Wattwiller (, elsässisch Wăttwillr) ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Arrondissement Thann-Guebwiller im Département Haut-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass).
Der Ort ist durch seine schon von den Römern genutzten Quellen und sein Mineralwasser bekannt. mini|hochkant=1.2|Blick auf das Dorf mit Bergkulisse mini|hochkant=1.2|Blick auf das Dorf vom Nodelberg aus
Geografie Der Ort liegt am Fuß des Hartmannswillerkopfes, eines der am meisten umkämpften Kriegsschauplätze im Elsass während des Ersten Weltkrieges. Das Gemeindegebiet gehört zum Regionalen Naturpark Ballons des Vosges.
Das Dorf liegt an den unteren Ausläufern der Südvogesen, in einem Übergangsbereich zwischen Berghängen und Rheinebene. Die Besiedlung hatte ursprünglich an dem sanften Hang neben einem Bergbach (Siehlbach) begonnen. Der kegelförmige Hirtzenstein (571 m) mit seinem Fels, die felsige Erhebung Herrenfluh (857 m) mit ihrem langgezogenen Vorsprung Eichwald-Nodelberg-Mamberg und, etwas weiter, die Hänge des Molkenrains (1126 m) und des Hartmannswillerkopfs (956 m) stellen zusammen die im Hintergrund liegende Bergkulisse dar.
Das Tal des Siehlbachs bildet zugleich das Einzugsgebiet der oberflächlichen sowie auch der einsickernden Gewässer, die dann nach langer Zeit durch ihren unterirdischen Lauf zu Mineralwasser werden.
Der Ortskern befindet sich in einer Höhe von etwa 360 Metern, doch das Gemeindegebiet erstreckt sich nach oben bis zu den Höhen des Molkenrains (1125 m). Die Bewaldung der Berghänge besteht aus einem Mischwald, worin die Laubbäume überwiegen. Landwirtschaftliche Böden befinden sich auf dem südlichen und östlichen Teil der Gemeinde im flacheren Gelände und werden für Ackerbau und Rinderzucht genutzt. Die Vorgebirgshügel Weckenberg und Nodelberg eignen sich für den Weinbau und wurden schon von alters her mit Weinreben und Obstbäumen bepflanzt.
Auf der Gewerbefläche an der Weinstraße (D 5) entlang befinden sich die Niederlassung Frankreich des Loos-International-Konzerns (Kesselsysteme für Dampf und Heißwasser) und die moderne Einrichtung der Wasserabfüllanlage. Außerdem beziehen sich die einzelnen gewerblichen Betriebe vorwiegend auf das Bauwesen.
Ein 4-Sterne-Campingplatz ist oberhalb des Dorfes mitten im Wald angelegt. Etwa 150 schattige Stellplätze, Mietwohnungen, mehrere Freizeitsportanlagen, zwei Schwimmbecken, eine Reitschule und ein Restaurant sind auf einer Fläche von 15 ha verteilt.
Geologie Die geologischen Grundlagen der Gemarkung Wattwiller können nur in Zusammenhang mit der Tektonik des Vogesenmassivs und des Rheingrabens nachvollzogen werden.Carte géologique de la France à 1/50 000, feuille de Thann – BRGM Editions, avenue Claude-Guillemin – 45060 Orléans Durch die langsame und weitgehende Senkung des Oberrheintals kam es seit dem Eozän zu einer vertikalen Verschiebung zwischen dem „alten“ herzynisch-variszischen Vogesenmassiv und der „jüngeren“ Ablagerungen, die sich seitdem auf dem Sockel des Rheingrabens angefüllt haben. Somit befinden sich jetzt die aus dem Paleozoikum stammenden Gesteine in höheren Lagen als jene im Oberrheintal aufgeschichteten Ablagerungen des Quartärs und des Känozoikums.
Durch diese tektonischen Bewegungen ist der Bergfußbereich mit zwei Hauptverwerfungen gekennzeichnet: der Vogesenbruch (faille vosgienne) und der Rheintalbruch (faille rhénane).
Die oberen Abschnitte des Molkenrains und des Hartmannswillerkopfes bestehen bekanntlich aus Vulkangesteinen, die von einer vulkanischen Tätigkeit im unteren Karbon, d. h. zur Viséumszeit, zeugen. Dabei handelt es sich um feldspatreiche Ergussgesteine, wie quarzhaltige Latiten, die aus Lavaströmen entstanden und abwechselnd mit pyroklastischen Ablagerungen, den sogenannten Ignimbriten, aufgeschichtet sind. Diese Struktur entspricht dem Grundmuster eines ehemaligen Stratovulkans.
Aus der Tiefe aufgestiegene Granitaufschlüsse sind nicht in unmittelbarer Nähe, sondern etwas weiter bei Goldbach-Großbelchen vorhanden.
