mini|Amphoren aus Bodrum Die Wirtschaft im Römischen Reich beruhte hauptsächlich auf Landwirtschaft und Handel, in geringen Teilen auch auf Handwerk und Dienstleistungen. Vor allem in der Landwirtschaft wurde im Römischen Reich sehr arbeitsintensiv und meist ohne nennenswerten Gebrauch von Hilfsmitteln oder Maschinen produziert, was sich über die Zeit seines Bestehens auch wenig änderte und die hohen Erträge zunehmend schmälerte. Daher kann das Römische Reich durchweg als eine vorindustrielle Agrargesellschaft bezeichnet werden, in der vor allem Getreide und die Versorgung der Bevölkerung mit diesem die zentrale Bedeutung einnahm. Gold, das in Form des Aureus als Tauschmittel und Währung im Reich verwendet wurde, stand im Wert nicht in Wechselbeziehung mit anderen Währungen wie heute, sondern mit Getreideernten und Getreidevorräten des Reiches. Deshalb war der spätestens im Jahr 7 v. Chr. von Augustus amtlich bestellte praefectus annonae der wichtigste Beamte zur Kontrolle der Inflation. Die Versorgung mit günstigem oder später auch kostenfreien Getreide, unter Verwendung von Bezugsmarken (tesserae frumentariae), war in der frühen Kaiserzeit eine antike Form der Sozialhilfe; deren Rechtsgrundlage die lex frumentaria.

Nach neueren Schätzungen arbeiteten während der Kaiserzeit 30 bis 40 Prozent aller Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, die für das Reich neben dem wichtigsten Gut Getreide auch Güter wie Wein, Honig, Obst oder Olivenöl produzierten, die damals als gehobene oder als Luxusgüter galten.Richard Duncan-Jones: The Economy of the Roman Empire. Quantitative studies. Cambridge University Press, Cambridge 1982. Eine wichtige Voraussetzung, die eine relativ stabile Wirtschaft ermöglichte, war Frieden (pax Romana) in vielen Gebieten des Reiches. Ohne die Ausbeutung von Sklaven, die in Kriegszeiten durch den Zustrom von Gefangenen auch erschwinglicher wurden und deren Entrechtung zur Kostensenkung beitrug, war die römische Wirtschaft, insbesondere die Landwirtschaft, nach dem Ende der Republik nicht mehr denkbar.

Epochen im römischen Reich Die Epochen des Römischen Reiches lassen sich vereinfachend in vier Phasen gliedern: mini|220px|Aufstieg und Niedergang des Römischen Reiches. (Animation der Territorien der Jahre 510 v. Chr. bis 530 n. Chr.) Römische Königszeit: 753 v. Chr. bis 509 v. Chr. Römische Republik: 509 v. Chr. bis 27 v. Chr. (Untergang der Republik infolge der Bürgerkriege ab 133 v. Chr.) Prinzipat bzw. Römische Kaiserzeit: 27 v. Chr. bis in die Zeit der Reichskrise des 3. Jahrhunderts (235 bis 284/285 die Zeit der Soldatenkaiser) Spätantike: ab 284/285 bis ins 6./7. Jahrhundert. mini|Das Straßennetz im Römischen Reich (siehe auch Liste der Römerstraßen) im Jahr 125 n. Chr. unter Kaiser Hadrian

Landwirtschaft Bauern Während es in der Frühzeit des Römischen Reiches eine Menge kleinerer Höfe gab, änderte dies sich besonders am Ende der Republik aber insbesondere nach dem Zweiten Punischen Krieg: Bei diesem Krieg kamen viele Bauern ums Leben, und die Überlebenden hatten oft nicht das Kapital, ihre lange brach gelegenen Felder wieder zu bewirtschaften. Viele verarmte Bauern zogen in die Städte und schlugen sich dort mit Gelegenheitsarbeiten durchs Leben.

Die leerstehenden Güter wurden von Großgrundbesitzern billig aufgekauft oder einfach besetzt. Diese großen Landgüter (Latifundien) wurden dann mit Hilfe von Sklaven bebaut. Der Einsatz von Sklaven bot für die Farmbesitzer große Vorteile: Sie waren billiger als Lohnarbeiter und wurden nicht in den Krieg eingezogen.

Im Jahre 133 v. Chr. versuchte Tiberius Gracchus mit verschiedenen Reformen den Großgrundbesitz einzuschränken: So war vorgesehen, dass niemand mehr als 500 Joch (etwa 250 Hektar) Land besitzen sollte, und die dadurch freigewordenen Landstücke sollten nach seinem Willen an Bauern in Parzellen à 30 Joch verpachtet werden.

