Das Big Horn County ist ein County im US-Bundesstaat Wyoming. Es hat eine Fläche von 8162 Quadratkilometern und liegt im Norden von Wyoming an der Staatsgrenze zu Montana. Das U.S. Census Bureau hat bei der Volkszählung 2020 eine Einwohnerzahl von 11.521 ermittelt. Der Verwaltungssitz des Big Horn County (County Seat) befindet sich in Basin, bevölkerungsreichster Ort mit 2243 Einwohnern ist Lovell. Benannt wurde das County nach den Bighorn Mountains, deren Namensgebung wiederum auf das Dickhornschaf (Ovis canadensis) zurückzuführen ist.
Das Big Horn County steigt von der Hochebene des Bighorn Basin im Westen bis zum Hauptkamm der Bighorn Mountains nach Osten hin an. Diese zwei großen Naturräume prägen das County und sorgen für starke klimatische Unterschiede. Flora und Fauna sind vielfältig und reichen von vegetationsarmer Strauchsteppe im Bighorn Basin und den dort lebenden Gabelböcken und Präriehunden bis hin zu den von Schwarzbären, Maultierhirschen und Elchen bewohnten Nadelwäldern in den Hochlagen der Bighorn Mountains. Der Bighorn River durchfließt das County von Süden nach Norden und bildet seit jeher die Lebensgrundlage für die Menschen in der Region.
Die menschliche Besiedlung der Region setzte vor rund 11.000 Jahren ein. Bis ins späte 19. Jahrhundert wurde das Gebiet vom Volksstamm der Crow bewohnt, die im Rahmen der Westexpansion der Vereinigten Staaten nach Norden verdrängt wurden. Ab den 1870er-Jahren siedelten Viehhirten und mormonische Siedler im Bighorn Basin. Zuvor wurde die Region bereits im frühen 19. Jahrhundert durch mehrere Expeditionen erkundet. Im Jahr 1897 wurde das Big Horn County aus Teilen der Countys Fremont, Johnson und Sheridan gegründet und verzeichnete bis in die 1920er-Jahre durch den Bau von Bewässerungskanälen und die Ankunft der Burlington Railroad einen starken Bevölkerungszuwachs. Der wirtschaftliche Aufschwung setzte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Öl- und Gasgewinnung ein, die auch heute – neben Bentonitabbau, Viehzucht und Tourismus – den wichtigsten Wirtschaftszweig darstellt.
Der Bighorn Lake im Norden des Countys spielt sowohl für die Wasserversorgung der Region als auch für den Tourismus – im Rahmen der Bighorn Canyon National Recreation Area – eine wichtige Rolle. Touristisch relevant sind zudem der Bighorn National Forest und das prähistorische Medicine Wheel. Funde von Fossilien und Dinosaurierskeletten haben dem Big Horn County überregionale Bedeutung zukommen lassen.
Geographie Geographische Lage { "type": "ExternalData", "service": "geoline", "ids": "Q108626", "properties": { "stroke": "#ff0000", "stroke-width": 2 } } Das Big Horn County liegt im Norden Wyomings, an der Grenze zum Bundesstaat Montana. Es grenzt im Uhrzeigersinn an folgende Countys: Big Horn County (Montana), Carbon County (Montana), Sheridan County, Johnson County, Washakie County und Park County. Die Nordgrenze zu den Countys Big Horn und Carbon in Montana wird durch den 45. Breitengrad gebildet, die Ostgrenze zu Sheridan County und Johnson County verläuft entlang des Hauptkamms der Bighorn Mountains und ist damit eine der wenigen Grenzen in Wyoming, die dem Verlauf einer Wasserscheide folgen. Die Nord-Süd-Ausdehnung des Countys beträgt maximal 92,5 km, die West-Ost-Ausdehnung schwankt zwischen 56 km im Norden und 114 km im Süden. Das Big Horn County umfasst eine Fläche von 8182 Quadratkilometern; davon sind 57 Quadratkilometer Wasserflächen. Damit liegt es der Fläche – gut dreimal so groß wie das Saarland – nach im unteren Mittelfeld der Countys in Wyoming. Der County Seat Basin ist rund 220 km von Casper und etwa 450 km von der Staatshauptstadt Cheyenne entfernt.
