Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) e. V. ist gemeinnütziger Dachverband der deutschen Landschaftspflegeorganisationen, wie Landschaftspflegeverbände, Landschaftserhaltungsverbände, Biologischen Stationen und vergleichbarer Vereinigungen in Deutschland. Er wurde am 4. Juni 1993 in Berlin gegründet.
200 Landschaftspflegeorganisationen arbeiten deutschlandweit mit über 12.000 landwirtschaftlichen Betrieben, 4.000 Kommunen und 2.000 Verbänden zusammen. Der Deutsche Verband für Landschaftspflege vertritt die Interessen seiner Mitglieder und engagiert sich vor allem im Rahmen von Naturschutz- und Landwirtschaftspolitik für die Ausgestaltung der Agrarförderung und Förderprogramme des Naturschutzes, beispielsweise bei der Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in Europa, in Deutschland und in den Bundesländern. In Zusammenarbeit mit örtlichen Landschaftspflegeverbänden organisiert der DVL Modellprojekte zu Themen aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Naturschutz, beispielsweise zu Natura 2000, natürlichem Klimaschutz, nachwachsenden Rohstoffen, Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen oder zur Regionalentwicklung.Themen des DVL. Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 5. April 2024.
Der Vorstand besteht gleichberechtigt aus Vertreterinnen und Vertretern von Politik, Landwirtschaft und Naturschutz. Diese Drittelparität ist im Logo des DVL durch drei stilisierte Bäume dargestellt. DVL. Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 5. April 2024.
Vorsitzende des DVL ist die Europaabgeordnete Maria Noichl. Die Bundesgeschäftsstelle des DVL sitzt in Ansbach in Mittelfranken. Länderbüros und Koordinationsstellen unterstützen die Bundesgeschäftsstelle in den Bundesländern.
Ziele und Aufgaben Der Verband vertritt die Interessen der Landschaftspflegeorganisationen in Deutschland, fördert den Erfahrungsaustausch auf europäischer, Bundes-, Landes- und regionaler Ebene, führt Modellprojekte zu aktuellen Fragen in Landwirtschaft und Naturschutz durch – oft in Zusammenarbeit mit örtlichen Landschaftspflegeorganisationen, unterstützt Initiativen bei der Gründung neuer Landschaftspflegeorganisationen.
Aufbau und Organisation Der Verband ist ein eingetragener und gemeinnütziger Verein. Den engen Vorstand bilden je eine Vertreterin oder ein Vertreter der Land- und Forstwirtschaft, des Naturschutzes und der Politik:Vorstand des DVL. Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 5. Februar 2024. Vorsitzende: Maria Noichl, MdEP stellvertretende Vorsitzende: Ute Grothey stellvertretender Vorsitzender: Gerhard Bronner Ehrenvorsitzende sind die beiden Gründungsvorsitzenden Josef Göppel und Florian Meusel. Um das Netzwerk der Landschaftspflegeorganisationen zu stärken und weiter auszubauen, fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) den DVL in Teilen institutionell.
Die Arbeit der Landschaftspflegeorganisationen ist im Bundesnaturschutzgesetz (BNatschG §3 IV) verankert. „Mit der Ausführung landschaftspflegerischer und -gestalterischer Maßnahmen sollen die zuständigen Behörden nach Möglichkeit […] Vereinigungen, in denen Gemeinden oder Gemeindeverbände, Landwirte und Vereinigungen, die im Schwerpunkt die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege fördern, gleichberechtigt vertreten sind (Landschaftspflegeverbände), […] beauftragen.“
Der DVL ist Mitglied in zahlreichen Gremien auf Bundes- und Länderebene, unter anderem im Deutschen Naturschutzring(DNR) und im europaweiten Netzwerk Landcare Europe.
