Rochechouart [] (okzitanisch ) ist eine französische Stadt und Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Haute-Vienne in der Region Nouvelle-Aquitaine.
Rochechouart ist Verwaltungssitz des Arrondissements Rochechouart und des Kantons Rochechouart. Der Name wird „Roschuar“ ausgesprochen.
Die Einwohner werden als Rochechouardaises und Rochechouardais bezeichnet.
Etymologie Der Ortsname Rochechouart ist aus Roca und Cavardus zusammengesetzt. Roca bezeichnet einen leicht zu verteidigenden Felssporn, Cavardus war der Name eines Adeligen, der dort um das Jahr 1000 eine Burg anlegte.
Rochechouart hieß im Jahr 1027 Rocacoart, im Jahr 1049 bereits Rochechouart und im Jahr 1068 Rocam Cavardi.
Das Französische roche ist aus dem Nordokzitanischen ròcha hervorgegangen – mit der Bedeutung „Berg, Felsen“ und späterer Erweiterung auf „Felsenburg“. Chouart ist ein Anthroponym des Familiennamens Chouard bzw. Chouart. Es dürfte auf choe oder chouette mit der Bedeutung „Eule“ zurückgehen. Im Altfränkischen hieß choe *kawa, das wahrscheinlich dann zu Cavardus lateinisiert wurde.
Geographie Die Unterpräfekturstadt Rochechouart liegt im Westen des Départements Haute-Vienne und ist bereits Grenzgemeinde zum Département Charente. Sie wird von folgenden Nachbargemeinden umgeben:
Die Kleinstadt Rochechouart bildet mit 53,88 Quadratkilometer eine relativ große Landgemeinde, die sich außerhalb städtischer Agglomerationen und städtischer Einzugsgebiete befindet (sie wird aber von der Agglomeration entlang der Vienne, bestehend aus Saint-Junien, Chaillac-sur-Vienne und Saillat-sur-Vienne im Norden, berührt). Demographisch nimmt Rochechouart im Département Haute-Vienne nur den 15. Platz ein. Im Gegensatz zu den meisten Gemeinden in der Haute-Vienne hat sie historische Wurzeln im Poitou, ist aber kirchlich von Limoges abhängig.
Das am rechten Ufer der Vienne gelegene Saint-Junien – im Jahr 2023 die zweitgrößte Stadt im Département Haute-Vienne – liegt 9 Kilometer weiter nordöstlich. Die Präfekturstadt Limoges im Osten ist bereits 42 Kilometer entfernt. Nach Angoulême im Südwesten sind es 64 Kilometer. Das benachbarte Chassenon mit der antiken Römerstadt Cassinomagus befindet sich 5 Kilometer im Nordwesten. Die Unterpräfekturstadt Nontron im Département Dordogne liegt 35 Kilometer weiter südsüdwestlich.
Zum Gemeindegebiet von Rochechouart gehören neben dem Stadtkern zahlreiche Weiler, Gehöfte, Schlösser, Mühlen, eine Schmiede und Geländepunkte:
Auvignac, Babaudus, Bénizou, Biennac, Bois Soulet, Boischenu, Bonnaud, Champagnac, Châtaigneraie, Chez Combart, Chez Frugier, Chez Lambe, Chez Meillat, Chez Raymond, Chez Roux, Closmart, Cramaud, Font Froide, Fontarpaux, Fontaulard, Fontbouillant, Fontgrenier, Forêt de Rochechouart, Gaud, Juillac, L'Age, L'Argenton, L'Autre, L'Étang, La Caborne, La Chabaudie, La Chassagne, La Clautre, La Cloïtre, La Croix de Labrousse, La Feuillade, La Forge, La Grange, La Lande, La Légerie, La Motte, La Pouge, La Pouge Périgord, La Royère, La Touillette, La Tuilerie, La Valade, Labrousse, Lascaux, Le Bois Brûlé, Le Bos Redon, Le Breuil de Gorre, Le Breuil de Vayres, Le Châtenet, Le Clos du Breuil, Le Grand Béchasseau, Le Jarissou, Le Maine, Le Moulin de Boischenu, Le Moulin de Champagnac, Le Moulin de la Cloïtre, Le Moulin de la Côte, Le Moulin de Villegoureix, Le Moulin des Sangles, Le Petit Béchasseau, Le Petit Mascureau, Le Petit Meillat, Le Pont du Bois, Le Pré, Le Puy du Moulin, Le Recoudert, Les Ajaux, Les Bâtiments, Les Bordes, Les Brosses, Les Châtaignons, Les Chausseilles, Les Combettes, Les Communaux, Les Débats, Les Grands Bois, Les Houmeaux, Les Longeas, Les Maupas, Les Nouauds, Les Palénes, Les Petits Ajaux, Les Plats, Les Renardières, Les Vergnaux, Les Vignes, Malbrécher, Mascureau (Schloss), Mauférou, Montazeau, Moussepuy, Pierre Blanche, Pierre Folle, Quérimort, Paladas, Pradeaux, Puyjean, Puyjoyeux, Roumagnac, Saurette Durand, Saurette Soulat, Saute-Bergère, Sintillére, Troupen, Turelais, Vérinas, Villefranche, Villeneuve und Viviénas.
