In einem Funkrufnetz wurden besonders in der Anfangszeit der Mobiltelefonie einfachste Alarmierungsinformationen („Pieper“) oder kurze Nachrichten an Funkmeldeempfänger, auch „Pager“ genannt, übertragen. Im privaten Nutzerbereich wurde diese Funktion weitestgehend von der Mobiltelefonie bzw. dem Mobilfunk-Short Message Service (SMS) übernommen. In Österreich wurden nach der endgültigen Einstellung der Pager-Dienste der Mobilkom Austria im Jahr 2002 ab 2005 neue Pager-Netze auf digitaler Basis aufgebaut, weil sie bei zeit- und sicherheitskritischen Anwendungen entscheidende Vorteile gegenüber Mobiltelefonnetzen aufweisen. In Deutschland und Frankreich werden die landesweiten Funkrufnetze seit dem Jahr 2000 von der e*Message Wireless Information Services GmbH (eMessage) betrieben.

Aktive Systeme e*Cityruf miniatur|Verschiedene digitale Empfänger für Funkrufdienste

e*Cityruf ist der Name eines Alarmierungs- und Benachrichtigungsdienstes in Deutschland, der vom Berliner Provider eMessage betrieben wird. Bei e*Cityruf werden Mitteilungen per Funk von der e*Cityruf-Sendestelle zum tragbaren e*Cityruf-Empfänger übertragen. Der öffentliche Cityruf-Probebetrieb wurde im November 1988 in Berlin und Frankfurt am Main aufgenommen, im März 1989 wurde Cityruf offiziell als Dienstleistung der Deutschen Bundespost TELEKOM eingeführt. Im Mai 1990 wurde er ebenfalls von der Deutschen Post in der Startregion Leipzig als einziger Funkrufdienst der DDR eingeführt, offensichtlich im Vorgriff auf die absehbare Wiedervereinigung.

Ende 1999 übernahm e*Message sämtliche Funkrufdienste der DeTeMobil (nunmehr T-Mobile), darunter auch e*Cityruf. e*Cityruf wird deutschlandweit oder in sogenannten Rufzonen (insgesamt 16) ausgestrahlt, häufig mit besserer Netzversorgung als die von Mobiltelefonnetzen, insbesondere zu Zeiten großer Netzbelastung (Silvester, Großveranstaltungen, Großschadenslagen).

Im e*Cityruf gibt es drei Typen von e*Cityruf-Empfängern: Nur-Ton-Empfänger, Numerik-Empfänger und Alphanumerik-Empfänger. Die Eingabe erfolgt abhängig von der Rufklasse des Empfängers mit verschiedenen Zugangs-Rufnummern, beispielsweise über das Internet über die Website von e*Message, per E-Mail oder Telefon. Für die Eingabe von numerischen oder alphanumerischen Mitteilungen steht auch eine Handvermittlung zur Verfügung. Die Rufaussendung erfolgt über die Vorwahl 0164 plus der Rufnummer.

e*BOS-Alarmierung e*BOS-Alarmierung ist der Name eines Alarmierungsdienstes speziell für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Das e*BOS-Alarmierungsnetz wird von e*Message betrieben. Im 70-cm-Bereich und im hochsynchronen Gleichwellenbetrieb arbeitend, sorgt es für eine sekundenschnelle, gleichmäßige Versorgung der definierten Alarmierungsgebiete. Durch die überlappenden Funkzellen wird eine hohe Versorgungsgüte und Redundanz sichergestellt. Von der zuständigen Leitstelle aus erfolgt die zeitgleiche Alarmierung der jeweils erforderlichen Einsatzkräfte im gesamten Alarmierungsgebiet. Die e*BOS-Alarmierung umfasst als komplette Dienstleistung Beratung, Planung, Genehmigungen, Aufbau, Betrieb, Service und Wartung. Zu den Nutzern gehören Feuerwehren und Rettungsdienste von Landkreisen und Städten in Deutschland sowie Werkfeuerwehren von Flughäfen, Industrieparks und Unternehmen.

NP2M Paging (Funkruf), eine Spezialtechnologie im professionellen Mobilfunk, beruht in den meisten Fällen auf den weltweit etablierten Übertragungsprozeduren POCSAG und FLEX, in Europa mit einer landesweiten Ausnahme ausschließlich auf POCSAG (Post Office Code Standardization Advisory Group). NP2M (Narrowband Point to Multipoint) schließt Paging ein und hat sich zu einer durch CEPT (Conférence Européen des Administrations des Postes et des Télécommunications) und ETSI (European Telecommunications Standards Institute) anerkannten eigenen Übertragungsgruppe entwickelt. NP2M ermöglicht Anwendungen, die mit anderen Systemen nicht realisierbar sind, geht sehr sparsam mit den Ressourcen Energie und Frequenz um und kann mit hoher Versorgungsgüte und Wirtschaftlichkeit sehr viele Empfänger gleichzeitig mit teilweise identischen Informationen erreichen. So werden z. B. dynamisch aktualisierte Wettervorhersagen für mehrere Tage im Voraus auf rund drei Millionen satellitengestützte Funkwetterstationen in deutschen und französischen Haushalten übertragen. Die Übertragung erfolgt über die landesweiten Funkrufnetze der e*Message-Unternehmensgruppe. Als eines der Hauptanwendungsgebiete für NP2M sieht ETSI darüber hinaus die rechtzeitige Warnung der Bevölkerung für folgende Zielgruppen: Haushalte, Bildungseinrichtungen, Industrie, Ersthelfer wie Rettungsdienste und Feuerwehren.

