mini|hochkant|Peter Gülke mit dem Orden Pour le Mérite (2025) Peter Ludwig Gülke (* 29. April 1934 in Weimar; † 26. April 2026 in Jena) war ein deutscher Dirigent, Musikwissenschaftler und Musikschriftsteller.
Leben und musikalisches Wirken Peter Gülke stammt aus einer alten prominenten Weimarer Familie. Seine Ururgroßtante war Christiane Vulpius – Goethes Frau –, sein Ururgroßvater Christian August Vulpius, der Verfasser des Erfolgsromans Rinaldo Rinaldini.Peter Gülke: Fernweh und Nahkampf: Bezogenheiten eines Weimarischen Ureinwohners. In: Sinn und Form. Jg. 58 (2006) Heft 4, S. 502–516, hier S. 502.
Peter Gülke legte sein Abitur 1952 in Weimar ab. Daran schloss sich von 1952 bis 1957 ein Studium (Violoncello, Musikwissenschaft, Romanistik und Germanistik) an der Hochschule für Musik Weimar und den Universitäten Jena und Leipzig. Danach lehrte er an der Universität Leipzig. 1958 erfolgte seine Promotion in Leipzig bei Heinrich Besseler.
Von 1959 bis 1964 war er Repetitor, Dramaturg und Kapellmeister am Theater Rudolstadt, von 1964 bis 1965 Musikalischer Oberleiter am Theater der Altmark in Stendal, von 1966 bis 1969 Chefdirigent am Hans Otto Theater in Potsdam und von 1972 bis 1976 Chefdirigent am Stralsunder Theater. Von 1976 bis 1981 fungierte er als Kapellmeister der Staatsoper Dresden, Lehrbeauftragter an der Musikhochschule Dresden und Leiter des Hochschulorchesters. 1980 nahm er eine Gastprofessur in Harvard wahr. In den Jahren 1981 bis 1983 war er Generalmusikdirektor der Staatskapelle Weimar am Deutschen Nationaltheater Weimar.
Nach einem Gastspiel in Hamburg 1983 blieb Gülke in der Bundesrepublik Deutschland, wo er sich ein Jahr später 1984 an der TU Berlin habilitierte. 1985 hatte er eine Gastprofessur in Bochum. Von 1986 bis 1996 wirkte er als Generalmusikdirektor der Stadt Wuppertal. 1994 wurde er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt. 1998 erhielt er den Bayerischen Literaturpreis (Karl-Vossler-Preis), Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst für wissenschaftliche Darstellungen von literarischem Rang.
Von 1996 bis 2000 war Gülke Professor für Dirigieren an der Staatlichen Hochschule für Musik Freiburg und von 1999 bis 2002 Professor für Musikwissenschaft an der Universität Basel. Von Juni 2011 bis Juni 2014 war er Präsident der Sächsischen Akademie der Künste. Von 2015 bis 2020 war Peter Gülke Chefdirigent der Brandenburger Symphoniker. Klassikinfo.de, abgerufen am 22. Oktober 2014. Gülke lebte in Weimar.
Gülke starb am 26. April 2026, drei Tage vor seinem 92. Geburtstag, nach einer schweren Operation in Jena.Laurenz Lütteken: Zum Gedenken an Peter Gülke (1934–2026), in: Die Musikforschung, Jg. 79, Heft 3/2026, S. 229–230
Gastspiele Gastspiele als Dirigent führten Peter Gülke in die Bundesrepublik Deutschland, in die Schweiz, in die USA und nach Österreich. Er war regelmäßig Gast der führenden Orchester und Opernhäuser in ganz Europa. In Japan musizierte er mit dem NHK-Sinfonieorchester in Tokio.
Viele zeitgenössische Werke verdanken ihm ihre Uraufführung, außerdem machte er vergessene Werke wieder zugänglich.
