mini|Götz Kubitschek auf einer Pegida-Demonstration am 13. April 2015 Götz Kubitschek (* 17. August 1970 in Ravensburg) ist ein deutscher Verleger, Publizist, Rechtsextremist und politischer Aktivist der Neuen Rechten.

Der aus den Reihen der Zeitung Junge Freiheit kommende Kubitschek ist Mitbegründer der rechtsextremen Denkfabrik Institut für Staatspolitik (IfS). Seit 2002 ist er Geschäftsführer des heute in Schnellroda ansässigen Verlags Antaios (bis 2012 Edition Antaios), seit 2003 außerdem verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift Sezession und Betreiber des später hinzugekommenen Blogs Sezession im Netz. Er initiierte mehrere politische Kampagnen wie die Konservativ-subversive Aktion (KSA) und Ein Prozent für unser Land und war überdies federführend an der inhaltlich-konzeptionellen Fundierung der rechtsextremistischen Identitären Bewegung in Deutschland beteiligt. 2015 trat er mehrmals bei den völkisch-nationalistischen Pegida-Demonstrationen in Sachsen als Hauptredner auf. Ferner pflegt er einen engen Austausch mit Vertretern des ehemaligen Flügels der AfD wie Björn Höcke.

Leben Götz Kubitschek wurde in Ravensburg in Oberschwaben geboren. Nach dem Abitur 1990 absolvierte er seinen Wehrdienst bei der Fernspähkompanie 200 in Weingarten.Helmut Kellershohn: „Es geht um Einfluss auf die Köpfe“ – Das Institut für Staatspolitik. Bundeszentrale für politische Bildung, Dossier Rechtsextremismus, 7. Juli 2016, Fn. 1. Im Anschluss studierte er von 1992 bis 1999 an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg die Fächer Germanistik, Geographie und Philosophie auf Lehramt (Abschlussarbeit über Friedrich Georg Jünger).Ulrich Fröschle: Friedrich Georg Jünger und der „radikale Geist“. Eine Fallstudie zum literarischen Radikalismus der Zwischenkriegszeit. Thelem, Dresden 2008, ISBN 978-3-939888-16-1, S. 608.Andrea C. Ringelstetter: Herr Kubitschek bringt Goethe zum Sprechen. In: Frankfurter Neue Presse. 99/10, S. 12.

Er wurde – wie auch seine späteren Mitstreiter Dieter Stein (Gründer der Jungen Freiheit) und Karlheinz Weißmann zuvor – Mitglied in der völkisch geprägten Deutschen Gildenschaft (DG), einer bündischen Korporation. Von 1996 bis 2002 war er 2. Vorsitzender und Aktivensprecher. Nach eigenen Angaben (2003) trat er später wieder aus.

Kubitschek ist in zweiter Ehe mit Ellen Kositza (vormals verheiratete Ellen Schenke)Andreas Speit: „Political Correctness“ unerwünscht. In: die tageszeitung, 6. Februar 2016, S. 3. verheiratet, die ebenfalls für die Junge Freiheit schrieb, und hat sieben Kinder. Er wohnt auf dem ehemaligen Rittergut Schnellroda in Steigra.

Redakteur der „Jungen Freiheit“ 1993 nahm er als Referent an der ersten vom Rechtsextremisten Hans-Ulrich Kopp geleiteten „Sommeruniversität“ der Jungen Freiheit (JF) auf der Veitsburg in Ravensburg teil, die im Juli/August in Zusammenarbeit mit dem FPÖ-Hochschülerverband Freiheitliche Studenteninitiative Innsbruck, dem Edgar-Jung-Institut und der Burschenschaft Danubia München konspirativvgl. Juliane Wetzel: Die Maschen des rechten Netzes. Nationale und internationale Verbindungen im rechtsextremen Spektrum. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Rechtsextremismus in Deutschland: Voraussetzungen, Zusammenhänge, Wirkungen (= Fischer Geschichte. 12276). Aktualisierte und erw. Neuausg. der Bände „Rechtsradikalismus“ und „Rechtsextremismus in der Bundesrepublik“, Fischer-Taschenbuch, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-596-12276-7, S. 154–178, hier: S. 174. organisiert wurde. Der Leserkreis lehnte sich an den antidemokratischen Juniklub der Weimarer Republik an.Jens Mecklenburg (Hrsg.): Handbuch deutscher Rechtsextremismus (= Antifa-Edition). Elefanten-Press, Berlin 1996, ISBN 3-88520-585-8, S. 200. Kubitschek hielt dort einen Vortrag über den „nationalrevolutionären“ Autor und Rechtsterroristen Ernst von Salomon.

