Die J-Klasse war eine Klasse von U-Booten des Submarine Service der britischen Royal Navy im Ersten Weltkrieg. Ein U-Boot ging im Krieg verloren. Die restlichen wurden nach dem Kriegsende an die Königlich Australische Marine übergeben.

Baugeschichte Die britische Marineführung forderte schon vor dem Kriegsbeginn ein U-Boot, das schnell genug sein sollte, um gemeinsam mit schnellen Überwasserkriegsschiffen wie den seit 1906 eingeführten Dreadnoughts operieren zu können. Hinzu kamen fehlerhafte Geheimdienstberichte, die behaupteten, dass die deutsche Kaiserliche Marine über extrem schnelle U-Boote verfüge. Die gewünschten U-Boote sollten über Wasser eine Geschwindigkeit von mindestens 21 kn (39 km/h) erreichen können.

Im Januar 1915 wurden acht Boote in Auftrag gegeben. Der von drei 12-Zylinder-Dieselmotoren angetriebene Entwurf verfehlte aber mit einer Maximalgeschwindigkeit von 19,5 kn (36 km/h) die geforderten Werte knapp. Außerdem wurde inzwischen bekannt, dass die Deutschen keine entsprechend schnellen U-Boote besaßen. Der Bauauftrag wurde anschließend auf sechs Einheiten gekürzt, die im Frühjahr 1915 auf Kiel gelegt wurden. Die geplanten J7 und J8 wurden in J3 und J4 umbenannt. Bis zum Sommer 1916 wurden in Portsmouth drei, in Pembroke Dock zwei und in Devonport ein U-Boot fertiggestellt.

1916 wurde dann in Devonport doch noch ein weiteres Boot auf Kiel gelegt, das im September 1917 in Dienst gestellt wurde.

Konstruktive Merkmale Die Tauchboote besaßen drei Propeller, die über Wasser jeweils von einem 12-Zylinder-Dieselmotor angetrieben wurden. Jeder Dieselmotor gab eine Leistung von 1200 PS (895 kW) ab. Unter Wasser nutzten die U-Boote zwei Elektromotoren mit je 600 PS (447 kW). Die Überwasserreichweite betrug bei einer Geschwindigkeit von 12 kn (22 km/h) bis zu 4000 Seemeilen (7408 km).

Über Wasser gehören die J-Klasse-Boote gemeinsam mit den um 4½ kn schnelleren Booten der dampfturbinengetriebenen britischen K-Klasse zu den schnellsten jemals gebauten U-Booten. Moderne U-Boote sind auf hohe Unterwassergeschwindigkeiten optimiert und über Wasser erheblich langsamer. Sogar die schnellsten Atom-U-Boote erreichen aufgetaucht geringere Geschwindigkeiten.

Die Zweihüllenboote konnten bis zu 91 m (300 Fuß) tief tauchen.

Ein Deckgeschütz mit dem Kaliber 4 Zoll (101,6 mm) diente als Artilleriebewaffnung. Luftabwehr war nicht vorgesehen.

Die Torpedobewaffnung bestand aus sechs 18-Zoll-(457-mm)-Torpedorohren. Vier Rohre befanden sich im Bug. Zwei Weitere waren außerhalb des Druckkörpers seitlich angeordnet.

Boote der Klasse   Boot  BauwerftKiellegungStapellaufIndienststellungBemerkungJ1Portsmouth Dockyard26. April 19156. November 191515. März 19161919 an Australien übergeben; 1926 als künstliches Riff selbstversenktJ2Portsmouth Dockyard3. Mai 19156. November 19151. Juni 19161919 an Australien übergeben; 1926 als künstliches Riff selbstversenktJ3Pembroke Dockyard2. März 19154. Dezember 191527. April 19161919 an Australien übergeben; 1926 als künstliches Riff selbstversenktJ4Pembroke Dockyard8. März 19152. Februar 191617. Juli 19161919 an Australien übergeben; 1927 als künstliches Riff selbstversenktJ5Devonport Dockyard26. April 19159. September 19156. Mai 19161919 an Australien übergeben; 1926 als künstliches Riff selbstversenktJ6Portsmouth Dockyard26. April 19159. September 191531. Juli 1916am 15. Oktober 1918 vor Blyth durch eigenes Feuer irrtümlich versenkt.J7Devonport Dockyard5. August 191621. Februar 191715. September 19171919 an Australien übergeben; 1926 als künstliches Riff selbstversenkt

Einsatzgeschichte Die ersten sechs U-Boote wurden im Laufe des Jahres 1916 in Dienst gestellt und patrouillierten in der Nordsee. Die Heimatbasis war Blyth in der nordwestenglischen Grafschaft Northumberland.

Am 5. November 1916 konnte die J1 vor Horns Rev erfolgreich die deutschen Großlinienschiffe Kronprinz und Großer Kurfürst torpedieren. Die zwei Großkampfschiffe konnten zwar nicht versenkt werden, wurden aber erheblich beschädigt, mussten ihren Vorstoß abbrechen und sich zur Reparatur in die Heimatbasen zurückziehen.

Die J2 versenkte das deutsche U-Boot U 99 am 7. Juli 1917 mit Torpedos.

Am 15. Oktober 1918 wurde die J6 vor Blyth von dem britischen Q-Schiff Cymric irrtümlich als deutsches U-Boot identifiziert und versenkt.

Die verbliebenen sechs Boote der Klasse wurden im März 1919 an die australische Marine übergeben.

Verbleib Die Australier nutzten die U-Boote bis 1922 und verkauften sie 1924 zur Verschrottung. Die ausgeschlachteten Rümpfe wurden 1926 vor dem Zugang zu Port Phillip vor Melbourne als Wellenbrecher versenkt. Die J4 war schon im Juli 1924 im Hafen gesunken. Die Überreste wurden gehoben und 1927 ebenfalls vor Port Phillip versenkt.

Die sechs Wracks bilden inzwischen künstliche Korallenriffe und sind beliebte Ziele für Sporttaucher aus aller Welt.

Siehe auch Liste britischer U-Boot-Klassen Liste der U-Boot-Klassen nach Staaten

Literatur Anthony Preston: Die Geschichte der U-Boote. Karl Müller Verlag, Erlangen, Deutsche Ausgabe 1998, ISBN 3-86070-697-7.

Weblinks

J-Klasse bei battleships-cruisers.co.uk (engl.) U-Boot-Datenbank bei rnsubs.co.uk (englisch) Seite über die Wracks (englisch)

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