Die Gemeine Akelei oder Gewöhnliche Akelei (Aquilegia vulgaris), auch Wald-Akelei genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Akeleien (Aquilegia) innerhalb der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Aquilegia vulgaris ist eine Sammelart mit etlichen Varietäten. Zu ihr werden zahlreiche weitere Aquilegien aus der Flora Europas gestellt.Gustav Hegi, 1974: Illustrierte Flora von Mittel-Europa. Mit besonderer Berücksichtigung von Deutschland, Oesterreich und der Schweiz. 1908–1931, 13 Bände, J. F. Lehmanns Verlag, München. Neuauflage ab 1935, später bei Hanser Verlag, München und Verlag Paul Parey, Berlin 1975 (Nachdruck) ISBN 3-489-72021-0 (Sellier); ISBN 3-489-72020-2 (Lüderitz & Bauer), S. 132, 134–136Sandro Pignatti, 1982: Flora d'Italia. Edagricole, Bologna. S. 331–333 Die Gemeine Akelei wurde im Mittelalter und der frühen Neuzeit in vielfältiger Form in der Medizin verwendet. Aufgrund der ihr zugeschriebenen Symbolik ist sie außerdem auf zahlreichen mittelalterlichen Tafelgemälden zu finden.
Namensherkunft Die Herkunft des Wortes „Akelei“ ist unsicher. In althochdeutschen Glossen aus der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts kommt agaleia, akileia vor, womit verschiedene, nicht immer klar zu interpretierende Gewächse bezeichnet werden, die mit Dornen versehen sind oder gespornte Blüten haben. Bei den im spätmittelalterlichen Deutsch auftretenden Wörtern ageleia, acoleia (Hildegard von Bingen, wonach aquileia bei Albertus Magnus) ist nicht sicher, welche Pflanze überhaupt gemeint ist. Das Wort „Akelei“ bezeichnet im Deutschen noch lange verschiedene Gewächse, und erst mit dem Beginn der illustrierten Kräuterbücher, die ab dem 16. Jahrhundert erscheinen, werden Name und Bedeutung im heutigen Sinne fest. Das Wort dürfte ein romanisches Lehnwort sein, doch wirft die Lautung im Detail verschiedene Fragen auf. Eine Rückführung auf lateinisch aquila ‚Adler‘ im Sinne von ‚Pflanze mit adlerförmiger Blüte‘ plus indogermanisches Suffix -eio/-eiā, die schon vorgeschlagen wurde, scheitert an den phonologischen Verhältnissen. Womöglich liegt dem Wort ein lateinisches aculeus ‚Stachel, Dorn‘ zugrunde.Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold. 25., durchgesehene und erweiterte Auflage. de Gruyter, Berlin/Boston 2011, S. 24.Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen. Von Albert L. Lloyd und Otto Springer. Band I: -a – bezzisto. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen/Zürich 1988, Spalte 76 f.
In anderen Sprachen wird auf die Ähnlichkeit des Honigblatts zu einer Taube angespielt. So wird im englischsprachigen Raum die Akelei als „Columbine Flower“ bezeichnet. Manche deutsche Volksnamen spielen auf die Ähnlichkeit der fünf Blütenblätter zu fünf im Kreis sitzenden Vögeln an: So wird die Blume je nach Region auch Taubenblume, Tauberln oder Fünf Vögerl zusamm genannt. Weitere Synonyme sind Elfenhandschuh, Frauen(hand)schuh, Kapuzinerhüetli, Pfaffenkäpple und viele andere, siehe Heinrich Marzells Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. Auf die ihr zugeschriebene liebesfördernde Wirkung spielt der Name Venuswagen an.
Beschreibung mini|Blattaustrieb der Gemeinen Akelei im Frühjahr mini|Blattform mini|Blüte
Vegetative Merkmale Die Gemeine Akelei ist eine kurzlebige, mehrjährige, krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 30 und 60 Zentimetern erreicht, etwa 45 cm breit wird und über ein kräftiges Rhizom verfügt. In der Mitte der lockeren Blattrosette wachsen lange, reichverzweigte Stängel, an deren Blütenzweigen die gespornten glockenförmigen Blüten sitzen.
