mini|Augustalis von Kaiser Friedrich II. Als Augustalis (deutsch ) wird eine Gattung von Goldmünzen Kaiser Friedrichs II. bezeichnet, die ab Dezember 1231 in Brindisi und Messina geprägt und ab Juni 1232 verteilt wurden. Sie wurden im Rahmen der Neuordnung des Königreichs Sizilien geprägt, insbesondere um den Fernhandel zu fördern und größere Handelsgeschäfte abzuwickeln. Durch Darstellungsweise Friedrichs mit Pallium und Lorbeerkranz und die Legende nehmen sie auf die Stellung Friedrichs als Römisch-deutscher Kaiser Bezug und hatten damit neben der praktischen eine propagandistische Bedeutung.
Aufgrund ihrer sorgfältigen und kunstfertigen Produktionsweise werden die Augustalen zu den schönsten Münzen des Mittelalters gezählt.So etwa bei Heinrich Kowalski: Die Augustalen Kaiser Friedrichs II. In: Schweizerische Numismatische Rundschau 55 (1976), S. 77–150, hier: S. 77. Olaf B. Rader: Friedrich der Zweite. Der Sizilianer auf dem Kaiserthron. München 2010, S. 141. Da es sich zudem um die ersten schweren Goldmünzen handelte, die im Abendland geprägt wurden, stellen sie einen Wendepunkt in der Münz- und Geldgeschichte dar.
Ursachen und Umstände der Augustalenprägung
Das sizilianische Münzwesen vor Prägung der Augustalen
mini|Multiplo di Tarí, Tankred von Lecce mini|Hyperpyron Manuels I. Sizilien stand seit der Spätantike erst unter byzantinischer (6.–9. Jahrhundert.) und seit der Mitte des 10. Jahrhunderts unter arabischer Herrschaft. Nach der vollständigen normannischen Eroberung Süditaliens im Jahr 1091 wurden Unteritalien und Sizilien 1130 schließlich durch Roger II., den Großvater Friedrichs II., zum Königreich Sizilien vereint.
Die Normannen knüpften an die Münztraditionen ihrer Vorgänger an und prägten von griechischen, byzantinischen und arabischen Motiven und Schriftzügen geprägte Münzen. Die Kupfer- (Follares) und Silbermünzen (Ducales) waren dabei vorwiegend byzantinisch beeinflusst, die Goldmünzen (Tari) lehnten sich an arabische Münzen an.Heinrich Kowalski: Die Augustalen Kaiser Friedrichs II. In: Schweizerische Numismatische Rundschau 55 (1976), S. 77–150, hier: S. 78f. Nachdem Sizilien durch die Heirat Konstanze von Siziliens, der Tochter Rogers II., mit dem Staufer Heinrich VI. im Jahr 1194 unter staufische Herrschaft gefallen war, wurden weiterhin Goldtari geprägt. Die Münzen hatten dabei ein sehr leichtes Gewicht von nur etwa 1 g und waren zunehmend von schlechterer Qualität und unförmigem Aussehen.Lucia Travaini: Augustale In: Federico II. Enciclopedia Fridericiana. Roma 2005, Band 1, S. 131–133. (online).
Die Neuordnung auf Sizilien
Nach seiner Kaiserkrönung am 22. November 1220 zog Friedrich mit einem kleinen Gefolge nach Süditalien, um eine Neuordnung im Königreich Sizilien vorzunehmen, in dem er einen großen Teil seiner Lebens- und Regierungszeit verbringen sollte. Die Reformen dienten dem „Ausbau eines straffen zentralistischen Herrschaftssystems im Königreich unter Zurückdrängung der feudalen Strukturen.“ Neben dem Aufbau eines Beamtenstaats und der Einschränkung der Rechte der lokalen Adligen, umfasste diese Reorganisation die Ausweitung des Handels und Geldverkehrs. Aufgrund seiner exponierten Lage im Zentrum des Mittelmeers hatte es in Süditalien seit der Antike keine Unterbrechung des Goldmünzenumlaufs gegeben, zudem verfügte Sizilien über weitreichende Handelsbeziehungen, vor allem mit Ländern hohen Goldvorkommens.Heinrich Kowalski: Die Augustalen Kaiser Friedrichs II. In: Schweizerische Numismatische Rundschau 55 (1976), S. 77–150, hier: S. 77. Durch ihren niedrigen Feingehalt und ihr oftmals unästhetisches und wenig vertrauenswürdiges Aussehen genügten die Goldtari nicht mehr den Anforderungen, weshalb begonnen wurde, die hochwertigeren Goldaugustalen zu prägen. Die Münzen sollten im Königreich Sizilien die minderwertigen Goldtari ergänzen und die im Mittelmeerraum und auch in Sizilien umlaufenden byzantinischen Hyperpyra und arabischen Dinare ersetzen, die vor allem im Fernhandel dominierten.Wolfgang Stürner: Friedrich II. Teil 2. Der Kaiser 1220–1250. 3., bibliographisch aktualisierte Auflage in einem Band, Darmstadt 2009, S. 250.
