mini|Yasmin Fahimi ist seit Mai 2022 Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ist die größte Dachorganisation von Einzelgewerkschaften in Deutschland. Ihm gehören acht Mitgliedsgewerkschaften mit rund 5,4 Millionen Gewerkschaftern an. Diese decken alle Branchen und Wirtschaftsbereiche ab.
Der Gewerkschaftsbund ist von Anfang an dem Prinzip der Einheitsgewerkschaft verpflichtet. Das heißt, diese sind parteipolitisch neutral. Sie stehen allen Arbeitnehmern offen, unabhängig von parteipolitischen, religiösen oder anderen weltanschaulichen Überzeugungen.
Der Geschäftsführende DGB-Bundesvorstand hat seinen Sitz in Berlin. Mitglieder im geschäftsführenden DGB-Bundesvorstand sind die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi, die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack und die Vorstandsmitglieder Stefan Körzell und Anja Piel.
Der DGB vertritt die Interessen der acht Mitgliedsgewerkschaften gegenüber den politischen Entscheidungsträgern, Parteien und Verbänden in Bund, Ländern und Gemeinden. Der Gewerkschaftsbund ist föderal gegliedert: Es gibt 9 Bezirke, 59 Regionen und 347 Kreis- und Stadtverbände. Der DGB koordiniert die gewerkschaftlichen Aktivitäten, dazu gehören die Vertretung gewerkschaftlicher Interessen in politischen Gremien, bei Anhörungen im Deutschen Bundestag oder den Landtagen sowie die Organisation von Kampagnen wie etwa zum Tag der Arbeit, dem 1. Mai.
Zudem bringt der Dachverband Konzepte zu verschiedenen politischen Themen in der politischen Debatte ein, etwa zu den Themen Arbeitsmarkt, Arbeitsbedingungen, Rente, Kranken- und Pflegeversicherung, der Frauen- und Gleichstellungspolitik, Transformation der Arbeitswelt oder in der Steuer- und Finanzpolitik.
Alle vier Jahre entscheiden Delegierte aus den acht Mitgliedsgewerkschaften im Rahmen des DGB-Bundeskongresses über die politischen Ziele des DGB. Der letzte Bundeskongress fand 2022 in Berlin statt. Bei den Vorstandswahlen wurde Yasmin Fahimi mit 93,23 Prozent der Stimmen zur neuen DGB-Vorsitzenden gewählt. Sie folgte auf Reiner Hoffmann, der seit 2014 im Amt war.
Der DGB arbeitet auf internationaler Ebene im Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB) und im Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB) mit und vertritt die deutsche Gewerkschaftsbewegung bei internationalen Institutionen wie der EU und der UNO.
Geschichte miniatur|Gedenktafel im Deutschen Museum (München) zur Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes miniatur|Gründungsurkunde des Deutschen Gewerkschaftsbundes von 1949 miniatur|Mitgliedsbuch des DGB von 1954 miniatur|Wahlprüfsteine des DGB 1987 zur Bundestagswahl
Erste Schritte zur Gründung einer Einheitsgewerkschaft fanden noch vor Ende des Zweiten Weltkrieges statt. Am 18. März 1945 trafen sich Gewerkschafter in der bereits von US-Truppen befreiten Stadt Aachen, um einen Gründungskongress abzuhalten. Der DGB selbst wurde am 12. Oktober 1949 in München gegründet. Damals verabschiedete der Bundeskongress der Gewerkschaften die „Satzung des DGB“, die zwischenzeitlich mehrmals geändert bzw. neu gefasst wurde.Satzung des DGB, abgerufen am 29.1.18 Demnach ist der DGB eine „Vereinigung von Gewerkschaften“ mit Sitz in Berlin.
Vorläufer des DGB war der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB). Von 1919 bis 1933 nannte sich der Dachverband der Christlichen Gewerkschaften (und anfangs auch der liberalen) DGB (heute CGB). In der Weimarer Republik haben sich die verschiedenen Gewerkschaften politischen Grundrichtungen zugeordnet (Richtungsgewerkschaften). Sie bekämpften sich zum Teil gegenseitig. Das schwächte sie gegenüber dem aufkommenden Nationalsozialismus, der die Gewerkschaften als unabhängige Organisationen bereits 1933 ausschaltete.
In der DDR gab es den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB), welcher jedoch nicht mit dem DGB vergleichbar ist, weil er nicht in der Lage war, die Interessen der Arbeitnehmer unabhängig gegenüber Partei und Staat zu vertreten.
