mini|hochkant=1.1|Ärztin beim Abhorchen eines Patienten (2011) mini|hochkant=0.5|Äskulapstab: Symbol des ärztlichen und pharmazeutischen Standes mini|De zieke vrouw (Jan Steen, um 1666)
Ein Arzt (weiblich auch Ärztin; Mehrzahl: Ärzte bzw. Ärztinnen) ist ein medizinisch ausgebildeter und zur Ausübung der Heilkunde zugelassener Heilkundiger. Der Arztberuf ist eine auf Vorbeugung (Prävention), Erkennung (Diagnose), Behandlung (Therapie) und Nachsorge von Krankheiten, Leiden oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen gerichtete Beschäftigung und umfasst auch ausbildende Tätigkeiten.
Ärzte stellen sich in den Dienst der Gesundheit und sind bei ihrem Handeln moralischen und ethischen Grundsätzen verpflichtet (siehe etwa die Genfer Deklaration des Weltärztebundes). Die Vielfalt an Krankheiten und Behandlungsmöglichkeiten hat in der Humanmedizin und der Tiermedizin zu einer großen Anzahl von Fachgebieten und weiteren Differenzierungen geführt (siehe die Liste medizinischer Fachgebiete).
Bezeichnungen Die Bezeichnung Arzt (, ; verwandt mit „Arznei“) zog während des Mittelalters aus der lateinischen Gelehrtensprache ins Deutsche ein, und zwar über die latinisierte Variante (spätlateinisch auch ) des griechischen , klassische Aussprache [], ‚Oberarzt‘, ‚Leibarzt‘ (seit dem 2. Jahrhundert die Amtsbezeichnung von Leibärzten bei Hofe, genannt archiatri palatini und von öffentlich bestallten, archiatri populares genannten GemeindeärztenVgl. auch Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 10 und 13.),Bernhard Dietrich Haage: Medizinische Literatur des Deutschen Ordens im Mittelalter. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen, Band 9, 1991, S. 217–231, hier: S. 222. einer Zusammensetzung aus , ‚Kommando‘ und . Mit dem davon abgeleiteten griechischen Wort ἰατρῖναι (iatrinai; entsprechend lateinisch feminae medicae, „Ärztinnen“Paul Diepgen: Geschichte der Medizin. Die historische Entwicklung der Heilkunde und des ärztlichen Lebens. I. Band: Von den Anfängen der Medizin bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Walter de Gruyter, Berlin 1949, S. 152.) wurden in der griechisch-römischen Medizin gelegentlich angesehene Hebammen bezeichnet.Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 13. In vielen fachsprachlichen Komposita tritt das ursprüngliche griechische Wort bzw. die latinisierte Form als Wortbestandteil auf: iatrogen „durch ärztliches Handeln verursacht“; Psychiater „Seelenarzt“; Pädiater „Kinderarzt“ usw. Über mittelhochdeutsche Vermittlung gelangte das Wort in andere Sprachen, so , .
Die germanische Bezeichnung für den Heilberuf () ist beispielsweise im dänischen , im schwedischen , im englischen (vgl. Bald’s Leechbook), oder im deutschen Familiennamen Lachmann erhalten und hat sich in andere Sprachen verbreitet, z. B. , . Im polnischen und tschechischen ist die germanische Wurzel mit einem slawischen Suffix (-arz, -ař) verbunden.
