mini|Gender-Symbole mini|Zeichen für sexuelle Diversität auf einer grünen Ampel in London (nahe Trafalgar Square, 2017)
Ein Gender-Symbol [] ist ein Symbol, mit dem das biologische Geschlecht (englisch sex) eines Lebewesens oder das soziale Geschlecht (gender) eines Menschen gekennzeichnet wird. Die Gender-Symbole in der Typographie sind meist entweder übereinstimmend mit astronomischen Symbolen oder von diesen abgeleitet. In der Gender-Forschung kann Gender-Symbol auch Personen oder Dinge bezeichnen, wenn diese symbolhaft für bestimmte Aspekte eines sozialen Geschlechtes stehen.
Herkunft Gender-Symbole sind seit dem 4. Jahrhundert vor allem aus Horoskopen bekannt; in der Astrologie bezeichnen sie auch heute noch die klassischen Planeten Mars und Venus. Seit der Renaissance sind sie auch in der Astronomie gängige Kürzel. Alchemisten benutzten die Symbole zur Bezeichnung der wichtigsten Metalle der Zeit, nämlich Eisen (männlich) und Kupfer (weiblich).
Der schwedische Naturforscher Carl von Linné griff die Symbole erstmals in einem biologischen und damit sexuellen Kontext auf, nämlich für das Geschlecht von Pflanzen. Sie finden sich in seinem 1751 erschienenen Grundlagenwerk Philosophia Botanica.Siehe auch The Origin of the Male and Female Symbols of Biology, William T. Stearn, Taxon, Vol. 11, No. 4 (Mai 1962), S. 109–113
Typographische Symbole Männlichkeit Symbol Beschreibung Unicode-Zeichen Bedeutung 60px|zentriert|alt=Kreis mit Pfeil oben rechts Marssymbol U+2642 ♂ Männliches Geschlecht, Mann. Planet Mars
Weiblichkeit Symbol Beschreibung Unicode-Zeichen Bedeutung 60px|zentriert|alt=Kreis mit Kreuz darunter Venussymbol U+2640 ♀ Weibliches Geschlecht, Frau. Planet Venus
Intergeschlechtlichkeit Symbol Beschreibung Unicode-Zeichen Bedeutung 60px|zentriert|alt=Sonnenrad Radkreuz / Sonnenrad U+1F728 ⊕ Symbol für Intergeschlechtlichkeit (die Bezeichnung „intersexuell“, von lateinisch sexus „Geschlecht“ und lat. inter „zwischen“ bedeutet Zwischgeschlecht; die Erde liegt zwischen Mars und Venus) Planet Erde
Transgeschlechtlichkeit Symbol Beschreibung Unicode-Zeichen Bedeutung 60px|zentriert|alt=Kreis mit Pfeil oben rechts und Kreuz darunter Eine Kombination aus Venus- und Marssymbol U+26A5 ⚥ Transgeschlechtlichkeit, 60px|zentriert|alt=Kreis mit Kreuz oben rechts Venussymbol in der Pose des Marssymbols Trans-Mann, transgeschlechtlicher Mann 60px|zentriert|alt=Kreis mit Pfeil darunter Marssymbol in der Pose des Venussymbols U+29EC ⧬U+2BF1 ⯱ Trans-Frau, transgeschlechtliche Frau
Androgynie Symbol Beschreibung Unicode-Zeichen Bedeutung 60px|zentriert|alt=Venus-Mars-Schütze-Symbol Kombination aus Venus-, Mars- und Schütze-Symbol Androgynie, Zwitter in der Insektenkunde, 60px|zentriert|alt=Kreis mit durchgestrichenem Pfeil oben Vereinfachtes Androgynitätssymbol U+26A8 ⚨ Androgynie 60px|zentriert|alt=Kreis mit Kreuz darunter und nach oben offenem Halbkreis darüber Merkursymbol U+263F ☿ Symbol in der Botanik für Pflanzen mit Hermaphroditismus, d. h. gleichzeitig männlichem und weiblichem Geschlecht Planet Merkur
Neutrois Symbol Beschreibung Unicode-Zeichen Bedeutung 60px|zentriert|alt=Kreis mit Strich Kern der meisten Gendersymbole: Ein Kreis und ein Strich U+26B2 ⚲ Symbol für den Neutrois (Wunsch nach Abwesenheit geschlechtlicher Merkmale) 60px|zentriert|alt=Kreis Kern der anderen Gendersymbole U+26AA ⚪︎ Asexualität, Agender, Geschlechtslosigkeit Neutrois, Intergeschlechtlichkeit 60px|zentriert|alt=Kreis mit Strich Durchmesserzeichen/Durchschnittszeichen U+2300 ø U+2205 ∅ Neutrois-Symbol für geschlechtsspezifische Artikel Buchstabe Ø, Zeichen für Durchmesser, Durchschnitt oder eine Leere Menge kann auch als Androgynitätssymbol ohne Endungen gesehen werden
