Hedwig Holtz-Sommer, geborene Hedwig Hermine Carla Johanna Sommer (* 22. August 1901 in Berlin; † 23. August 1970 in Wustrow), war eine deutsche Malerin. Sie wird der Gruppe Die verschollene Generation zugeordnet.
Leben Hedwig Sommer war die Tochter des in Deutsch-Wilmersdorf am Kronprinzendamm 5 wohnenden Baumeisters und späteren Ministerialrates Richard (Johannes Carl Wilhelm) Sommer (1868–1943) und dessen Ehefrau Lisbeth Emilie Wilhelmine Auguste, geb. Haackert (* 1876).Standesamt Berlin-Wilmersdorf, Geburtsregister, Nr. 597/1901. Abruf über ancestry.com.Standesamt Rostock, Eheregister, Nr. 603/1934. Durch beruflichen Wohnortwechsel des Vaters nach Gera absolvierte sie dort die Höhere Töchterschule. Von 1917 bis 1921 studierte sie an der Kunstgewerbeschule Kassel und machte gleichzeitig eine Ausbildung im Schneiderhandwerk. Danach arbeitete sie bis 1924 in Eßlingen als Modezeichnerin und bis 1927 in Gera als Selbstständige im Schneiderhandwerk. Von 1927 bis 1929 studierte sie Malerei an der Staatlichen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar bei Hugo Gugg, Fritz Feigler und Walther Klemm. 1930 folgte sie ihren Eltern nach Rostock.
Auf einem Ausflug nach Wustrow lernte sie den Maler Erich Theodor Holtz kennen, den sie im Jahre 1934 in dessen zweiter Ehe heiratete.Eintrag der Ehe im Kirchenbuch der Nikolaikirche Rostock vom 18. September 1934. Das Fischland – „auf der einen Seite die oft brausende tobende See, auf der anderen der oft tückische Bodden mit seinen böigen Winden und dazwischen ein schmaler Landstreifen, kaum einige Hundert Meter breit“ – wurde ihr zur Heimat.Erich Theodor Holtz: Das Fischland, Mecklenburgs Malerparadies. In: Landeszeitung, 1946.
In der Zeit des Nationalsozialismus war Hedwig Holtz-Sommer obligatorisch Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. 1935 beteiligte sie sich an einem Wettbewerb der Deutschen Gesellschaft für Goldschmiedekunst und der Bremer Kunstschau, in dem Frauen mit Schmuck dargestellt werden sollten. Dabei errang sie bei 724 eingereichten Gemälden mit dem „Bildnis Frau Marie von Rappard“ einen 2. Preis.Fritz Hellwag: Bildnisse von Frauen mit Schmuck. In: Die Kunst für alle. Band 51, Heft 3, 1935–1936, S. 74 (Uni Heidelberg).
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie Mitglied des Mecklenburgischen Künstlerkollektivs. Wie ihr Malerkollege und Mentor Hans Theo Richter gehörte sie zu jenen Künstlern, „… die in den folgenden Dezennien nicht nur den Kunstprozeß durch ihr Werk entscheidend mitbestimmen, sondern die auf die verschiedenste Weise beginnen, als Anreger für jüngere Kräfte wirksam zu werden.“Lothar Lang: Malerei und Grafik in der DDR. Leipzig 1978, S. 35. Ihre Motive fand HSH, wie sie später ihre Arbeiten signierte, in ihrer unmittelbaren Umgebung auf dem Fischland. So entstand in den 1950er und 1960er Jahren eine Serie kleinformatiger Aquarelle, die „Fischlandserie“, die vorzugsweise Wustrower Seeleute auf ihre Reisen mitnahmen.Kurverwaltung Ostseebad Wustrow (Hrsg.): kulturpfad – Ostseebad Wustrow, 1. Auflage 2008, Klatschmohn Verlag Druck+Werbung GmbH & Co. KG, Bentwisch.
Hedwig Holtz-Sommer starb an einem Krebsleiden. Sie ist neben ihrem Mann auf dem Fischlandfriedhof in Wustrow begraben. Ein beachtlicher Teil ihres grafischen Nachlasses befindet sich im Kunstmuseum Ahrenshoop.
Weitere Ehrungen 1941: Albrecht-Dürer-Preis der Stadt Nürnberg, verbunden mit einem StipendiumAlbrecht-Dürer-Haus im Portal artist-info 1961: Medaille für ausgezeichnete Leistungen 1965: Johannes-R.-Becher-Medaille
Werkbeispiele Bilder Wustrower Fischerhaus (1935, Aquarell 41,5 × 59 cm) Nächtliche Kneipe (undatiert, Holzschnitt auf Japanpapier 16,5 × 24 cm) Porträt Peter Erichson (1958, Öl, 57 × 45 cm) Junger Arbeiter (Öl; auf der Vierten Deutschen Kunstausstellung)Abbildung in der Deutschen Fotothek. Kinderbildnis (Öl; auf der Vierten Deutschen Kunstausstellung)Abbildung in der Deutschen Fotothek. Empfang sowjetischer Traktoren durch eine mecklenburgische MAS (Öl, 150 × 195 cm; auf der Dritten Deutschen Kunstausstellung)Abbildung in der Deutschen Fotothek.
