1672 sah sich die Niederländische Republik gleichzeitigen Invasionen durch Frankreich, England und der deutschen Bistümer Münster und Köln ausgesetzt, was als Rampjaar (niederländisch: Katastrophenjahr) bekannt wurde. Die französische Armee unter Ludwig XIV. rückte rasch vor und eroberte große Teile der östlichen Provinzen. Englische und französische Kriegsschiffe kooperierten, um die niederländische Vorherrschaft auf See anzufechten. Unterdessen drangen Truppen aus Münster und Köln von Osten her in die Republik ein. Viele niederländische Provinzen, darunter Utrecht und Overijssel, wurden von ausländischen Armeen besetzt. Die plötzliche Eroberung des größten Teils des Landes führte zu landesweiter Panik und Unruhen in der niederländischen Gesellschaft.
Die Regierung, die von Ratspensionär Johan de Witt und den Regenten aus Holland dominiert wurde, verlor an Unterstützung, da die Bevölkerung mit ihrer Führung in der Krise unzufrieden war. Als Reaktion auf die Forderungen der Öffentlichkeit wurde Wilhelm von Oranien zum Statthalter ernannt und übernahm auch das Kommando über die Armee. Trotz anfänglicher Rückschläge und territorialer Verluste überschwemmten die Niederländer Teile ihres eigenen Landes, indem sie die Holländische Wasserlinie öffneten, was die französische Armee zwang, ihren Vormarsch auf die Provinz Holland, in der sich Großstädte wie Amsterdam und Rotterdam befinden, einzustellen. Marineaktionen verhinderten schließlich eine wirksame englisch-französische Blockade und sicherten die Versorgung wichtiger Handelsstädte. Die niederländische Armee begann sich allmählich zu erholen und erzielte bis zum Ende des Jahres einige militärische Erfolge gegen die Invasoren. Das Rampjaar führte zu dramatischen politischen Veränderungen, weit verbreiteten sozialen Unruhen und Gewalt gegen de Witt und seine Anhänger, denen die Schuld für die prekäre Lage des Landes gegeben wurde. Der Konflikt dauerte bis 1678 an, aber im folgenden Jahr war der größte Teil des verlorenen Territoriums der Niederländischen Republik zurückerobert worden.
Vorgeschichte
mini|hochkant=0.8|Der Friede von Münster, ein Gemälde von Gerard ter Borch, zeigt die Beschwörung des Westfälischen Friedens im Rathaus zu Münster
Mit dem Frieden von Münster 1648 hatten die sieben Provinzen ihre Unabhängigkeit von Spanien erlangt. Die Spannungen in den Provinzen zwischen den Anhängern der von der bürgerlichen Oligarchie regierten Regierung, den sogenannten Regenten, und dem Prinzen von Oranien, Wilhelm II., gipfelten in einem Staatsstreich Wilhelms. Als Wilhelm II. am 6. November 1650 an den Pocken starb, kam die republikanische Partei wieder an die Macht. Mit Ausnahme von Groningen und dem Gebiet von Drente einigten sich die Provinzen darauf, keinen neuen Statthalter zu ernennen. 1653 wurde Johan de Witt zum Ratspensionär und damit zum faktischen Regierungschef ernannt. In einem geheimen Zusatz zum Vertrag von Westminster, der den Ersten Englisch-Niederländischen Krieg beendete, erklärte de Witt, dass er das Amt des Statthalters abschaffen und niemals zulassen werde, dass die Generalstaaten der Niederlande ein Mitglied des Hauses Oranien zum Generalkapitän ernennen würden.
Stuart-Restauration und Zweiter Englisch-Niederländischer Krieg
Im Mai 1660 bestieg Karl II. den englischen Thron. Da Karl der Onkel Wilhelms von Oranien war, hatte die Restauration neue Hoffnung für die Sache des Hauses Oranien geweckt. Karl II. unterstützte diese Sache, war jedoch nicht bereit, wegen dieser Frage einen Krieg mit den Niederlanden zu beginnen. Es wurde ein Kompromiss geschlossen, wonach die Niederlande sich bereit erklärten, für seine Ausbildung aufzukommen. Trotz diplomatischer Bemühungen im Jahr 1660 und der persönlichen Verbindung durch Wilhelm von Oranien verschärften sich die Spannungen zwischen England und den Niederlanden, was schließlich zum Krieg führte. Obwohl die Niederländer eine Reihe von Siegen errungen hatten, einigten sie sich aufgrund der Bedrohung durch Frankreich mit England. Durch das ewige Edikt zur Abschaffung des Statthalteramtes versuchte de Witt, die Oranier in Schach zu halten, um sich mit England und Schweden in einer Dreierallianz gegen Frankreich zu verbünden. Der Weg zum Krieg mini|links|Michiel de Ruyter Mit dem Frieden von Aachen war der Krieg zwischen Frankreich und Spanien beendet. Ludwig XIV. fühlte sich von den Niederlanden, seinem ehemaligen Verbündeten, betrogen, da er sie als Hauptakteure gegen die Bemühungen Frankreichs gegen Spanien betrachtete. Angesichts der drei protestantischen Mächte, die sich gegen ihn stellten, nahm Ludwig XIV. geheime Verhandlungen mit Karl II. auf und versprach ihm 150.000 Pfund pro Jahr und weitere 225.000 Pfund im Kriegsfall. Anfang Juni 1670 unterzeichneten Frankreich und England den geheimen Vertrag von Dover.
Die Regierung in Den Haag wusste, dass es Verhandlungen zwischen England und Frankreich gab, aber konkrete Details waren nicht bekannt. Johan de Witt setzte auf die öffentliche Meinung in England, bei der ein Krieg mit einer anderen protestantischen Nation unbeliebt war und versuchte, die Beziehungen zu Frankreich zu verbessern. Die Diskussion über die Frage der Spanischen Niederlande führte jedoch zu keinem Konsens zwischen den beiden Ländern. Frankreich betrachtete den Rhein als seine natürliche Grenze, und zwischen Frankreich und dem Rhein lagen die Spanischen Niederlande und die Generalitätslande.
Im Vorfeld des Konflikts mit England und Frankreich versuchte de Witt, die verlorenen Verbündeten aus der Dreierallianz zu ersetzen. Nach dem Ausscheiden Englands blieb Schweden sein letzter Verbündeter. Die Verbindung zu Schweden erwies sich als schwierig, da Schweden hauptsächlich finanzielle Interessen verfolgte und seine Loyalität davon abhing, welche Seite die höheren Subventionen bieten konnte. Personelle Veränderungen im diplomatischen Dienst schwächten den niederländischen Einfluss in Stockholm weiter, wobei Pomponnes Anwesenheit Frankreichs Absicht signalisierte, Schweden von den niederländischen Interessen abzubringen. De Witt entsandte Wilhelm van Haren, obwohl dieser persönlich gegen de Witt eingestellt war, um den französischen Bemühungen entgegenzuwirken. Die niederländischen Anstrengungen konnten Schweden jedoch nicht überzeugen, sodass Anfang 1672 Schweden in einem Vertrag mit Frankreich seine Neutralität erklärte.
Mit Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg standen die Niederländer vor zusätzlichen Hindernissen. Auch Brandenburg strebte nach Subventionen und hegte seit langem Vorbehalte gegenüber der niederländischen Regierung. Obwohl Friedrich Wilhelm von den französischen Angeboten in Versuchung geführt wurde, zögerte er, sich Frankreich anzuschließen, da eine schwere Niederlage der Niederländer sowohl seine Religion als auch seine Unabhängigkeit gefährden könnte. Zunächst erklärte er sich lediglich bereit, zu vermitteln. Als sich die Kriegsgefahr jedoch verdichtete, teilte er den Niederländern mit, dass er eine Allianz mit ihnen bevorzugen würde. De Witt beauftragte den erfahrenen Diplomaten Adrian Godard Reede mit den Verhandlungen mit Brandenburg. Da sich die französischen Bemühungen auf Schweden konzentrierten, konnten die Niederländer dem Kurfürsten sowohl finanzielle Unterstützung als auch Gespräche über die eventuelle Rückgabe der besetzten Städte anbieten. Friedrich Wilhelm erklärte sich bereit, teilweise aufgrund der Ermutigung durch Kaiser Leopold, den Niederländern nach der Kriegserklärung Frankreichs militärische Hilfe zu leisten, gab jedoch keine Zusicherung hinsichtlich der Rückgabe der rheinischen Gebiete.
Die Beziehungen zu Spanien waren weiterhin von Misstrauen und historischer Feindschaft geprägt, doch die gemeinsame Bedrohung durch Frankreich machte eine Zusammenarbeit umso wahrscheinlicher. Es bestanden weiterhin Hindernisse, doch schließlich erklärte sich Spanien bereit, im Falle eines Angriffs auf die Niederlande mit Frankreich zu brechen. De Witt erwiderte dies mit dem Versprechen, den Spanischen Niederlanden Hilfe zu leisten und ohne Spaniens Zustimmung keinen Frieden mit Frankreich zu schließen. Diese Vereinbarung wurde, im Dezember 1671, in einem formellen Vertrag festgehalten. De Witt erwog auch kurzzeitig, die Hilfe von Bischof Galen von Münster zu erbitten, entschied sich jedoch dagegen.
Die Armee der Generalstaaten befand sich aufgrund der beiden Kriege mit England und finanzieller Kürzungen in einem schlechten Zustand. Da ein Krieg immer wahrscheinlicher wurde, wuchs der Druck auf die niederländische Regierung, den noch nicht volljährigen Wilhelm zum Generalkapitän zu ernennen. Im November willigte de Witt ein, Wilhelm für die Dauer eines einzigen Kriegszugs zum Generalkapitän zu ernennen. Wilhelm lehnte diese befristete Ernennung ab, woraufhin ein Kompromiss erzielt wurde, Wilhelm zum Generalkapitän auf Lebenszeit zu ernennen, sobald er sein 23. Lebensjahr vollendet hätte.
Kriegsverlauf
März bis August Der Krieg begann am 12. März mit einem englischen Angriff auf die niederländische Flotte in Smyrna. Am 27. März folgte die englische, am 6. April die französische Kriegserklärung. Am 7. Mai hatte sich eine französische Armee von etwa 53.000 Mann in Lüttich versammelt. 10.000 Mann blieben in Garnisonen zurück, um die niederländische Festung Maastricht zu blockieren, während der Rest die Maas überquerte und die von den Niederländern gehaltenen Rhein-Festungsstädte Rheinberg, Rees, Emmerich und Wesel belagerte. Am 12. Juni überquerten die Franzosen den Niederrhein bei Schenkenschans und drangen in die Betuwe vor. Sie überquerten den Niederrhein erneut, um die IJssel-Linie zu umgehen, besetzten Arnheim und Zutphen und belagerten Nimwegen. Angesichts der Gefahr, von Holland abgeschnitten zu werden, zogen sich Wilhelm und seine Truppen über Utrecht auf Stellungen hinter der Holland-Wasserlinie zurück. Durch die Freigabe der Überschwemmungen am 22. Juni wurde der Vormarsch der Franzosen gestoppt. Anfang Juli hatte sich Overijssel Bernhard von Galen, dem Fürstbischof von Münster, ergeben. Dieser schloss sich dann mit dem Kurfürsten von Köln und dem Herzog von Luxemburg-Piney zusammen und rückte in Richtung Groningen vor, wo sein Vormarsch gestoppt wurde.
Nach dem Angriff auf die Smyrna-Flotte hatten die Niederländer die Stärke ihrer Flotte auf 60 Schiffe erhöht. Da sie mit 75 Schiffen gegenüber der vereinigten englisch-französischen Flotte immer noch in der Unterzahl waren, zog sich die niederländische Flotte unter Admiral De Ruyter in seichte Gewässer nahe der niederländischen Küste zurück und wartete auf eine Gelegenheit. Als sich die alliierte Flotte am 7. Juni nach Solebay in der Nähe von Southwold, Suffolk, zurückzog, um sich neu zu versorgen, griff De Ruyter sie an. Obwohl es nur geringe Verluste an Schiffen gab (jeweils 3 Schiffe auf beiden Seiten), behielten die Niederländer die Kontrolle über ihre Küstengewässer und verhinderten eine englisch-französische Landung in Zeeland.
Der Etappensieg auf See konnte die Verluste der Niederländer an Land nicht ausgleichen, wodurch allen die Ernsthaftigkeit der Lage bewusst wurde. Es kursierten Flugblätter der Oranier, in denen scharfe Vorwürfe gegen die Brüder De Witt und die Regierung der Regenten erhoben wurden, sie hätten das Land an Frankreich verraten. Am 14. Juni nahmen die Staaten von Holland Verhandlungen auf und boten Ludwig die Generalitätslande sowie eine Entschädigung in Höhe von zehn Millionen Gulden an. Ludwig reagierte mit zusätzlichen Forderungen, darunter Religionsfreiheit für Katholiken, die Abtretung von Betuwe, Zwolle, Delfzijl, Grave und Meurs sowie eine Entschädigung in Höhe von 24 Millionen Gulden. Am 22. Juni wurde Johan de Witt bei einem Attentat schwer verletzt. Die Behörden nahmen bald darauf Jacob van der Graef, einen der Attentäter, fest, der umgehend vor Gericht gestellt und hingerichtet wurde – ein Ereignis, das die Feindseligkeit der Öffentlichkeit gegenüber den De Witts nur noch weiter schürte.