Die lateinische Bezeichnung (ursprünglich als allgemeine, vom Ausbildungsstand unabhängige, Berufsbezeichnung; seit dem 10. Jahrhundert dann vom bzw. , dem Wundarzt, unterschieden), oder eine davon abgeleitete Form findet sich vor allem in den romanischen Sprachen, etwa , , , , , aber unter romanischem Einfluss auch in anderen Sprachen: , . Bereits in der Antike gab es sowohl männlich als auch weibliche Ärzte. Im Kodex des Justinian, der Gesetze des 2.–6. Jahrhunderts zusammenfasst, werden männliche und weibliche Sklavenärzte (lateinisch [servi] medici utriusque sexus „[Sklaven-]Ärzte beiderlei Geschlechts“) genannt.Paul Diepgen: Frau und Frauenheilkunde in der Kultur des Mittelalters. Stuttgart 1963, S. 16–17.Vgl. auch Paul Diepgen: Geschichte der Medizin. Die historische Entwicklung der Heilkunde und des ärztlichen Lebens. I. Band: Von den Anfängen der Medizin bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Walter de Gruyter, Berlin 1949, S. 172–173. Die medica (weibliche Form von medicus) war bis ins MittelalterVgl. Bernhard Dietrich Haage: Die heilkundige Frau in Dichtung und Realität des deutschen Mittelalters. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 11, 1993, S. 107–132. eine heilkundige Frau, womit sowohl eine Ärztin, als auch eine Laienärztin oder eine Hebamme gemeint sein konnte.Paul Diepgen: Frau und Frauenheilkunde in der Kultur des Mittelalters. Stuttgart 1963, S. 218–227. Im islamischen Kulturraum des Mittelalters wurden heilkundige Frauen bzw. Ärztinnen als Tabibe bezeichnet.Vgl. etwa www.researchgate.net. Und dazu Mehmet Turgut: Al-Zahrawi: On the Surgical Treatment of Neurological Disorders by the Father of Operative Surgery. In: World Neurosurgery. Bands 184, 2024, S. 236–240. Zur Unterscheidung vom (im 18. Jahrhundert noch nicht „vollpromovierten“) chirurgicus wurde auch der Begriff medicus purus („reiner Arzt“) gebraucht (Bestrebungen, die Chirurgie mit der „Medizin“ zu vereinen, setzten etwa in der Mitte des 18. Jahrhunderts ein).Fritz Linder: 150 Jahre Heidelberger Chirurgie. In: H. Schipperges (Hrsg.): Heidelberger Jahrbücher. Band 12, Springer, Berlin / Heidelberg 1968, ISBN 3-540-04172-9, S. 1–15 (Zusammenfassung).Ferdinand Sauerbruch: Vortrag „Schilderung der Geschichte der Chirurgie, ihrer Stellung in der Gegenwart und der Bedeutung dieses Zweiges der Medizin“, gehalten in der Preußischen Akademie der Wissenschaften. In: Hans Rudolf Berndorff: Ein Leben für die Chirurgie. Nachruf auf Ferdinand Sauerbruch. In: Ferdinand Sauerbruch: Das war mein Leben. Kindler & Schiermeyer, Bad Wörishofen 1951; benutzt: Lizenzausgabe für Bertelsmann Lesering, Gütersloh 1956, S. 456–478, hier: S. 460–478, S. 463–468 (unter anderem zum Chirurgen als „Schnittarzt“ und zum Medicus purus als „Maularzt“). Die Bezeichnung Heinrich Schipperges: Zur Unterscheidung des „physicus“ vom „medicus“ bei Petrus Hispanus. In: III° Congresso Nacional de Historia de la Medicina (Valencia 1969). III (1972), S. 321–327. meinte meist einen akademisch ausgebildeten Arzt (vgl. englisch physician).
