mini|Detailvergrößerung der Unterschrift Bamlers auf seinem Lebenslauf vom 7. Mai 1950 (Bundesarchiv, Militärarchiv Freiburg im Breisgau) Rudolf Karl Johannes Bamler (* 6. Mai 1896 in Kossebau bei Osterburg (Altmark); † 13. März 1972 in Groß Glienicke, Kreis Nauen) war ein deutscher Generalleutnant des Heeres der Wehrmacht.

Im Ersten Weltkrieg diente Bamler als Offizier in der Preußischen Armee, anschließend in der Reichswehr und der Wehrmacht. Im Zweiten Weltkrieg war er Chef des Generalstabes bei verschiedenen Generalkommandos. Ab Juni 1944 befehligte er die 12. Infanterie-Division. Nach deren Zerschlagung im gleichen Monat im Zuge der Operation Bagration geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Dort schloss sich Bamler dem Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD) und dem Bund Deutscher Offiziere (BDO) an und wurde im April 1950 in die Deutsche Demokratische Republik (DDR) entlassen.

In der Kasernierten Volkspolizei (KVP) stieg er in den Rang eines Generalmajors auf. Seine Entlassung erfolgte im Zusammenhang mit dem Aufstand vom 17. Juni 1953. Ab 1956 arbeitete Bamler für das Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV) als freier wissenschaftlicher Mitarbeiter sowie später nach unbestätigten Informationen für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS).

Bekanntheit erlangte Bamler ab den frühen 1960er Jahren als Publizist der Arbeitsgemeinschaft ehemaliger Offiziere (AeO). Neben Bamler dienten mit Walter Freytag, Otto Korfes, Arno von Lenski, Vincenz Müller, Karl Hans Walther und Hans Wulz sechs weitere ehemalige Generale der Wehrmacht in der KVP beziehungsweise der späteren Nationalen Volksarmee (NVA).

Jugend und Erster Weltkrieg mini|Das Ehrenmal des Bergischen Feldartillerie-Regiments Nr. 59 bei Schloss Burg

Rudolf war das einzige Kind des evangelischen Dorfpfarrers Johannes Bamler (* 1864) und dessen Ehefrau Anna, geborene Garlipp (1873–1932).Eigenangabe Rudolf Bamler in: Lebenslauf vom 7. Mai 1950. Bundesarchiv Freiburg im Breisgau Personalakte PERS 14/5, S. 1.Rüdiger Wenzke: Rudolf Bamler – Karrierebruch in der Kasernierten Volkspolizei. In: Hans Ehlert, Armin Wagner (Hrsg.): Genosse General! Die Militärelite der DDR in biografischen Skizzen. Christoph Links Verlag, Berlin 2003, S. 33. Er wuchs in kleinbürgerlichen und bescheidenen Verhältnissen auf. Die Erziehung im Elternhaus orientierte sich an christlich-humanistischen Werten. Von 1903 bis 1905 besuchte er die Dorfschule in Kossebau. Anschließend nahm er von 1905 bis 1907 Privatunterricht bei seinem Vater, der früher als Rektor in Neuwedell und Osterburg tätig gewesen war. Sein Hobby war das Reiten.Eigenangabe Rudolf Bamler im Fragebogen der Hauptverwaltung für Ausbildung vom 28. September 1950, S. 2. 1907 bestand er die Aufnahmeprüfung für die Quarta des Humanistischen Gymnasiums in Salzwedel (heute Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium). Um die hohen Pensionskosten zu finanzieren, ließ sich sein Vater 1909 nach Perver versetzen. Am 12. März 1914 legte Bamler das Abitur ab.Rüdiger Wenzke: Rudolf Bamler – Karrierebruch in der Kasernierten Volkspolizei. In: Hans Ehlert, Armin Wagner (Hrsg.): Genosse General! Die Militärelite der DDR in biografischen Skizzen. Christoph Links Verlag, Berlin 2003, S. 34. Er entschloss sich, die Laufbahn eines Berufsoffiziers einzuschlagen, um die elterliche Kasse nicht mit einem kostspieligen Studium zu belasten.

