mini|Jan van Rijckenborgh

Jan van Rijckenborgh (Pseudonym für Jan Leene; * 16. Oktober 1896 in Haarlem (Niederlande); † 17. Juli 1968) gründete 1946 das Lectorium Rosicrucianum mit Hauptsitz in Haarlem, Niederlande.John Matthews: The Sources of the Grail. Floris Books Verlag, Oktober 1996. S. 361. ISBN 978-0-86315-233-7.Harald Lamprecht: Neue Rosenkreuzer. Ein Handbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 3-525-56549-6, S. 259. Mitunter bezeichnete er sich als „Abgesandter der großen Lichtbruderschaft“.Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5. S. 340–341 und S. 525.Harald Lamprecht: Neue Rosenkreuzer. Ein Handbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 3-525-56549-6, S. 259.Karl R. H. Frick: Die Rosenkreuzer als erdichtete und wirkliche Geheimgesellschaft. In: Gerd-Klaus Kaltenbrunner (Hrsg.): Geheimgesellschaften und der Mythos der Weltverschwörung. Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 1987, ISBN 3-451-09569-6, (Herderbücherei 9569), (Initiative 69), S. 126/127.Tobias Churton: The Invisible History of the Rosicrucians: The World's Most Mysterious Secret Society. Inner Traditions Verlag, Rochester, Vermont 2009. S. 511. ISBN 978-1-59477-255-9.

Leben mini|Sohn Henk Leene

Jan Leene kam aus einem evangelisch-reformierten Elternhaus. Mit seiner Frau Jo Ames hatte er zwei Kinder, seine Tochter Els (später E.T. Hamelink-Leene) und sein Sohn Henk, die beide im Lectorium tätig wurden.Harald Lamprecht: Neue Rosenkreuzer. Ein Handbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 3-525-56549-6, S. 254. Als Miterbe des elterlichen Textilgroßhandles interessierte er sich schon früh für Theologie. Bei dem reformierten Prediger Arnold Hendrik de Hartog (1869–1938), der für einen vernunftgemäßen Glauben eintrat, hörte er unter anderem vom Gedankengut Jakob Böhmes und nahm dessen Idee der zwei Naturordnungen (die menschliche, gefallene und die göttliche, ursprüngliche) auf. Bevor er aus der Kirche, die ihm dogmatisch erstarrt erschien, austrat, war Leene im Christlichen Verein Junger Männer aktiv.Martin Leube: Blätter für württembergische Kirchengeschichte. Band 103. M. Holland, 2003. Beeinflusst wurde er zudem durch die Lehren des Philosophen Eduard von Hartmann (1842–1906).Harald Lamprecht: Neue Rosenkreuzer. Ein Handbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 3-525-56549-6, S. 254.

Mitgliedschaft in der Rosicrucian Fellowship Im April/Mai 1924 schloss sich Leene mit seinem Bruder einer Amsterdamer Studiengruppe der aus dem O.T.O hervorgegangenen Rosicrucian Fellowship an. 1925 gründete er einen Verlag und eine Versandbuchhandlung, die sich ab 1928 „Publicatie Bureau van het Rozekruisers genootschap“ nannte, und ab 1927 die Monatszeitschrift „Het Rozekruis“ veröffentlichte. Als im Dezember 1929 die Leiterin der Amsterdamer Studiengruppe, die Lehrerin Agatha van Warendorp erkrankte, übernahmen die Gebrüder Leene die Vertretung. Nach ihrer Genesung verweigerten sie jedoch die Rückgabe der Leitungsposition an Frau van Warendorp. Die Streitigkeiten bezüglich dieses Führungswechsels wurden schließlich dem Hauptquartier der Rosicrucian Fellowship in Oceanside vorgetragen und von Augusta Foss zugunsten der Leenes beigelegt.

In dieser Zeit beschäftigten sich die Brüder mit den Texten der Theosophen Helena Petrovna Blavatsky, Max Heindel und Rudolf Steiner, mit den Rosenkreuzer-Manifesten und mit den Schriften von Comenius und Paracelsus.

