miniatur|hochkant=1.5|Der literarische Salon von Madame Geoffrin (1755) Ein literarischer Salon war ein zumeist privater gesellschaftlicher Treffpunkt für Diskussionen, Lesungen oder musikalische Veranstaltungen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Neben literarischen und sonstigen künstlerischen Salons gab es auch politische (Spitzemberg, Treuberg) und wissenschaftliche (Helmholtz) Salons. Träger waren unter anderem einzelne Mäzene oder auch Vereine. Vor allem wohlhabende gebildete Frauen, oft adeliger Herkunft, betätigten sich als Gastgeberinnen und wurden in dieser Eigenschaft Salonnière genannt.

Geschichte Vorläufer der frühneuzeitlichen Salons können in den Musenhöfen des Mittelalters und der Renaissancezeit gesehen werden. Beispiele sind die Höfe der Eleonore von Aquitanien, des Kaisers Friedrich II. oder der Isabella d’Este. Die kleineren italienischen Höfe der Zeit des Renaissance-Humanismus förderten Literatur und bildende Kunst sowie das Gespräch darüber, etwa die Höfe der Gonzaga in Mantua, der Este in Ferrara, des Federico da Montefeltro in Urbino und der Medici in Florenz.Alison Cole: Renaissance von Mailand bis Neapel. Die Kunst an den Höfen Italiens. Köln 1996. Auch in den Machtzentren Europas wurden Kunst und Kultur in den Dienst von Politik und Herrschaftsausübung gestellt, etwa durch Kaiser Maximilian I. oder Franz I. von Frankreich.

Der französische Adel zog nach der Etablierung des Absolutismus im 17. Jahrhundert von seinen ländlichen Herrschaftsdomänen in den Bannkreis des Königshofs nach Paris und Versailles, wo sich nach den Verrohungen der Hugenottenkriege eine stilbildende Salonkultur als zivilisatorische Gegenbewegung entwickelte. Die schöngeistigen Zirkel verstanden sich als Ausdruck einer neuen Geselligkeitskultur, die bei aller Formvollendung lockerer blieb als das strenge Hofzeremoniell. Architektur, Mode und Dekoration betonten Eleganz, das Benehmen der höfischen Gesellschaft Höflichkeit. Die ab Ende der 1650er Jahre aufgekommene sogenannte Preziosität galt als höchster, teils übersteigerter Ausdruck kultureller Verfeinerung.Kersten Knipp: Die Erfindung der Eleganz. Europa im 17. Jahrhundert und die Kunst des geselligen Lebens, Reclam Verlag 2022, ISBN 978-3-15-011419-3

In Paris entstanden zahlreiche Adelspalais (Hôtels particuliers), deren Raumfolge (Enfilade) den Einladungen zahlreicher Gäste entgegenkam. So entstanden im mittelalterlichen Marais prunkvolle neue Palais, ebenso wie im barocken Faubourg Saint-Germain (siehe: Hôtel particulier in Paris). Das wohlhabende Bürgertum schloss sich dieser Lebensform bald an. Die „Salons“ waren gesellige Veranstaltungen, bei denen zumeist das Kartenspiel um Geld im Mittelpunkt stand; sie nahmen oft den regelmäßigen Charakter eines Jour fixe an. Auch König Ludwig XIV. selbst lud allabendlich zu sogenannten «appartements» ein, einem geselligen Beisammensein im Grand Appartement von Schloss Versailles, an dem die wichtigsten Familienmitglieder und ausgesuchte Würdenträger teilnehmen durften. Es wurde musiziert, getanzt sowie gegessen und getrunken, beliebt bei den Höflingen war das Kartenspiel um (teils riesige Summen) Geld; der König selbst spielte auch gern Billard (siehe: Lever).

Manche Gastgeber, die sich besonders für Musik, Literatur oder Philosophie interessierten, zogen Musiker, Schriftsteller oder Gelehrte heran, um ihren Gästen eine anspruchsvollere Unterhaltung zu bieten. So entwickelte sich der „literarische Salon“, ebenso wie die Kammermusik. Die noch intimere ruelle („Kämmerlein“) bot vor allem Frauen einen Raum des Austauschs. Diese kulturell ausgerichteten Salons dienten dem freien Ideenaustausch, ungeachtet der Schranken von Klasse und Geschlecht, und förderten die Aufklärung. Philosophen wie Voltaire und Diderot verkehrten in den Pariser Salons und bereiteten dort den Boden für die Französische Revolution.Meisterhaft dargestellt hat die französische Salonkultur Charles-Augustin Sainte-Beuve: Menschen des XVIII. Jahrhunderts. Übersetzt von Ida Overbeck, initiiert von Friedrich Nietzsche. Mit frisch entdeckten Aufzeichnungen von Ida Overbeck neu ediert von Andreas Urs Sommer. Die Andere Bibliothek, Berlin 2014, ISBN 978-3-8477-0355-6. Der durch sie bewirkte Bildersturm in der Zeit der Terrorherrschaft zerstörte dann zahlreiche Kunstwerke und Baudenkmäler. Doch in der bald folgenden Zeit des Directoire zeigte sich, dass die verfeinerte Kunstauffassung Frankreich nachhaltig geprägt hatte; Eleganz in Dekoration und Kleidermode sowie in den Umgangsformen, die von höfischer Etikette geprägt waren, erlebten mit dem napoleonischen Kaiserreich und dem Empirestil eine neue Blüte.

