mini|Das aktuelle Logo mini|Das historische Logo der Handwerkskammer Hamburg mini|Handwerkskammer Hamburg am Holstenwall Die Handwerkskammer Hamburg ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und organisierte Selbstverwaltungseinrichtung des gesamten Handwerks in Hamburg.

Aufgabe der Handwerkskammer ist es, die Interessen des Gesamthandwerks zu vertreten und die Belange des Handwerks im Zuge der Selbstverwaltung selbst zu regeln. Die Handwerkskammer übt die Rechtsaufsicht über die 49 Innungen aus, die für fachliche Aufgaben des jeweils von ihnen repräsentierten Handwerks zuständig sind. In den Innungen sind die selbständigen Handwerker als freiwillige Mitglieder vertreten. Außerdem bietet die Handwerkskammer verschiedene Dienstleistungen für ihre Mitglieder an.

Zur Handwerkskammer gehören die Inhaber eines Handwerksbetriebes (unterschieden in zulassungspflichtige Handwerke und zulassungsfreie Handwerke) und des handwerksähnlichen Gewerbes sowie die Gesellen, Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung und die Lehrlinge. Sie vertritt damit über 15.000 Betriebe mit mehr als 105.000 Beschäftigten in den 93 handwerklichen und 54 handwerksähnlichen Gewerken, die in Hamburg vertreten sind.

Die Aufgaben und Ziele einer Handwerkskammer sind in der Handwerksordnung (HwO) festgelegt.Gesetz zur Ordnung des Handwerks (Handwerksordnung). gesetze-im-internet.de

Geschichte der Handwerkskammer Als Vorläufer von Innungen und Kammer gelten die im Mittelalter entstandenen Zünfte. 1873 vereinigten sich alle Handwerke in Hamburg in der Gewerbekammer, aus der später die Handwerkskammer hervorging.

Grundlage für die Gründung der Gewerbekammer war das Gewerbekammer-Gesetz, das am 18. Dezember 1872 veröffentlicht worden war. Die erste Sitzung der Gewerbekammer fand am 28. April 1873 statt. Vorsitzender war der Schlossermeister Eduard Schmidt (1830–1900). Die Gewerbekammer bestand bis 1907 aus 15 Mitgliedern und wurde 1907 auf 24 Mitglieder erweitert. Erster Kammersekretär war Justus Brinckmann (1843–1915), der spätere Gründer des Museums für Kunst und Gewerbe. Die Gewerbekammer Hamburg war damals eine Organisation für Industrie und Handwerk.

Auf dem Gebiet des heutigen Hamburg gab es bis zum Groß-Hamburg-Gesetz vom 26. Januar 1937 bereits zwei weitere Handwerkskammern, und zwar in den konkurrierenden Nachbarstädten. Dies war die 1900 gegründete „Handwerkskammer zu Altona“ sowie die zeitgleich gegründete „Handwerkskammer zu Harburg“. Ihre 1911 errichteten Kammergebäude in Altona und Harburg in exponierter Lage legen Zeugnis ab von ihrem Selbstbewusstsein. Ihre ausgedehnten Kammerbezirke umfassten über 30 Jahre lang große Teile des heutigen „Hamburger Speckgürtels“.

mini|Gebäude der Alten Handwerkskammer Harburg, 1911

Der Bezirk der Handwerkskammer zu Altona umfasste das Gebiet Altona-Stadt, Pinneberg, Steinburg, Rendsburg, Kiel-Stadt und Land, Neumünster-Stadt, Plön, Oldenburg, Segeberg, Stormarn, Wandsbek-Stadt, Hzgt. Lauenburg und Fürstentum Lübeck. Der Sitz der Handwerkskammer zu Altona war zunächst an der Großen Bergstraße 240, dann Turnstraße 50 (jetzt Schmarjestraße). 1911 konnte der Neubau an der Bahnhofstraße 19 (heute Max-Brauer-Allee 45) bezogen werden.Nach 1937 Eigentumsübertragung des Gebäudes an die Handwerkskammer Lübeck. Privatverkauf erst um 1952. Heute Ärztehaus In direkter Nachbarschaft zu diesem Standort war an der Bahnhofstraße 21-25 das repräsentative Hotel Kaiserhof gegenüber des Altonaer Bahnhof entstanden (heute Deutsche-Bank Regionalverwaltung am Paul-Nevermann-Platz). Zeitgleich wurde in der Großen Westernstraße 35 (heute Jessenstraße) die „Handwerker- und Kunstgewerbeschule Altona“ eingerichtet, deren Archivarien sich heute nicht in Hamburg, sondern im Landesarchiv Schleswig befinden.Handwerks- und Kunstgewerbeschule Altona Allgemeines. deutsche-digitale-bibliothek.de Die Teile des ursprünglichen Kammerbezirks Altona außerhalb des heutigen Hamburg wurden in den Kammerbezirk der heutigen Handwerkskammer Lübeck übernommen.