Verbreitungsgebiet und Gebrauch der Augustalen
Die Augustalen wurden ab Dezember 1231 in Messina und Brindisi vermutlich in hoher Anzahl produziert und ab Juni 1232 verteilt. So berichtet der Chronist Richard von San Germano für den Dezember 1231 über die Produktion der AugustalenRichardus de Sancto Germano: Ryccardi de Sancto Germano chronica, hrsg. v. Carlo Alberto Garufi, Bologna 1937–1938 (Rerum italicarum scriptores : Raccolta degli storici italiani dal cinquecento al millecinquecento 7,2), S. 176. Dort heißt es: „Nummi aurei qui augustalis vocantur, de mandato Imperatoris in utraque sycla Brundusii et Messane cundutur.“ sowie im folgenden Jahr über ihre Verteilung und ihren Gegenwert von ¼ Unze.Richardus de Sancto Germano: Ryccardi de Sancto Germano chronica, hrsg. v. Carlo Alberto Garufi, Bologna 1937–1938 (Rerum italicarum scriptores : Raccolta degli storici italiani dal cinquecento al millecinquecento 7,2), S. 181f: „Mense Iunii quidam Thomas de Pando ciuius Scalensis novam monetam auri, que Augustalis dicitur ad Sanctum Germanum detulit distribuendam per totam abbatiam et per Sanctum Germanum, ut ipsa moneta homines in emptionibus et venditionibus suis, iuxta valorem ei ab imperiali providentia constitutum, ut quidlibet nummus aureus recipiatur et expendatur pro quarta uncie, sub pena personarum et rerum in imperialibus litteris, quas idem Thomas dedulit, annotata.“ Die Augustalen wurden hauptsächlich im Sizilianischen Königreich, aber auch in Mittel- und Oberitalien benutzt. Die beiden wichtigsten Schatzfunde stammen aus Gela und Pisa und wurden um 1280 versteckt. Einzelne Münzen gelangten auch bis nach Süddeutschland und in die Kreuzfahrerstaaten. Außerdem wurden Exemplare an andere europäische Herrscher, wie etwa den König von England, verschickt.Wolfgang Stürner: Friedrich II. Teil 2. Der Kaiser 1220–1250. 3., bibliographisch aktualisierte Auflage in einem Band, Darmstadt 2009, S. 251. Die Goldtari wurden weiterhin geprägt und blieben im Umlauf.Eduard Winkelmann: Über die Goldprägungen Kaiser Friedrichs II. für das Königreich Sizilien und besonders über seine Augustalen. In: Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung 15 (1894), S. 401–440, hier: S. 421f.
Aufgrund ihres vergleichsweise hohen Wertes wurden die Augustalen vermutlich für die Abwicklung größerer Handelsgeschäfte benutzt und über den Tod Friedrichs im Jahr 1250 hinaus für einige Zeit weitergeprägt.
Technische Daten
Gewicht, Größe und Zusammensetzung
Das Gewicht der Augustalen beträgt zwischen 5,15 g und 5,35 g (Mittelwert: 5,258). Bei Einrechnung eines Zuschlags von 1 % für die Abnutzung kann so auf ein Sollgewicht von 5,311 g geschlossen werden.Heinrich Kowalski: Die Augustalen Kaiser Friedrichs II. In: Schweizerische Numismatische Rundschau 55 (1976), S. 77–150, hier: S. 94–96. Dies entsprach dem Gegenwert ¼ sizilianischer Goldunze.Lucia Travaini: Augustale In: Federico II. Enciclopedia Fridericiana. Roma 2005, Band 1, S. 131–133. (online).
