Der Nachtportier (Originaltitel: Il portiere di notte) ist ein italienischer Spielfilm der Regisseurin Liliana Cavani aus dem Jahr 1974. Der Film schildert die sadomasochistische Beziehung einer Überlebenden der Konzentrationslager mit ihrem ehemaligen SS-Peiniger. Der Film machte die Hauptdarstellerin Charlotte Rampling international bekannt.
Handlung Zwölf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitet der ehemalige SS-Offizier Maximilian Theo Aldorfer, genannt Max, als Nachtportier in einem eleganten Wiener Hotel. Er erfüllt alle Wünsche seiner Gäste; so „vermittelt“ er einer alternden Gräfin regelmäßig die gewünschten jungen Männer für ihre sexuelle Befriedigung. Max gehört einem kleinen Kreis ehemaliger Nationalsozialisten an, die zur Vertuschung ihrer früheren Vergehen selbst vor Mord nicht zurückschrecken.
Eines Tages steigt die um einige Jahre jüngere Lucia Atherton im Hotel ab. Sie ist mit einem US-amerikanischen Dirigenten verheiratet, der in Wien ein Gastspiel gibt. Max und Lucia erkennen einander wieder: Sie war als junge Frau in einem Konzentrationslager inhaftiert, dessen Wachpersonal Max angehörte. Zwischen beiden entwickelte sich eine sadomasochistische Beziehung, die so weit ging, dass er einen Gefangenen hinrichten ließ, der Lucia quälte, und ihr dessen abgetrennten Kopf zum Geschenk machte.
Max und Lucia verfallen erneut einander, wobei die Rolle des dominierenden Teils der Beziehung laufend wechselt. Lucia verlässt ihren Mann und zieht in die Wohnung von Max. Seine ehemaligen Kameraden, für die die KZ-Überlebende Lucia eine Gefahr darstellt, belagern das Paar in Max’ Appartement. Von Hunger und der Aussichtslosigkeit ihrer Lage aufgezehrt, gehen sie ein letztes Mal auf die Straße hinaus, Max in seiner SS-Uniform, Lucia in einem Kleid, welches einem Exemplar ähnlich sieht, das Max ihr während ihrer Gefangenschaft schenkte. Auf einer Brücke werden sie von einem gesichtslosen Attentäter niedergeschossen.
Hintergrund Der Nachtportier entstand in Rom und Wien. Der Film startete am 11. April 1974 in Italien und am 14. Februar 1975 in der Bundesrepublik Deutschland.
Als der Film im Sommer 1974 erschien, erklärte die italienische Staatsanwaltschaft den Film für unmoralisch. Die Kopien wurden beschlagnahmt, der Film von der Zensur verboten. Die Filmindustrie organisierte daraufhin einen eintägigen Streik. Mehrere Regisseure, darunter Luchino Visconti, setzten sich für die Freigabe des Films ein. In einem Gerichtsverfahren wurde er schließlich zum Kunstwerk erklärt und ohne Schnitte freigegeben.Phelix, Thissen: Pioniere und Prominente des modernen Sexfilms. Goldmann, München 1983, S. 186–187
Kritiken
Literatur Marcus Stiglegger: Sadiconazista. Faschismus und Sexualität im Film. Gardez!, 2. Auflage 2000, ISBN 3-89796-009-5.
Weblinks
Essay auf der Seite der Criterion Collection (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1974 Kategorie:KZ-Film Kategorie:Naziploitation Kategorie:Italienischer Film Kategorie:BDSM im Film Kategorie:Hotel im Film