Zum Bezirk der Handwerkskammer zu Harburg gehörten ursprünglich die Regierungsbezirke von Lüneburg und Stade. Zunächst mit Sitz an der Werderstraße 2 (heute Küchgarten / Am Werder) wurde ebenfalls 1911 in Harburg ein Handwerkskammer-Neubau errichtet. Architekt war der Bremer Hermann J. Mähl. Der Standort Marienstraße 5 (heute Museumsplatz 1) liegt in der kurzer Nachbarschaft zum Harburger Rathaus.Nach 1937 Eigentumsübertragung des Gebäudes an die Handwerkskammer Lüneburg. Kurze Zeit später Verkauf an die Freie und Hansestadt Hamburg Das repräsentative Gebäude der „Alten Harburger Handwerkskammer“ wird heute als Kita (Sternipark) genutzt. Die Nachfolge-Handwerkskammer für die außerhamburgischen Gebiete wurde die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-StadeHistorisches. hwk-bls.de

Das „Gesetz über den vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks“ vom 29. November 1933 war die Grundlage u. a. zur Umbenennung der „Gewerbekammer Hamburg“ in „Handwerkskammer“ mit Wirkung ab 1. Januar 1934. Seitdem ist die Zuständigkeit für die Industriebetriebe auf die Handelskammer Hamburg übertragen worden. Am 20. April 1942 trat die „Gauwirtschaftskammer-Verordnung“ in Kraft und damit eine erneute Umbenennung der Kammer in „Gauwirtschaftskammer“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg trat für das Hamburger Handwerk die Verordnung des Zentralamtes für die britische Zone über den Aufbau des Handwerks am 6. Dezember 1946 in Kraft. Zu diesem Zeitpunkt war der Bauunternehmer Paul Wilken Kammerpräsident. Später regelte die „Handwerksordnung“ vom 17. September 1952 die Angelegenheiten des Handwerks bundesweit.

70 Jahres später feierte die Handwerkskammer ihr 150. Jubiläum am 28. April 2023 im Hamburger Rathaus.150. Kammerjubiläum: Wir feiern Handwerk! hwk-hamburg.deHandwerk in Hamburg – eine Zeitreise durch die Jahrhunderte. abendblatt.de

Die Handwerkskammer in der Zeit zwischen 1933 und 1945 Die Rolle der Handwerkskammer in der Nazi-Zeit ist bisher weder von Historikern, noch von Journalisten aufbereitet worden. Dies steht im Gegensatz zur Handelskammer Hamburg. Die Handelskammer hatte dem Journalisten Uwe Bahnsen den Auftrag erteilt, über diese Zeit zu recherchieren und zu schreiben. Das Buch von Uwe Bahnsen erschien 2015.Uwe Bahnsen: Hanseaten unter dem Hakenkreuz. Die Handelskammer Hamburg und die Kaufmannschaft im Dritten Reich. Wachholtz Verlag, Kiel 2015, ISBN 978-3-529-05261-3. Es wurde nach wissenschaftrlichen Maßstäben kritisiert, aber es war ein erster Schritt. Von größerer Bedeutung war die Verlegung von 13 Stolpersteinen vor dem Haupteingang der Handelskammer Hamburg am 24. September 2018, um 13 Mitglieder aus dem Ehrenamtes der Kaufmannschaft zu würdigen, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geworden waren.stolpersteine-hamburg.dehandelskammer-hamburg.de (PDF) handelskammer-hamburg.de

Von der Handwerkskammer Hamburg wurde weder über die Seite der Opfer der NS-Gewaltherrschaft, noch über die Seite der Täter in der NSDAP und ihren Organisationen Stellung bezogen. Auch das Jubiläum 2023 zum 150-jährigen Bestehen der Gewerbekammer/Handwerkskammer wurde nicht als Anlass genutzt, diese Zeit aufzubereitenDies ist bemerkenswert, da der Kammerpräsident mit einer promovierten Historikerin verheiratet ist.

Für eine erforderliche Aufarbeitung seien hier nur wenige Anhaltspunkte genannt: Die leitenden Personen: (1.) Präsidenten der Kammer waren in diesen Jahren: 1933 Hermann Carl Vering, Glasgespinst-Fabrikant | 1933–1934 Walter Kleist, Schlossermeister | 1935–1945 Arnold Petersen, Malermeister. (2.) Die Verwaltungsspitze bildeten: 1934 Gottfried Jochmann | 1935 und 1937 Otto Müller | 1936, 1938–1943 Werner Rieser | 1944–1946 Karl Küster.

