mini|Gemeindehaus Oekolampad

Das Gemeindehaus Oekolampad (im Volksmund schlicht das Oek) ist eine ehemalige und seit 2011 umgenutzte evangelisch-reformierte Kirche in der Stadt Basel.

Das Gebäude befindet sich im Stadtteil Gotthelf am Allschwilerplatz und gehörte zur Gemeinde Oekolampad, die 2010 in der Kirchgemeinde Basel-West aufging.TV-Beitrag von TeleBasel Sie ist nach dem Basler Reformator Johannes Oekolampad benannt; bis vor wenigen Jahren erinnerte eine am Eingang angebrachte Tafel an ihn und eine später angebrachte Tafel auch an seine Gattin Wibrandis Rosenblatt. Die Reliefs von Johannes Oekolampad und Wibrandis Rosenblatt sind seit der Eröffnung des neuen Gemeindehauses Oekolampad 2024 als Bodenplatte unterhalb des Portikus' öffentlich zugänglich.

Das Kirchgebäude mit angrenzendem Pfarrhaus wurde von den Architekten Emil Bercher und Eugen Tamm entworfen und in Klinkerbauweise errichtet. Der zu einem nicht unerheblichen Teil aus Spenden der Gemeindemitglieder finanzierte Bau wurde 1931 eingeweiht.ERK Basel-Stadt - Gemeindehaus Oekolampad Das Gebäude steht seit 1996 unter Denkmalschutz.Mitteilung der Staatskanzlei Basel-Stadt vom 5. März 1996 mit Übersicht der zwölf zum 13. Dezember 1994 in die Denkmalschutzliste aufzunehmenden Sakralbauten in Basel auf bs.ch Der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt strich das Gemeindehaus Oekolampad im März 2022 aus der Kirchenliste des Kantons. Seither ist das Gebäude offiziell keine Kirche mehr.

Geschichte und Persönlichkeiten Walter Lüthi (1901–1982) war 1931 der erste Pfarrer im Gemeindehaus Oekolampad. Lüthi setzte sich intensiv für arbeitslose Menschen ein. Tief war seine Abneigung gegen den Nationalsozialismus. In seinen Predigten äusserte er sich immer wieder entschlossen dagegen. Lüthis charismatische Art kam in der Gemeinde an. Im Zeichen der Bedrohung des Zweiten Weltkrieges förderte er ein grosses Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gemeinde. Die 1500 Plätze im Gemeindesaal waren bei Predigten von Lüthi oft sehr gut besucht. Die Strassenbahn, die vor dem Gemeindehaus Oekolampad hielt, erhielt den Übernamen «Lüthi-Express», weil so viele Menschen aus der ganzen Stadt Basel die Predigten von Lüthi hören wollten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Lüthi 1946 als Pfarrer ans Berner Münster berufen.

Ruth Epting (1919–2016) wurde 1960 von den Mitgliedern der Gemeinde Oekolampad zur Pfarrerin gewählt. Sie war damit gemeinsam mit einer weiteren gewählten Pfarrerin an einer anderen Gemeinde die erste Frau, die in einer Basler Kirche Pfarrerin wurde. Sie setzte sich für die Rolle der Frauen in der Kirche ein, konfrontierte die Kirchenoberen beharrlich mit der Geschlechterfrage und war durch ihr vielseitiges Engagement ein Pionierin. Sie verstärkte in der Gemeinde die Freiwilligenarbeit für Frauen, indem sie Gesprächskreise für junge Mütter, ledige Berufstätige, für Witwen und für geschiedene Frauen einführte. Epting war bis 1974 Pfarrerin am Gemeindehaus Oekolampad.

Lili Wieruszowski (1899–1971) war von 1954 bis 1971 Jahre Organistin in der Oekolampadgemeinde. Wieruszowski kam in Köln als Kind von jüdischen Eltern zur Welt, die zum Protestantismus konvertiert waren. Sie sah im nationalsozialistischen Deutschland keine Zukunft und floh 1933 in die Schweiz. Beziehungen in Kirchenkreise hinein führten sie nach Basel. Hier erhielt sie eine Aufenthaltsbewilligung, durfte aber nicht im Kanton arbeiten. Mehr schlecht als recht kam sie in den folgenden Jahren über die Runden und hielt sich mit kleineren Aufträgen im Kanton Baselland über Wasser. Sie leitete Chöre, erteilte Klavierunterricht, hielt Vorträge über Kirchenmusik und komponierte eigene Stücke. Erst 1949, sechzehn Jahre nach ihrer Flucht, erhielt sie auch für Basel-Stadt eine Arbeitsbewilligung. 1954 schliesslich trat sie ihre Lebensstelle als Organistin in der Oekolampadgemeinde an. In ihrem Geburtsort Köln wurde im April 2022 ein Stolperstein verlegt, als Mahnmal für ihre Flucht in die Schweiz.

