mini|Hajo Seppelt, 2016 Hans-Joachim „Hajo“ Seppelt (geboren 1963 in Berlin) ist ein deutscher Journalist und Autor. Er ist Teil der ARD-Dopingredaktion und gilt als Experte für die Dopingproblematik im deutschen und internationalen Sport. Die von ihm und seinem Team gestalteten Dokumentationen haben maßgeblich zur Aufdeckung von Dopingvergehen und deren Vertuschung geführt.
Leben und Werk Hajo Seppelt ist der Sohn von Katharina Seppelt (1938–2015) und Alfred Seppelt (1929–2015), der von 1984 bis 2004 den Berliner Schachverband leitete.
1981 legte er an der Beethoven-Oberschule in Berlin-Lankwitz das Abitur ab. Zum Sommersemester 1982 nahm er ein Sport- und Französischstudium an der Freien Universität Berlin auf und wechselte ein Jahr später zu Sozialkunde und Publizistik, verließ die Universität jedoch ohne Abschluss. Seit 1985 ist Seppelt Sportreporter der ARD. Er war zunächst beim Sender Freies Berlin und ab 2003 beim daraus entstandenen Rundfunk Berlin-Brandenburg beschäftigt. Er beschäftigte sich neben Sportberichterstattungen auch mit sportpolitischen Themen. Mit Johannes B. Kerner berichtete er in einer Dokumentation über die Olympiabewerbung Berlins für die Olympischen Spiele 2000.
Von 1992 bis 2006 war Seppelt Live-Kommentator der ARD für die TV-Übertragung von Schwimmwettkämpfen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften. Im Frühsommer 2006 wurde er von dieser Aufgabe entbunden, nach Seppelts Angaben wegen einer öffentlich gewordenen privaten E-Mail, in der Seppelt die unkritische Sport- und Dopingberichterstattung der ARD kritisiert hatte.
Wenig später wurde er als freier Journalist wieder von der ARD angestellt und baute beim WDR eine Redaktion zum Thema Doping auf. Seit 2006 ist er Autor, Reporter und Experte für Doping und Sportpolitik bei Das Erste, den TV- und Radio-Programmen der Landesrundfunkanstalten der ARD und dem Deutschlandfunk. Er tritt in Sportsendungen, Nachrichtensendungen und Magazinen sowie als Autor von Dokumentationen sowie im Rahmen von Olympischen Sommer- und Winterspielen und anderen sportlichen Großereignissen auf. Seit 2007 ist er zudem Autor der WDR-Sendung sport inside.
Mit zahlreichen Berichterstattungen und Enthüllungen über Doping wurde er international bekannt.
Seit 2017 ist er Chefautor für multimediale Inhalte (TV, Hörfunk, Online) in einer Produktionsfirma in Berlin. Seit 2018 besteht sein Vertrag mit der ARD über den rbb (zuvor über den WDR). Er beschäftigt sich weiterhin mit Berichterstattung über Doping und Sportpolitik.
Berichterstattung zum Thema Doping im Leistungssport
Seit 1997 berichtet Seppelt regelmäßig für alle Anstalten der ARD über sportpolitische Themen. Gemeinsam mit der ehemaligen kanadischen Schwimmerin Karin Helmstaedt drehte er den Dokumentarfilm Staatsgeheimnis Kinderdoping über Dopingtäter und -opfer des DDR-Schwimmsports, der in der ARD ausgestrahlt wurde. Zum Thema staatliches Doping in der DDR veröffentlichte Seppelt 1999 gemeinsam mit Holger Schück das Buch Anklage Kinderdoping: Das Erbe des DDR-Sports. Von 1997 bis 2000 verfolgte er die Prozesse gegen die Täter des DDR-Dopings vor Berliner Strafgerichten und berichtete darüber in Hörfunk und Fernsehen für den SFB und andere ARD-Anstalten. 2001 thematisierte er in einem Bericht die Transgeschlechtlichkeit des ehemaligen Kugelstoßers Andreas Krieger, der 1986 in der Frauenwertung den Europameistertitel erreichte. 2002 produzierte er für den SFB ein Feature für das Bildungsfernsehen mit dem Titel Doping: Ein gefährliches Spiel.