Am Tag seines Abiturexamens trat der siebzehnjährige Bamler als Fahnenjunker in das Bergische Feldartillerie-Regiment Nr. 59 (FaR 59) in Köln ein. Er meinte, als Berufsoffizier dem Deutschen Kaiserreich am besten dienen zu können. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde sein Regiment am 2. August 1914 mobilgemacht und der 15. Artillerie-Brigade im Verband der 15. Division von Generalleutnant Julius RiemannJürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914–1918. Teil IX: Feldartillerie Band 1, Verlag Militaria, Wien 2007, S. 266. (VIII. Armee-Korps) unterstellt. Das Regiment wurde umgehend an der Westfront eingesetzt, wo es überwiegend während des Krieges im Einsatz stand. Bamler übte dabei ab August 1914 die Funktion eines Batterieoffiziers aus. Im Dezember des gleichen Jahres wurde er zum Leutnant befördertDermot Bradley: Die Generale des Heeres 1921–1945, Teil IV, Band 1: Abberger-Bitthorn. Biblio Verlag, Osnabrück 1993, S. 190. Von 1916 bis März 1917 lag die Division mit den ihr unterstellten Regimentern an der Ostfront. Dort waren sie an den Kämpfen am Stochod beteiligt. Während dieser Zeit in Russland diente Bamler von Oktober bis November 1916 als Artilleriebeobachter in der II. Abteilung seines Regiments. Anschließend fand er längere Verwendung als Adjutant. Im Dezember 1916 wurde das Regiment direkt der 15. Division und am 11. März 1917 dem Artillerie-Kommandeur Nr. 15 (Arko 15) unterstellt. Mit dieser Unterstellung war die Rückverlegung seines Regiments an die Westfront verbunden. Dort traf es im Mai 1917 ein. Bamler fungierte weiterhin als Adjutant. Das Regiment nahm in diesem Monat an der Doppelschlacht an der Aisne und in der Champagne und im Spätherbst 1917 unter anderem an der Dritten Flandernschlacht teil. Im letzten Kriegsjahr diente Bamler von Januar bis Juli 1918 als Ordonnanzoffizier bei seinem Regimentsstab und danach als Regimentsadjutant. In dieser Funktion wurde er am 18. Oktober 1918 zum Oberleutnant befördert.

Während des Krieges wurden Bamler beide Klassen des Eisernen Kreuzes verliehen. Nach dem Waffenstillstand von Compiègne gelangte das Regiment, dem Bamler angehörte, zurück nach Deutschland. Dort leitete er ab Dezember 1918 bis Frühjahr 1919 die Demobilisierung des Regiments in Wildeshausen im Landkreis Oldenburg.

Weimarer Republik Beförderungen 3. Oktober 1914 Fähnrich 31. Dezember 1914 Leutnant 18. Oktober 1918 Oberleutnant 1. November 1927 Hauptmann 1. April 1934 Major 1. August 1936 Oberstleutnant 1. März 1939 Oberst 1. April 1942 Generalmajor 1. Oktober 1943 Generalleutnant 1. Oktober 1952 Generalmajor der KVP Für Bamler waren die Abdankung Kaiser Wilhelms II. und der Untergang der Monarchie folgerichtiges Ergebnis einer falschen Politik gegenüber der Arbeiterschaft.Eigenangabe Rudolf Bamler in: Lebenslauf vom 7. Mai 1950. Bundesarchiv Freiburg im Breisgau Personalakte PERS 14/5, S. 6. Aufgrund seiner bürgerlichen Erziehung und Fronterlebnisse interpretierte er die neue Zeit als „Aufbruch“, die es nun zu schützen galt. Wie viele andere „heimatlose“ Soldaten dieser Zeit war auch Bamler an einem Verbleib im Militärdienst interessiert. So trat er auf Wunsch seines alten Batteriechefs am 7. April 1919 als Abteilungsadjutant in das Mobile Freiwillige Garde-Artillerie-Regiment in Berlin ein.Dermot Bradley: Die Generale des Heeres 1921–1945, Teil IV, Band 1: Abberger-Bitthorn. Biblio Verlag, Osnabrück 1993, S. 191. Dieses Regiment war für den Einsatz im Grenzschutz Ost vorgesehen, wurde jedoch nach dessen Aufstellung in das Freikorps Reinhard eingegliedert.Olaf Kappelt: Braunbuch DDR – Nazis in der DDR. S. 260. Als Folge davon verblieb es in Berlin, so dass es auch Anfang 1919 an den dortigen Straßenkämpfen teilnahm.Eigenangabe Rudolf Bamler in: Lebenslauf vom 7. Mai 1950. Bundesarchiv Freiburg im Breisgau Personalakte PERS 14/5, S. 2.