In Deutschland kam der literarische Salon ebenfalls im 18. Jahrhundert als Ort der Geselligkeit in Mode. Auch hier mischten sich Adel und Bildungsbürgertum. Der „Weimarer Musenhof“ ist ein besonders prominentes Beispiel für die Vermengung von adliger Hofgesellschaft mit bürgerlichen Schriftstellern und Künstlern. Aufgrund der herausragenden Werke der Weimarer Klassik wurde er seit Ende des 19. Jahrhunderts idealisiert. Berühmt wurden auch die Salons der Frühromantik, zum Beispiel der Jenaer Salon der Caroline Schelling und der Berliner Salon der Rahel Varnhagen. In der Zeit des Biedermeier waren sie Zeichen eines bürgerlichen Rückzugs ins Private. Diese Salons dienten oft der Förderung junger Talente in Literatur und Musik. Eine Art musikalisch-literarischer Salon waren die Treffen der Freunde um Franz Schubert im Wien der 1820er Jahre, die sogenannten „Schubertiaden“. Vor allem im 19. Jahrhundert bildeten sich unter Forschern und Gelehrten auch „wissenschaftliche Salons“, wie das physikalische Colloquium des Heinrich Gustav Magnus im Berliner Magnus-Haus. Auch Anna von Helmholtz führte einen Salon, in dem Gelehrte auf Künstler und Schriftsteller trafen. Die unterschiedlichen Salons im Paris des späten 19. Jahrhunderts, von exklusiven Adelssalons bis zu bourgeoisen Salons, ihre Pflege von Kunst und Musik sowie die Verhaltens- und Denkweisen ihrer Besucher beschreibt Marcel Proust sehr anschaulich in seiner Romanfolge Auf der Suche nach der verlorenen Zeit.

Nach dem Ersten Weltkrieg kamen die Salons aus der Mode oder gingen in einer mondänen Unterhaltungskultur auf. Relikte wie der jour fixe des Nicolaus Sombart bestanden aber bis ins 21. Jahrhundert. Auch führen private Kunstvereine die Tradition fort. Mit Formaten wie dem Kunstsalon Köln und dem internationalen SalonfestivalIdee und Ziel, auf salonfestival.de wird das Engagement durch Lesungen, musikalische Veranstaltungen und Diskussionen in den privaten Häusern der Städte wiederbelebt. Öffentliche Einrichtungen sind die zahlreichen Literaturhäuser und Kunstakademien, wie die Berliner Akademie der Künste.

Liste von Salons und Salonnières Dänisches Sprachgebiet Friederike Brun, Sophienholm bei Kopenhagen Kamma Rahbek, Bakkehuset in Frederiksberg Louise Hegermann-Lindencrone, Rolighed bei Kopenhagen Charlotte von Schimmelmann

Deutscher Sprachraum mini|Bettina von Arnim mini|Ludwig Doell: Julie von Bechtolsheim, 1817 mini|Henriette Herz, 1823 mini|Elise Hohenhausen Ruediger mini|Fanny Lewald mini|Sophie von La Roche mini|Marianne von Werefkin, Selbstbildnis 1910 mini|Fanny von Arnstein mini|Maria Theresia Paradis, 1784 mini|Madame de Scudery mini|Porträt der Madame de Staël als Corinne (von Marie Louise Elisabeth Vigée-Lebrun) mini|Madeleine Lemaire mini|Natalie Barney mini|Gertrude Stein mini|Isabella Teotochi Albrizzi mini|Awdotja Panajewa mini|Mrs. Reginald (Daisy) Fellowes (von John Singer Sargent)