Am 18. Dezember 2011 wurde der letzte Gottesdienst in der Kirche gefeiert. Im gleichen Jahr war das Gemeindehaus Oekolampad bereits mit dem Fokus auf eine nichtkirchliche Nutzung renoviert worden. Die Nasszonen wurden erweitert, es wurden Büro eingebaut und ein hindernisfreier Zugang gewährleistet. Die Kirche vermietete die Räumlichkeiten an verschiedene Institutionen und Organisationen. Hauptmieter war das Bildungszentrum Mission 21, das den Hauptbau nutzte. Das Gebäude wurde 2020 von der Wibrandis Stiftung gekauft, die das Gemeindehaus Oekolampad baulich und inhaltlich transformierte. Diese Transformation zu einem Zentrum für soziale und kulturelle Angebote wurde nach Plänen von Vécsey*Schmidt Architekt*innen umgesetzt. Bei ihren Projekten versucht das Basler Architekturbüro handwerkliche, künstlerische und gesellschaftliche Aspekte miteinander zu verbinden und den Dialog mit dem Bestand zu pflegen. Ihr Portfolio umfasst mehrere Arbeiten mit Kirchengebäuden, etwa die Erweiterung und Sanierung des katholischen Gemeindezentrums St. Franziskus in Bassersdorf, die Neugestaltung des Innenraums der Michaelskirche in Kaltenbach im Landkreis Lörrach, die Neugestaltung und Renovierung der Auferstehungskirche in Offenburg oder die Umnutzung der reformierten Kirche in Wipkingen in Zürich.

Rundgang durch das Gemeindehaus Oekolampad Das Gemeindehaus Oekolampad ist seit 2024 das Zuhause für die gemeinnützigen und kulturellen Organisation AMIE Basel, Basler Wirrgarten, KALEIO (Das Magazin für Mädchen (und den Rest der Welt)), Quartierzentrum Oekolampad und das Vorstadttheater Basel. In der ehemaligen Weinsbergstube im Erdgeschoss, die bis in die 1970er-Jahre als Postfiliale genutzt wurde, befindet sich das Bistro Rosa.

AMIE Basel begleitet seit 2007 Mütter auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes berufliches und familiäres Leben und engagiert sich mit seinen Angeboten für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Stiftung Basler Wirrgarten betreibt seit 2000 ein kleines Kompetenzzentrum zur Unterstützung von Menschen mit einer Demenzerkrankung und ihren Angehörigen. Mit seinen Angeboten fördert der Basler Wirrgarten die soziale und kulturelle Teilhabe von Demenzbetroffenen. KALEIO – Das Magazin für Mädchen (und den Rest der Welt) zeigt Kindern und Jugendlichen zwischen 8 und 13 Jahren eine freudvolle Welt voller Möglichkeiten und vielfältiger Rollenvorbilder. Das Magazin unterstützt Eltern, Lehrpersonen und Unternehmen darin, Räume frei von Genderklischees und Gendernormen zu gestalten. Das Quartierzentrum Oekolampad (früher: Verein Kontaktstelle für Eltern und Kinder 4055) betreibt seit 1994 einen Quartiertreffpunkt für die Bewohnerinnen und Besucher der Basler Stadtteile Gotthelf und Iselin und fördert mit seinen Angeboten für alle Generationen das Leben in der Gemeinschaft. Das Vorstadttheater Basel hat eine lange Geschichte. Seit 1974 zeigt das Haus zeitgenössisches Theater für alle Generationen und engagiert sich mit seinen theaterpädagogischen Angeboten in der Kulturvermittlung.

Weblinks

Fotografien in der Bilder-Datenbank des Kantons Basel-Stadt Fotografie von ca. 1933 (Staatsarchiv Basel) Oekolampad: So soll das Gemeindehaus künftig genutzt werden (bz-Zeitung für die Region Basel, Artikel vom 23. Juni 2021) Gemeindehaus Oekolampad (Website zur Transformation und Nutzung des Gebäudes) Fotos und Pläne (Website des Architekturbüros)

Einzelnachweise

Kategorie:Kirchengebäude in Basel Kategorie:Kirche in der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt Kategorie:Kulturgut von regionaler Bedeutung im Kanton Basel-Stadt Basel Kategorie:Umgenutztes Bauwerk in Basel