Die Bahnstrecke Ústí nad Labem–Chomutov ist eine zweigleisige elektrifizierte Hauptbahn („celostátní draha“) in Tschechien, die ursprünglich von der k.k. priv. Aussig-Teplitzer Eisenbahn erbaut und betrieben wurde. Sie verläuft im Nordböhmischen Becken von Ústí nad Labem (Aussig/Elbe) über Teplice (Teplitz-Schönau) und Most (Brüx) nach Chomutov (Komotau).
Geschichte Vorgeschichte und Bau Zur Abfuhr der im Nordböhmischen Becken um Teplitz geförderten Braunkohle zum Elbhafen Aussig entstand im Jahre 1858 die zweigleisige Bahnstrecke von Aussig (heute: Ústí nad Labem) nach Teplitz (heute: Teplice). Zügig wurde der weitere Streckenausbau in Richtung Komotau (heute: Chomutov) fortgesetzt, um auch die Kohlegruben um Dux (heute: Duchcov) und Brüx (heute: Most) anzuschließen. Am 8. Oktober 1870 erfolgte der Anschluss zur Buschtěhrader Eisenbahn in Komotau.
Eröffnungsdaten: Aussig–Teplitz * 19. Mai 1858H. Strach: 1898, S. 365 Teplitz–Dux * 15. Juli 1867H. Strach: 1898, S. 367 Dux–Komotau * 8. Oktober 1870
In den folgenden Jahren entwickelte sich die Strecke zur am stärksten belasteten Eisenbahnstrecke in Österreich-Ungarn.
Neutrassierungen dem Zweiten Weltkrieg
Mit der Intensivierung der Braunkohleförderung nach dem Zweiten Weltkrieg mussten ab den 1950er Jahren ein großer Teil der Strecke in ihrer Linienführung verändert werden. Bereits am 10. Oktober 1954 ging die erste Neutrassierung bei Ervěnice in Betrieb. An diesem Abschnitt bestanden die Haltestellen Hořany und Holešice.
Ende der 1960er erfolgte zwischen Oldřichov u Duchcova und Most eine großzügige Neutrassierung nach Süden und Osten auf kohlefreies Gebiet. Im Tal der Bilina wurde dabei auf längerem Abschnitt die vorhandene Trasse der Bahnstrecke Plzeň–Duchcov einbezogen, deren Streckenendpunkt seitdem am Abzweig (odb.) České Zlatníky liegt. Zwischen Oldřichov u Duchcova und Bílina sowie zwischen České Zlatníky und Most wurde die Strecke dagegen vollständig neu trassiert. Die Stadt Duchcov verlor dabei ihren stadtnahen Bahnhof, der durch eine peripher auf dem Gebiet der Gemeinde Lahošt liegende Haltestelle ersetzt wurde.
Bis 1983 wurde durch den Großtagebau Důl ČSA zwischen Chomutov und Most ein bis zu 150 Meter hoher Damm aus Abraum geschüttet, der zur Zeit seiner Errichtung als höchster Bahndamm der Welt galt. Dieser Streckenabschnitt wird als Ervěnický koridor (deutsch etwa: „Seestädter Korridor“) bezeichnet. Dieser neu trassierte Abschnitt ging am 4. Juni 1984 in Betrieb. In dem Zusammenhang wurde auch die Neutrassierung von 1954 wieder aufgegeben.
Die Bahnhöfe an den neu trassierten Abschnitten erhielten moderne, teilweise brutalistisch anmutetende Aufnahmsgebäude.
Elektrifizierung
Die Strecke wurde aufgrund ihrer hohen Belastung im Güterverkehr schon frühzeitig elektrifiziert. Dabei wurden teilweise auch noch einige Streckenabschnitte mit Fahrleitungen überspannt, die wenige Jahre später zur Neutrassierung vorgesehen waren.
Folgende Tabelle zeigt die Eröffnungsdaten des elektrischen Zugbetriebes:
Eröffnung Strecke 18. September 1962 Ústí nad Labem západ–Chabařovice 10. Februar 1963 Duchcov–Třebušice 30. September 1963 Chabařovice–Duchcov 2. Oktober 1964 Ústí nad Labem hl.n.–Ústí nad Labem západ 5. Dezember 1989 Třebušice–Chomutov
Aktuelle Entwicklungen
Am 1. Jänner 1993 ging die Strecke im Zuge der Dismembration der Tschechoslowakei an die neu gegründeten České dráhy (ČD) über. Seit 2003 gehört sie zum Netz des staatlichen Infrastrukturbetreibers Správa železniční dopravní cesty (SŽDC), heute Správa železnic.
Die Infrastrukturverwaltung plant in den nächsten Jahren eine vollständige Erneuerung der Eisenbahninfrastruktur zwischen Ústí nad Labem und Chomutov. Von 2019 bis 2022 wurde zunächst der Abschnitt Oldřichov u Duchcova–Bílina mit einem Kostenrahmen von zwei Milliarden Kronen instand gesetzt. Neben den Gleisanlagen wurde auch die Leit- und Sicherungstechnik, die Brücken und die Betriebsstellen vollständig umgebaut und erneuert. Nach Abschluss der Arbeiten wurde dort Streckengeschwindigkeit von 100 km/h auf 120 bis 145 km/h angehoben.„Podkrušnohorskou magistrálu čeká modernizace, na řadě je úsek Oldřichov – Bílina“ auf zdopravy.cz mini|links|Haltestelle Bílina-Kyselka im dreigleisigen Abschnitt. Der kurze Personenzug bediente die Relation Ústí nad Labem hl.n.–Obrnice (1995) Der Abschnitt Bílina–Most soll ab 2032 vollständig erneuert werden. Im Abschnitt Bílina–odb. České Zlatníky ist der Rückbau des dritten Gleises vorgesehen. Es wird aufgrund der laufenden Stilllegung der Braunkohlegruben im Nordböhmischen Becken und des damit verbundenen Rückgangs im Güterverkehr nicht mehr benötigt. Das dreigleisige Planum soll zur Aufweitung der engen Gleisbögen genutzt werden. Vorgesehen ist eine Anhebung der Streckengeschwindigkeit von bislang 80 auf 110 km/h. Das Projekt sieht zudem die vollständige Erneuerung des Bahnhofes Bílina und den Neubau der Haltestellen Bílina kyselka und Želenice nad Bílinou vor.„Z Podkrušnohorské magistrály zmizí třetí kolej. SŽ po více než roce odstranila nedostatky v žádosti“ auf zdopravy.cz
Fahrzeugeinsatz
Im Fahrplanjahr 2025 setzt die ČD auf den Schnellzugverbindungen zwischen Prag und Cheb elektrische Lokomotiven des Typs Siemens Vectron zusammen mit neu gebauten Reisezugwagen des Typs Siemens Viaggio ein. Der Regionalverkehr wird mehrheitlich mit den elektrischen Triebzügen der ČD-Baureihe 640 abgewickelt. Die werktäglich verkehrenden Eilzüge fahren mit Lokomotiven der ČD-Baureihe 362 und modernisierten Mitteleinstiegswagen Bautzener Bauart („Honeckery“).
Literatur Ludvík Losos: Ústecko-teplická dráha. Eysenberg ERZ, Dubí 2023. ISBN 978-80-11-03960-8
Weblinks
Ústí nad Labem–Chomutov auf www.zelpage.cz Fahrplan 1944 Fahrplan 2018
Einzelnachweise
Kategorie:Bahnstrecke in Tschechien