Die Laubblätter der Gemeinen Akelei sind doppelt dreizählig, mit rundlichen gelappten an den Lappen gekerbten gestielten Blättchen; oberseits bläulich-grün, unterseits gräulich-grün und behaart. Paul Ascherson & Paul Graebner, 1929. Synopsis der mitteleuropäischen Flora, Bd. 5/2, Ranales (Ranunculaceae, Fortsetzung). Borntraeger, Leipzig. S. 636. Die grundständigen Blätter sind lang gestielt, die obersten Blättchen am Stängel ungestielt, länglich oval und ganzrandig. Bald nach der Blütezeit zieht sich die Pflanze mit welkenden Blättern und Stängeln auf das Rhizom zurück.
Generative Merkmale Die nickenden Blüten erscheinen in der Zeit von Mai bis Juni und haben einen Durchmesser von drei bis fünf Zentimetern. Sie haben fünf kronblattartige Perigonblätter, die jeweils 1,5 bis 2,5 cm lang und 1,0 bis 1,5 cm breit sind. Die fünf Nektarblätter neigen sich glockenartig und tragen am Grunde Nektardrüsen. Die Blüten sind überwiegend blau gefärbt; gelegentlich treten jedoch auch bei der Wildform weiße, rotviolette oder blaue Blüten mit weißem Rand auf. Die blaue Farbe geht auf das Anthocyanidin Delphinidin zurück.
Aus jedem einzelnen, freien Fruchtblatt bilden sich die für Hahnenfußgewächse typischen Balgfrüchte. Während die Blüten nach unten gerichtet waren, stehen die Balgfrüchte aufrecht; sie enthalten die bis zu 2,5 mm langen, schwarz glänzenden Samen.
Die als Gartenpflanze kultivierten Sorten der Gemeinen Akelei gibt es neben dem dunklen Blau der Wildform auch mit weißen, rosa, roten und purpurnen Blüten. Strahlend weiße Blüten hat beispielsweise die Sorte 'Nivea'. Daneben gibt es auch Zuchtformen der Gemeinen Akelei, die zweifarbig sind, und solche mit gefüllten Blüten. Zu den von der Royal Horticultural Society empfohlenen Akelei-Sorten gehört beispielsweise die Zuchtform 'Nora Barlow', die pomponförmige gefüllte und altrosa und weiß gefärbte Blüten hat.
Bei Aquilegia vulgaris liegt Diploidie vor mit einer Chromosomenzahl von 2n = 14. Jaakko Jalas, Juha Suominen: Atlas florae europaeae. Band 8: Nymphaeaceae to Ranunculaceae. Helsinki 1989, ISBN 951-9108-07-6, S. 226–229.
Fortpflanzung Bestäubung mini|Blüte mini|Nektarraub einer Erdhummel an Aquilegia vulgaris mini|Nektarraub einer Honigbiene an Aquilegia vulgaris
Bestäubt werden die Akeleien nur von Insekten mit ausreichend langem Rüssel, etwa Hummelarten. Ein solcher Rüssel ist notwendig, um den am Grund der Sporne der Honigblätter ausgeschiedenen Nektar zu erreichen. Angelockt werden die Hummeln durch die Farbe der Blütenblätter sowie durch den Duft. Die Insekten halten sich mit den Vorderbeinen am Rand der Kronblätter fest und dringen mit ihrem Kopf in den lang ausgezogenen Sporn ein.
Die Akelei gehört zu den Pflanzen, bei denen Staub- und Fruchtblätter zu unterschiedlichen Zeitpunkten reifen. Über diesen Mechanismus stellen die Pflanzen sicher, dass die Narben der Blüte durch den Pollen einer anderen Pflanze bestäubt werden. Als sogenannte vormännliche Pflanze (Proterandrie) reifen bei der Akelei zuerst die Staubblätter. Daher wird, solange die Blüte sich noch in ihrem vormännlichen Stadium befindet, der Hinterleib der Hummeln mit Pollen eingestäubt. Sind die Blüten bereits älter und damit weiblich, nehmen die dann reifen Narben den Pollen auf, den die Hummeln von anderen Akeleipflanzen mitbringen.
Kurzrüsselige Hummeln beißen gelegentlich den Sporn der Akelei von außen an und holen sich den Nektar, ohne dabei die Blüte zu bestäuben. Ist das Loch vorhanden, finden sich auch bald Bienen ein, die gleichfalls als „Nektardiebe“ den Nektar aufnehmen, ohne eine Bestäubung vorzunehmen (vgl. Foto).
Ausbreitung des Samens mini|Balgfrüchte und Samen mini|Balgfrüchte und Samen
Die Gemeine Akelei nutzt mehrere Mechanismen zur Ausbreitung ihrer Diasporen. Sie zählt sowohl zu den sogenannten Austrocknungsstreuern als auch zu den Wind- und Tierstreuern.
Nach der Befruchtung bilden sich die nach oben gerichteten Balgfrüchte aus, die auf den verlängerten elastischen Fruchtstielen sitzen. Während des im Juli beginnenden Reifungsprozesses dieser Balgfrüchte trocknen die Fruchtwände aus, und durch diesen Trocknungsprozess öffnen sich die Balgfrüchte ruckartig entlang ihrer längsverlaufenden Bauchnaht. Dabei werden die jeweils oberen Samen fortgeschleudert. Dieser Mechanismus wird als Austrocknungsstreuung bezeichnet. Typischer ist jedoch, dass die Samen der Gemeinen Akelei durch Wind oder Tiere verstreut werden. Der Wind löst die Samen aus den geöffneten Früchten und trägt sie mit sich fort. Bei Tieren verhaken sich die Balgfrüchte mit ihren behaarten Oberflächen für einen kurzen Moment im Fell der Tiere, um bei der Ablösung vom Tierfell ruckartig wieder nach oben zu schnellen. Dieser Rückstoß bewirkt, dass die Samen aus der Balgfrucht herausgeschleudert werden (sogenannte Semachorie).
mini|Dunkle Akelei (Aquilegia vulgaris subsp. nigricans) Verbreitung und Unterarten Die Gemeine Akelei ist in ganz West-, Mittel- und Südeuropa verbreitet, in England ursprünglich wohl nur in den Kalkgebieten Südenglands, in Skandinavien bis etwa 66° n. Br., in Dänemark wahrscheinlich nur auf Bornholm ursprünglich, sonst verwildert, auch für Skandinavien ist nur von einer Verwilderung auszugehen, im östlichen baltischen Gebiet aber spontan, in Russland meist verwildert, sowie weiterhin die Hochgebirge der Maghreb-Länder Nordafrikas. Im gemäßigten Asien und China wird die gemeine Akelei von verwandten Arten abgelöst.Gustav Hegi, B. Dunziger: Illustrierte Flora von Mittel-Europa, 3, 1, Lehmanns Verlag, München.
Dabei liegt aber der Schwerpunkt ihrer natürlichen Vorkommen zumindest in der Atlantischen bis Zentraleuropäischen Florenregion fast ganz in den südlichen Unterprovinzen.Hermann Meusel, Eckehart Jäger, Ernst Weinert, 1965: Vergleichende Chorologie der zentraleuropäischen Flora. Gustav Fischer, Jena. S. 147 Ihre europäische Arealdiagnose wird mit (meridional) – submeridional – temperat – gemäßigt ozeanisch in der kühl- bis warmgemäßigten Zone der westlichen Holarktis angegeben.Hermann Meusel, Eckehart Jäger, Ernst Weinert, 1965: Vergleichende Chorologie der zentraleuropäischen Flora. Gustav Fischer, Jena, S. 309.
In den Allgäuer Alpen steigt die Gemeine Akelei im Tiroler Teil am Südfuß der Gehrenspitze bis zu einer Höhenlage von 1500 Metern auf.
Aquilegia vulgaris hat nach Angaben im Atlas Florae Europaeae vier Unterarten:Flora Europaea Database, Royal Botanic Garden Edinburgh
Aquilegia vulgaris subsp. vulgaris Aquilegia vulgaris subsp. dichroa Aquilegia vulgaris subsp. nevadensis Aquilegia vulgaris subsp. paui Dazu kommen im Mittelmeergebiet nochWerner Greuter, H. M. Burdet, G. Long: MED-Checklist. Band 4, Seite 397, Conservatoire et Jardin botaniques, Genève 1989, ISBN 2-8277-0154-5: Aquilegia vulgaris subsp. ballii , kommt nur in Marokko vor Aquilegia vulgaris subsp. cossoniana , kommt nur in Algerien und in Marokko vor Aquilegia vulgaris subsp. hispanica , kommt nur in Spanien und Portugal vor.