In vielen Sprachen wird der Arzt umgangssprachlich nach seinem zumeist geführten akademischen Grad Doktor genannt. Gelegentlich ebenfalls als Arzt wurden vor allem ab dem 13. JahrhundertTheodor Kirchhoff: Ueberblicke über die Geschichte der deutschen Irrenpflege im Mittelalter. In: Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie und psychiatrisch-gerichtliche Medizin. Band 87, 1887, Heft 1, S. 61–103, hier: S. 102. volksmedizinisch arbeitende, weder ärztlich noch wundärztlich ausgebildete LaienärzteThomas Gleinser: Anton Trutmanns „Arzneibuch“. Medizin-und sozialgeschichtlicher Kommentar. Philosophische Dissertation, Universität Würzburg, 1996, S. 249–280 (Physicus – Wundarzt – Laienarzt). (praktizierende medizinische Laien) bezeichnet. Vor dem Jahr 1500 sind Laien als Verfasser bzw. Kompilatoren (etwa im Speyrer ArzneibuchDigitalisat. von 1321) medizinischer Texte selten bezeugt. Im Spätmittelalter und in der Frühneuzeit kamen Laienärzte bzw. Laienmedizinerinnen (beispielsweise Philippine Welser, Eleonore von Württemberg und die Herzogin Eleonora Maria Rosalia sowie die Martin Luther behandelndePeter Assion: Die Gräfin von Mansfeld als ärztliche Ratgeberin Luthers. In: Medizinhistorisches Journal. Band 6, 1971, S. 160–174. Gräfin Dorothea von Mansfeld, geborene von Solms) oft aus dem Bereich der Hausmütter und Hausväter.Gundolf Keil: Der Hausvater als Arzt. In: Trude Ehlert (Hrsg.): Haushalt und Familie in Mittelalter und früher Neuzeit (Vorträge eines interdisziplinären Symposions vom 6.–9. Juni 1990 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn). Mit einem Register von Ralf Nelles, Jan Thorbecke, Sigmaringen 1991, ISBN 3-7995-4156-X, S. 219–243, insbesondere S. 219–224 und 230–241. Auch in modernen medizinischen Subkulturen bestehen laienmedizinische Systeme.Christoph König: Die Entmythologisierung der Stellung des Arztes. Eine medizinsoziologische Studie (= Neue Würzburger Studien zur Soziologie. Band 9). Würzburg 1987, S. 21, 25 und 75–78.
Zum Berufsbild Geschichte
Die Funktion des Arztes ist eine der ältesten der Menschheit.Johann Hermann Baas: Die geschichtliche Entwicklung des ärztlichen Standes und der medicinischen Wissenschaften. Berlin 1896. Medizingeschichtlich gesehen entstand der Arztberuf (veraltet auch das ArzttumDuden: Arzttum, Arztsein.) aus dem Stand der Heilkundigen, In: servana.de die schon unter den Priestern des Altertums zu finden waren. Erste schriftliche Belege des Arztberufs stammen aus Mesopotamien und wurden im 3. Jahrtausend v. Chr. verfasst.
Die Ausbildung von Ärzten der Antike fand in sogenannten Ärzteschulen (z. B. Schule von Kos, Schule von Knidos, Alexandrinische Schule) statt, die sich hinsichtlich ihrer Wissensvermittlung an unterschiedlichen ärztlichen Theorien (z. B. Methodiker, Pneumatiker, Hippokratiker) und philosophischen Strömungen (z. B. Epikureer, Stoiker) ausrichteten.Bernhard D. Haage, Wolfgang Wegner: Medizin in der griechischen und römischen Antike. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 915–920; hier: S. 918.
Über den Arzt schreibt Hippokrates bzw. der Verfasser des wohl im 3. Jahrhundert v. Chr. entstandenen Textes Der ArztCMG I 1, S. 20,4–21,18. ausführlich: „Er soll von gesundem Aussehen und im Verhältnis zu der ihm eigenen Konstitution wohlgenährt sein […]. Ferner soll sein Äußeres sauber sein, was in einer angemessenen Kleidung und in wohlriechenden Salben zum Ausdruck kommt, deren Geruch unverdächtig ist […]. Was die seelischen Eigenschaften betrifft, so sei er besonnen, was sich nicht nur darin äußert, daß er schweigen kann […]. Man soll saubere und weiche Läppchen benutzten, für die Augen Scharpie, für die Wunden Schwämme. […].“Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst. Ausgewählte Texte aus dem medizinischen Schrifttum der Griechen und Römer. Philipp Reclam jun., Leipzig 1979 (= Reclams Universal-Bibliothek. Band 771); 6. Auflage ebenda 1989, ISBN 3-379-00411-1, S. 43–45 (Hippokrates, Der Arzt, Kap. 1. 2) und 176 f.