Ablösungsprozess der Fellowship 1933 mussten die Brüder Leene die von den Eltern geerbte Textilgroßhandlung aus Rentabilitätsgründen aufgeben. Stattdessen begannen sie mit der Vermarktung der Lehren Max Heindels, indem sie Raubdrucke seiner urheberrechtlich geschützten Bücher vertrieben. Die Gebrüder Leene setzten sich damit über Heindels Verfügung hinweg, wonach keine Beiträge erhoben und Heindels Lehrmaterialien und Kurse nur kostenlos angeboten und weitergegeben werden durften. Ihre neue „Existenzgrundlage“, das Autonomiestreben ihres Haarlemer Zentrums und die Verstöße der Leenes gegen die amerikanischen Vereinsstatuten wurden im Hauptquartier in Oceanside jedoch zeitnah missbilligt, zumal die Niederländer auch die treuhänderisch vereinnahmten Fellowship-Spenden nicht mehr an die Weltzentrale abführten, um Gelder, über die eigens gegründete „Max Heindel-Stiftung“, zum Erwerb eines Haarlemer Zentrums in der Hedastraat 8 und für Immobilien in der Bakenessergracht abzuzweigen.

Spiritistische Aufträge von „Unbekannten Oberen“ Jan Leene behauptete schon vor dem Zweiten Weltkrieg, als spiritistisches Channel-Medium mit Geistern kommunizieren zu können, denen gegenüber er weisungsgebunden sei. So bekundete er schon 1935, dass er auf Geheiß von „Unbekannten Oberen“ einer unsichtbaren Rosenkreuzer Bruderschaft die globale Leitung der Rosicrucian Fellowship zu übernehmen habe, was jedoch scheiterte: Am 27. März 1935 schrieben Jan Leene und sein Bruder Zwier Willem alle ihnen bekannten internationalen Adressen von Rosicrucian-Fellowship-Ortsgruppen und Studenten an. In diesem Rundschreiben behaupteten sie, von einem unsichtbaren „Orden vom Rosenkreuz“ den Auftrag erhalten zu haben, die Rosicrucian Fellowship (Rosenkreuzer-Gemeinschaft) zu übernehmen, um die international zerrüttete Rosicrucian-Fellowship vor dem Untergang zu bewahren. So teilte man den Schülern und Prüflingen der Rosicrucian Fellowship weltweit mit, dass es sich für sie gehören würde, sich, ohne zu zögern, der niederländischen Gruppe anzuschließen. In diesem Schreiben behaupteten die Leenes, die Führung der esoterischen Arbeit des Weltwerkes der Rosicrucian Fellowship fortan innezuhaben, und dass man die neue Weltzentrale vorläufig in den Niederlanden angesiedelt sehen wollte. Die Fellowship-Studenten wurden in diesem Schreiben aufgefordert, Geld für einen Tempel-Neubau in den Niederlanden zur Verfügung zu stellen.

Ende der Fellowhip-Ära Am 5. April 1935 scheiterte ein Versuch der kalifornischen Fellowship-Zentrale, die niederländische Gruppe wieder stärker in die Gesamtorganisation einzubinden. Damit war der Endpunkt des Ablösungsprozesses der Haarlemer Gruppe von der Rosicrucian Fellowship erreicht. 1935 trennte sich die Leene-Gruppe von der Rosicrucian Fellowship – zusammen mit einer größeren Gruppe niederländischer Mitglieder – und arbeitete fortan selbständig weiter. 1935 schloss sich Catharose de Petri, die Jan Leene erstmals 1930 begegnete, der Gruppe der Leene-Brüder an.

Hinwendung zum Manichäismus 1936 entdeckten die Leene-Brüder die gnostische Gruppierung der Manichäer und gaben ihrer Gruppe nun den Namen „Manichäer-Orden“. Im Anschluss an den Manichäismus proklamierte Leene eine Transfigurationsmethode zur Wiedergeburt und Erneuerung des Menschen, der ein planmäßiger Untergang des eigenen Selbst und der Ich-Bezogenheit vorangehen müsse. Diese Methode bezeichnete Leene als „Endura“ – ein Begriff, den er dem Wortschatz der mittelalterlichen Albigenser und Katharer entnahm.Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5, S. 340–341, S. 195, S. 373 f.

Gründung der „Jakob Böhme Gesellschaft“ Am 17. Juli 1938 verstarb sein Bruder Zwier Willem Leene nach einem Herzinfarkt, woraufhin Jan die Leitung übernahm. 1941 legte Jan Leene den Namen „Rosenkreuz“, und die parallel beibehaltenen alten Heindel-Firmennamen „Rozenkruisers Genootschap“ (= „Rosenkreuzer-Genossenschaft“) und „Max Heindel Stichting“ (= „Max Heindel Stiftung“) ab, da Frau Heindel zwar auf eine Strafanzeige verzichtet hatte, Leene aber nicht mehr befugt war, das rosenkreuzlerische und theosophische Gedankengut Max Heindels zu vertreten. Fortan nannte sich seine Gruppe „Jakob-Böhme-Gesellschaft“.Harald Lamprecht: Neue Rosenkreuzer. Ein Handbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 3-525-56549-6, S. 250–256 ff.Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5. S. 282–283, 373–376, S: 482 und S. 530.Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen: EZW-Information Nr. 71. Stuttgart XI/1977, S. 1. PDF-Download: (PDF; 494 kB)

