miniatur|Plakat zur Bundestagswahl 1957 „Keine Experimente“ wurde erstmals als politischer Slogan von der Deutschen Zentrumspartei 1932 verwendet. Heute wird er jedoch vor allem mit der CDU im Bundestagswahlkampf 1957 assoziiert. CDU und CSU erzielten mit dem Slogan das höchste Wahlergebnis eines politischen Bündnisses bei einer Bundestagswahl.

Bundestagswahlkampf der CDU, 1957 Der Slogan richtete sich gegen die als waghalsig und riskant für die bisherigen Errungenschaften Westdeutschlands betrachteten politischen Bestrebungen der sozialdemokratischen Opposition während des Kalten Krieges. Die SPD plädierte im Wahlkampf 1957 für einen Austritt der Bundesrepublik Deutschland aus der NATO und einen gleichzeitigen Austritt der DDR aus dem Warschauer Pakt mit dem Ziel, die Wiedervereinigung des geteilten Landes zu ermöglichen bzw. vorzubereiten. Konrad Adenauer, Bundeskanzler seit 1949, rief auf dem CSU-Parteitag in der Nürnberger Messehalle am 7. Juli 1957 den Delegierten zu: „wir glauben, daß mit einem Sieg der Sozialdemokratischen Partei der Untergang Deutschlands verknüpft ist!“Rede Adenauers am 7. Juli in der Nürnberger Messehalle, dokumentiert in: Der Untergang Deutschlands. In: Der Spiegel 29/1957 (16. Juli 1957), S. 16.

Der Slogan wurde bei einer Tagung des Wahlkampfausschusses auf der Akademie Eichholz vom Essener Werbefachmann Hubert Strauf vorgeschlagen, und Konrad Adenauer wird von Strauf bezüglich der Verwendung des Slogans im CDU-Wahlkampf folgendermaßen zitiert: „Wenn die Reklamefritzen dat meinen, dann maache mer dat esu!“Dirk Schindelbeck: Wahlplakate im historischen Wandel. In: Der Bürger im Staat 2/2009, S. 113. Als künstlerischen Leiter für den Wahlkampf bestellte Adenauer Otto Gerster, Professor für Freie und Angewandte Malerei an den Kölner Werkschulen. Das zusammen mit dem Slogan verwendete Bildnis von Konrad Adenauer wurde auf der Grundlage eines am 23. Juni 1952 aufgenommenen Fotos der amerikanischen Fotografin Katherine Young (1906–1993) von dem österreichischen Filmplakatemaler Paul Aigner geschaffen und zeigt den 81-jährigen Bundeskanzler dementsprechend um fünf Jahre verjüngt. Das Plakat, das Teil einer Serie ähnlich gestalteter Wahlplakate mit teilweise ebenfalls von Aigner geschaffenen Porträts anderer führender Unionspolitiker wurde, gilt als „eines der bedeutendsten politischen Plakate der deutschen Geschichte“.

Die Union erzielte bei der Bundestagswahl 50,2 Prozent der Stimmen und gewann damit 277 von 519 Sitzen, also rund 53 Prozent der Mandate im deutschen Bundestag. Die SPD erhielt lediglich 31,8 % der Stimmen. Es handelt sich um das bis heute höchste Wahlergebnis eines politischen Bündnisses bei einer Bundestagswahl und das einzige Mal, dass eine absolute Mehrheit im Deutschen Bundestag errungen wurde. Inwiefern das Adenauer-Plakat mit dem Slogan „Keine Experimente!“ Auswirkungen auf das Wahlergebnis hatte, ist nicht abschließend erforscht. Das Konzept der CDU-Wahlkampfstrategen war auf einen kurzen, intensiven Wahlkampf ausgerichtet; in zeitgenössischen Medien war von einer „Propagandalawine“ die Rede. Uwe Kitzinger, der den Bundestagswahlkampf 1957 untersucht hat, geht davon aus, dass die CDU/CSU „mindestens 10 Millionen Plakate“ im Land aufhängen ließ.

Weitere Verwendungen des Slogans mini|Plakat zur Reichstagswahl 1932

Bereits im Wahlkampf zur Reichstagswahl 1932 verwendete die Deutsche Zentrumspartei den Slogan Im Abgeordnetenhauswahlkampf Berlin 2011 verwendete Christopher Lauer, der Direktkandidat der Piratenpartei für den Wahlkreis Pankow 8, den Slogan ironisierend für seine Plakate Im Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt, 2021, verwendete die CDU den Slogan „Jetzt ist nicht die Zeit für politische Experimente. Deshalb beide Stimmen CDU!“ Robert Habeck verwendete den Slogan im Frühjahr 2024, um seine Energiepolitik zu verteidigen: „Ich sage mit Konrad Adenauer: Keine Experimente, Kurs halten.“Die Zeit Nr. 13, 21. März 2024, S. 18. Für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026 verwendete die SPD den Slogan „Erfahrung statt Experimente“

Einzelnachweise

Weblinks Plakat der CDU 1957: Keine Experimente Plakat der Piratenpartei 2011: Keine Experimente

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