Themenfelder Agrar- und Regionalpolitik Der Verband arbeitet an der Weiterentwicklung der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP), der Naturschutzförderprogramme der Bundesländer, der Europäischen Strukturfonds (EFRE, ESF), der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ des Bundes (GAK) oder des EU-Förderprogrammes LIFE zur Umsetzung von Natura 2000. Der DVL verfolgt hierfür auch innovative neue Ansätze, wie etwa die Gemeinwohlprämie oder den überbetrieblichen Agrarnaturschutz. Dabei rückt der DVL stets landwirtschaftliche Betriebe, fachliche Naturschutzziele und deren Umsetzung mit Landschaftspflegeorganisationen in den Mittelpunkt. Der DVL äußert sich darüber hinaus zur Novellierung von Gesetzesvorhaben, wie zum Beispiel zum Bundesnaturschutzgesetz, den Naturschutzgesetzen der Bundesländer oder dem Erneuerbare-Energien-Gesetz.
Landschaftspflege Zu den Aktivitäten des Verbands im Bereich der Landschaftspflege zählen
Naturschutzberatung in der Landwirtschaft, Umsetzung von Maßnahmen (Pflege und Renaturierungen) in Natura-2000-Gebieten und anderen Naturschutzkulissen, Erhalt und Neuanlage von Landschaftselementen und Streuobstwiesen, Unterstützung von Schäfern und Extensiv-Rinderhaltern, Management von Ausgleichsmaßnahmen.
Erhalt der Biologischen Vielfalt Schutz und Erhalt der Biologischen Vielfalt gehören zu den Kernaufgaben der Landschaftspflegeorganisationen. Der DVL setzt sich in zahlreichen Projekten für den Arten- und Lebensraumschutz ein, zum Beispiel von Feld- und Wiesenvögeln (beispielsweise Feldlerche oder Rebhuhn), den Biotopverbund, den Schutz von Insekten, seltene Ackerwildkräuter oder für gebietseigenes (gebietsheimisches, autochthones) Saatgut. Biologische Vielfalt Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 6. April 2024.
Extensive Beweidung In vielen Regionen Deutschlands haben Tierhaltung und standortgerechte Beweidung nicht nur Landschaften geprägt, sondern auch zu einer enormen Artenvielfalt in der Kulturlandschaft geführt. Im Naturschutz und in der Landschaftspflege gilt Beweidung auch heute noch als wichtigste Nutzungs- und zugleich Pflegeform, um kostengünstig den Erhalt von Artenvielfalt und Landschaftsschutz zu verbinden. Der DVL erarbeitet im Verbund mit europäischen und deutschen Partnerorganisationen die notwendigen Rahmenbedingungen, um die extensive Weidewirtschaft in der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU zu verankern. Außerdem unterbreitet er praxisgerechte Vorschläge für einen besseren Herdenschutz.
Energie und Klimaschutz Klimaschutz, Landwirtschaft und Landschaftspflege sind eng verbunden, ob durch die Minderung von Emissionen durch schonende Nutzung organischer Böden, die energetische Nutzung von Landschaftspflegematerial oder die Erprobung alternativer (mehrjähriger) Energiepflanzen zum Mais. Außerdem setzt sich der DVL für eine nachhaltige und klimafreundliche Nutzung von Moorböden ein, etwa in Form von Paludikulturen. Der DVL und seine Landschaftspflegeorganisationen unterstützen Landwirtinnen und Landwirte bei der Wertschöpfung auf Moorböden und dabei, als Moor-Klimawirte Anerkennung für die gesellschaftliche Leistung der nassen und extensiven Grünlandbewirtschaftung zu erhalten. Landschaftspflegeverbände treten hierbei als Vermittler auf, die den Weg zu einer wirtschaftlich tragfähigen, klimafreundlichen Landnutzung beraten und begleiten.Klimaschutz Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 6. April 2024.