Ehrungen und Preise 1995: Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt 1995: Edison-Schallplattenpreis für die Gesamtaufnahme von Schrekers Irrelohe Seit 1996: Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste 1996: Von-der-Heydt-Preis der Stadt Wuppertal 1996: Edison-Preis der Schallplattenindustrie 1997: Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt 1998: Karl-Vossler-Preis 2002: Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse 2003: Ehrensenator der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar 2004: Ehrendoktor der Universität Bern 2006: Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 2006: Ehrendoktor der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar 2007: Ehrendoktor der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden 2009: Weimar-Preis 2014: Ernst von Siemens Musikpreis 2016: Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst 2017: Bundesverdienstkreuz am BandeOrdensverleihungen 2017 2022: Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste 2023: Bundesverdienstkreuz (Großes Verdienstkreuz mit Stern)
Einspielungen Von Peter Gülke existieren Gesamtaufnahmen der sinfonischen Fragmente von Franz Schubert mit der Staatskapelle Dresden sowie Werke von Schönberg, Berg und Webern mit dem Kammerorchester der Jungen Deutschen Philharmonie und Udo Zimmermanns Oper Der Schuhu und die fliegende Prinzessin. Außerdem gibt es Einspielungen von Musik am Hofe Anna Amalias (Anna Amalia, Ernst Wilhelm Wolf, Johann Friedrich Reichardt, Carl Eberwein, Franz Seraph Destouches) und Werke von Beethoven, Blendinger, Brahms, Britten, Baird, Benda, Glasunow, Ibert, Kirchner, Leyendecker, Ravel, Reicha, Schubert, Schumann, Tscherepnin und Schreker.
Ausgaben Peter Gülke war Herausgeber von Sinfonien von Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und Franz Schubert (Sinfonische Fragmente), der Werke von Johannes Pullois, der Memoiren von André-Ernest-Modeste Grétry und der Musikschriften von Jean-Jacques Rousseau.
Publikationen Schriftbild der mehrstimmigen Musik (= Musikgeschichte in Bildern. Band 3: Musik des Mittelalters und der Renaissance. Lieferung 5). Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1973, (2. Auflage. ebenda 1981). Mönche, Bürger, Minnesänger. Musik in der Gesellschaft des europäischen Mittelalters. Koehler & Amelang, Leipzig 1975. Rousseau und die Musik oder von der Zuständigkeit des Dilettanten (= Taschenbücher zur Musikwissenschaft. 98). Heinrichshofen, Wilhelmshaven 1984, ISBN 3-7959-0423-4. Brahms, Bruckner. Zwei Studien. Bärenreiter, Kassel u. a. 1989, ISBN 3-7618-0949-2. Schubert und seine Zeit. Laaber-Verlag, Laaber 1991, ISBN 3-89007-266-6, (4. Auflage ebenda 2015, ISBN 978-3-89007-266-1). Fluchtpunkt Musik. Reflexionen eines Dirigenten zwischen Ost und West. Bärenreiter u. a., Kassel u. a. 1994, ISBN 3-7618-1198-5. „Triumph der neuen Tonkunst“. Mozarts späte Sinfonien und ihr Umfeld. Bärenreiter u. a., Kassel u. a. 1998, ISBN 3-7618-2013-5. „… immer das Ganze vor Augen“. Studien zu Beethoven. Metzler u. a., Stuttgart u. a. 2000, ISBN 3-476-01796-6. Die Sprache der Musik. Essays zur Musik von Bach bis Holliger. Metzler u. a., Stuttgart u. a. 2001, ISBN 3-476-01862-8. Guillaume Du Fay. Musik des 15. Jahrhunderts. Metzler u. a., Stuttgart u. a. 2003, ISBN 3-476-01883-0. Auftakte – Nachspiele. Studien zur musikalischen Interpretation. Metzler u. a., Stuttgart u. a. 2006, ISBN 3-476-02122-X. Fernweh und Nahkampf: Bezogenheiten eines Weimarischen Ureinwohners. In: Sinn und Form. Jg. 58 (2006) Heft 4, S. 502–516. (Vortrag auf Einladung Nike Wagners zum Weimarer Kunstfest pèlerinages 2004.) Tönende Theologie. Die Musik im Weltbild des Mittelalters in: Matthias Herrmann (Hrsg.): Musik im mittelalterlichen Dresden, Altenburg 2008, S. 7–15, ISBN 978-3-930550-51-7. Robert Schumann. Glück und Elend der