300 m nördlich der ehemaligen Hütte von Pater Tasse angelegt (unter Mitwirkung der Société Horticole Dauphinoise) und am 8. Juli 1894 eröffnet. Dieser botanische Garten war somit älter als der Botanische Garten am Col du Lautaret. Der Garten wurde relativ schnell vernachlässigt und etwa 14 Jahre nach seiner Gründung zugunsten des Alpengartens am Col du Lautaret endgültig aufgegeben.
Der Club Alpin Français (CAF) pachtete 1911 vom Eigentümer der Wiesen von Le Recoin, dem Grafen von St. Férriol, für 99 Jahre eine Fläche von 3000 m² um dort die Hütte „Recoin de Chamrousse“ zu errichten. Dies war die erste Skihütte in großer Höhe.
1937 wurde der Bau der Straße von Vaulnaveys-le-Haut über Luitel nach Chamrousse beschlossen, die aber erst 1949 bis Le Recoin fertiggestellt wurde. Der Ausbau des Skiortes wurde von 1950 bis 1960 geplant und voran getrieben. Am 5. September 1952 wurde die neue Seilbahn eingeweiht. Sie war damals (zusammen mit der Seilbahn von Courchevel-Saulire) die modernste und schnellste Seilbahn der Welt. Von 1954 bis 1956 wurde die zweite Straße von Saint-Martin-d'Uriage über Les Seiglières nach Le Recoin gebaut. Im April 1961 kommen das Département Isère und die Société Nationale de Construction, einer Tochtergesellschaft der Rotschild-Gruppe, überein, das neue Wohngebiet Roche-Béranger zu erschließen. Chamrousse hat seitdem zwei Siedlungsschwerpunkte: Le Recoin (Chamrousse 1650) und Roche Béranger (Chamrousse 1750).
Bereits 1960 wurde eine Ferienkolonie für Jugendliche in den Waldlichtungen von Bachat-Bouloud geplant. Mehrere Städte und Départements Frankreichs arbeiteten hierfür zusammen, nämlich die Städte Mantes-la-Jolie, Échirolles, Tarare, Villeurbanne, Lyon und Boulogne-Billancourt sowie die Départements Isère, Loiret, Marne und Bas-Rhin. Mit der Unterstützung des Conseil Général des Départements Isère wurden insgesamt acht Feriendörfer für Kinder und Jugendliche eingerichtet. Im Jahr 2005 wurden die Chalets in Wohnheime umgewandelt.
Am 30. Dezember 1960 kandidierte Grenoble für die Austragung der Olympischen Winterspiele 1968. Drei Jahre später wurde die Bewerbung vom IOC angenommen (27 zu 24 Stimmen). Chamrousse wurde daraufhin zum Austragungsort der alpinen Skidisziplinen ausgebaut.