Laut der staufischen Münzordnung sollten die Augustalen 20,5 Karat fein sein und als Legierungszusätze je drei Teile Silber und einen Teil Kupfer enthalten.So schreibt die Münzordnung von Messina und Brindisi vor: „Agustales auri, qui laborantur in predictic siclis, fiunt de caratis viginti et media, ita quod quelibet libra auri in pondere tenet de puro et fino auro uncias x. tarenos vii1/2; reliqua vero unica una et tareni viginti duo et medius sundt in quarta parte de ere et in tribus partibus de argento fino, sicut in tarenis.“ Eduard Winkelmann: Acta imperii inedita, saeculi XIII et XIV. Urkunden und Briefe zur Geschichte des Kaiserreichs und des Königreichs Sizilien, 2 Bde., Bd. 1: In den Jahren 1198 bis 1273, Innsbruck 1880, S. 766. Digitalisat Die Augustalen haben damit einen Feingoldgehalt von 85,5 %, was 4,54 g entspricht.Heinrich Kowalski: Die Augustalen Kaiser Friedrichs II. In: Schweizerische Numismatische Rundschau 55 (1976), S. 77–150, hier: S. 95f. Der Durchmesser der Augustalen beträgt zwischen 19 und 21 mm.Peter Berghaus: Augustalis. In: Lexikon des Mittelalters, Bd. 1, Sp. 1218–1219, hier: Sp. 1219.
Neben den Augustalen wurden Halbaugustalen geschlagen. Diese hatten das gleiche Bildprogramm wie die Augustalen, waren halb so schwer mit einem Durchmesser von 16 mm.Ausführlicher zu den Halbaugustalen bei Eduard Winkelmann: Über die Goldprägungen Kaiser Friedrichs II. für das Königreich Sizilien und besonders über seine Augustalen. In: Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung 15 (1894), S. 401–440, hier: S. 418f.
Legende und Abbildungen
Die Vorderseite zeigt das antikisierende, nach rechts gewandte, Porträt des Kaisers in der Profilansicht. Er trägt einen Lorbeerkranz mit frei flatternder Schleife sowie ein Pallium, das auf der rechten Seite mit einer Ringfibel gerafft ist. Auf den Augustalen wirft das Pallium sechs oder sieben, auf den Halbaugustalen fünf oder sechs Falten. Am rechten Oberarm ist eine Armspange oder die Borte eines Untergewands zu sehen, die je nach Exemplar mit vier bis zwölf Punkten geschmückt ist. Die umlaufende Inschrift der Vorderseite ist in einen Perlkreis eingefasst und lautet C(a)ESAR AVG(ustus) IMP(erator) ROM(anus), wobei das „E“ in Unziale dargestellt ist.
Auf der Rückseite der Augustalen ist ein nach halblinks gewandter Adler mit geöffneten Schwingen und einem nach rechts gewandten Kopf zu sehen. Er hat einen kräftigen Schnabel und heruntergezogene Mundwinkel. Die Umschrift ist ebenfalls in einen Perlkreis eingefasst und lautet FRIDE RICVS, hier nicht mit unzialem, sondern mit lateinischem „E“.Beschreibungen nach Winkelmann, Goldprägungen, S. 405, sowie Kowalski, Augustalen, S. 88. Eine kurze Beschreibung des Aussehens der Augustalen findet sich im Zusammenhang mit ihrer Verteilung im Juni 1232 bereits bei Richard von San Germano: „Figura Augustalise erat habens ab uno latere caput hominis cum media facie, et ab alio aquilam. “ Vgl. Richardus de Sancto Germano: Ryccardi de Sancto Germano chronica, hrsg. v. Carlo Alberto Garufi, Bologna 1937–1938 (Rerum italicarum scriptores : Raccolta degli storici italiani dal cinquecento al millecinquecento 7,2), S. 182.
Während Darstellungsweise und Umschrift auf allen Exemplaren gleich sind, können sich die einzelnen Exemplare im Detail unterscheiden. Dies kann sowohl die Abbildung Friedrichs als auch die des Adlers betreffen. So sind Variationen in der Darstellung von Haaren, Stirnband und Gesichtszügen Friedrichs ebenso vorhanden, wie Variationen in der Dicke des Adlerkörpers, Größe und Haltung des Adlerkopfs und der Flügel der Adler.Heinrich Kowalski: Die Augustalen Kaiser Friedrichs II. In: Schweizerische Numismatische Rundschau 55 (1976), S. 77–150, hier: S. 88.
Vorbilder und propagandistische Bedeutung
mini|Vorderseite eines Porträtdenars Karls des Großen, geprägt zw. 804 und 814. mini|Gold-Medaillon, das Konstantin gemeinsam mit Sol Invictus zeigt (313 n. Chr.). mini|Augustus-Cameo am Lotharkreuz. Links neben dem Profilbild ist ein römischer Adler zu sehen.