Der topographisch tiefste Punkt mit 159 Meter über N. N. liegt an der Gorre im äußersten Nordwesten, der höchste Punkt mit 313 Meter befindet sich im Forêt de Rochechouart an der Ostgrenze. Die maximale Höhendifferenz beträgt 154 Meter.
Verkehrsanbindung mini|hochkant=1.6|Lagekarte von Rochechouart
Hauptverkehrsader in der Gemeinde Rochechouart ist die D 675. Von Nontron im Süden kommend durchquert sie die Stadt und biegt dann nach Nordosten in Richtung Saint-Junien ab. Hinter Saint-Junien erreicht sie die Schnellstraße Route nationale 141 von Angoulême nach Limoges. Weitere Hauptverbindungen sind die von Massignac im Westsüdwesten kommende D 10, die D 901 von Oradour-sur-Vayres im Südsüdosten und die D 41 von Saint-Laurent-sur-Gorre im Südosten. Aus der Stadt führt die D 29 nach Chabanais an der Vienne im Nordwesten und die D 161 nach Pressignac im Westen. Die D 10 leitet weiter nach Cognac-la-Forêt im Osten und erreicht bei Aixe-sur-Vienne ebenfalls die Vienne. Zahlreiche Kommunalstraßen halten die Verbindungen zu den einzelnen Ortschaften und Weilern im Gemeindegebiet aufrecht.
Fernwanderweg Die Gemeinde Rochechouart wird in Ost-West-Richtung vom Fernwanderweg GR 48 durchquert. Der Fernwanderweg kommt von Limoges und Saint-Auvent im Osten und führt weiter nach Chassenon im Nordwesten. Der Fernwanderweg endet in Chinon.
Tourismusstraße Rochechouart liegt ferner an der Tourismusstraße Richard Löwenherz. Die Stadt gehört dem ersten Ast an – zwischen Étagnac im Norden und Les Salles-Lavauguyon im Südwesten.
Bahnverbindung Rochechouart hatte vormals einen Bahnhof an der Bahnstrecke Saillat-sur-Vienne – Bussière-Galant. Die Bahnstrecke bestand von 1880 bis 1996, der Passagierverkehr wurde aber bereits im Jahr 1940 eingestellt. Etappenweise wurde sodann auch der Güterverkehr reduziert.
Klima Die Gemeinde Rochechouart unterliegt einem abgewandelten ozeanischen Klima (Cfb nach Köppen & Geiger) in der Klimaregion Poitou-Charentes. Diese Klimaregion charakterisiert sich normalerweise durch eine recht gute Sonnenscheindauer, insbesondere im Sommer, und nur gemäßigte Winde.
Im Zeitraum 1971 bis 2000 betrug die Jahresmitteltemperatur 11,7 °C mit einer Jahresamplitude von 15,0 °C. Die Anzahl der Tage mit einer Temperatur unterhalb von − 5 °C belief sich auf 3, die Anzahl der Tage oberhalb von + 30 °C auf 6,5.
Der durchschnittliche Jahresniederschlag in dieser Periode akkumulierte zu 1046 Millimeter – mit 13,1 Niederschlagstagen im Januar und 7,5 Niederschlagstagen im Juli.
Für die Periode 1991 bis 2020 wurde an der Wetterstation von Rochechouart bereits eine Temperaturerhöhung der Jahresmitteltemperaturen auf 12,2 °C gemessen – gleichzeitig verringerte sich der Jahresniederschlag auf 963,9 Millimeter. Die höchste gemessene Temperatur in Rochechouart belief sich auf 39,6 °C am 5. August 2003. Die niedrigste gemessene Temperatur registrierte mit − 19,0 °C am 16. Januar 1985. Am 22. Juni 2026 wurde mit 40,5 °C die bis dahin geltende Höchsttemperatur überboten.
Hydrographie mini|hochkant=1.6|Flusslauf der Grêne
Rochechouart liegt am rechten Ufer der nach Nordwesten abfließenden Grêne (auch Graine geschrieben), die hier südlich unterhalb der Stadt ihren linken, aus südlicher Richtung kommenden Nebenfluss Vayres aufnimmt. Die Vayres wird bei Le Moulin de Boischenu kurz vor ihrer Mündung zu einem kleinen Badesee aufgestaut. Ein weiterer linker Nebenfluss der Grêne ist der Ruisseau des Combes. Er dirigiert sich nach Nordnordwest, stellt im Süden auf zirka 1 Kilometer die Gemeindegrenze zu Vayres und erreicht westlich von Le Petit Mascureau die Grêne. Ein kleinerer rechter Nebenfluss der Grêne ist der aus Nordosten zufließende Ruisseau des Morts. Der Bach mündet kurz oberhalb der Vayres.