Am 1. August 1919 trat Bamler als Regimentsadjutant in das Reichswehr-Artillerie-Regiment 15 der Vorläufigen Reichswehr ein. Im Januar 1921 erfolgte seine Versetzung zum 3. (Preußischen) Artillerie-Regiment nach Frankfurt (Oder), wo er als Regimentsadjutant und Batteriechef eingesetzt wurde. Standorte des Regiments waren neben Frankfurt (Oder) die Orte Sagan, Sprottau, Schweidnitz und Neisse.Romuald Bergner: Truppen und Garnisonen in Schlesien 1740–1945. Podzun-Pallas Verlag, 1987, S. 58.

Während seiner Stationierung lernte er Mary Wehmer (* 1894) kennen. Sie war die Tochter eines selbstständigen Arztes und arbeitete als Krankenschwester. Am 3. September 1924 heirateten beide. Aus ihrer Ehe gingen Hans-Joachim Bamler (1925–2015) und die Tochter Annemarie (* 1928) hervor.

Bamler sah während der Weimarer Republik seine Zukunft als Offizier in der jungen Reichswehr. Dessen ersten Oberbefehlshaber Gustav Noske, auch als Bluthund der jungen Reichsregierung bekannt, betrachtete er als Repräsentanten einer neuen Zeit. Von Oktober 1923 bis September 1925 absolvierte Bamler beim Wehrkreis-Kommando III in Berlin eine Führergehilfenausbildung. Daneben studierte er die Fremdsprachen Englisch, Spanisch und Französisch. Im Januar und Februar 1926 folgte eine Ausbildung in der Fachrichtung Transportwesen. Ungemeines Interesse entwickelte Bamler für jede Art von technischen Neuentwicklungen. Als ehemaliger Artillerist verfolgte er als Zuschauer auf dem Schießplatz von Kummersdorf die ersten Vorführungen von Raketengeschossen.

Seine 1924 begonnene Führergehilfenausbildung, aus Tarnungsgründen wurde diese nicht Generalstabsausbildung genannt, schloss Rudolf Bamler 1927 ab. Danach wurde er zum 1. Oktober 1927 in das Reichswehrministerium (RWM) abkommandiert und am 1. November 1927 zum Hauptmann befördert. Hier versah er in der Heeresstatistischen Abteilung (T 3), dem militärischen Nachrichtendienst als Referent im Bereich 3 Fremde Heere seinen Dienst. Leiter der militärischen Abwehr, der Abwehrabteilung, war zu diesem Zeitpunkt Günther Schwantes (1881–1942). Seine Tätigkeit in der T 3 beeinflusste Bamlers weitere militärische Laufbahn nachhaltig. In dieser Funktion bearbeitete er anfangs als Nachrichtenoffizier die französischen und spanischen Streitkräfte. Später, nunmehr als Gruppenleiter, war er zusätzlich für die britischen und US-amerikanischen Streitkräfte verantwortlich.André Brissaud: Canaris – Chef des deutschen Geheimdienstes, Bastei Lübbe 1979, S. 94. Darüber hinaus unterhielt Bamler Verbindungen zu südamerikanischen Staaten sowie den asiatischen Ländern China und nach Japan.Rüdiger Wenzke: Rudolf Bamler – Karrierebruch in der Kasernierten Volkspolizei. In: Hans Ehlert, Armin Wagner (Hrsg.): Genosse General! Die Militärelite der DDR in biografischen Skizzen. Christoph Links Verlag, Berlin 2003, S. 35.

Ab 1929 erlebte Bamler die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf Deutschland. Er geriet, bis dahin politisch eher uninteressiert, in den Sog der um ihn herum tobenden Auseinandersetzungen radikaler politischer Gruppierungen und ihrer Propaganda. Seiner Meinung nach benötigte Deutschland Anfang der 1930er Jahre eine stärkere Führung, um diesem Land zu „neuem Glanze“ in der Welt zu verhelfen. Daher war er empfänglich für die Propaganda der aufkommenden Nationalsozialisten um Adolf Hitler, deren Aufruf zum Kampf gegen das „Versailler Diktat“ und sozialen Forderungen Bamlers volle Zustimmung fanden. Später schilderte Bamler seine Zuwendung zum NS-Regime mit den Worten: