Die Erde bebt (Originaltitel: La terra trema) ist ein Film von Luchino Visconti, gedreht 1948 auf Sizilien. Er zählt zu den wichtigsten Filmen des italienischen Neorealismus und beruht auf dem Roman I Malavoglia (1881) von Giovanni Verga. Thema des Films ist das harte Leben der Fischer in dem kleinen sizilianischen Dorf Aci Trezza nach dem Zweiten Weltkrieg.

Handlung Die Dorfbewohner leben seit Generationen vom Fischfang. Als der junge Fischer Ntoni Valastro erkennt, wie sie alle von den Fischhändlern betrogen und ausgebeutet werden, wächst sein Unmut immer mehr und bei einem Streit wirft er mit seinen Freunden die Händler samt ihren „falschen“ Waagen ins Wasser. Die Händler verzichten auf eine gerichtliche Verhandlung, weil sie auf die Arbeit der Fischer angewiesen sind, und Ntoni wird sich seiner eigenen Macht und Stärke bewusst.

Er nimmt heimlich eine Hypothek auf das Haus seiner Eltern auf, kauft ein Boot und beginnt, auf eigene Rechnung zu fischen. Zunächst setzt er sich erfolgreich und gewinnbringend durch. Doch bald geraten er und seine Familie in noch größere Armut und Abhängigkeit als zuvor, denn ein heftiger Sturm zerstört sein Boot. Ntoni muss sich erneut dem Diktat und den Schikanen der Händler beugen.

Drehbuch Visconti plante den Film als ersten Teil einer Trilogie mit dem Titel „Die Erde bebt“. Dem Film über die Fischer sollten zwei weitere Filme über die Lage der Schwefelarbeiter und der Bauern auf Sizilien folgen.

Obwohl Visconti zur Durchführung des geplanten Objekts Teile seines Privatbesitzes verpfändete, scheiterte er an der Finanzierung und konnte nur den ersten Teil verwirklichen.

mini|270px|Blick vom Meer auf Aci Castello um 1900 mini|270px|Zyklopeninseln vor dem Hafen von Aci Castello, 2011

Dreharbeiten Der Schwarzweißfilm wurde in Aci Trezza, dem kleinen Fischerhafen von Aci Castello nahe Catania gedreht. Die Silhouette der Zyklopeninseln ist im Film allgegenwärtig. Visconti arbeitete ausschließlich mit Laiendarstellern aus der Umgebung. Die Dialoge in sizilianischer Sprache werden im Film von einem Erzähler auf Italienisch kommentiert. Als Regieassistenten waren Francesco Rosi und Franco Zeffirelli tätig.

Veröffentlichung Premiere des Films war am 2. September 1948 in Venedig, ab 3. Dezember 1948 lief er in den italienischen Kinos Nach der Erstaufführung in Ostdeutschland im März 1958, synchronisiert im DEFA-Studio für Synchronisation, wurde der Film dann 1997 während der Filmfestspiele in Berlin innerhalb der Visconti-Retrospektive gezeigt.

1996 zeigte arte die Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Diese Fassung kam 1996 auch in die Kinos. 2013 brachte Arthaus eine Kassette mit 6 Filmen Viscontis heraus, drunter auch Die Erde bebt. 2025 veröffentlichte Radiance Films eine restaurierte Fassung in italienischer Sprache mit englischen Untertiteln. Die DVD ist ergänzt um ein umfangreiches Bonusmaterial mit Interviews von Christina Newland, Pietro Ingrao, Francesco Rosi und dem Produzenten Turi Vasile, sowie einem Booklet mit Texten von Stephen Gundle und André Bazin.

Kritiken Lexikon des internationalen Films bezeichnete den Film als ein „Meisterwerk“, das „ein sozial engagiertes und menschlich packendes Hauptwerk des Neorealismus“ sei. „Zum ersten Mal im italienischen Kino“ lasse „ein Spielfilm die Sprache seiner Personen unmittelbar, ungekünstelt und ungefiltert wahrnehmen – eine dokumentarische Authentizität ohnegleichen.“

35 Millimeter – Texte zur internationalen Filmkunst: „Mit großer Sensibilität und psychologischer Eindringlichkeit beschreibt Visconti den Kampf sizilianischer Fischer gegen die Ausbeutung. Dabei zeigt sich der Film deutlich gestalteter als die Rossellinis oder de Sicas, was dem realistischen Grundgedanken des italienischen Neorealismus theoretisch zu widersprechen scheint. Doch tatsächlich findet er hierin einen geschliffenen Ausdruck, der seiner Wirkung keinen Abbruch tut.“

Auszeichnungen 1948 wurde Viscontis Film anlässlich der Internationalen Filmfestspiele von Venedig für den Goldenen Löwen (damals: Löwe von San Marco) nominiert.

Im Jahr 2008 wurde der Film auf die offizielle, vom italienischen Kulturministerium gebilligte Liste „100 erhaltenswerte italienische Filme“ aufgenommen. Die 100 ausgewählten Filme entstanden zwischen 1942 und 1978 und haben das kollektive Gedächtnis Italiens maßgeblich geprägt.Official list - Ialy - 100 Italian films to be saved. IMDb, abgerufen am 5. Juli 2025

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Einzelnachweise

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