Bei der Oberschicht der römischen Agrargesellschaft, dem Landadel, stießen die Vorschläge auf wenig Begeisterung und Tiberius Gracchus wurde noch im gleichen Jahr ermordet. Sein Bruder Gaius machte sich 123 v. Chr. durch den Vorschlag, erneut eine Reform des Landbesitzes anzustrengen, bei der Senatsfraktion der Optimaten ähnlich unbeliebt wie sein Bruder zuvor, und wurde ebenso 121 v. Chr. ermordet. Erst unter Augustus entspannte sich das Problem leicht, nachdem er durch eine kleinere Reform freie Bauern in neu eroberten Gebieten ansiedeln konnte.

Wirtschaftsformen mini|Grundmauern einer Villa rustica in Hartberg Das meiste Land des Römischen Reiches wurde über Latifundien bewirtschaftet, bei denen von einem Landhaus (villa rustica) das umgebende Land bebaut wurde. Der Landbesitzer setzte meist einen conductor (Großpächter) oder actor (Geschäftsführer) ein, der selber ein Teil des Landes mit Sklaven und Wanderarbeitern bewirtschaftete und bei größeren Landflächen den Rest noch weiter an Kleinpächter (coloni) verpachtete. Diese waren meist verarmte Bauern, die auf Pachtland als Existenzgrundlage angewiesen waren. Sie zahlten ihre Pacht in Naturalien (meist ein festgelegter Prozentsatz ihrer Ernten) oder in Geld. Die Quote der Abgaben lag in der Villa Magna Variana in Zentraltunesien bei Getreide, Wein und Oliven bei einem Drittel der Ernten, bei Bohnen und anderen Hülsenfrüchten bei einem Fünftel, über die Quoten in anderen Latifundien ist nichts bekannt, sie werden sich aber in ähnlichen Dimensionen bewegt haben.

Das Verhältnis der actores zu den Kolonen unterschied sich stark: Einige kümmerten sich nicht sonderlich um ihre Güter, andere dagegen stellten den Kleinpächtern Geräte, Vieh und Sklaven zur Verfügung, um somit höhere Einnahmen zu erzielen. Die Pachtverträge liefen meist nur fünf Jahre, vielfach garantierten die Grundbesitzer den Pächtern eine etwas gesicherte Situation, einem Rat Columellas folgend:

„Am einträglichsten sei ein Gut, das alteingesessene Pächter habe“.Lucius Columella, De re rustica 1,7,3.

Im Falle der Villa Magna Variana mussten die Kolonen auf den Feldern des conductors für sechs Tage im Jahr Frondienst leisten.Dieter Flach: Römische Agrargeschichte (= Handbuch der Altertumswissenschaft. 3. Abteilung, Teil 9). C. H. Beck, München 1990, S. 90 f.; Hans-Joachim Drexhage, Heinrich Konen, Kai Ruffing: Die Wirtschaft des Römischen Reiches (1.-3. Jahrhundert). Eine Einführung. Berlin 2002, S. 86. In den villae rusticae befanden sich die Geräte, wie etwa Ölpressen, Ställe und Nutzgärten. Oft wurde auch Obst, wie Äpfel, Pflaumen, Birnen, Kirschen, Pfirsiche und Schlehen angebaut und meist gab es auch einen Bienenstock zur Honig- und Wachsgewinnung.

Produkte und Anbauweisen

Das am meisten angebaute Produkt im gesamten Römischen Reich war Getreide. Die Ernährung der meisten Römer war stark vegetabilisch, das heißt, die Hauptnahrungsmittel waren Getreide, Hülsenfrüchte, Öl und Gemüsepflanzen; Fleisch und andere tierische Produkte kamen selten auf den Tisch.

Getreide mini|Obolus aus Lucania, Metapont mit Demeterkopf und Getreideähre um 370 v. Chr. (aus Bronze) Ursprünglich waren die Römer keine Brotesser, sondern aßen Brei mit geschrotetem Getreide. Erst durch Vermittlung der Griechen kam das Brot nach Italien. Der aus dem Orient stammende Saatweizen (triticum aestivum), der hauptsächlich zur Mehlherstellung diente, wurde neben einigen anderen Weizensorten (Nacktweizen, triticum compactum) dort angebaut, wo es die Böden und das Klima erlaubten, so vor allem in Gallien und Oberitalien. In der frühen Kaiserzeit und später hauptsächlich in den trockeneren Gegenden wurde meist der ergiebigere und genügsame Emmer oder Hartweizen (triticum durum) angebaut. In feuchtkalten Regionen wurde Dinkel bevorzugt; dieser brachte auch höhere Stroherträge. Oft wurde auch Gerste angebaut, die als Folgefrucht von Weizen die Bodenermüdung reduzierte. Roggen und Hafer waren nicht bekannt.Getreide auf die-roemer-online.de, abgerufen am 25. August 2025

