Der Puma ist ein Schützenpanzer, der von den deutschen Rüstungsunternehmen KNDS Deutschland (ehemals Krauss-Maffei Wegmann) und Rheinmetall Landsysteme (RLS) entwickelt und produziert wird. Der Puma soll für das deutsche Heer in einer Stückzahl von 350 Fahrzeugen beschafft werden und den Schützenpanzer Marder ersetzen. Die ersten Pumas wurden im Dezember 2010 geliefert; die Auslieferung der ersten Serienmodelle wurde im April 2015 begonnen. Das Fahrzeug ist einer großen zeitlichen Verzögerung und hoher Kostensteigerung unterworfen; aufgrund technischer Mängel und erforderlicher Nachrüstungen wurde 2017 mit einer vollen Einsatzbereitschaft inoffiziell nicht vor dem Jahr 2030 gerechnet.
Entwicklung Projektierung und Realisierung mini|Versuchsträger Mobilität (VT-Mob). Das komplette Fahrgestell ohne Turm diente gegenüber dem BWB als Nachweis der Erfüllbarkeit. Am Fahrgestell sind Ballastgewichte angebracht, um den nicht vorhandenen Turm und Zusatzpanzerung zu simulieren. mini|Mobilitätsversuchfahrzeug-VS2 mit Gewichtssimulatoren in der WTD 41. Der Schützenpanzer besitzt seit 2008 sechs Laufrollen. mini|Kampfraum des Mobilitätsversuchfahrzeugs VS2 Die Ursprünge des Puma reichen bis in das Jahr 1996 zurück. Er basiert auf dem Projekt Neue Gepanzerte Plattform (NGP), das eine Universalplattform für verschiedene Waffensysteme vorsah. Da hierbei der Schützenpanzer über den gleichen Panzerschutz wie der Kampfpanzer verfügen sollte, zeigten erste Konzeptstudien für den NGP-SPz ein Gefechtsgewicht von 55 bis 72 Tonnen auf. Durch die angespannte Haushaltslage war aber bereits 1998 absehbar, dass eine parallele Entwicklung von drei Systemen (KPz, SPz, FlaPz) nicht realisierbar wäre. So wurde am 26. Februar 1998 die Weiterentwicklung des Schützenpanzers beschlossen und das taktische Konzept Neuer Schützenpanzer (NeSPz) genehmigt, welcher zeitweise unter den Projektnamen Panther und Igel geführt wurde.
Die Lage änderte sich vollkommen, als nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 Streitkräfte mit Fähigkeit zur Luftverlegbarkeit bevorzugt wurden. Durch die Forderung nach Lufttransportierbarkeit des neuen Schützenpanzers im Airbus A400M wurde das Lufttransportgewicht auf 32 Tonnen festgesetzt. Trotzdem wurde an den Planungen für einen neuen Schützenpanzer festgehalten. Nachdem die Beschaffung eines kampfwertgesteigerten Combat Vehicle 90 verworfen worden war, konnte schließlich nach mehreren Krisensitzungen im Herbst 2002 der Entwicklungsvertrag für einen in Deutschland entwickelten Schützenpanzer abgeschlossen werden. Die Ausführung erfolgt durch die Projekt System & Management GmbH (ursprünglich PANTHER System & Management GmbH), ein Gemeinschaftsunternehmen von KNDS Deutschland (ehemals KMW) und RLS. Der Vertrag umfasste die Lieferung eines Gesamtsystemdemonstrators (GSD) im Dezember 2005. Neben dem GSD sind im Vertrag drei Teilsystemdemonstratoren (TSD) für Waffen/Munition sowie Mobilität und Schutz enthalten. Sie dienten als Nachweis der Erfüllbarkeit des Projektes gegenüber dem damaligen Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB, später aufgegangen im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, BAAINBw).
Im Dezember 2004 unterschrieb das BWB einen Vertrag zur Lieferung von fünf vorgezogenen Vorserienfahrzeugen mit einer Option für 405 weitere Schützenpanzer. Die Vorserienfahrzeuge wurden planmäßig im Jahr 2006 geliefert. Sie wurden genutzt, um an den Wehrtechnischen Dienststellen des BWB die Tauglichkeit des Systems nachzuweisen sowie Schwachstellen aufzudecken.