Deutsche Besatzungszeit 1940–1945 Während der Kriegsjahre 1940 bis 1945 betätigte sich Jan Leene als Buchhändler. Während des gesamten Krieges verschickte er seine Van-Rijckenborgh-Briefe an einen kleinen Interessentenkreis. Zusätzlich gab er bis 1944 in unregelmäßigen Abständen die Zeitschrift Nieuw religieuze Orientering (Neue religiöse Orientierung) heraus. In deren Ausgabe vom 22. November 1944 gab er bekannt, dass er wegen kriegsbedingtem Strommangel seine Druckmaschinen stilllegen und deshalb die normalerweise wöchentlichen Auslieferungen seiner Bücher einstellen muss.

Gründung des Lectorium Rosicrucianum nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 gründete Jan Leene in Haarlem das Lectorium Rosicrucianum. Diese Gruppe ging aus der „Niederländischen Theosophischen Vereinigung“ (Nederlandsche Theosofische Vereeniging) hervor. Von nun an nannte er sich Jan van Rijckenborgh und widmete sich ausschließlich dem Aufbau des Lectorium Rosicrucianum, das mit Beginn der 1950er Jahre auch in Deutschland Anhänger fand.Karl R. H. Frick: Die Rosenkreuzer als erdichtete und wirkliche Geheimgesellschaft. In: Gerd-Klaus Kaltenbrunner (Hrsg.): Geheimgesellschaften und der Mythos der Weltverschwörung. Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 1987, ISBN 3-451-09569-6, (Herderbücherei 9569), (Initiative 69), S. 126/127.Peisl/Mohler: Kursbuch der Weltanschauungen. Ullstein Verlag GmbH (März 1983). S. 276–277 ISBN 3-550-07943-5.Tobias Churton: The Invisible History of the Rosicrucians: The World's Most Mysterious Secret Society. Inner Traditions Verlag, Rochester, Vermont 2009. S. 511. ISBN 978-1-59477-255-9.

Ernennung zum Großmeister 1954 reiste Leene mit seiner Assistentin Henriette Stok-Huizer in die südfranzösischen Pyrenäen, wo sie sich mit dem Lokalhistoriker und Leiter des Fremdenverkehrsamtes von Ornolac-Ussat-les-Bains, Antonin Gadal, anfreundeten, der sich als „Hüter des katharischen Erbes“ des 20. Jahrhunderts ausgab. Gadal, der im Lectorium als der letzte Patriarch der vorangegangenen Katharer-Bruderschaft bezeichnet wird, übertrug den beiden Niederländern im Verlaufe der weiteren Zusammenarbeit das (geistige) Erbe der Katharer des Hochmittelalters, indem er sie in der von diesen Gruppen vertretenen dualistischen Lehre unterrichtete, und stellte dadurch ihre zukünftige Arbeit in einen Zusammenhang mit den Albigenser des Mittelalters. Als neues Kirchenoberhaupt des Lectorium ernannte Gadal in einer seiner ersten Amtshandlungen Jan Leene zum Großmeister und seine Assistentin Henriette Stok-Huizer zur Archidiakonesse.Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5. S. 230, S. 251/252 und S. 482.Hans-Jürgen Ruppert: Rosenkreuzer. Heinrich Hugendubel Verlag, Kreuzlingen/München 2004, ISBN 3-7205-2533-3, S. 68–71.

Heilsverständnis Leene vertrat ein Heilssystem, für welches er die Begriffe Transmutation und Transfiguration verwandte. Die für seine Anhänger entwickelte Lehre forderte eine strikte Ablehnung alles "Fremden" und eine zunehmende Einseitigkeit.Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen: EZW-Information Nr. 23, Stuttgart IX/1966. S. 3–10,

Aquariuskonferenzen und Tod Ab 1963 hatte Leene für die kommenden sieben Jahren jeweils eine Jahrestagung mit programmatischem Anspruch, die so genannten Aquariuskonferenzen, geplant. Allerdings musste dieser Zyklus nach der fünften Jahrestagung beendet werden, da Rijckenborgh 1968 verstarb. Zu den Tagungsorten zählten Renova/Niederlande (1963), Calw (1964), Bad Münder (1965), Basel (1966) und Toulouse (1967). Eine Zusammenfassung dieser Aquariuskonferenzen wurde in den fünf Bänden „Apokalypse der neuen Zeit“ (Haarlem 1964–1968) veröffentlicht.