HMAS Sydney (Kennung: D48) war ein nach der australischen Stadt Sydney benannter Leichter Kreuzer der Royal Australian Navy. Sie war einer von insgesamt drei modifizierten Kreuzern der Leander-Klasse, die für die Royal Navy gebaut und bis Ende der 1930er-Jahre an die australische Marine übergeben wurden. Die Sydney sank 1941 im Zweiten Weltkrieg nach einem Gefecht mit dem deutschen Hilfskreuzer Kormoran. Die Wracks beider Schiffe wurden erst im März 2008 entdeckt.
Geschichte Der Kreuzer wurde am 10. Februar 1933 bei Swan Hunter & Wigham Richardson Limited in Wallsend bestellt. Für den am 26. Juni 1933 begonnenen Neubau mit der BauNr. 1487 war der Name Phaeton vorgesehen, den zuletzt von 1914 bis 1923 ein Leichter Kreuzer der Arethusa-Klasse geführt hatte. Die neue Phaeton und ihre beiden Schwesterschiffe Amphion und Apollo waren modifizierte Kreuzer der Leander-Klasse, bei denen im Gegensatz zu den vorherigen Einheiten die Maschinen- und Kesselräume wieder in der für britische Kriegsschiffe üblichen abwechselnden Reihenfolge angeordnet waren, was äußerlich an den zwei Schornsteinen (einer pro Kesselraum) zu erkennen war. Bei den ersten Schiffen der Klasse lagen die Kesselräume nebeneinander unter einem einzigen großen Schornstein, gefolgt von den zwei nebeneinanderliegenden Maschinenräumen. Durch die abwechselnde Anordnung der Räume sollte sichergestellt werden, dass ein einzelner Treffer an der Nahtstelle zweier Abteilungen oder in den Schornstein nicht sofort durch Verlust sämtlicher Kessel- oder Maschinenräume den gesamten Antrieb ausschalten konnte.
Als der Kreuzer dann am 22. September 1934 vom Stapel lief, wurde er von Ethel Bruce, der Frau des australischen Hochkommissars in Großbritannien und früheren australischen Premierministers, Stanley Bruce, auf den Namen HMAS Sydney getauft. Der Neubau wurde damit der zweite Leichte Kreuzer Australiens mit diesem Namen; die erste Sydney war durch die Versenkung der Emden im Ersten Weltkrieg bekannt und 1928 verschrottet worden. Am 24. September 1935 wurde der neue Kreuzer von der australischen Marine in Dienst gestellt. Ein großer Teil der Besatzung stammte von HMAS Brisbane, die zum Abbruch ins Vereinigte Königreich überführt worden war.
1935–1940 Nach seiner Indienststellung wurde der Kreuzer im Bereich der Mittelmeerflotte eingesetzt und war während des Italienisch-Äthiopischen Krieges auch im Roten Meer im Einsatz. Am 2. August 1936 erreichte die Sydney zum ersten Mal Australien und blieb von da an bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 in australischen Gewässern. Bei Kriegsbeginn 1939 befand sich der Kreuzer in Fremantle, das Schwesterschiff Hobart ex Apollo in Sydney und die erst im Juni 1939 übernommene Perth ex Amphion in der Karibik,Royal Navy Ships, September 1939 3. Dominion and Indian Navies. wo sie auch über den Winter zur Unterstützung der Royal Navy verblieb.
Sydney erledigte in den ersten Kriegsmonaten Patrouillen und Geleiteinsätze vor Australien und im Indischen Ozean und gehörte im Januar 1940 auch zeitweise zur Sicherung des Konvois US.1 nach Suez, mit dem die ersten Kontingente aus Neuseeland und Australien (13.500 Mann) nach Ägypten transportiert wurden. Den Geleitzug bildeten große Passagierschiffe, darunter acht mit über 20.000 BRT.Rohwer: Seekrieg, 6.1.– 12.2.1940 Indischer Ozean Auch beim zweiten großen Transport australischer Truppen in den Mittleren Osten ab Mitte April 1940 gehört der Kreuzer zwei Wochen zur Sicherung des Konvois US.2 bis nahe der Kokosinseln, ehe sie vom französischen Schweren Kreuzer Suffren abgelöst wurde.Rohwer: Seekrieg, 15.4.– 17.5.1940 Indischer Ozean Nachdem der Kreuzer zeitweise auch noch den dritten Transport australischer und neuseeländischer Truppen US.3 begleitet hatte, wurde auch er ins Mittelmeer kommandiert, um sich dort der 7th Cruiser Squadron und der Mediterranean Fleet anzuschließen. Nach Marsch über Colombo und Aden passierte der Kreuzer ab dem 22. Mai das Rote Meer zusammen mit dem Kreuzer Gloucester und dem alten Träger Eagle und schloss sich am 26. Mai 1940 in Alexandria dem 7. Kreuzergeschwaders der britischen Mittelmeerflotte an.HMAS Sydney - Leander/Perth-class Light Cruiser Zum Geschwader gehörten neben der jetzt auch dazugekommenen Gloucester die Halbschwestern Orion und Neptune sowie die Liverpool der Town-Klasse.