Als besonderes Ereignis muss der 3. Dezember 1937 gelten, der als großes Fest mit Tausenden Fackelträgern auf dem Holstenwall begangen wurde. Die NS-Stadtregierung vermachte der Kammer für 75 Jahre (bis 2012) das große Gebäude, das von 1912 bis 1915 als Staatsbau errichtet worden war. Bisher galt nur ein Mietvertrag. Im Treppenhaus wurden Marmorbüsten von Hindenburg und Hitler aufgestellt.zeitungen.sub.uni-hamburg.dezeitungen.sub.uni-hamburg.dezeitungen.sub.uni-hamburg.de

Auswirkungen: Jüdische Mitgliedsbetriebe erhielten von der Handwerkskammer die Aufforderung, ihre Handwerkskarte an die Handwerkskammer innerhalb eines Monats zurückzugeben und ihren Betrieb zu schließenaus: Wilfried Weinke. „Verdrängt, vertrieben, aber nicht vergessen. Die Fotografen Emil Bieber, Max Halberstadt, Erich Kastan, Kurt Schallenberg“. 2003 Kunstverlag Weingarten, Weingarten PSBN3 817025 46-7, Weingarten-VerlagAusstellung im Altonaer Msusem 2004 Eine Kopie des Schreibens der Handwerkskammer vom 1. Dezember 1938 zur Löschung des renommierten Ateliers des jüdischen Fotografen Kurt Schallenberg ist in dem Buch von Wilfried Weinke abgedruckt.Seite 291Herrn Kurt Schallenberg Hamburg 13, Grindelallee 180. Hamburg, 1. Dezember 1938. IV. Dr.R/H Aufgrund der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben vom 12. November 1938 und der Ersten Durchführungsverordnung vom 23. November 1938 sind jüdische Inhaber von Handwerksbetrieben zum 31. Dezember 1938 in der Handwerksrolle zu löschen. Die Handwerkskarte ist einzuziehen. Da Sie nach unseren Feststellungen Jude im Sinne des § 5 der Ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz sind, haben Sie Ihren Betrieb zum 31. Dezember 1938 zu schließen und spätestens bis zu diesem Zeitpunkt der Handwerkskammer die Handwerkskarte zurückzugeben. Sie werden weiter ersucht, der Kammer noch mitzuteilen welche Staatsangehörigkeit Sie besitzen. Der Eingang dieses Schreibens ist uns sofort zu bestätigen. gez. A. Petersen. gez. Dr. Rieser

Standorte der Handwerkskammer Hamburg

Nach ihrer Gründung 1873 hatte die Gewerbekammer zunächst ihren Sitz in der Neuen Gröninger Straße 5, dann Bei den Pumpen 38, seit ca. 1887 in der Bohnenstraße 21 bzw. 19 (nahe der Trostbrücke) und schließlich ab ca. 1903 auf den Großen Bleichen 61/63. Den Neubau am Holstenwall 12 konnte sie schließlich ab 1915 beziehen. An den Standorten der Gewerbekammer war immer auch der Geschäftssitz der „Aufsichtsbehörde für die Innungen“, ab 1929 das „Innungsaufsichtsamt“ unter Vorsitz durch ein Senatsmitglied bzw. einen Senatssyndikus untergebracht.

Lange mussten die Vertreter der Gewerbekammer Hamburg um das neue Gewerbehaus kämpfen. Die bisherigen Dienstsitze wurden immer wieder als unzulänglich bezeichnet. Der Erfolg stellte sich erst nach dem Bürgerschaftsbeschluss vom 10. Juli 1912 ein. Allerdings konnte der gewünschte zentrale Standort am Gänsemarkt (heute der Sitz der Finanzbehörde) nicht durchgesetzt werden. Dass das Gewerbehaus als Staatsbau durch die Freie und Hansestadt Hamburg errichtet wurde und nicht durch die Unternehmer selbst, wurde von Seiten der Gewerkschaften scharf kritisiert, denn sie hatten von 1904 bis 1906 als Arbeitnehmer ihr Gewerkschaftshaus am Besenbinderhof selbst finanziert. Das ausschlaggebende Argument für die Finanzierung durch den Staat war die Notwendigkeit des Arbeitsnachweises (Arbeitsvermittlung) durch die Innungen. Dies erklärt die architektonische Idee des Chefarchitekten des Hochbauamtes Fritz Schumacher mit dem separaten „Innungsflügel“ und einem eigenständigen Treppenhaus, das mit dem Hauptgebäude nur durch schmale Türen verbunden wurde. Allerdings wurden die Sitzungs- und Versammlungsräume großzügig bemessen, damit insbesondere die Innungen nicht länger gezwungen sind, ihre Versammlungen in Wirtshäusern durchzuführen.Senatssitzung am 15. Juni 1912