ERMES ERMES (European Radio Messaging Services) ist ein Funkrufdienst mit zellularer Struktur, der als standardisierter europäischer Funkrufstandard im Frequenzbereich von 169,4 bis 169,8 MHz und mit 16 Kanälen zu je 25 kHz Bandbreite konzipiert wurde. Beschlossen wurde die Einführung von den CEPT-Ländern im Jahr 1986. Die Anzahl der zu nutzenden Frequenzen sei vom weiteren Ausbau des europäischen Netzes abhängig.

Ermöglicht durch das am 1. August 1996 in Deutschland in Kraft getretene Telekommunikationsgesetz, wurden im September desselben Jahres drei bundesweite und zehn regionale Lizenzen bzw. Frequenzen auf ERMES-Basis versteigert. Die Einführung musste jedoch unterbrochen werden, da durch ERMES das Kabelfernsehen erheblich gestört wurde.

Iridium-Paging

Iridium-Paging ist ein weltweiter Funkrufdienst des Satellitenbetreibers Iridium. Es steht wahlweise als Follow-Me-Paging in Verbindung mit einem Iridium-Satellitentelefon oder als Stand-Alone-Paging zur Verfügung. Die Stand-Alone-Variante wurde zeitweise auch von eMessage unter dem Namen e*Cityruf Global vermarktet.

Inmarsat-Paging

Inmarsat-Paging ist ein weltweiter Rufdienst via Satellit, der speziell für die Anwendung auf See konzipiert wurde.

mini|DAPNET: Amateurfunk-Pager-Netzwerk weltweit Amateurfunk-Paging/DAPNET

Funkamateure betreiben in Deutschland und den angrenzenden Ländern ein eigenes, digitales Funkrufnetz nach dem POCSAG-Übertragungsstandard im 70-Zentimeter-Band auf der Frequenz 439,9875 MHz. Zum Einsatz kommen sowohl modifizierte, kommerzielle Sender, wie auch Eigenbaulösungen. Um gegenseitige Störungen der Sender untereinander zu vermeiden, wird auf ein TDMA-Verfahren mit 16 Zeitschlitzen zurückgegriffen. Die Sender erhalten die auszusendenden Inhalte von untereinander vernetzten Servern, hier existieren zwei Systeme: Der ältere „Funkrufmaster“ wurde für den Einsatz mit AX25-Packet-Radio konzipiert, das neuere „Decentralized Amateur Paging Network“, kurz „DAPNET“, basiert auf dem TCP-IP-Protokoll und wickelt die Verbindungen der Knotenrechner und Sender untereinander über das HAMNET ab. Ausgesendet werden allgemeine Informationen (Ausbreitungsbedingungen, Wetterberichte, DX-Cluster etc.), sowie Personenrufe; Zivilschutzmeldungen sind geplant. Während die Aussendung von Funkrufen nur lizenzierten Funkamateuren vorbehalten ist, ist die Auswertung dieser Funkruffrequenz jedermann gestattet. Dies ist mit einem geeigneten Funkscanner, einer Soundkarte und Software wie Poc32 möglich.

Sonstige Funkrufnetze miniatur|Alphanumerischer Pager, der den empfangenen Text in Sprache umsetzt. In Deutschland gibt es außerdem noch zahlreiche, räumlich begrenzte Funkrufdienste im Bereich der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, die von diesen zur Alarmierung von Einsatzkräften mittels Pagern benutzt werden.

Nicht mehr aktive Systeme Birdie Birdie (engl. Vögelchen) war ein Mobilfunkdienst der Deutschen Bundespost Telekom (im Folgenden auch als Telekom bezeichnet), der mit einem schnurlosen Handgerät im Umkreis von 50 bis 300 Meter um eine speziell gekennzeichnete Vermittlungsstation (primär Telefonzellen) abgehende Telefonate ermöglichte. Mit demselben Handgerät konnte man darüber hinaus zu Hause wie gewohnt mit einer entsprechenden Heimstation sowohl abgehende wie ankommende Anrufe tätigen bzw. entgegennehmen. Die Telekom plante, Birdie-Vermittlungsstationen an belebten Plätzen wie Einkaufszentren, Ladenpassagen, Bahnhöfen und Flughäfen einzurichten.

Der im Rahmen eines Feldversuches von Oktober 1990 bis September 1991 in Münster (analog, CT1+) und München (digital, CT2) erprobte Dienst hatte der Telekom zufolge, insbesondere vor dem Hintergrund des in den Startlöchern stehenden Mobilfunkdienstes D1, keine ausreichenden Marktchancen mehr in Deutschland. Deshalb wurde der Feldversuch Mitte 1993 in München eingestellt.

1991 betrug die monatliche Grundgebühr für Birdie 8,80 DM (das entspricht inflationsbereinigt heutigen  Euro) und für eine eigene Heimstation zahlte der Kunde zusätzlich monatlich 15 DM (entsprechend  Euro). Über eine Birdie-Station vermittelte Anrufe kosteten während des Feldversuchs 0,39 DM (entsprechend Euro) pro Einheit (Ortsgespräch zum Normaltarif) und die über die Heimstation geführten Telefonate 0,23 DM (entsprechend  Euro).

Der allgemeine Oberbegriff für diese Art von Mobilfunk war Telepoint. In anderen Staaten Europas und Asiens wurde dieser Dienst zum Teil mit Erfolg als Regelbetrieb durchgeführt. Die Idee, mit demselben Gerät unterwegs und – zu günstigeren Konditionen – zu Hause zu telefonieren, wird aktuell von Mobilfunkangeboten mit „Homezone“ verwirklicht (etwa Genion von O₂).

Chekker Chekker war ein öffentlicher Mobilfunkdienst der Deutschen Bundespost Telekom, bei dem Kunden mit Funkgeräten über eine Entfernung von bis zu hundert Kilometer miteinander kommunizieren konnten. Chekker mit Reichweiten bis zu 100 Kilometer wurde insbesondere von Unternehmen mit Außenstellen genutzt und sollte den herkömmlichen Betriebsfunk ersetzen, der mit Reichweiten von 10 bis 15 Kilometer nur für innerbetriebliche Kommunikation zur Verfügung stand.

1990 wurden die ersten Chekker-Funknetze in Berlin und Frankfurt am Main eingerichtet, weitere acht Städte waren ab 1991 geplant.

Die Funkdienste der seit 1992 in Konkurrenz zur Telekom anbietenden 28 privaten Unternehmen durften seit April 1993 zwischen den Funkstationen eigene Übertragungswege aufbauen, die bis dahin von der Telekom gemietet werden mussten. Private Funkdienste erlauben Anrufe von Funkgerät zu Telefon und umgekehrt. Chekker ermöglichte lediglich Anrufe von Funkgerät zu Telefon.

Chekker wies gegenüber dem privaten Betriebsfunk einige Vorteile auf: Der Teilnehmer nutzte das öffentliche Funknetz, ihm entstanden keine Kosten für den Aufbau einer eigenen Infrastruktur (zum Beispiel für Einrichtung und Wartung eines Sendemastes). Die Gespräche wurden gleichmäßig auf die verfügbaren Kanäle verteilt (sogenannte Bündelfunktechnik); freiwerdende oder vorübergehend nicht genutzte Frequenzen wurden sofort anderweitig vergeben, so dass Wartezeiten auf eine der nur begrenzt vorhandenen Frequenzen entfallen. Durch Umverteilung der Kanäle während des Gesprächs war ein gewisser Schutz vor Mithören gewährleistet.

Anfang 1993 waren in Deutschland insgesamt 27 Chekker-Funknetze eingerichtet, davon zehn in Ostdeutschland. Bei der Telekom waren 32.000 Chekker-Geräte angemeldet, 19.000 davon in den neuen Ländern. Mitte 1993 kostete das Gerät für die Chekker-Zentrale knapp 4.000 DM (entspricht inflationsbereinigt etwa  Euro), ein Funkgerät rund 2.500 bis 3.500 DM (– Euro). Für die Anmeldung des Funkgerätes bei der Telekom zahlte der Kunde 65 DM ( Euro) und die monatliche Gebühr pro Funkgerät, mit der auch alle Gesprächskosten abgegolten waren, betrug 59,80 DM ( Euro).

Im März 1999 wurde die Chekker ProRegio Bündelfunk GmbH & Co. Deutschland KG von der Telekom an den Mitbewerber RegioKom verkauft. In einem weiteren Schritt wurde die RegioKom in Dolphin Telecom (Deutschland) GmbH umbenannt, welche nun die analogen Bündelfunknetze der ehemaligen RegioKom, Quickfunk und Chekker, weiterführte. Diese Netze wurden später unter der gemeinsamen Marke „Chekker“ zusammengefasst.