In den etwas niedrigeren Lagen, z. B. im Siehlbachtal, kommen auch marine Sedimentgesteine vor, die durch Ablagerung von feinkörnigen Bruchteilen aus klastischer und vulkanischer Herkunft entstanden sind. Im erweiterten Sinn spricht man von Grauwacken, die aber je nach Lage unterschiedliche Bestandteile aufweisen können. Dem Vogesenbruch entlang hat die Zermalmung des Urgesteins die Bildung einer quarzhaltigen Brekzie – wie sie z. B. am Hirtzenstein vorkommt – nach sich gezogen.
Am Sandgrubenkopf bleiben einige Aufschlüsse von rotem Sandstein und Konglomeraten aus dem Trias übrig. Die Hügel Weckenberg und Nodelberg bestehen aus Konglomeraten, die stellenweise aus dem Oligo- bzw. Pliozän stammen.
Das weit ausgedehnte, leicht geneigte, am Bergrand liegende Glacis, ist mit kolluvialen Ablagerungen aus dem Pleistozän (Zwischeneiszeiten des mittleren Quartärs) überdeckt. Da und dort sind spärliche Überreste der Lössdecke noch vorhanden, wohingegen die Nachbargemeinde Berrwiller über eine dickere (2 bis 4 m) und weniger lockere Lössschicht verfügt.
Im Quellfassungsbereich der Mineralquellen stießen die mehrmals wiederholten Bohrungen auf Mergel-, Gips- bzw. Kalkschichten des Keupers, und – weiter unten – auf die beträchtliche Kalkschicht des Muschelkalks.
Siehe auch: Geologische Zeitskala
Geschichte Der Ursprung des Dorfes Wattwiller ist mit der Anwesenheit von Thermalquellen verbunden. Diese mögen vielleicht schon den Kelten bekannt gewesen sein, aber ganz sicher den Römern, da 1874 die Entdeckung von Dachziegeln und Wasserleitungen dieser Epoche darauf hinweist. Der Name Wattwiller könnte von den Quellen ableiten (Wattwiller= Wasserweiler?). Mit größerer Wahrscheinlichkeit aber stammt der Ortsname von einem gewissen Watto, einem Oberhaupt der Alamannen oder der Franken. „Willer“ kommt aus dem Spätlatein „villare“ (gallorömische Siedlung). Ende des fünften Jahrhunderts wanderte ein Mönch, der das Evangelium verkündigte, an diesen Ort und gründete dort eine erste Stelle christlicher Verehrung.
Vom Mittelalter bis zum Ersten Weltkrieg Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung des Dorfes stammt von 727. Mehrere Klöster besaßen dort Eigentum, insbesondere Acker- und Weinbaugelände. 735 wurde der Ort „Wattonvillare“ von Graf Eberhard von Elsass zur Gründung des Klosters Murbach diesem zugewiesen. Die Vogtei – also die weltliche Herrschaft – befand sich als Lehen für einige Zeit bei Habsburg, bis sie dann 1259 wieder an die Fürstabtei Murbach überging. Innerhalb dieses Fürstentums gehörte Wattweilere zum Amt Wattweiler, dessen „Hauptstadt“ es war.
Etwa um 1270 ließ der Fürstabt Wattweiler mit Befestigungen umgeben und erhob die Ortschaft zur Stadt. Zu gleicher Zeit wurden auf umgebenden Erhebungen die Burgen Weckenberg, Herrenfluh und Hirzenstein errichtet.
Die Geschichte Wattweilers ist durch Schlachten, Plünderungen, Massenmorde gekennzeichnet. So war es zum Beispiel 1375 mit den „englischen Scharen“ von Enguerrand de Coucy und 1444 mit den Armagnacs-Reiterschaften. Ostern 1445 wurden diese im Nonnenbrucherwald bei Sennheim von den Bewohnern mithilfe derjenigen von Thann, Sennheim und Sulz bis zu deren Niederlage bekämpft. 1468 musste sich die von den Schweizern belagerte Stadt ergeben und mit der Schweiz vereinigen.
mini|hochkant=1.2|1634: Die Schlacht vor „Wattweil“ (Kupferstich von Matthäus Merian)Musée de la Porte de Thann 1 rue de Thann 68700 Cernay
Am 5. September 1525, während des Bauern-Aufstandes, wurde die befestigte Stadt von den Bauern aus dem Sundgau erstürmt, aber die Einwohner schlugen sie mit Hilfe des Herrn von Hirzenstein wieder zurück.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) hatte der Ort sehr zu leiden. Am 2. März 1634 liefern die kaiserlichen Truppen den schwedischen Scharen auf dem Gemeindebann eine blutige Schlacht, die 1500 Tote zurücklässt. Nach ihrem Sieg stürmen die Schweden die Stadtmauer, plündern und begehen Mord und Totschlag. Im Jahr 1652 sind es die Lothringer, die Wattwiller nach einem kurzen Angriff verwüsten. Nach dem Westfälischen Frieden wird die Stadt im August 1680 mit dem Elsass an Frankreich angeschlossen.