Weitere Symbole Symbol Beschreibung Unicode-Zeichen Bedeutung 60px|Venus- und Marssymbol Venus- und Marssymbol U+26A4 ⚤ Heterosexualität 90px|Doppeltes Venus- und doppeltes Marssymbol Doppeltes Venus- und doppeltes Marssymbol Bisexualität 60px|zentriert|alt=Doppeltes Marssymbol Doppeltes Marssymbol U+26A3 ⚣ Männliche Homosexualität, (Die hier vorgeschlagenen Sonderzeichen wurden tatsächlich mit einem um je 5 erhöhten Codepunktwert in Unicode aufgenommen.) Schwul, Gay 75px|zentriert|alt=Venus- mit doppeltem Marssymbol Venus- mit doppeltem Marssymbol Bisexualität eines Mannes 60px|Nichtbinär-Gendersymbol60px|Nichtbinär-Gendersymbol Gendersymbol mit X nichtbinäre Geschlechtsidentität 60px|alt=Doppeltes Venussymbol Doppeltes Venussymbol U+26A2 ⚢ Lesbisch, Weibliche Homosexualität 75px|zentriert|alt=Mars- mit doppeltem Marssymbol Mars- mit doppeltem Venussymbol Bisexualität einer Frau 60px|zentriert|alt=Oberon-Symbol Doppeltes O Geschlecht nicht definiert oder unbekannt 60px|zentriert|alt=O mit Fragezeichen Questioning-Symbol 60px|zentriert|alt=Erweitertes Transgendersymbol Transgeschlechtlichkeitssymbol mit Fragezeichen 60px|zentriert|alt=Kreis mit Lanze oben rechts Kombination des Männlichkeits- und Weiblichkeitssymbols (Mars- und Venussymbols) in Pose des Männlichkeitssymbols U+26A6 ⚦ 60px|zentriert|alt=Kreis mit Lanze darunter Kombination des Männlichkeits- und Weiblichkeitssymbols (Mars- und Venussymbols) in Pose des Weiblichkeitssymbols 60px|zentriert|alt=Transgender-Symbol mit Strich Symbol mit Strich, welches Leute ohne Geschlechtsidentität mit einschließt
Gender-Symbole in Genogrammen In einem Genogramm wird nur das biologische Geschlecht dargestellt. Dort stehen ein Quadrat für männlich, ein Kreis für weiblich und ein Fragezeichen für ein unbekanntes Geschlecht.Anne McMurray, Jill Clendon: Community Health and Wellness. Primary Health Care in Practice. 4th edition. Elsevier Australia, Chatswood NSW 2010, ISBN 978-0-7295-3954-8, S. 417.
Gender-Forschung In der Gender-Forschung wird der Begriff „Gender-Symbole“ auch für Symbole des täglichen Lebens verwendet, die die Teilung der Arbeitswelt nach sexuellen Aspekten beschreiben. So steht etwa der Traktor in der bäuerlichen Arbeitsteilung als Symbol für den Bauern auf dem Feld, dessen Frau auf dem Hof arbeitet.David Morgan, Berit Brandth, Elin Kvande (Hrsg.): Gender, Bodies, and Work. Ashgate Publishing, Aldershot u. a. 2005, ISBN 0-7546-4439-1, S. 92. Gender-Symbole in diesem Sinne können nur verstanden werden, indem sie in den Kontext eines größeren Systems von Symbolen und Bedeutungen gebracht werden. Dabei spielen kulturelle Überzeugungen, Konzepte, Klassifizierungen und Annahmen eine Rolle.Sherry B. Ortner, Harriet Whitehead (Hrsg.): Sexual Meanings. The Cultural Construction of Gender and Sexuality. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1981, ISBN 0-521-28375-2, S. 2.
Siehe auch Datenstandards zur Beschreibung des Geschlechts Unicodeblock Verschiedene Symbole
Literatur Ann Olga Koloski-Ostrow, Claire L. Lyons (Hrsg.): Naked Truths. Women, Sexuality, and Gender in Classical Art and Archaeology. Routledge, London u. a. 2000, ISBN 0-415-21752-0.
Weblinks
PIPS: Symbols. In: PIP-System.com. (englisch). Charles Edward Riffenburg IV: In: Lambda.org. 26. Dezember 2004 (englisch). Matt & Andrej Koymasky: Gay Symbols 1: Gender Pride and Related Symbols. In: AndrejKoymasky.com. 22. Dezember 2002 (englisch). Helma Katrin Alter: In: DGTI.org. 2002 (Website der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität).
Einzelnachweise
Kategorie:Gender Kategorie:Symbol Kategorie:Transgeschlechtlichkeit