2006 berichtete Seppelt ausführlich über die Dopingproblematik im Radsport. Seine Recherchen führten unter anderem dazu, dass der deutsche Arzt Markus Choina als Komplize des spanischen Dopingnetzwerks von Eufemiano Fuentes identifiziert werden konnte. Im November 2006 erhielt er den „Leuchtturm“ für besondere publizistische Leistungen der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche für seine Recherchen, Berichte und Exklusivmeldungen um die Radsportler Jan Ullrich und Floyd Landis sowie den Arzt Eufemiano Fuentes. In der im Januar 2007 ausgestrahlten Fernseh-Reportage Mission: Sauberer Sport dokumentierte Seppelt mit Co-Autor Jo Goll die Arbeit deutscher Dopingfahnder. Die Reporter wiesen unter anderem Mängel im deutschen Kontrollsystem nach, was heftige öffentliche Diskussionen auslöste und zu strukturellen Veränderungen in der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) beitrug.
Seppelts Arbeit blieb nicht unumstritten. Der Deutsche Skiverband (DSV) leitete Mitte Januar 2008 rechtliche Schritte gegen ihn ein und erwirkte beim Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen den Journalisten. Seppelt hatte eine vom DSV geforderte Unterlassungserklärung zur Berichterstattung über einen Dopingverdacht bei deutschen Wintersportlern abgelehnt. Hintergrund war eine ARD-Meldung Seppelts, in der der Verdacht geäußert worden war, dass unter anderem deutsche Skilangläufer und Biathleten in einem Blutlabor Blutdoping durchgeführt hätten. Das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG) korrigierte die Landgerichtsentscheidung, hob dessen Verfügung am 21. Oktober 2008 auf und gab Seppelt recht: Dem DSV stehe kein Anspruch auf Unterlassung zu, weil er von der Berichterstattung des Journalisten nicht betroffen sei. Im Urteil wurde auch auf die grundrechtlich geschützte Berichterstattungsfreiheit im Falle sorgfältig anonymisierter Berichterstattung verwiesen. Der Verdacht Seppelts konnte auch nach aufwändigen späteren Recherchen nicht bestätigt werden.
Anlässlich der Olympischen Sommerspiele in Peking strahlte die ARD im Juli 2008 die 45-minütige Dokumentation Olympia im Reich der Mitte: Doping in China (Autoren Seppelt/Goll) aus. Die Dokumentation berichtete über Dopingkontrollen und mutmaßliche Dopingpraktiken in China, insbesondere über Angebote von Stammzellen-Manipulationen für Spitzensportler. Vor Beginn der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009 in Berlin strahlte die ARD die Dokumentation Geheimsache Doping: Die Doping-Drahtzieher der Leichtathletik aus (Autor Hajo Seppelt mit Co-Autor Robert Kempe). Vor den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver sendete die ARD das 30-minütige Feature Geheimsache Doping: Eiskalter Betrug. In dem Feature blickte Seppelt, Kempe und Jochen Leufgens hinter die Kulissen des Wintersports.
Nach Recherchen von Seppelt und Kempe im September 2010 zum weltbesten Radfahrer Alberto Contador musste der Internationale Radsportverband (UCI) einen positiven Dopingtest des Tour-de-France-Siegers aus Spanien eingestehen. Es kam heraus, dass die UCI einen positiven Test Contadors auf die Substanz Clenbuterol bei der Tour de France im Juli 2010 unter der Decke halten wollte. Im Februar 2012 wurde Contador vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) rückwirkend für zwei Jahre wegen Clenbuterol-Dopings von August 2010 bis August 2012 gesperrt.
Im Mai 2011 hatten Seppelt und Kempe die Möglichkeit, eine Woche lang in Pjöngjang, der Hauptstadt Nordkoreas, zum Thema Sport in Nordkorea zu drehen. Daraus entstand eine im Juli 2011 in der ARD ausgestrahlte Dokumentation mit dem Titel Sport in Nordkorea: Einblicke in eine unbekannte Welt.