Nach einer längeren friedlichen Zeit während des 18. Jahrhunderts endet mit der Verwaltungsneuordnung der Französischen Revolution (1789/90) die feudale Epoche und somit auch die Herrschaft der Abtei Murbach.
Geschehen im Ersten Weltkrieg Wegen seiner wichtigen Lage wurde der Hartmannsweilerkopf ab Dezember 1914 bis Januar 1916 hart umkämpft. Die an seinem Fuße liegenden Dörfer Uffholz, Wattweiler, Wünheim und Hartmannsweiler wurden durch die Geschosse immer wieder schwer getroffen.
mini|hochkant=1.2|1922: Abriss und Aufbau (Kirche im Hintergrund)
Da der Stellungskrieg lange andauerte, machte die deutsche Armee aus Wattwiller einen wichtigen Nachschubstützpunkt. Um das benötigte Material zu befördern, wurde vom Sulzer Bahnhof aus bis zu einer Stelle im Wattweiler Wald die Sulzerbahn gebaut. Unweit des Dorfes im nahen Forstgebiet wurden zahlreiche Soldatenlager eingerichtet. Ein deutscher Führungsstab besetzte sämtliche Gebäude der Badeanstalt.
Wegen der ständigen Bombardierungen musste die Bevölkerung schon im Dezember 1914 evakuiert werden. Als die Einwohner am Ende des Krieges wieder zurückkehrten, trafen sie auf ein völlig zerstörtes Dorf. Man lebte teilweise in den zertrümmerten Häusern, teilweise in Holzbaracken. Der Wiederaufbau dauerte bis in die 1930er-Jahre hinein.
Kriegsgräberstätten aus der Zeit der Schlacht um den Hartmannsweilerkopf sind Nécropole nationale du Silberloch - Hartmannswillerkopf, Deutsche Kriegsgräberstätte Cernay und Kriegsgräberstätte Guebwiller.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 Einwohner 879 1020 1135 1186 1506 1593 1721
Partnerschaften Wattwiller ist seit 1965 mit der deutschen Ortschaft Wasenweiler am Kaiserstuhl, die seit 1974 an die Gemeinde Ihringen angegliedert ist, in einer Partnerschaft verbunden.
Mineralwassergewinnung mini|Logo des Wattwiler Mineralwassers mini|hochkant=1.2|Abfüllbetrieb Das lokale Vorkommen von Mineralwasser war schon zu Römerzeiten bekannt und wurde wohl schon damals als Trink- oder Badewasser genutzt. Die Quellen liegen am Fuß der Südvogesen am Rand eines Naturparks, dessen industrie- und landwirtschaftsfreier Raum strengen Schutzmaßnahmen unterliegt.
Das Grundwasser sickert hier durch unterschiedliche Vulkangesteine aus dem Paleozoikum sowie auch Gips- und Kalkschichten aus dem Keuper bzw. dem Muschelkalk. Dadurch reichert sich das natürliche Wasser mit wertvollen Mineralien an, bevor es wieder an die Erdoberfläche kommt. Der gesamte Quellfassungsbereich ist durch eine aus dem Quartär entstandene Tonschicht gegen das oberflächliche Sickerwasser abgeschirmt – somit bleibt das Grundwasser nitrat- und keimfrei.
Halbtiefe Bohrungen bringen das Wasser ans Tageslicht: Im vergangenen Jahrhundert wurde es durch die zwei Quellfassungen „Arsène“ und „Lithinée“ gewonnen; die derzeitige Quellfassung heißt „Artesia“ und liegt etwa 220 Meter unter der Erdoberfläche.
Weitere tiefe Bohrungen wurden in den letzten Jahren in der Nähe der geologischen Hauptverwerfung durchgeführt, um warmes Thermalwasser aufzudecken. Obwohl die Bohrungen in dieser Hinsicht ergebnislos blieben, stellte sich gleichzeitig heraus, dass der unterirdische Wasserspeicher beträchtlich ist.
Im Lauf der Zeit nahmen zunächst die Äbte von Murbach ab dem 15. Jahrhundert die Nutzung der Quelle in Besitz, bis sie dann die Verwaltung an die „Stadt“ Wattweiler 1522 übergaben. Anfang des 14. Jahrhunderts hatte die mächtige Abtei den Ort zur festen Stadt erhoben. Von da an bis 1712 wurde im damals so benannten „Badviertel“ eine „Badstube“ betrieben.
Um 1760 gab es dank der Vergrößerung und Erneuerung der Anstalt sowie nach der Bekanntmachung einer ersten Analyse des Mineralwassers einen vorübergehenden Aufschwung. Hin und wieder kam es aber zu Rückschlägen und die Badeanstalt wechselte mehrmals den Besitz.