Orte und Besiedelung mini|Lovell ist der bevölkerungsreichste Ort im County. WYO789/US310 verlaufen als Main Street durch den Ort. Rechts das Hyart Theater. Das Big Horn County ist sehr dünn besiedelt und weist eine Bevölkerungsdichte von lediglich 1,42 Einwohnern pro km² auf. Die Bevölkerung verteilt sich nahezu ausschließlich in den großen Flusstälern im Bighorn Basin, die Bevölkerungszentren liegen vor allem im Nordwesten des Countys. Es gibt insgesamt acht Orte im County mit dem Status Town, die alle am Bighorn River und dessen Nebenflüssen liegen: Greybull (1651 Einwohner), der County-Seat Basin (1288 Einwohner) sowie Manderson (88 Einwohner) liegen dabei am Bighorn selbst, Lovell (2243 Einwohner) und Byron (562 Einwohner) am orographisch links hinzufließenden Shoshone River. Am Sage Creek, der bei Lovell in den Shoshone mündet, liegen mit Cowley (762 Einwohner), Deaver (154 Einwohner) und Frannie (145 Einwohner) drei weitere Towns unweit der Grenze zu Montana. Burlington (314 Einwohner) sowie der gemeindefreie Ort Otto (74 Einwohner) liegen weiter südlich im Tal des Greybull River, Emblem (105 Einwohner) am nördlich davon verlaufenden Dry Creek. Die Census-designated places Shell (74 Einwohner) und Hyattville (79 Einwohner) sind in den westlichen Ausläufern der Bighorn Mountains an den Ufern von Shell Creek bzw. Paint Rock Creek entstanden. All diese Siedlungen liegen zwischen 1100 m und 1400 m über dem Meeresspiegel und besitzen rechtwinklig angeordnete Straßen im Schachbrettmuster, die durchgehend in Nord-Süd-Richtung bzw. West-Ost-Richtung verlaufen. Einige Gehöfte und Ranches liegen außerhalb der zentralen Ortskerne. Eine Ausnahme bildet lediglich das gemeindefreie Gebiet Meadowlark Lake (8 Einwohner), das auf etwa 2500 m im Hochgebirge der Bighorn Mountains liegt. Die heutige Geisterstadt Kane wurde durch die Aufstauung des Bighorn Lake geflutet. Hyattville weist mit 10,5 km² die größte Gemeindefläche auf.
Geologie und Paläontologie mini|Geologische Strukturen im nördlichen Bighorn Basin nordwestlich von Greybull, aufgenommen von der ISS, Mai 2021. Deutlich sichtbar ist die in West-Ost-Richtung verlaufende Sheep Mountain-Antiklinale, die durch die Aufwölbung geschichteter Gesteine entstanden ist und am rechten Bildrand vom Bighorn River durchschnitten wird.Die heutige Oberflächenstruktur des Big Horn County entstand durch die Laramische Gebirgsbildung, die von der späten Kreide bis zum frühen Eozän stattfand. Die erdölführenden Antiklinalen im Bighorn Basin wurden durch Faltungen und Verwerfungen gebildet, die primär in Nordost-Südwest-Richtung erfolgten. Die Bighorn Mountains entstanden ebenfalls während der Laramischen Gebirgsbildungsphase. Die aufgeschlossenen Gesteine sind allesamt Sedimentgesteine – vorrangig Sandstein, Kalkstein und Schiefer – und reichen vom späten Kambrium bis zur Unterkreide mit einer Diskordanz im Silur. Damaliges Gestein wurde in der Zwischenzeit wieder erodiert, bevor die dadurch freigelegten früheren Schichten von jüngerem Gestein bedeckt wurden. Das anstehende Granitgestein unterhalb dieser Sedimentschichten ist nun entlang des Kamms der Gebirgskette freigelegt. Die bis zu 3,25 Milliarden Jahre alten präkambrischen Formationen enthalten einige der ältesten Gesteine der Erde. Nach der Hebung wurden große Mengen an fossilienreichen Sedimenten aus dem frühen Tertiär in den angrenzenden Becken abgelagert. Die Eiszeiten während des Pleistozäns führten zu einer großflächigen Vergletscherung. Dadurch entstand eine Reihe von Karen, Trogtälern und Gletscherseen in der Gipfelregion der