An der nordöstlichen Gemeindegrenze verläuft der leicht mäandrierende Fluss Gorre – ebenfalls in Nordwest-Richtung (wahrscheinlich tektonisch vorgezeichnet). Die Gorre besitzt mehrere kleinere, linke Seitenarme auf dem Gemeindegebiet, die fast alle ohne Bezeichnung sind und im Sommer teils trockenfallen. Der bedeutendste unter ihnen ist etwa 1,5 Kilometer lang; er beginnt bei Troupen und entwässert nach Nordnordost. Eine Bezeichnung führt der Ruisseau de Villegoureix, der der Nordwestgrenze der Gemeinde folgt. Auch der Ruisseau de Couffiégeas an der Ostgrenze stellt durch seine Bezeichnung eine weitere Ausnahme – er fließt nach Osten ebenfalls zur Gorre.
Die Gemeinde Rochechouart fällt somit gänzlich in das Entwässerungsgebiet der Vienne.
Geologie
mini|hochkant=1.6|Tektonische Karte. Die Gemeinde Rochechouart befindet sich im oberen Drittel, mittig links. mini|hochkant=1.6|Impaktkrater Lageplan
Grundgebirge Die Gemeinde Rochechouart liegt vollständig auf dem kristallinen, variszischen Grundgebirge des nordwestlichen Massif Central. Die regionalmetamorphen Gesteine befinden sich in der Sillimanit-Zone. Hauptbestandteil ist hier die Untere Gneisdecke des Limousins, welche überwiegend aus Plagioklas-reichen Paragneisen und seltenen leptynitischen Gneisen aufgebaut wird. An der Nordostgrenze entlang der Gorre tritt gerade auch noch die Obere Gneisdecke in Erscheinung – sie überfährt hier die untere Gneisdecke.
Die Trajektorien der Foliationsebenen in der Unteren Gneisdecke lassen keine klare Organisation erkennen. Vielmehr schwanken sowohl Richtungen als auch Einfallswinkel oft auf sehr engem Raum – was auf komplexe Deformationen und Verfaltungen hinweist.
Eingeschlossen innerhalb der Gneise der Unteren Gneisdecke finden sich verschiedene Ganggesteine – Leukogranitgänge in nordnordwestlicher Orientation bei Juillac und Les Plats, porphyrische Mikrogranitgänge bei Vérinas (Nordnordwest und Nordwest), Granophyrgänge westlich des Stausees (Nordwest) und ein Quarzgang bei Pierre Blanche (ebenfalls Nordwest). Aber auch mafische, feinkörnige Amphibolitgänge treten auf – so bei Moulin de Champagnac in Nord- und Nordnordost-Richtung.
Die Überschiebungsfront der Oberen Gneisdecke verläuft nicht einheitlich, vielmehr wird sie durch mehrere Nordost-streichende Seitenverschiebungen in Sektoren zerlegt. Deren Schersinn ist rechtshändig, kann aber auch linkshändig ausfallen. Hauptcharakteristikum der Überschiebung sind die mit ihr assoziierten Quarzdiorite der Limousin-Tonalitlinie. Die Quarzdiorite stehen bei Le Breuil de Gorre, nördlich von Les Plats, zwischen Auvignac und Troupen sowie nordöstlich von Troupen an. Die Foliationsebenen in der Oberen Gneisdecke sind ebenfalls sehr uneinheitlich mit sich kreuzenden Streichrichtungen.
In der Oberen Gneisdecke erscheinen ebenfalls intrusive Gangkörper, so beispielsweise ein Nordnordost-streichender Granitgang im Quarzdiorit bei Le Breuil de Gorre, ein Nord-streichender Quarzgang nördlich von Les Plats sowie mehrere Amphibolitgänge nordöstlich von Troupen. Die Amphibolite entstammen zwei Fazies – einer vorherrschenden gebänderten und einer feinkörnigen Fazies. Die gebänderte Fazies ist aus ehemaligen Tuffen hervorgegangen, ihre Gänge streichen Westnordwest, selten auch Nordwest. Die feinkörnige Fazies repräsentiert ehemalige Basalte, Dolerite und Mikrogabbros – Streichrichtung Nordnordwest und Nordost.
Impaktgesteine Rochechouart befindet sich überdies im Bereich des Kraters von Rochechouart-Chassenon – nach neuesten Erkenntnissen eines deutsch-französischen Forscherteams handelt es sich hierbei um einen 200 Millionen Jahre alten Meteoritenkrater, der als solcher jedoch erst 1967 identifiziert worden war.
Der Impaktkrater zeichnet sich neben monomikten und polymikten Impaktbrekzien (Trümmermassen) durch mehrere Suevittypen aus. Monomikte Impaktbrekzien und Brekziengänge finden sich im Kraterboden. Die polymikten Impaktbrekzien sind Rückfälle aus Glutwolken. Folgende Typen lassen sich unterscheiden: Typus Rochechouart mit klastischer Matrix, aber so gut wie kein oder nur sehr wenig Schmelzglas Typus Chassenon (Suevit) mit klastischer Matrix und spärlichen Glasbruchstücken