Die Schamblumen (Aeschynanthus) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Gesneriengewächse (Gesneriaceae). Die etwa 140 bis 185 Arten verteilen sich in der Paläotropis auf das südliche und südöstliche Asien und Ozeanien. Einige Arten der Schamblumen wie zum Beispiel Aeschynanthus radicans oder Aeschynanthus ×splendidus werden als blühende Zierpflanzen, vor allem als Zimmerpflanzen verwendet.
Beschreibung mini|links|Illustration aus Flore des serres …, 1861 von Aeschynanthus cordifolius mini|Illustration aus Flore des serres … von Aeschynanthus tricolor mini|Illustration aus Edwards's botanical register, 1846, Tafel 61 von Aeschynanthus miniatus Innerhalb der 140 bis 185 Arten der Gattung Aeschynanthus gibt es in allen morphologischen Merkmalen wie allgemeine Wuchsform, Blatt- und Blütenform sowie der Blütenfarbe relativ große Unterschiede.
Vegetative Merkmale Aeschynanthus-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen bis Halbsträucher, die meist immergrün sind. Mit Aeschynanthus fulgens und Aeschynanthus micranthus finden sich sogar sukkulente Arten. Die meist hängenden, seltener selbstständig aufrechten oder selten kletternden, verzweigten oder unverzweigten Sprossachsen können bis zu 60 Zentimeter lang sein.
Die meist vielen, oft gegenständig, manchmal wirtelig an der Sprossachse angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die gegenständigen Laubblattpaare können gleich oder verschieden sein. Die einfachen, ganzrandigen, Blattspreiten sind ganz unterschiedlich geformt. Die Form der Blattspreite ist schmal linealisch, oval-eiförmig bis rundlich. Die Spreitenbasis ist keilförmig bis gerundet oder verschmälert sich zum Blattstiel hin. Die Blattspreiten können entweder weichlaubig und selten flaumig behaart oder meist kahl und mit einer dicken Cuticulaschicht überzogen sein. Lediglich bei Aeschynanthus longicaulis finden sich grünweiß marmorierte Laubblätter.
Generative Merkmale Die Blüten stehen einzeln oder zu bis zehnt locker oder selten dicht in seiten- oder pseudoendständigen, doldenähnlichen, zymösen Blütenständen zusammen. Es sind zwei gegenständige Tragblätter vorhanden.
Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind je nach Art nur an ihrer Basis (beispielsweise Aeschynanthus longicaulis) bis fast vollständig (beispielsweise bei Aeschynanthus pulcher) zu einer Röhre verwachsen. Die fünf Kelchzipfel sind gleich oder selten verschieden. Die Blütenkrone ist rot bis orangefarben, selten grünlich, gelb oder weiß. Die Blütenkrone ist innen spärlich flaumig oder drüsig behaart oder es ist nur ein Ring mit Trichomen vorhanden oder sie ist kahl. Die fünf Kronblätter sind zu einer engen bis trichterförmigen Kronröhre verwachsen, die oft gekrümmt ist. Die Kronröhre besitzt einen Durchmesser von 4 bis 15 Millimetern und ist viel länger als der freie Teil der Krone. Der freie Teil der Krone ist undeutlich bis sehr deutlich zweilippig. Die zweilappige Oberlippe ist meist gleich lang oder selten bis zu halb so lang wie die Unterlippe. Die drei Kronlappen der Unterlippe sind mehr oder weniger gleich lang und sind am oberen Ende gerundet bis spitz. Von den vier mit der Kronröhre verwachsenen, fertilen Staubblättern hängen jeweils zwei an den oberen Enden zusammen und überragen die Kronröhre. Es kann ein Staminodium vorhanden sein, das mit der Kronröhre verwachsen ist. Die in Längsrichtung sich öffnenden Theken stehen parallel zueinander. Der Diskus ist ringähnlich. Die linealischen, einkammerigen Fruchtknoten enthalten zwei parietale Plazenten. Der einzelne Griffel endet in einer ungeteilten und kopfigen bis abgeflacht-kugeligen Narbe.
Im Verhältnis zum Fruchtstiel ist die Kapselfrucht gerade. Die linealischen Kapselfrüchte sind viele länger als der Kelch, können bei manchen Arten bis zu 50 Zentimeter lang sein, öffnen sich mit zwei oder vier geraden Fruchtklappen, ohne sich zu verdrehen, in Richtung ihrer Basis und sie enthalten einen oder zwei bis viele (bis zu 50) Samen. Am Samen befinden sich meist an einem Ende einige und am anderen ein haarähnliches Anhängsel, selten ist an beiden Enden nur ein längliches Anhängsel vorhanden.
Ökologie Aeschynanthus-Arten wachsen vorwiegend epiphytisch oder lithophytisch. Terrestrisch wachsen nur wenige Arten.
Bei Aeschynanthus-Arten liegt strenge Protandrie vor. Während der Anthese ändert sich die Länge der Staubfäden und des Griffels deutlich. Die Bestäubung erfolgt meist durch Vögel (Ornithophilie).
Systematik und Verbreitung Die Namenszusammensetzung des Gattungsnamens Aeschynanthus ist nicht eindeutig zu klären. Eine mögliche Ableitung ergibt sich aus dem griechischen Wort für Scham aischyne () und anthos () für Blume. Die Assoziation mit Scham könnte von der roten Blütenfarbe kommen. Ein weiterer, weniger wahrscheinlicher, Wortstamm wäre das griechische Verb aischýnein (), „verunstalten“. Hier wäre die Form der stark röhrig verwachsenen Kronblätter ein möglicher Grund für die Namensgebung.
Die Gattung Aeschynanthus wurde 1823 durch den US-amerikanischen Botaniker William Jack in Transactions of the Linnean Society of London, 14, S. 42 aufgestellt, er war als Mitglied der Demokratischen Partei Mitglied des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten. Typusart ist Aeschynanthus volubilis . Synonyme für Aeschynanthus nom. cons. sind: Euthamnus , Oxychlamys , Rheitrophyllum , Trichosporum .
Die Gattung Aeschynanthus kommt in Asien und Ozeanien vor. Dort sind die einzelnen Arten weitverbreitet. Allein 34 Arten kommen in China vor, weitere Verbreitungsgebiete sind Indien und, im ozeanischen Raum, die Philippinen, Java, Malaysia, Neuguinea und die Salomonen.
mini|Habitus, Laubblätter und zygomorphe Blüten von Aeschynanthus buxifolius mini|Hängende Stängel und marmorierte Laubblätter von Aeschynanthus longicaulis (Syn.: Aeschynanthus marmoratus manchmal unter diesem Namen in Kultur) mini|Zygomorphe, grünliche Blüte von Aeschynanthus longicaulis mit freien Kelchblättern mini|Laubblätter und zygomorphe Blüten von Aeschynanthus perrottetii mini|Als Zierpflanze verwendet wird Aeschynanthus pulcher (Syn.: Aeschynanthus lobbianus, häufig unter diesem Namen in Kultur); bei den zygomorphen Blüten sind die Kelchblätter vollständig verwachsen. mini|Blüte von Aeschynanthus radicans mini|Bei den zygomorphen Blüten von Aeschynanthus tricolor sind die Kelchblätter fast vollständig verwachsen. mini|Zygomorphe Blüten von Aeschynanthus tricolor, gut zu erkennen sind die zwei Staubblattpaare und der Stempel mit der Narbe, die beide die Blütenkrone überragen.
Es gibt 140 bis 185 Aeschynanthus-Arten: Aeschynanthus acuminatissimus : Dieser Endemit gedeiht auf Bäumen in dicht bewaldeten Tälern in Höhenlagen von 1200 bis 1500 Meter nur in Xichou im südöstlichen Yunnan. Aeschynanthus acuminatus (Syn.: Aeschynanthus acuminatus var. chinensis , Aeschynanthus acuminatus nom. nud., Aeschynanthus bracteatus sensu non , Aeschynanthus chinensis ): Sie ist im nördlichen Indien, in Bhutan, Nepal, Myanmar, Laos, Thailand, im nördlichen Vietnam, in Malaysia, Japan, Taiwan, im südöstlichen Tibet und in den chinesischen Provinzen Guangdong, Guangxi, Sichuan sowie im südlichen bis südöstlichen Yunnan verbreitet. Aeschynanthus albidus (Syn.: Aeschynanthus atropurpureus , Aeschynanthus discolor , Aeschynanthus fraserianus , Aeschynanthus motleyi , Aeschynanthus motleyi var. ceramensis , Aeschynanthus motleyi var. sumatrensis , Aeschynanthus purpurascens ) Aeschynanthus amboinensis Aeschynanthus amoenus Aeschynanthus andersonii (Syn.: Aeschynanthus hildebrandii ): Sie kommt nur im südwestlichen bis südlichen Yunnan und im nordöstlichen Myanmar vor. Aeschynanthus angustifolius (Syn.: Aeschynanthus stenophyllus , Aeschynanthus tetraquetrus ) Aeschynanthus angustioblongus : Dieser Endemit gedeiht auf Bäumen in bewaldeten Tälern in Höhenlagen von etwa 1500 Metern nur in Gongshan im nordwestlichen Yunnan. Aeschynanthus angustissimus : Dieser Endemit gedeiht auf Bäumen und Felsen in Lorbeerwäldern in Höhenlagen von etwa 2300 Metern nur