Berlin Elisa von Ahlefeldt Edith Andreae Bettina von Arnim Gisela von Arnim Bertha von Arnswaldt Caroline Bardua Maria Beccadelli di Bologna Sophia Becker-Leber Amalie Beer Luise Begas-Parmentier Amalie Henriette Caroline von Beguelin Karoline Friederike von Berg Carl und Felicie Bernstein Marie von Bunsen Henriette von Crayen Johanna Dieffenbach Rebecka Dirichlet Viktoria von Dirksen Regina Frohberg Marie-Anne von Goldschmidt-Rothschild Sophie Leopoldine Wilhelmine von Grotthuis Anna von Helmholtz (Schwerpunkt: Wissenschaft) Doppelsalon (Schwerpunkte: Naturwissenschaft bei Marcus Herz und Kultur und Philosophie bei Henriette Herz) Elise von Hohenhausen Elise Rüdiger, Gäste u. a. Annette von Droste-Hülshoff Helene von Hülsen Caroline von Humboldt Amalie von Imhoff Hartmut Fischer Juliettes Literatursalon Marie von Kleist Gisela Kurkhaus-Müller Dorothea von Kurland Helene von Lebbin Sabine Lepsius Sara Levy Fanny Lewald Ekkehard Maaß Caroline de la Motte Fouqué Helene von Nostitz Hedwig von Olfers Marie von Olfers Maximiliane Gräfin von Oriola Henriette Paalzow Anna vom Rath Luise von Radziwill Marie von Radziwiłł Cornelie Richter Mathilde von Rohr Sophie Sander Marie von Schleinitz (die während ihrer dortigen Aufenthalte auch Salons in Sankt Petersburg und Paris betrieb; Schwerpunkt: Kunst und Musik) Emma Siegmund Emma Simon Jette Solmar Nicolaus Sombart Hildegard von Spitzemberg (politischer Salon) Elisabeth von Staegemann Hetta Gräfin Treuberg (politischer Salon) Rahel Varnhagen Ernestine von Wildenbruch (politischer Salon) Bern Julie Bondeli Bonn Johanna Kinkel (musikalischer Salon) Sibylle Mertens-Schaaffhausen (archäologisch-künstlerischer Salon) Dresden Christian Gottfried Körner (als Gäste Literaten und Maler wie Friedrich Schiller, Heinrich von Kleist und Dora Stock) Düsseldorf Sophie Hasenclever Konstanze Petersmann Ehrenbreitstein Sophie von La Roche Eisenach Julie von Bechtolsheim Genf Hélène de Gingins Graz Marie Leopoldine Pachler-Koschak Gut Emkendorf Friederike Juliane von Reventlow Hamburg Charlotte Sophie Bentinck Elisabeth Campe Charlotte Embden (Schwester Heinrich Heines) Elise Reimarus Jena Caroline Schelling Karlsruhe Josephine Scheffel Kiel Lotte Hegewisch Königsberg Caroline von Keyserling Johanna Motherby Leipzig Henriette von Crayen Lidy Steche Henriette Voigt Christiana Mariana von Ziegler Luzern Anna Maria Rüttimann-Meyer von Schauensee Lübeck Ida Boy-Ed Dorothea von Rodde-Schlözer Mannheim Helene Hecht Bertha Hirsch Meran Clara Schreiber München Elsa Bernstein und Max Bernstein Carry Brachvogel Hugo Bruckmann und Elsa Bruckmann Gaby Dos Santos (musikalisch-künstlerischer Jour fixe) Hertha Koenig Marianne von Werefkin Therese von Bayern (naturwissenschaftlicher Salon) Münster Amalie von Gallitzin (religiöser Salon; der Münstersche Kreis) Nordhausen Julie Johanne Caroline von Saalfeld (Schwester von Wilhelm Gesenius) (religiöser Salon, Gast war u. a. Johann Hinrich Wichern) Prag Sidonie Nádherná von Borutín Berta Fanta Rügen Charlotte von Kathen Stuttgart „Hartmann-Reinbecksches Haus“ a) von Johann Georg Hartmann b) von August von Hartmann (Sohn von a) c) von Emilie Reinbeck, geb. Hartmann (Gattin von d) d) von Georg von Reinbeck (Schwiegersohn von b) Emilie Vollmöller Weimar Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach Johanna Schopenhauer, Mutter von Arthur Schopenhauer und Adele Schopenhauer, Gast war u. a. Johann Wolfgang von Goethe Henriette von Schorn Caroline von Wolzogen Wien Fanny von Arnstein Eleonora Fugger von Babenhausen Rosa von Gerold Henriette von Pereira-Arnstein Gina Kaus Marie Lang Eleonore von Liechtenstein Lina Loos Alma Mahler-Werfel Anna Mahler Elisabeth von Matt (philosophisch-literarischer Salon) Wilhelmine Dorothee von der Marwitz Pauline von Metternich Maria Theresia Paradis (musikalischer Salon) Caroline Pichler Nannette Streicher (musikalischer Salon) Sophie von Todesco im monumentalen Palais Todesco Josephine von Wertheimstein Grete Wiesenthal Eugenie Schwarzwald Berta Zuckerkandl Zürich Barbara Schulthess Luxemburg Aline Mayrisch

Französischsprachiger Raum 17. Jahrhundert (siehe auch der Artikel Preziosität): Mme d’Aulnoy Anne-Thérèse de Marguenat de Courcelles Marion Delorme Marguerite Hessein de La Sablière Ninon de Lenclos