Gewässerschutz Intakte Gewässer sind nicht nur Heimat vieler Pflanzen- und Tierarten, sondern übernehmen auch wichtige ökologische Funktionen in der Landschaft. Der DVL unterstützt die Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie sowie die Umsetzung der Nationalen Wasserstrategie.Gewässerschutz Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 6. April 2024.
Veröffentlichungen des DVL Der DVL veröffentlicht jeweils vierteljährlich den „DVL-Rundbrief“DVL-Rundbrief Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 6. April 2024. und seit 2022 gemeinsam mit dem Verlag Eugen Ulmer den „Expertenbrief Landschaftspflege“Expertenbrief Landschaftspflege gestartet Abgerufen am 6. April 2024.. Seit 2001 gibt der DVL die Schriftenreihe „Landschaft als Lebensraum“DVL-Schriftenreihe Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 6. April 2024. heraus.
Deutscher Landschaftspflegetag
Der DVL richtet jährlich den Deutschen Landschaftspflegetag aus. In Fachforen werden aktuelle Themen aus Natur- und Klimaschutz, Landwirtschaft, Landschaftspflege und Energiewende aufgegriffen. Zur Zusammenarbeit aus Wissenschaft und Praxis sind Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Landschaftspflege und Landwirtschaft, Naturschutz und Forst eingeladen.
Deutscher Landschaftspflegepreis Der DVL verleiht seit 2005 den Deutschen Landschaftspflegepreis. Der Deutsche Landschaftspflegepreis würdigt herausragende Leistungen zum Erhalt und Entwicklung unserer Kulturlandschaften und wird jährlich verliehen. Es können vorbildliche Projekte und engagierte Personen ausgezeichnet werden. An Stiftungen oder Unternehmen kann für deren herausragendes Engagement ein Sonderpreis vergeben werden. DLPP Website des Deutschen Verbands für Landschaftspflege. Abgerufen am 6. April 2024.
Ausgewählte Projekte Herdenschutz in der Weidetierhaltung Weidehaltung ist eine besonders naturverträgliche Form der Landnutzung. Sie ist für die Offenhaltung der Landschaft und den Erhalt der biologischen Vielfalt unersetzlich. Für Weidetierhaltende bedeutet die Anwesenheit von Wölfen jedoch eine neue Herausforderung. Der DVL unterstützt Weidetierhaltende und Herdenschutzberatende mit Informationen, Schulungen und Workshops rund um das Thema Herdenschutz. Das Projekt ist Teil der Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz in der Projektphase Wissen – Dialog – Praxis. Die Förderung erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).Herdenschutz DVL-Projektwebsite. Abgerufen am 6. April 2024.
Rebhuhn retten – Vielfalt fördern! Das Rebhuhn (Perdix perdix) ist ein bodenlebender Hühnervogel offener Graslandschaften und Felder und gilt in Deutschland als gefährdet. Das Rebhuhn steht exemplarisch für den Zustand der Biologischen Vielfalt der Agrarlandschaft. Andere Feldvögel, etwa Feldlerche, Goldammer, Hänfling, sind ebenso betroffen wie Feldhase, Feldhamster, Ackerwildkräuter und unzählige Insektenarten. Im deutschlandweiten Projekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ wird in insgesamt zehn Projektgebieten die gesamte Bandbreite an wirksamen Maßnahmen von Akteurinnen und Akteuren vor Ort ausgeschöpft. Es werden regional unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt, um gebietsspezifische Eigenheiten zu berücksichtigen. Ein besonderer Fokus liegt in jedem der Gebiete auf der Verbesserung des Angebots an Bruthabitaten. Die geplanten Maßnahmen sollen so gestaltet sein, dass sie nicht nur dem Rebhuhn einen geeigneten Lebensraum bieten, sondern sich auch positiv auf die gesamte Artenvielfalt der Agrarlandschaft auswirken.Rebhuhn retten - Vielfalt fördern Projektwebsite. Abgerufen am 6. April 2024.
Blütenbunt-Insektenreich