Die Option sollte am 8. November 2007 bestätigt werden, verschob sich jedoch aufgrund technischer Probleme in das Jahr 2009. So wurden im 6. Sachstandsbericht zum Vorhaben Schützenpanzer (SPz) PUMA des Bundesministeriums der Verteidigung vom 6. Mai 2009 Probleme mit dem Antriebsstrang und dem Laufwerk gemeldet. Trotz erheblicher Bedenken des Bundesrechnungshofes genehmigte der Haushaltsausschuss des Bundestages die Bestellung der Schützenpanzer und der Vertrag wurde Anfang Juli 2009 unterschrieben. Insgesamt wurden 405 Stück zu einem Gesamtpreis von 3,1 Milliarden Euro bestellt. Am 11. Juli 2012 wurde ein Änderungsvertrag zwischen Herstellern und dem BMVg geschlossen, der eine Reduzierung der Stückzahl auf 350 vorsieht. Der Gesamtpreis für den Schützenpanzer Puma hat sich seit der ersten parlamentarischen Befassung fast verdoppelt. „Für die Herstellung der vollständigen Einsatzreife der 350 Schützenpanzer Puma sind derzeit 5,989 Milliarden Euro eingeplant“, teilte das Verteidigungsministerium auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Matthias Höhn mit.
Aufgrund der technischen Probleme war jedoch zunächst nur geplant, bis 2012 zehn Puma auszuliefern, an denen die Einsatzfähigkeit getestet und gegebenenfalls verbessert werden sollte. Am 6. Dezember 2010 wurden die ersten beiden Serienfahrzeuge des Puma an das zuständige Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung zur Nachweisführung übergeben. Der Abschluss der Auslieferung wurde für das Jahr 2020 geplant. Nach Beseitigung einiger Mängel wurde der Panzer erneut getestet. So wurde unter anderem die Fernmeldeanlage in der WTD 41 in Trier und der WTD 81 in Greding überprüft.
Am 13. April 2015 wurde durch den Inspekteur des Heeres die formale Übernahme des Schützenpanzers erklärt, worauf am 17. April 2015 durch das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr die „Genehmigung zu Nutzung“ erteilt wurde. Am Ausbildungszentrum in Munster wurden bis Ende des Jahres 2015 die zukünftigen Ausbilder des Waffensystems geschult. Hierfür standen zunächst sieben Fahrzeuge zur Verfügung, die in den folgenden Monaten durch weitere Schützenpanzer ergänzt wurden. Im Anschluss folgen die dreimonatigen Lehrgänge für die Erstausbildung der Panzergrenadierkompanien.
Im Juni 2019 wurde durch das BMVg die Beschaffung eines zweiten Bauloses mit 210 Fahrzeugen bekanntgegeben. Im Rahmen des Aufwuchses der Panzergrenadiere und der aufgabenorientierten Ausstattung mit gepanzerten Fahrzeugen war im Vorfeld die Nutzungsdauerverlängerung des Schützenpanzers Marder bis mindestens 2025 vorgesehen. Gleichzeitig wurden Alternativen untersucht: weitere Puma, eine weitere Kampfwertsteigerung des Marders und die Beschaffung des GTK Boxer in einer SPz-Variante. Das Heer hatte sich im Vorfeld nach Abwägung von Kosten und Aufwand für den Puma ausgesprochen.
Der Bundeswehr-Bericht vom 18. März 2021 besagt, dass während der Einsatzprüfung im Juli 2020 am Schützenpanzer Puma teilweise erhebliche Mängel festgestellt wurden. Somit sei das Waffensystem für die VJTF (Very High Readiness Joint Task Force) der NATO-Speerspitze nicht verantwortbar und der Puma nicht einsatzfähig. Während der erneuten Einsatzprüfung im Februar 2021 wurde die Taktische Gefechtstauglichkeit für das System Panzergrenadier und Puma VJTF festgestellt, wodurch die Voraussetzung für die Entscheidung zum Einsatz des Systems 2023 im Rahmen der NRF (NATO Response Force) 2022 bis 2024 gegeben sei. Hierfür würden 40 SPz Puma auf Stand VJTF benötigt. Insgesamt sollen 266 SPz Puma aus einem Bestand von knapp 350 SPz Puma auf Stand VJTF gebracht werden, um eine komplette Heeresdivision (5 Panzergrenadier-Bataillone) inklusive Fahrschul-Fahrzeuge ausstatten zu können durch modifizierte und somit einsatzfähige Pumas auf Stand VJTF.Schützenpanzer Puma VJTFVery High Readiness Joint Task Force – neues Zeitalter für die Grenadiere. Bundeswehr.de, 18. März 2021. Am 14. Dezember 2022 billigte der Haushaltsausschuss des Bundestages rund eine Milliarde Euro für eine konsolidierte Nachrüstung von Teilen des Bundeswehrbestandes.Thomas Wiegold: Haushaltsausschuss billigt Bundeswehr-Beschaffungen für 13 Mrd Euro – Erste Bestellungen aus dem Sondervermögen. In der Vorbereitung war zu diesem Zeitpunkt außerdem die Beschaffung eines 2. Loses im Umfang von 50 Exemplaren.ESuT: Schützenpanzer Puma: 2. Los besteht wohl nur aus 50 Fahrzeugen Bei einem Manöver im Dezember 2022 war allerdings nach einigen Tagen wegen aufgetretener Defekte u. a. in Turm und Elektrik keiner der 18 eingesetzten Pumas mehr einsatzbereit. Am 10. Mai 2023 genehmigte der Haushaltsausschuss des Bundestags die Bestellung des 2. Loses von 50 Puma und der entsprechende Vertrag wurde zwei Tage später unterzeichnet.