Illustrationen
Wolfgang Rudolph, Käthe Miethe (Hrsg.): Stralsund. Die Stadt am Sund. Hinstorff Verlag, Rostock 1955 Gerta Anders: Die Halbinsel Darss und Zingst : ein Heimatbuch. Käthe Miethe (Hrsg.), Hinstorff, Rostock 1956, (Ill. von H. Holtz-Sommer und E. Th. Holtz) Ulla Küttner: Der Adler-Dirk. Hinstorff Verlag, Rostock 1958 Der goldene Vogel und andere Märchen der Brüder Grimm. Ein Märchenquartettspiel. Verlag Rudolf Forkel, Pössneck 1962
Ausstellungen (unvollständig) Einzelausstellungen 1967: Rostock, Kulturhistorisches Museum (Malerei und Grafik – mit einem Katalog von Johann Joachim Bernitt) 1995: Wustrow, Kunstscheune Barnstorf (mit Gerhard Marcks) 2001: Ahrenshoop, Kunstkaten (Gedächtnisausstellung; Bilder, Aquarelle, Zeichnungen, Grafik) 2002: Gera, Otto-Dix-Haus (Gedächtnisausstellung; Bilder, Aquarelle, Zeichnungen, Grafik) 2021: Wustrow, Fischlandhaus 2025: Kunstmuseum Ahrenshoop (Sonderausstellung; Gemälde, Aquarelle, Monotypien, Zeichnungen) 2026: Galerie im Kloster (Werke der Künstlerin aus der Kunstsammlung des Landkreis Vorpommern-Rügen und privaten Leihgaben) 2026: Rostock, Kunsthalle („Hedwig Holtz-Sommer – Auf das Menschliche kommt es an…“)
Ausstellungsbeteiligungen 1934: Berlin, Preußische Akademie der Künste (Herbstausstellung) 1935: Bremer Kunstschau („Bildnisse von Frauen mit Schmuck“) 1936: Berlin, Haus der Kunst („Bildnisse deutscher Männer“; Deutsche Gesellschaft für Goldschmiedekunst) 1944: Hamburg, Kunsthalle Hamburg („Ausstellung Danzig-westpreußischer, pommerscher und mecklenburgischer Künstler“) 1945: Schwerin, Landesmuseum („Jahresschau 1945 der Kunstschaffenden aus Mecklenburg-Vorpommern“) 1946, 1953 und 1958: Dresden, Allgemeine Deutsche Kunstausstellung und Dritte und Vierte Deutsche Kunstausstellung 1954: Rostock und Stralsund: Erste Kunstausstellung des Bezirkes Rostock 1956: München, Städtische Galerie im Lenbachhaus, und Berlin, Deutsche Akademie der Künste (Gesamtdeutsche Graphikausstellung „Ein Bekenntnis zum Leben“; mit drei Pinselzeichnungen zu Brechts Kaukasischem Kreidekreis) 1960: Berlin, Pavillon der Kunst („Frauenschaffen und Frauengestalten in der bildenden Kunst. 50 Jahre Internationaler Frauentag.“) 1969: Rostock, Bezirkskunstausstellung 1974: Dresden, Kupferstichkabinett („Zeichnungen in der Kunst der DDR“) 1975: Schwerin („Farbgrafik in der DDR“) 2021: Galerie des Kunstvereins zu Rostock („Vergessene Kunst – Kate Diehn-Bitt, Elisabeth Sittig, Hedwig Holtz-Sommer – Künstlerinnen der Verschollenen Generation aus der Sammlung der Universität Rostock“)Cathrin Frühauf: Vergessene Kunst : Kate Diehn-Bitt, Elisabeth Sittig, Hedwig Holtz-Sommer… Siehe Literatur.
Literatur
Holtz-Sommer, Hedwig. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010. ISBN 978-3-355-01761-9, S. 375. Hela Baudis (Hrsg.): Hedwig Holtz-Sommer. Berlin 1901–1970 Wustrow. In: Norddeutsche Zeichner aus vier Jahrhunderten. Friedr. Prieß, Schwerin 2009, S. 172–173. Ruth Negendanck: Hedwig Holtz-Sommer: Bilder, Aquarelle, Zeichnungen, Grafik. MCM ART Verlag Berlin, Berlin 2001, ISBN 3-9804945-6-X. Ruth Negendanck: Künstlerkolonie Ahrenshoop. Eine Landschaft für Künstler. Verlag Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 2001, ISBN 3-88132-294-9. S. 192–198. Friedrich Schulz: Holtz-Sommer, Hedwig. in: Ahrenshoop. Künstlerlexikon. Verlag Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 2001. ISBN 3-88132-292-2, S. 84.
Weblinks
Webseite über Hedwig Holtz-Sommer Bilder von Hedwig Holtz-Sommer im Portal artnet
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Deutschland) Kategorie:Maler der Moderne Kategorie:Verschollene Generation Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1901 Kategorie:Gestorben 1970 Kategorie:Frau