Romantik. Zsolnay, Wien 2010, ISBN 978-3-552-05492-9. als Herausgeber: Gegen den Strom und mit der Zeit. Zum 15-jährigen Bestehen der Sächsischen Akademie der Künste. Sächsische Akademie der Künste, Dresden 2011, ISBN 978-3-934367-19-7. Von Bach bis Beethoven. Streifzüge durch große Musik (= Schweizer Beiträge zur Musikforschung, Band 17). Bärenreiter, Kassel u. a. 2014, ISBN 978-3-7618-2348-4. Musik und Abschied. Bärenreiter u. a., Kassel u. a. 2015, ISBN 978-3-7618-2377-4. Felix Mendelssohn Bartholdy. „Der die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaute“. Bärenreiter u. a., Kassel u. a. 2017, ISBN 978-3-476-04540-9. Dirigenten. Olms, Hildesheim 2017, ISBN 978-3-7582-0199-8. Mein Weimar. Insel Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-458-17817-0. Variation statt Sinfonie? Überlegungen zu den Hiller- und Beethovenvariationen. In: Matthias Herrmann (Hrsg.) Sichten auf Max Reger und seinen Schüler Paul Aron. Tectum, Baden-Baden 2020, ISBN 978-3-8288-4300-4, S. 21–27. mit Alfred Brendel: Die Kunst des Interpretierens. Gespräche über Schubert und Beethoven. Bärenreiter, Kassel und Metzler, Berlin 2020, ISBN 978-3-7618-2509-9 und ISBN 978-3-662-61631-4 (2. Auflage. ebenda 2021; inhaltsgleich auch in digitaler Form). Spitzenleistungen mit schlicht-bescheidener Selbstverständlichkeit bei Peter Schreier. In: Matthias Herrmann (Hrsg.): Begegnungen mit Peter Schreier, Sax-Verlag, Beucha/Markkleeberg 2020 (2. Auflage 2021), ISBN 978-3-86729-263-4, S. 58–61. Udo Zimmermann zum Gedenken. Ansprache beim Trauergottesdienst. In: Saskia Zimmermann (Hrsg.), Matthias Herrmann (Hrsg.): Ich bin ein Theatermensch. Udo Zimmermann – Erinnerungen und Dokumente. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2024, ISBN 978-3-7651-0513-5, S. 313–316.
Literatur
, 2001
Weblinks
Biographie bei der sächsischen Akademie der Künste
Audios Vortrag von Peter Gülke über Mozarts letzte Sinfonie in der Carl Friedrich von Siemens Stiftung Deutschlandfunk (DLF) Kulturfragen. Debatten und Dokumente vom 18. Mai 2014: Dirigent Peter Gülke. Bekennender Grenzgänger, Peter Gülke im Gespräch mit Uwe Friedrich WDR 5 Podcast Erlebte Geschichten vom 30. Mai 2024: Peter Gülke – Dirigent und Schriftsteller, Interview mit Peter Gülke Musikalisches Multitalent: Peter Gülke in Weimar gestorben von MDR Kulturdesk am 27. April 2026 auf tagesschau.de Raoul Mörchen: Praxis und Theorie. Zum Tod des Dirigenten und Musikschriftstellers Peter Gülke, Deutschlandfunk Kultur heute. Berichte, Meinungen, Rezensionen vom 27. April 2026
Einzelnachweise
Kategorie:Dirigent Kategorie:Musikwissenschaftler Kategorie:Hochschullehrer (Hochschule für Musik Freiburg) Kategorie:Hochschullehrer (HfM Dresden) Kategorie:Gastdirigent (Sächsische Staatskapelle Dresden) Kategorie:Generalmusikdirektor (Weimar) Kategorie:Ehrensenator der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar Kategorie:Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste Kategorie:Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern Kategorie:Träger des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse Kategorie:Träger des Sigmund-Freud-Preises für wissenschaftliche Prosa Kategorie:Träger des von der Heydt-Kulturpreises Kategorie:Träger des Pour le Mérite (Friedensklasse) Kategorie:Ehrendoktor der Universität Bern Kategorie:Ehrendoktor der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar Kategorie:Ehrendoktor der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden Kategorie:Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste Kategorie:Schubert-Forscher Kategorie:Sachbuchautor (Musik) Kategorie:Musiker (Deutschland) Kategorie:Ensemblemitglied des Theaters Vorpommern Kategorie:Person (Weimar) Kategorie:Träger des Bayerischen Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1934 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann