Susanne Heinrich (* 13. Oktober 1985 in Oschatz bei Leipzig) ist eine deutsche Schriftstellerin und Filmregisseurin. Mit ihrem Spielfilmdebüt Das melancholische Mädchen gewann sie beim Filmfestival Max Ophüls Preis 2019 den Max Ophüls Preis für den Besten Spielfilm und den Preis der Ökumenischen Jury.
Leben und Werk Susanne Heinrich begann noch während ihrer Schulzeit am Humboldt-Gymnasium Leipzig mit dem Verfassen literarischer Texte. Ab 2004 studierte sie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, brach das Studium aber nach der Zwischenprüfung ab. Zwischen 2005 und 2011 erschienen vier Bücher von ihr im Dumont Buchverlag: zwei Romane und zwei Bände mit Erzählungen. Sie nahm 2005 am Wettbewerb um den Bachmannpreis in Klagenfurt teil. Sie gewann 2010 ein Aufenthalts-Stipendium in der Villa Aurora in Los Angeles und erhielt 2011 ein Stipendium für die Casa Baldi in Olevano Romano.
Ab 2012 studierte sie Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB). Ihr erster abendfüllender Spielfilm, Das melancholische Mädchen, wurde 2019 beim Wettbewerb in Saarbrücken mit dem Max Ophüls Preis ausgezeichnet. In der Jury-Begründung heißt es, der Film sei „ein Filmkunstwerk, das in beschwingtem und elegantem Ton, mit präzisen analytischen Worten und in pastellfarbenen minutiös durchgestalteten Bildern die Odyssee einer jungen Frau im Dazwischen des postmodernen Kultur- und Identitätsüberflusses erzählt. Mit ironischer Genauigkeit und humoriger Schlagfertigkeit trifft der Film in seiner Übersetzung feministischer Theorien pausenlos den Nagel auf den Kopf. Ein Film, dem es endlich gelingt, eine Sprache für eine ganze Generation von traurigen Mädchen zu finden und sich im Grunde seinen Preis im Film zu Recht schon selbst verliehen hat.“ Der Film gewann ebenfalls den Preis der ökumenischen Jury. Deren Jurybegründung liest sich so: „Unendlich komisch und gleichzeitig todtraurig, bis ins Detail komponierte Bilder, poetische Dialoge, in denen Beziehungen zum Lifestyle erkoren werden. Der Blick für den anderen verbleibt in der Leere. Die eigenwillig-konsequente Bildsprache eröffnet Leerstellen und Räume zum Weiterdenken. Schonungslos und präzise werden gesellschaftliche Zustände vorgeführt, hinterfragt und an die Zuschauenden weitergegeben. Eine junge Frau wird zur Symptomträgerin einer Gesellschaft, die ihre Glücksversprechen nicht einlöst.“
Seit 2020 arbeitete Heinrich am zweiten Teil ihrer Trilogie zu Frauenfiguren im Spätkapitalismus. 2024 inszenierte sie zunächst ihr Stück „Mutter.Liebe“ am Theater Freiburg, dessen Text zugleich Grundlage für den Film „Die miserable Mutter“ wurde, den Heinrich im Sommer 2024 in den MCA Studios in Leipzig drehte. 2024/25 erhielt Susanne Heinrich erste Förderungen für den dritten Teil ihrer Trilogie „Die veraltete Frau“.
Neben ihrer Tätigkeit als Filmemacherin lehrt Susanne Heinrich an Filmhochschulen und leistet Juryarbeit für Filmfestivals. In den Jahren 2023 und 2024 war sie Mitglied der Kommission für den deutschen Wettbewerb der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen.
Susanne Heinrich war Sängerin in mehreren Bands, u. a. „Watching me fall“ (zusammen mit dem Schriftsteller Marcus Braun), „Heinrich“ (mit ihren Brüdern Stefan und Michael Heinrich) und „Hysterische MILFs“ (bis 2019).
Heinrich lebt mit ihrer Tochter in Leipzig.
Rezeption ihrer Bücher Susanne Heinrichs gesammelte Erzählungen In den Farben der Nacht (2005) bezeichnete Sebastian Handke in der Süddeutschen Zeitung als „übliche Befindlichkeitsprosa mit Hang zum Autismus“, während Sebastian Domsch ihr attestierte, „jede Szene“ in ein „kleines Fest der Poesie“ zu verwandeln (taz). Heinrichs Roman Die Andere (2007) beschrieb Katharina Döbler kritisch als „disparates Dokument einer kreativen Selbstfindung“ (Die Zeit), während Sabine Peters dem Buch eine Verwandtschaft zum „Lore-Roman“ nachsagte – „unfreiwillige Komik und Kitsch inklusive“ (Frankfurter Rundschau). An Heinrichs dritten Buch So, jetzt sind wir alle mal glücklich (2009) bemängelte Christoph Schröder in der SZ eine „schablonenhafte Figurenzeichnung“, während Marius Meller sich an „oberflächlichen Reflexionen“ störte. Während der Erzählband „Amerikanische Gefühle“ von den großen Feuilletons unbeachtet blieb, nannte Radio Fritz ihn ein „verstörend schönes wahrhaftiges Buch“, und der Kölner Stadtanzeiger urteilte: „Die Autorin verfügt über ein beachtliches Erzähltalent, das noch Großes erwarten lässt.“
Rezeption "Das melancholische Mädchen" „Das melancholische Mädchen“ wurde von der Presse positiv aufgenommen. Der Filmdienst schrieb: „Ein grandioser, pointensicherer Grenzgänger zwischen post-dramatischem Theater und politischem Kino. Unterhaltsam und clever!“ In der Kino-Zeit hieß es: „Ein Film, in dem Lanthimos, Brecht und die Dadaisten fröhliche Urstände feiern“. Die Cinema lobte: „Politisch und doch sinnlich – abseits des Mainstreams und befindlichkeitsfixierter Partygespräche“. Die Frankfurter Rundschau schrieb: „Mit ihrem Film erneuert Susanne Heinrich das gesellschaftskritische Autorenkino“, der Spiegel Online: „In Pink und Türkis fängt im deutschen Kino etwas Neues an“. Die Welt urteilte: „Der richtige Film zur richtigen Zeit.“ Und auch der Deutschlandfunk schwärmte: „Ein ausgesprochener Glücksfall für das deutsche Kino.“
Auszeichnungen 2002: Stipendiatin des Literatur Labor Wolfenbüttel 2002: Publikumspreis des Hattinger Förderpreises für junge Literatur 2002: 1. Preis des Berliner Jugendliteraturwettbewerbs 2002: 1. Preis des sächsischen Jugendliteraturwettbewerbs 2003: Preisträgerin beim Treffen Junger Autoren, 2. Preis beim Limburg-Preis 2005: Teilnahme am Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis 2007: Finalistin beim 1. Franz-Tumler-Literaturpreis 2008: Aufenthalts-Stipendium am Literarischen Colloquium Berlin, 2. Preis beim Mannheimer Heinrich-Vetter-Literaturpreis 2010: Aufenthalts-Stipendium in der Villa Aurora, Los Angeles 2011: Aufenthalts-Stipendium in der Villa Massimo, Rom 2019: Max-Ophüls-Preis für Das melancholische Mädchen 2019: Neiße Filmfestival – Drei-Länder-Filmpreis der Sächsischen Kunstministerin für den besten Spielfilm für Das melancholische MädchenDie Preisträger des 16. Neiße Filmfestivals in der Übersicht. Artikel vom 11. Mai 2019, abgerufen am 12. Mai 2019.Susanne Heinrich beim Neiße Filmfestival ausgezeichnet. Abgerufen am 12. Mai 2019.
Literatur In den Farben der Nacht. Erzählungen, Köln 2005. ISBN 978-3-8321-7937-3 Die Andere. Roman, Köln 2007. ISBN 978-3-8321-8013-3 So, jetzt sind wir alle mal glücklich. Roman, Köln 2009. ISBN 978-3-8321-8033-1 Amerikanische Gefühle: Geschichten von Frauen und Männern, Erzählungen, Köln 2011. ISBN 978-3-8321-9631-8
Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften Im Schatten schwimmen, Erzählung, BELLA triste Nr. 24, 2009
Filmografie 2019: Das melancholische Mädchen (Spielfilm) – Buch, Regie & Schnitt
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Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Stipendiat der Villa Aurora Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Erzählung Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1985 Kategorie:Frau