Bighorn Mountains. Der einzige verbliebene Gletscher, der Cloud Peak Glacier, befindet sich im angrenzenden Johnson County. mini|Skelett des Allosaurus Big Al 2 im Houston Museum of Natural Science. Die Knochen entstammen der Morrison-Formation bei Shell. Überregional bekannt ist das Big Horn County durch Funde von Dinosaurierskeletten. Ein Team unter der Leitung des Schweizer Paläontologen Hans-Jakob Siber entdeckte im Jahr 1991 das Allosaurus-Skelett Big Al (MOR 693) in der Morrison-Formation, ein zu 95 % vollständiges Exemplar mit einer Länge von etwa 8 Metern. Das Skelett wurde in der Howe Quarry nördlich von Shell von einem gemeinsamen Team des Museum of the Rockies sowie des Geologiemuseums der University of Wyoming ausgegraben. Die Paläontologen Daniel Chure und Mark Loewen identifizierten das Individuum im Jahr 2020 als Vertreter der Art Allosaurus jimmadseni. In der BBC-Dokumentation Die Geschichte von Big Al wurde das Leben des Dinosauriers thematisiert. 1996 entdeckte das gleiche Team einen zweiten Allosaurus, Big Al 2. Dieses Exemplar gilt als das am besten erhaltene Skelett seiner Art.
Im Jahr 1997 wurde in der Sundance-Formation südwestlich von Shell die Red Gulch Dinosaur Tracksite entdeckt. Sie umfasst die größte Ansammlung von Dinosaurierspuren in Wyoming, die auf den Mitteljura datiert wird und rund 160–180 Millionen Jahre alt ist. Durch die Entdeckung der Spuren konnte die Annahme widerlegt werden, dass das gesamte Bighorn Basin von einem Ozean, der Sundance Sea, bedeckt war. Die gefundenen Dinosaurierspuren wurden eindeutig an der Küste hinterlassen, was auf die Existenz großer Landflächen hinweist, die neben Dinosauriern auch andere Tiere und Pflanzen beherbergten.
Naturräumliche Gliederung mini|Canyon des Trapper Creek in der Trapper Creek Wilderness Study Area Das Big Horn County besteht im Wesentlichen aus zwei großen Naturräumen: Im Osten erstreckt sich die in Nordwest-Südost-Richtung verlaufende Bergkette der Bighorn Mountains, die sich bis zu 3000 Meter über das Tal des Bighorn River erhebt. Während die Gipfelregion aus schroffen Tälern, Bergkämmen und unzähligen Karseen besteht, sendet das Gebirge nach Norden und Osten langgestreckte Bergrücken aus, die Höhen von 3000–3500 Metern erreichen. Die abwechslungsreiche Berglandschaft prägt vor allem den Osten und Südosten des Countys. Westlich davon fällt das Gebirge im Süden sanfter, im Norden steiler in das Bighorn Basin ab, das den zweiten großen Naturraum darstellt. Dabei handelt es sich um ein semi-arides, intermontanes Hochtal, das geringe Niederschlagsmengen erhält und in Teilen landwirtschaftlich genutzt wird. Das Bighorn Basin wird durch den Bighorn River und seine Nebenflüsse nach Norden hin entwässert. Zudem reichen die Nordostausläufer der Absaroka Mountains (im Südwesten des Big Horn County) sowie die südlichen Ausläufer der Pryor Mountains (im Norden) in das Big Horn County herein.
Ein sehr geringer Anteil des Big Horn County ist von Waldflächen bedeckt. Lediglich ein rund 5–10 km breiter Streifen in den westlichen Bighorn Mountains weist einzelne, geschlossene Wälder auf. In der oberhalb gelegenen Offenlandschaft wachsen lediglich Sträucher und Gräser, nach Westen hin verhindern zu geringe Niederschlagsmengen einen dauerhaften Baumbestand. Eine Ausnahme bilden die Flusstäler von unter anderem Paint Rock Creek und Shell Creek. Ein Großteil der Waldflächen liegt innerhalb des Bighorn National Forest, der große Teile der Bighorn Mountains umfasst und in der Gipfelregion als Cloud Peak Wilderness ausgewiesen ist.
Berge und Erhebungen