Im Januar 2012 publizierten Seppelt und Kollegen vom WDR Beiträge in der ARD-Sportschau und in Sport Inside (WDR) über von einem Erfurter Sportmediziner vorgenommene UV-Bestrahlungen des Blutes an rund 30 Sportlern. Sie veröffentlichten dabei auch die Namen einiger betroffener Athleten. In der Folge entbrannte eine öffentliche Diskussion über die Frage, ob diese Behandlungen nach dem WADA-Code als verboten zu werten seien. Die WADA erklärte sie für verboten, sagte aber später, dass dies nun doch erst seit dem 1. Januar 2011 der Fall sei. Sportrechtliche Verfahren gegen einzelne Athleten wegen besonderer Einzelfallumstände endeten mit Verfahrenseinstellungen beziehungsweise Freisprüchen. Ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren gegen den Arzt wurde eingestellt. Dennoch vertraten viele Experten weiterhin die Auffassung, dass die Behandlung von Blut sportrechtlich im Grundsatz als verboten zu betrachten sei. In einem Unterlassungsverfahren, das der Sportarzt gegen den WDR wegen der Berichterstattung zu der Frage des Verbots angestrengt hatte, obsiegte der WDR vor dem Oberlandesgericht Köln. Der WDR darf in seiner Berichterstattung von „verbotenen Blutbehandlungen“ sprechen.
Im Frühjahr und Sommer 2012 berichteten Seppelt und Kempe erstmals über Doping kenianischer Leichtathleten. Dabei ging es vor allem um die Praktiken von Ärzten im Hintergrund. Ein Athlet erzählte über weitverbreitetes Doping unter kenianischen Läufern. Die Berichte führten zu heftigen Reaktionen in Kenia und zu einem großen internationalen Medienecho. Im Jahr 2013 fertigten Seppelt und Kempe eine kritische Dokumentation über den deutschen Sportfunktionär Thomas Bach, kurz bevor dieser zum IOC-Präsidenten gewählt wurde.
Im Dezember 2014 wurde ein Film von Seppelt mit dem Titel Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht in der ARD ausgestrahlt. In der 60-minütigen Dokumentation berichteten Whistleblower über systemisches Doping in Russland in der Leichtathletik und anderen Sportarten. Der Film belegt die Vorwürfe mit Beweisen in von Whistleblowern heimlich aufgenommenen Videos und Audios sowie Dokumenten. Die Sendung, der kürzere Beiträge in der ARD und dem WDR mit weiteren Belegen folgten, führte zu einem großen, internationalen Medienecho. Die Dokumentation wurde weltweit in vielen Sprachen ausgestrahlt. Nach der Ausstrahlung traten mehrere Personen von ihren Ämtern respektive Funktionen in internationalen Sportorganisationen beziehungsweise Anti-Doping-Einrichtungen zurück oder wurden suspendiert. Eine sogenannte unabhängige Untersuchungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) führte lange Ermittlungen durch. In der Folge wurden mehrere russische Trainer und Funktionäre sowie Athleten zum Teil lebenslang gesperrt. Der russische Leichtathletikverband wurde vom Internationalen Leichtathletikverband (IAAF) suspendiert.
Im August 2015 strahlte die ARD die auf die erste Sendung über Russland aufbauende Dokumentation Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik von Hajo Seppelt aus. Neben weiteren Recherchen in Russland konzentrierte sich dieser Film auf Dopingrecherchen in Kenia, Heimat der weltbesten Langstreckenläufer, und insbesondere auf eine bisher unveröffentlichte Datenbank des Weltleichtathletikverbands IAAF mit tausenden von Blutwerten von Athleten aus aller Welt. Zahlreiche Blutwerte aus diesem Datensatz legten laut Seppelt, der mit der Londoner Sunday Times bei dieser Recherche kooperierte, und den australischen Wissenschaftlern Mike Ashenden und Robin Parisotto den Verdacht des Blutdopings nahe. Der Film hatte eine weltweit große Resonanz und wurde in mehreren Sprachen ausgestrahlt. Die IAAF zeigte sich empört darüber, dass der Datensatz in die Hände von Journalisten gelangt war, und wies die Bewertung der Blutdaten durch die Experten Ashenden und Parisotto zurück. Der damalige IAAF-Präsidentschaftskandidat Sebastian Coe nannte die Enthüllungen von ARD und Sunday Times eine „Kriegserklärung“ an die Leichtathletik. Die Untersuchungskommission der WADA stellte Korruption und Vertuschung von Topfunktionären der IAAF über mehrere Jahre fest. Bei der Interpretation der Blutwerte aus der Datenbank der IAAF schloss sie sich dem Urteil der australischen Experten nicht an.