Zentrale Erfolge Die DGB-Gewerkschaften haben in zahlreichen Auseinandersetzungen eine Reihe von Erfolgen für ihre Mitglieder erreicht.Siehe dazu die Stichworte auf der DGB-Website: Dazu zählt – neben den Lohnerhöhungen – die Etablierung der Mitbestimmung in Unternehmen, die Verkürzung der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit, die 5-Tage-Woche als Standard-Arbeitswoche für Beschäftigte, die Durchsetzung der Lohnfortzahlung im Fall von Krankheit, das Erkämpfen von bezahlten Jahresurlaub und Urlaubsgeld in sehr vielen Tarifverträgen, die Verbesserung rechtlicher Regeln zum Arbeitsschutz, Kündigungsschutz, zur sozialen Sicherheit (bei Arbeitslosigkeit, Unfall, Krankheit, Alter und Pflege) und zur Sicherung von Beschäftigung sowie verbesserte Ausbildungsbedingungen. Als ein Meilenstein in jüngerer Zeit gilt die Durchsetzung eines Mindestlohns in Deutschland.
Bundeskongresse, Grundsatz- und Aktionsprogramme (Quelle: DGBChronologische Übersicht DGB) 12.–14. Oktober 1949: Der Gründungskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für die Bundesrepublik Deutschland in München wählt Hans Böckler zum ersten Vorsitzenden. Die weltanschauliche Spaltung in Richtungsgewerkschaften wird durch die Einheitsgewerkschaft überwunden. Das „Parlament der Arbeit“, so die Bezeichnung und das Selbstverständnis dieses und der späteren DGB-Kongresse, beschließt wirtschafts- und sozialpolitische Leitsätze mit den Forderungen nach Sozialisierung der Schlüsselindustrien, Wirtschaftsplanung und Mitbestimmung 16. Februar 1951: Hans Böckler stirbt. Nach seinem Tod wird Christian Fette vom außerordentlichen DGB-Kongress in Essen im Juni zum DGB-Vorsitzenden gewählt. 13.–17. Oktober 1952: Der 2. ordentliche DGB-Bundeskongress wählt Walter Freitag, bisher Vorsitzender der IG Metall, zum DGB-Vorsitzenden. 1. Mai 1955: Im Aktionsprogramm des DGB wird die vierzigstündige Fünf-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich gefordert. Eine populäre Kampagne mit dem Motto „Samstags gehört Vati mir“ unterstreicht ab 1956 das Anliegen.Vgl. Sascha Kristin Futh: Der DGB entdeckt die Kampagne. Der Kampf um den arbeitsfreien Samstag, in: Arbeit – Bewegung – Geschichte, Heft II/2016. 1.–6. Oktober 1956: Der 4. ordentliche Bundeskongress des DGB wählt Willi Richter zum Vorsitzenden. 22.–27. Oktober 1962: Der 6. ordentliche DGB-Bundeskongress in Hannover wählt Ludwig Rosenberg zum DGB-Vorsitzenden. Inhaltlich lehnte der DGB die Notstandsgesetze ab und entschied sich für Selbstbestimmung und Wiedervereinigung und gegen die Verletzung der Menschenrechte durch die DDR. Zudem wurde gleicher Lohn für Frauenarbeit gefordert. Im zweiten beamtenpolitischen Programm forderte der DGB die Anpassung der Beamtengesetzgebung an moderne Gegebenheiten. 21.–22. November 1963: Der DGB beschließt auf seinem außerordentlichen Kongress in Düsseldorf ein neues Grundsatzprogramm, das die Sozialisierungsforderungen des Münchener Programms von 1949 abschwächt, aber nicht aufgibt. 23. März 1965: Das Aktionsprogramm des DGB fordert unter anderem kürzere Arbeitszeit, ein 13. Monatsgehalt und vier Wochen Mindesturlaub. 21. Mai 1969: Der 8. DGB-Kongress in München wählt Heinz Oskar Vetter zum neuen DGB-Vorsitzenden. 25.–30. Juni 1972: Der 9. Kongress in Berlin verabschiedet ein Aktionsprogramm. „Forderung Nr. 1“ ist die Mitbestimmung. Juni 1979: In einem Aktionsprogramm fordert der DGB die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen. 12.–14. März 1981: Der außerordentliche Bundeskongress des DGB verabschiedet in Düsseldorf ein neues Grundsatzprogramm, das die Forderungen des Programms von 1963 vor allem in der Friedens- und der Umweltpolitik ergänzt. Oktober 1988: Der DGB beschließt ein Aktionsprogramm für Beschäftigungspolitik und Vollbeschäftigung. 20.–26. Mai 1990: Der 14. ordentliche DGB-Bundeskongress in Hamburg wählt Heinz-Werner Meyer, den Vorsitzenden der IG Bergbau und Energie, zum Nachfolger Ernst Breits (seit 21. Mai 1982) im Amt des DGB-Bundesvorsitzenden. 13.–17. Juni 1994: Der 15. ordentliche Bundeskongress des DGB wählt Dieter Schulte nach dem Tod Heinz-Werner Meyers zum Vorsitzenden. 12. Juli 1995: DGB-Programm zur Förderung der beruflichen Bildung. Allen Jugendlichen soll eine berufliche Ausbildung ermöglicht werden. 13.–16. November 1996: Der DGB beschließt auf seinem außerordentlichen Bundeskongress in Dresden ein neues Grundsatzprogramm, das die sozial regulierte Marktwirtschaft zum Ziel erklärtGrundsatzprogramm des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) (PDF, 312 kB), abgerufen am 16. April 2018 (s. u.). 5. März 1997: Der DGB beschließt das Aktionsprogramm „Für Arbeit und soziale Gerechtigkeit“Aktionsprogramm des DGB 1997 (s. u.). 27.–31. Mai 2002: Der 17. Ordentliche Bundeskongress des DGB wählt Michael Sommer zum Nachfolger von Dieter Schulte. 22.–26. Mai 2006: 18. Ordentlicher Bundeskongress des DGB, Berlin – „Die Würde des Menschen ist unser Maßstab“18. Ordentlicher DGB-Bundeskongress – Mai 2006 Am 14. und 15. Mai 2009 veranstaltete der DGB einen „Kapitalismuskongress“,Dokumentation Kapitalismuskongress I 14.-15. Mai 2009 (ZIP, 4 MB), abgerufen am 16. April 2018 auf dem er sich mit der damaligen Weltwirtschaftskrise auseinandersetzte. 16.–20. Mai 2010: 19. Ordentliche Bundeskongress des DGB in Berlin – „Arbeit. Gerechtigkeit. Solidarität.“19. DGB-Bundeskongress - Parlament der Arbeit, abgerufen am 16. April 2018 11.–16. Mai 2014: 20. Ordentliche Bundeskongress des DGB in Berlin – „Arbeit. Gerechtigkeit. Solidarität.“Informationen zum Parlament der Arbeit – 20. Ordentlicher Bundeskongress Reiner Hoffmann wird zum Nachfolger von Michael Sommer gewählt. 13.–17. Mai 2018: 21. Ordentliche Bundeskongress des DGB in Berlin – „SOLIDARITÄT_VIELFALT_GERECHTIGKEIT“ 8.–12. Mai 2022: 22. Ordentliche Bundeskongress des DGB in Berlin – „Zukunft gestalten wir.“ Yasmin Fahimi wird zur Nachfolgerin von Reiner Hoffmann gewählt. Der DGB-Bundeskongress fand vom 10. bis 13. Mai 2026 in Berlin statt und diskutierte unter dem Motto „Stärker mit uns“ Themen wie gute Arbeit, soziale Sicherheit und starke Wirtschaft. Yasmin Fahimi wurde erneut zur DGB-Vorsitzenden gewählt.
Fusionen von Mitgliedsgewerkschaften Bei Gründung des DGB 1949 hatte dieser insgesamt 16 Mitgliedsgewerkschaften. 1972 gehörten dem DGB 6,98 Millionen Mitglieder an.
1978 schloss sich die Gewerkschaft der Polizei (GdP) als 17. Gewerkschaft dem DGB an. 1989 fusionierte die Gewerkschaft Kunst mit der IG Druck und Papier, so dass sich die Mitgliederzahl wieder auf 16 reduzierte. 1996 fusionierten die IG Bau-Steine-Erden und die Gewerkschaft Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft zur IG Bauen-Agrar-Umwelt (BAU), so dass es 15 Mitglieder waren. 1997 fusionierten die IG Bergbau und Energie (IG BE), die IG Chemie-Papier-Keramik (IG Chemie) und die Gewerkschaft Leder zur IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), damit waren es noch 13 Mitglieder. 1998 bzw. 2000 gingen die Gewerkschaft Holz und Kunststoff und die Gewerkschaft Textil-Bekleidung in der IG Metall auf. Somit gab es noch elf Mitglieder, und 2001 fusionierten vier Mitgliedsgewerkschaften (Deutsche Postgewerkschaft (DPG), Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), Handel, Banken und Versicherungen (HBV) und IG Medien – Druck und Papier, Publizistik und Kunst (IG Medien)) des DGB unter Einbeziehung der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG), die nicht Mitglied im DGB war, zur neuen Gewerkschaft ver.di. Somit gibt es seit März 2001 nur noch acht Mitgliedsgewerkschaften im DGB. Am 30. November 2010 vereinigten sich Transnet und die GDBA (die aber kein Mitglied des DGB war) zur Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die Zahl der Mitgliedsgewerkschaften blieb somit konstant.
Mitgliederzahlen