Am 19. Dezember 2025 wurde PSM durch das BAAINBw mit der Herstellung und Lieferung weiterer 200 Schützenpanzer Puma des 2. Loses beauftragt. Zuvor hatte am 17. Dezember 2025 der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages dafür 4,2 Milliarden Euro freigegeben.
Puma als Plattform Im Gegensatz zum NGP-Projekt ist der Puma nicht dafür konzipiert, eine modular aufgebaute Fahrzeugfamilie zu schaffen. Aufgrund des Frontmotors und eines Innenraumvolumens von 10 m³ könnten auf Basis des Puma aber auch andere Gefechtsfahrzeuge verwirklicht werden. So ist nach dem neuen Beschaffungsplan der Bundeswehr eine weitere Nutzung als Berge-, Transport- oder Flugabwehrpanzer möglich.
Ein von SAIC geführtes Konsortium hatte im US-amerikanischen Rüstungsprogramm GCV IFV ein auf dem Puma basierendes Fahrzeug angeboten. Das GCV-Gefechtsfahrzeug war für eine Besatzung von insgesamt zwölf Soldaten ausgelegt und sollte wie der NGP-SPz über ein Gesamtgewicht von rund 50 Tonnen verfügen, mit einem Aufwuchspotential auf mehr als 60 Tonnen. Als Bewaffnung war ein unbemannter Turm mit einer 40-mm-Maschinenkanone vom Typ MK44 mit „Super 40“-Patronen und ein achsparalleles 7,62-mm-MG vorgesehen. Der Fertigungsstandort sollte in den Vereinigten Staaten sein. Nach der Ablehnung des Konzeptes reichte SAIC beim Government Accountability Office Klage ein, welche aber 2011 als unberechtigt abgewiesen wurde.
Beteiligte Unternehmen Neben KNDS Deutschland/Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall Landsysteme als Hauptauftragnehmer arbeitet eine Reihe weiterer Unternehmen an dem Projekt. Hierzu gehören unter anderem Autoflug (Sitze, Kraftstoffanlage), Diehl Remscheid (Gleisketten, Triebkränze), Dräger Safety (ABC-Schutzanlage), ESW (Generator, Bordnetzversorgung, elektrische Lüfter, Waffenrichtanlage), Heckler und Koch, Kidde Deugra Löschsysteme, MTU Friedrichshafen (Triebwerk), Contraves, Renk (Getriebe), Rexxon (Klimaanlage), Schleifring und Apparatebau und Hensoldt Optronics (ehemals Cassidian Optronics bzw. Carl Zeiss Optronics) (Optiken).
Überblick mini|4./Panzergrenadierbataillon 33 mit Schützenpanzer Puma (2016) mini|Puma der PzGrenBrig 37 in der Konfiguration VJTF (2022) Der Puma ist ein Schützenpanzer mit einem fernbedienbaren und besatzungslosen Turm, der in seiner Grundausstattung mit dem taktischen Lufttransportfahrzeug der Bundeswehr, dem Airbus A400M, luftverladbar ist. Die Besatzung besteht aus neun Personen, die in einem durchgängigen Kampfraum untergebracht sind. Sie unterteilt sich in einen aus sechs Soldaten bestehenden Schützentrupp und eine feste Fahrzeugbesatzung aus Gruppenführer (GrpFhr), Truppführer-Waffensystem (TrpFhrWaSys) und Fahrer (MKF). Der Schützentrupp besteht aus dem Truppführer und fünf Schützen (MG-Schütze, Panzerfaustschütze, Gruppenzielfernrohrschütze und zwei weiteren Panzergrenadieren). In Ausnahmefällen erhöht sich die Absitzstärke mit dem Gruppenführer auf sieben. Das Fahrzeug wird dann vom Truppführer-Waffensystem (Richtschütze) geführt.
Im Fahrzeug sitzt der Fahrer vorne links und hinter ihm der Richtschütze. Dieser bedient die Waffenanlage und sitzt vor dem Drehträger des Turmes. Schleifringe übertragen die Steuersignale. Der Gruppenführer sitzt rechts neben dem Richtschützen und verfügt über eine eigene Schiebeluke. Er unterstützt den Fahrer beim Führen des Panzers im Straßenverkehr. Aufgrund der asymmetrischen Anordnung des Turmes auf der linken Fahrzeugseite hat der Gruppenführer direkte Sicht auf die Soldaten im hinteren Kampfraum und zum Truppführer.