Mittelmeer Am 21. Juni 1940 hatte die von Captain John Collins kommandierte Sydney ihren ersten Kampfeinsatz, als sie zusammen mit anderen Einheiten Bardia beschoss. Eine Woche später stieß das 7. Kreuzergeschwader am Abend des 28. Juni auf drei italienische Zerstörer. Nach einem kurzen Gefecht konnten zwei entkommen, die Sydney versenkte den bereits von anderen Kreuzern beschädigten Zerstörer Espero. Danach wurde der Kreuzer zur Deckung eines Konvois nach Malta eingeteilt; er überstand dabei mehrere Luftangriffe und nahm am 9. Juli an der Seeschlacht bei Punta Stilo teil. Am 13. Juli erreichte er wieder Alexandria, das er jedoch schon am 18. Juli zusammen mit dem Zerstörer Havock wieder verließ, um die zwischen Kreta und Griechenland operierenden Zerstörer Hasty, Hero, Hyperion und Ilex zu verstärken.
mini|links|Die Bartolomeo Colleoni unter Beschuss während der Seeschlacht bei Kap Spada
Am Morgen des 19. Juli meldeten die britischen Zerstörer, dass sie auf zwei italienische Leichte Kreuzer gestoßen seien. Die noch etwa 40 Seemeilen entfernten Sydney und Havock näherten sich daraufhin dem Gefechtsfeld mit Höchstgeschwindigkeit und nahmen ab 08:30 Uhr an der Seeschlacht bei Kap Spada teil. Die beiden italienischen Kreuzer Bartolomeo Colleoni und Giovanni delle Bande Nere drehten bei der Ankunft der Sydney ab und versuchten, mit hoher Fahrt den jetzt überlegenen britischen Streitkräften zu entkommen. Die Sydney und die Zerstörer nahmen die Verfolgung auf. Während der Verfolgung wurde die Bartolomeo Colleoni mehrfach von der Sydney schwer getroffen; gegen 09:23 Uhr wurde durch einen Treffer das Ruder des italienischen Kreuzers zerstört und er blieb manövrierunfähig liegen. Das zwar weiter feuernde, jedoch nicht mehr steuerbare Schiff wurde um 09:59 Uhr durch Torpedos der Zerstörer Hyperion und Ilex versenkt. Gegen 10:37 Uhr brach die Sydney die Verfolgung des zweiten Kreuzers ab, da die Munition der vorderen Geschütze bis auf zehn Granaten verbraucht war, und kehrte zum Aufmunitionieren und Nachbunkern nach Alexandria zurück. Bei dem Gefecht hatte der Kreuzer selbst nur einen Treffer in den vorderen Schornstein erhalten. Auf dem Rückweg kam es noch zu mehreren Luftangriffen, bei denen ein einziger Treffer auf der Havock erzielt wurde. Am 20. Juli erreichte der Verband Alexandria.
In den folgenden Monaten wurde die Sydney hauptsächlich zum Schutz von Konvois nach Griechenland und für Operationen in der Adria eingesetzt. Am 27. Juli versenkte sie zusammen mit der Neptune den kleinen Tanker Ermioni. Kurz nach dem erfolgreichen britischen Angriff auf Tarent griff sie in der Nacht vom 12. auf den 13. November 1940 zusammen mit den Kreuzern Ajax und Orion sowie den Zerstörern Nubian und Mohawk einen italienischen Konvoi in der Straße von Otranto an, wobei die vier Frachtschiffe des Konvois versenkt wurden. Die Sydney entging dabei knapp einem Torpedo des italienischen Torpedoboots Nicola Fabrizi. Nach weiteren Geleitschutzeinsätzen nach Griechenland und Malta im Dezember wurde der Kreuzer im Januar 1941 von der Perth als Teil des 7. Kreuzergeschwaders abgelöst und kehrte nach Australien zurück, das er Anfang Februar erreichte.