Anfang 1995 war er verantwortlich für eine JF-Sonderbeilage über den „nationalrevolutionären“ Autor Ernst Jünger, der einigen als ein „Vordenker der Neuen Rechten“vgl. Kurt Lenk, Günter Meuter, Henrique Ricardo Otten: Vordenker der neuen Rechten (= Campus Einführung. Bd. 1094). Campus-Verlag, Frankfurt am Main u. a. 2000, ISBN 3-593-35862-X, S. 124 ff. gilt.Horst Seferens: „Leute von übermorgen und von vorgestern“. Ernst Jüngers Ikonographie der Gegenaufklärung und die deutsche Rechte nach 1945. Philo, Berlin u. a. 1998, ISBN 3-86572-110-9, S. 259. Von Juni 1995 bis Januar 1997 war Kubitschek zuständiger JF-Redakteur für das Ressort Sicherheit und Militär.Helmut Kellershohn: Widerstand und Provokation. Strategische Optionen im Umkreis des „Instituts für Staatspolitik“. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten. Hintergründe – Analysen – Antworten. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-15911-9, S. 259. Auch nach seiner Redakteurtätigkeit blieb Kubitschek Autor der Jungen Freiheit,Helmut Kellershohn: Götz Kubitschek und das Institut für Staatspolitik. In: Helmut Kellershohn, Wolfgang Kastrup (Hrsg.): Kulturkampf von rechts. AfD, Pegida und die Neue Rechte (= Edition DISS. Band 38). Unrast, Münster 2016, ISBN 978-3-89771-767-1, S. 92–106, hier: S. 93. auch als Hauptartikler auf der ersten Seite.Helmut Kellershohn: Volk, Staat und Nation. Konturen des völkischen Nationalismus in der „Jungen Freiheit“. In: Stephan Braun, Ute Vogt (Hrsg.): Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Kritische Analysen zu Programmatik, Inhalten, Autoren und Kunden. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-531-15421-3, S. 141. 2006 gab er in der 'Edition Antaios' die mit dem Chefredakteur Stein abgestimmte Jubiläumsschrift 20 Jahre Junge Freiheit heraus.Elmar Vieregge: Rechtsintellektuelle Sehnsucht nach Akzeptanz (Rez.). In: Uwe Backes, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 19. Jahrgang (2007), Nomos, Baden-Baden 2008, ISBN 978-3-8329-3168-1, S. 409.

Als JF-Gastautor verwendete Kubitschek bisweilen völkische bzw. völkisch-nationalistische Textelemente, wie Helmut Kellershohn herausarbeitete.Helmut Kellershohn: Volk, Staat und Nation. Konturen des völkischen Nationalismus in der „Jungen Freiheit“. In: Stephan Braun, Ute Vogt (Hrsg.): Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Kritische Analysen zu Programmatik, Inhalten, Autoren und Kunden. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-531-15421-3, S. 126. Auch schlug Kubitschek eine gegen die Wahlgleichheit sprechende Änderung des demokratischen Wahlrechts vor, die Kellershohn an Propagandabeiträge Walther Schottes, des Chefideologen von Franz von Papen, erinnerten.Helmut Kellershohn: Götz Kubitschek und das Institut für Staatspolitik. In: Helmut Kellershohn, Wolfgang Kastrup (Hrsg.): Kulturkampf von rechts. AfD, Pegida und die Neue Rechte (= Edition DISS. Band 38). Unrast, Münster 2016, ISBN 978-3-89771-767-1, S. 92–106, hier: S. 101, Fn. 25.