Die Römer kannten verschiedene Pflugarten für verschieden schwere Böden. Wahrscheinlich wurden in vielen Gebieten Italiens die Erträge durch intensives und tieferes Pflügen langfristig gesteigert.M. S. Spurr: Arable Cultivation in Roman Italy c. 200 BC-c. AD 100. London 1986, S. 23–40. Dabei folgte man anscheinend der Empfehlung Catos, der sorgfältiges Pflügen für eine Voraussetzung erfolgreicher Landwirtschaft hielt: Was heißt den Acker gut zu bebauen: Gut pflügen, zweitens: Pflügen und drittens: Düngen!Cato maior, De agri cultura 61,1 Dünger in Form von Mist war in weiten Teilen des Mittelmeerraums allerdings Mangelware, da das Vieh über lange Strecken auf die Weideflächen getrieben wurde (Transhumanz) und es so in vielen Fällen keine größeren Viehherden in der Nähe der Höfe gab.K. D. White: Roman Farming. 1970, S. 125–144.Joan M. Frayn: Subsistence farming in Roman Italy. 1979, S. 34–36. Auch der Anbau von Stickstoff speichernden Pflanzen wie Hülsenfrüchtlern war aufgrund der oft geringen Niederschläge im Frühjahr und Sommer erschwert. Diese beiden Punkte führten dazu, dass die Böden meist alle zwei Jahre brach liegen mussten. Durch intensive Bewässerung (beispielsweise in Palästina) oder wie in Ägypten durch den Nilschlamm konnten aber die Brachzeiten in einigen Gebieten erheblich verkürzt werden, sodass etwa in Palästina innerhalb von sieben Jahren die Felder nur zwei Jahre lang brach lagen.Arye Ben-David: Talmudische Ökonomie. Georg Olms, Hildesheim 1974, S. 97 f.

Die Erträge waren für die damalige Zeit sehr gut. Ähnliche Erfolge wurden erst im 18. Jahrhundert wieder erreicht.Frank Kolb: Die Stadt im Altertum. München 1984. S. 244. Das Verhältnis zwischen Einsaat und Ertragsmenge lag meist bei 3:8; in einigen Gebieten wie Etrurien erreichte man bis zu 15-fache Erträge. In Palästina war eine siebenfache Ernte normalArye Ben-David: Talmudische Ökonomie. Georg Olms, Hildesheim 1974, S. 103–105. und in Griechenland erreichte man meist einen 4,5 bis 7-fachen Ertrag.Auguste Jardé: Les céréales dans l’antiquité grècque. Paris 1925.

Gartenanbau In vielen Gebieten des Reiches wurde in der Nähe der Städte oder direkt bei den Wohnhäusern Gemüse in kleineren Gärten (horti) angebaut. Diese konnten meist sehr intensiv bewässert werden, da in den Städten und deren Umland die Wasserversorgung oft sehr gut war. In der Umgebung von Rom wurden auch oft die Wasserleitungen angebohrt, um illegal Wasser zu entwenden.Sextus Iulius Frontinus, De aquis urbis Romae.

Plinius der Ältere nennt die Hortikultur den „Acker der Armen“, da sich das ärmere Volk Fleisch nur an seltenen Festtagen leisten konnte und so auf Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen, Kichererbsen usw. als Eiweißlieferanten angewiesen war. In den Gärten wurden außerdem verschiedene andere Gemüse wie Kohl, Lauch, Spargel und Salatpflanzen, Knollengemüse (Sellerie, Zwiebeln, Fenchel, Rettich) und Heil- und Gewürzpflanzen (Senf, Thymian, Minze, Kümmel, Kerbel, Bohnenkraut, Malve, Bilsenkraut und Arznei-Haarstrang) angebaut.

Die Fruchtfolge war meist so angelegt, dass der Garten ganzjährig bewirtschaftet werden konnte. In einigen Fällen wurden in den Gärten sogar Süß- und Salzwasserfische oder wilde und exotische Vögel gezüchtet (Fasanen, Pfauen, Hühner und Tauben).Frank Kolb: Die Stadt im Altertum. München 1984, S. 699, Anm. 3.

Olivenanbau mini|Griechische Vase mit Szene der Olivenernte Oliven wurden hauptsächlich für die Herstellung von Speise- und Lampenöl und für Körperlotionen benutzt. In den Hauptanbauregionen Istrien, Apulien, Tripolitanien, Zentraltunesien und zwischen Córdoba und Sevilla waren die Pflanzungen anscheinend meist in der Hand von Großgrundbesitzern, da sich kleine Bauern die teuren Olivenbäume, Bewässerungssysteme und Geräte wie Ölpressen und Brennöfen für die Herstellung von Amphoren nicht leisten konnten. Cato nennt den Wein- und Olivenanbau als am profitabelsten, und neuere Berechnungen ergeben Gewinnmargen von sieben bis zehn Prozent.

Weinanbau