Das Gefecht mit der Kormoran In Australien angekommen, wurde Captain Collins von Captain Joseph Burnett abgelöst. Unter seinem neuen Kommandanten wurde der Kreuzer von nun an zu Patrouillen und Geleitschutzaufgaben rund um Australien eingesetzt. Der letzte Auftrag der Sydney war das Eskortieren des Truppentransporters Zealandia auf seinem Weg von Fremantle nach Singapur. Aufgrund der rapide zunehmenden Spannungen mit Japan wurden Truppen nach Malaysia verlegt, um es vor einem befürchteten japanischen Angriff zu schützen. Die Sydney eskortierte die Zealandia von Fremantle bis zur Sundastraße, wo am 17. November 1941 der Kreuzer Durban den Transporter für die restliche Strecke übernahm, während die Sydney nach Fremantle zurückkehrte, wo sie am 20. November eintreffen sollte.
mini|Hilfskreuzer Kormoran
Am späten Nachmittag des 19. November 1941 stieß der Kreuzer an der Nordwestküste Australiens, etwa 130 Seemeilen westlich der Shark Bay, auf ein verdächtiges Schiff. Es handelte sich dabei um den von Kapitän zur See Theodor Detmers kommandierten deutschen Hilfskreuzer Kormoran, der als niederländischer Frachter Straat Malakka getarnt war.
Die Kormoran versuchte, der ihr an Kampfkraft weit überlegenen Sydney mit Höchstgeschwindigkeit auszuweichen, doch auf dem australischen Kreuzer hatte man das Schiff gesichtet. Die Sydney holte es mit ihrer größeren Geschwindigkeit ein. Detmers wusste, dass ihm die Sidney in allen Bereichen (Bewaffnung, Panzerung und Geschwindigkeit) überlegen war. Seine einzige Möglichkeit war, den Abstand zu verringern und mit seiner unterlegenen Bewaffnung auf kurze Distanz die Sidney zu überraschen. Auf die Anfragen des Kreuzers nach Identität und Fahrtziel des Schiffes antworteten die Deutschen langsam und umständlich, um die Entfernung zu dem sich schnell nähernden Kreuzer möglichst klein werden zu lassen, sollte die Tarnung durchschaut und ein Gefecht unvermeidlich werden. Nachdem die Kormoran sich als Straat Malakka identifiziert und als Zielhafen Jakarta angegeben hatte, forderte die Sydney den geheimen Erkennungscode des Frachters an. Kapitän Detmers erkannte daraufhin, dass sein Versuch, die Sydney zu täuschen, nicht länger erfolgversprechend war, und befahl um etwa 17:30 Uhr, die Kriegsflagge zu setzen und das Feuer zu eröffnen. Die Sydney war zu diesem Zeitpunkt auf 1.500 Meter herangekommen und dadurch in den Bereich der 2-cm- und 3,7-cm Flak gelangt. Daraufhin eröffnete die Kormoran das Feuer.
Innerhalb von fünf Minuten erzielte der Hilfskreuzer etwa 50 Treffer mit seinen 15-cm-Geschützen und zahlreiche weitere mit den 2-cm- und 3,7-cm-Fla-Geschützen. Die Brücke des Kreuzers und der Feuerleitstand wurden mit den ersten Treffern zerstört sowie das Bordflugzeug getroffen, dessen auslaufendes Benzin zu einem großen Feuer mittschiffs führte. Bereits nach der ersten Antwortsalve fielen auch die vorderen beiden 6-Zoll-Geschütztürme der Sydney aus; der hinterste Geschützturm Y verstummte ebenfalls nach nur drei Salven, mit denen er keine Treffer erzielte. Zusätzlich traf mindestens einer von zwei Torpedos der Kormoran den Kreuzer am Bug.
Der letzte einsatzbereite Geschützturm X des Kreuzers feuerte jedoch schnell und genau; Treffer schlugen unter anderem in den Schornstein und den Maschinenraum der Kormoran ein und lösten verheerende Brände aus. Der Kreuzer drehte auf die Kormoran zu und ging auf Gegenkurs, um seine Steuerbordtorpedos einzusetzen. Die vier Torpedos liefen jedoch knapp hinter dem Hilfskreuzer durch. Zur gleichen Zeit brachen die Maschinen der Kormoran zusammen und das Schiff wurde manövrierunfähig. Die achteren Geschütze schossen noch bis 18:25 Uhr auf die sich nach Süden zurückziehende Sydney und erzielten mehrere Treffer, dann musste der Hilfskreuzer aufgrund der außer Kontrolle geratenen Brände, die sich unter anderem dem Minenlager näherten, aufgegeben werden.
Die Überlebenden der Kormoran konnten die stark brennende Sydney noch bis 22 Uhr im Süden sehen und sahen noch weitere zwei Stunden lang ab und zu Flammen über den Horizont schlagen. Keines der 645 Besatzungsmitglieder des Kreuzers konnte gerettet werden.
Suche nach dem Schiff mini|Eine Notiz von Staatssekretär Frederick Shedden an den Premierminister Australiens John Curtin, datiert vom 26. November 1941, in der die Befürchtung geäußert wird, dass die HMAS Sydney versenkt wurde.