Im Jahr 1996 beteiligte sich Kubitschek mit der von ihm gegründeten Frankfurter Arbeitsgemeinschaft Paulskirche an Protesten gegen die Wehrmachtsausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS).Fabian Virchow: Gegen den Zivilismus. Internationale Beziehungen und Militär in den politischen Konzeptionen der extremen Rechten. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-15007-3, S. 426. Mit seiner Ehefrau war er 2010 bei einem „von Neonazis dominierten ‚Gedenkmarsch‘ für die Bombenopfer von Dresden“ anwesend; er sah die „trauernden Marschierer im Recht“, da die „Repräsentanten der Nation“ den Opfern ein würdiges Gedenken verweigern würden.Mathias Brodkorb: Warum die falsche Seite die falsche bleibt – Nachbetrachtungen zu Dresden im Februar 2010. In: Endstation Rechts. 17. Februar 2010.Volker Weiß: Die „Konservative Revolution“. Geistiger Erinnerungsort der „Neuen Rechten“. In: Martin Langebach, Michael Sturm (Hrsg.): Erinnerungsorte der extremen Rechten (= Edition Rechtsextremismus. Bd. 101). Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-00130-8, S. 114.

Auslandseinsatz in Bosnien Von Dezember 1997 bis März 1998 nahm Kubitschek als Reserveoffizier des Heeres freiwillig im Rahmen des SFOR-Mandats am Auslandseinsatz der Bundeswehr in Bosnien teil. Er war als Leutnant der Reserve in Sarajevo stationiert und wurde als Zugführer des Taktischen OpInfo-Zuges verwendet.Fabian Virchow: Außen- und Militärpolitik für Volk und Nation. In: Stephan Braun, Ute Vogt (Hrsg.): Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Kritische Analysen zu Programmatik, Inhalten, Autoren und Kunden. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-531-15421-3, S. 185. Anlässlich des Todes von Ernst Jünger im Februar 1998 organisierte er während des Einsatzes eine Lesung aus Werken des Autors. Über seine Einsatzerlebnisse schrieb er gemeinsam mit dem heutigen Bundestagsabgeordneten der AfD Peter Felser, der damals Mitglied der Republikaner war, das ein Jahr später veröffentlichte Buch Raki am Igman.Stefan Kubon: Die bundesdeutsche Zeitung „Junge Freiheit“ und das Erbe der „konservativen Revolution“ der Weimarer Republik. Eine Untersuchung zur Erfassung der Kontinuität „konservativ-revolutionärer“ politischer Ideen (= Spektrum Politikwissenschaft. Band 35). Ergon Verlag, Würzburg 2006, ISBN 3-89913-527-X, S. 140. Das Buch wurde 2001 bei Antaios neu aufgelegt.

Gründung neurechter Plattformen Institut für Staatspolitik Kubitschek gründete im Jahr 2000 zusammen mit dem Gymnasiallehrer Karlheinz Weißmann, einem Hauptvertreter der Neuen Rechten, das Institut für Staatspolitik (IfS), das die ideelle und finanzielle Förderung neurechter Ideen und Personen zum Ziel hat und nach Meinung von Beobachtern seitdem mit dem neonazistischen Think-Tank Deutsches KollegVolker Weiß: Moderne Antimoderne. Arthur Moeller van den Bruck und der Wandel des Konservatismus. Schöningh, Paderborn u. a. 2012, ISBN 978-3-506-77146-9, S. 370. um die Nachfolge des Politischen Kollegs für nationalpolitische Schul- und Bildungsarbeit der 1920er Jahre streite.Samuel Salzborn: Rechtsextremismus: Erscheinungsformen und Erklärungsansätze. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage, Nomos (UTB), Baden-Baden 2015, ISBN 978-3-8252-4476-7, S. 72.