in Mêdog im südöstlichen Tibet. Aeschynanthus apicidens Aeschynanthus arctocalyx Aeschynanthus arfakensis Aeschynanthus argentii Aeschynanthus asclepioides (Syn.: Aeschynanthus stenocalyx ) Aeschynanthus atrorubens Aeschynanthus atrosanguineus Aeschynanthus austroyunnanensis : Es gibt seit 1990 zwei Varietäten: Aeschynanthus austroyunnanensis var. austroyunnanensis: Sie gedeiht auf Felsen an Fließgewässern in Höhenlagen von 50 bis 1500 Metern nur im südlichen bis südöstlichen Yunnan. Aeschynanthus austroyunnanensis var. guangxiensis (Syn.: Aeschynanthus guangxiensis ): Sie gedeiht über Kalkgestein in Höhenlagen von 400 bis 1000 Metern nur im westlichen Guangxi und in Zhenfeng im südwestlichen Guizhou. Aeschynanthus batakiorum Aeschynanthus batesii Aeschynanthus brachyphyllus Aeschynanthus bracteatus (Syn.: Aeschynanthus bracteatus var. orientalis , Aeschynanthus bracteatus nom. nud., Aeschynanthus paxtonii , Aeschynanthus peelii ): Sie kommt im nordöstlichen Indien, in Bhutan, Myanmar, im südöstlichen Tibet und in den chinesischen Provinzen nordwestliches Guangxi sowie Yunnan vor. Aeschynanthus brevicalyx Aeschynanthus breviflorus Aeschynanthus burttii Aeschynanthus buxifolius : Sie kommt in Vietnam und in den chinesischen Provinzen Guangxi, südwestliches Guizhou sowie Yunnan vor. Aeschynanthus calanthus Aeschynanthus cambodiensis Aeschynanthus candidus Aeschynanthus cardinalis Aeschynanthus caudatus Aeschynanthus celebicus Aeschynanthus ceylanicus Aeschynanthus chiritoides (Syn.: Aeschynanthus denticuliger , Aeschynanthus pusillus ) Aeschynanthus chorisepalus Aeschynanthus chrysanthus Aeschynanthus citrinus Aeschynanthus copelandii (Syn.: Aeschynanthus camiguinensis , Aeschynanthus serpens ) Aeschynanthus cordifolius Aeschynanthus crassifolius (Syn.: Aeschynanthus foxworthyi , Aeschynanthus glomeriflorus , Aeschynanthus polillensis ) Aeschynanthus cryptanthus Aeschynanthus cuernosensis Aeschynanthus curtisii Aeschynanthus curvicalyx Aeschynanthus dasycalyx Aeschynanthus dempoensis Aeschynanthus denticuliger : Sie kommt in Laos, im nördlichen Vietnam und im südöstlichen Yunnan vor. Aeschynanthus dischidioides (Syn.: Aeschynanthus myrmecophilus ) Aeschynanthus dischorensis Aeschynanthus dolichanthus : Dieser Endemit gedeiht auf Felsen in Flusstälern in Höhenlagen von etwa 900 Metern nur in Mêdog im südöstlichen Tibet. Aeschynanthus dunnii Aeschynanthus ellipticus Aeschynanthus elmeri Aeschynanthus elongatus Aeschynanthus everettianus Aeschynanthus fecundus Aeschynanthus firmus Aeschynanthus flammeus Aeschynanthus flavidus Aeschynanthus flippancei Aeschynanthus forbesii Aeschynanthus fruticosus Aeschynanthus fulgens (Syn.: Aeschynanthus evrardii , Aeschynanthus fulgens nom. nud., Aeschynanthus stenosiphonius ) Aeschynanthus garrettii Aeschynanthus geminatus Aeschynanthus gesneriflorus Aeschynanthus gjellerupii Aeschynanthus gracilis (Syn.: Aeschynanthus novogracilis nom. superfl., Aeschynanthus setosus ): Sie kommt in Bhutan, Sikkim, im nördlichen Myanmar, in Thailand, im nördlichen Vietnam und im südlichen Yunnan vor. Aeschynanthus guttatus Aeschynanthus hartleyi Aeschynanthus hians Aeschynanthus hildebrandii : Sie kommt in Thailand und in Myanmar vor. Aeschynanthus hispidus Aeschynanthus hookeri : Sie kommt in Bhutan, im nördlichen Indien, im nördlichen Myanmar und im nordwestlichen sowie südlichen Yunnan vor. Aeschynanthus horsfieldii (Syn.: Aeschynanthus rubiginosus ) Aeschynanthus hoseanus Aeschynanthus hosseusii Aeschynanthus humilis : Dieser Endemit gedeiht auf Bäumen in bewaldeten Tälern in Höhenlagen von 1300 bis 2100 Metern nur in Jingdong, Pingbian sowie Simao in Yunnan. Aeschynanthus impar Aeschynanthus intraflavus Aeschynanthus irigaensis Aeschynanthus janowskyi Aeschynanthus jouyi